Hessen. Darmstadt. Das Großherzogl. Regierungsblatt Nr. 57 enthält:

I. Abänderungen der Arzneimitteltaxe für das Groß berzogthum Hessen und Zusätze zu derselben, welche vom 1. Januar 1867 an in Wirksamkeit treten.

11. Bekanntmachung Großh. Finanzministeriums vom 14. Dec., welche unter Bezugnahme auf die Bekannt- machungen vom 5. Januar 1864 und vom 17. Juni 1864, zur öffentlichen Kenntuiß bringt, daß die bisherige Beschränkung, wonach Handelsreisende, welche für mehr als ein Handels- oder Fabrikhaus Aufträge ausfübren, im Königreich Preußen die Steuerbefreiung auf Grund des Artikels 18 des Vertrags vom 18. Mai 1865, die Fortdauer des Zoll- und Handelsvereins betreffend, nicht zu genießen hatten, vom 1. Januar 1867 an wegfallen wird.

III. Dienstnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 1. Dec. der provisorischen Lehrerin Franziska Henrich aus Mainz die dritte Mädchen⸗ Schulstelle zu St. Ignaz-Stephan in Mainz,, der provisorischen Lehrerin Sophie Herke aus Mainz die fünfte Mädchen⸗Schulstelle zu St. Emmeran⸗Peter in Mainz und am 5. Dec. dem Schulamts-Aspiranten Espenscheid aus Horrweiler die evangel Schulstelle zu Liederbach zu übertragen.

IV. Concurrenz für: die evang. Schulstelle zu Liltzel⸗ bach mit einem Gehalt von 300 fl. und 4 Stecken Holz zur Heizung des Schullocals, sowie dem May'schen Legat; die evang. Schulstelle zu Landenau mit 300 fl. 30 kr., nebst 4 Stecken Buchenscheidholz zur Heizung des Schul⸗ locals(Präsentation des Herrn Grafen zu Erbach-Erbach); die bang. Schulstelle zu Bindsachsen mit 300 fl., nebst 20 fl. für Heizung des Schullocals(Präsentatioa des Herrn Fürsten zu Isenburg-⸗Birstein).

V. Gestorben: am 11. Nov. Lehrer Willenbücher zu Reichelsheim; 21. Schullehrer Landmesser zu Unden⸗ heim; 29. evang. Schullehrer Fischer zu Großen⸗Eichen.

DieHess. Ldsztg. schreibt:Einigen Ge richts-Accessisten, die sich um Ertheilung einer Advocatur beworben, ist der Bescheid geworden, daß man vorläufig nicht beabsichtige, in der Zahl der Advocaten eine weitere Vermehrung eintreten zu lassen. Es soll sogar die Absicht vorhanden sein, die Anzahl der Advocaturen allmälig wieder auf 50 zu reduciren.

General v. Wachter ist pensionirt und Oberst v Grolman an seiner Stelle zum General- major und Präsidenten des Kriegsministeriums ernannt worden.(Die Angabe der Hess. Ldsztg., daß der neu ernannte Kriegs minister s. Z. Er⸗ zieher des Prinzen Ludwig gewesen sei, bedarf der Berichtigung. Dieser Herr v. Grolman, früher Major des 2. Bat. 2. Inf. Reg., ist gegen. wärtig Oberstlieutenant und Commandeur des Scharfschützen⸗Corps.) a

Mainz. Die kürzlich mit aller Bestimmtheit verkündete Rückkehr der 32. Landwehrleute wird abermals widerrufen, jedoch hofft man auf bal⸗ diges Eintreffen der Entscheidung resp. Begnadigung.

ueber die Auslegung des Artikels 14 des hessisch-preußischen Friedens vertrags, welcher be⸗ sagt, daß der Großherzog von Hessen,mit seinen sämmtlichen nördlich des Mains liegenden Gebiets- theilen in den norddeutschen Bund tritt, ist zwischen den Regierungen von Preußen und Hessen eine Meinungsverschiedenheit zu Tage getreten. Die großherzogliche Regierung hat nämlich die Wahlen zum Reichstage auf die beiden diesseits des Mains liegenden Gemeinden Castel und Kost heim nicht ausgedehnt, in der Annahme, daß diese Orte als im Rayon der Festung Mainz liegend zu behandeln seien. Die preußische Re⸗ gierung dagegen betrachtet nach dem Wortlaute des erwähnten Art. 14 die beiden Gemeinden Castel und Kostheim als zum norddeutschen Bund gehörig und verlangt die Vornahme der Wahlen zum Reichstage.

Preußen. Die Verhandlungen wegen Ueber- lassung der Thurn und Taxis'schen Postverwaltung an Preußen gehen ihrem Ende entgegen. Es sind sämmtliche Verhältnisse, die in Betracht kom- men, geklärt und geordnet und überhaupt so weit gediehen, daß es sich nur noch um definitive Fest⸗ stellung der Abfindungssumme handelt. Dieselbe wird leicht zu finden und zu bestimmen sein, da Preußen die Verwaltung in letzter Zeit in Händen gehabt hat. Alle betheiligten Regierungen haben zu der Ueberlassung an Preußen bereits ihre Zu⸗ immung gegeben. Wir werden demnach in Deutschland in Zukunft nur noch in Bayern, Baden und Württemberg selbstständige Postver⸗ waltungen haben, während alle andern Theilt Deutschlands unter preußischer Verwaltung stehen

werden. Der betreffende Vertrag soll dem Land- tag noch in dieser Session vorgelegt werden.

Preußen beabsichtigt, bei der demnächst wieder zusammentretenden Karlsruher Posteonferenz folgende wichtigen Anträge zu stellen: 1) Einheit liche Briefmarken für das ganze deutsch-österrei chische Postgebiet; Centralisation des Postwesens; 2) Ermäßigung der Packetposttaxe; 3) die Aus- dehnung der Postanweisungen wie in Preußen (1 Sgr. bis 25 Thlr., 2 Sgr. bis 50 Thlr.) auf ganz Deutschland; 4) Reduction des Porto's auf Kreuzbandsendungen, als Preislisten, Avis- briefe, Cireulare ꝛc von 1 kr. auf ½ kr. und Beseitigung der Marken für dieselbe(in Frank reich ein Centime); 5) Ermäßigung der Brief taxe auf 1 beziehungsweise 2 Groschen.

Hannover. Eine Bekanntmachung des Gene

ralgouverneurs hebt alle hannöver'schen Hofämter auf. Die Instandhaltung der Schlösser über nimmt das Finanzdepartement. Die Mitglieder des Oberappellationsgerichts in Celle, Präsident v. Düring, Oberappellationsräthe v. Estorff, v. Lenthe und v. d. Wensen, welche als Mitglieder der Ritterschaft die Erklärung vom 7. November v. J. unterzeichneten, haben wegen dieser Bethei ligung eine ernstliche Verwarnung des Justiz ministers Grafen zur Lippe erhalten. Von einem Disciplinarverfahren, welches befürchtet wurde, ist Abstand genommen. Wiesbaden. Die Einquartierungscommis sion macht bekannt, daß die Quartiergeber ihre Zettel bereit halten sollen, um für die bis zum 7. October v. J. geleistete Verpflegung preußischer und verbündeter Truppen 30 kr. per Mann, für Verpflegung nach diesem Termin 22 kr. per Mann in Empfang zu nehmen. Für Einquartierung ohne Verpflegung wird keine Entschädigung ge leistet. Die Entscheidung über die von ihren Functionen enthobenen nassauischen Beamten soll von Berlin hier endlich eingetroffen sein; dieselben sollen sämmtlich und zwar bereits vom 1. Oct. an in den Pensionsstand versetzt worden sein. Der frühere nassauische General v. Zimiecke wird dem Vernehmen nach als General in die österrei⸗ chische Armee eintreten.

Frankfurt. Der frühere Senator v. Bernus hat in einem an den Frankfurter Senat gerichte⸗ ten Schreiben aus Stift Neuburg vom 10. Dez. seinen Austritt aus dieser Körperschaft, unter Verzichtleistung auf alle Competenzen, angemeldet und gleichzeitig um seine Entlassung aus dem Frankfurter Bürgerverbande nachgesucht.

Dem Vernehmen nach werden, unabhängig von einander, in mehreren hiesigen Kreisen Vor stellungen wegen Verwendung der bekannten, ur- sprünglich als Contribution erhobenen, circa sechs Millionen Gulden an die Behörden in Berlin vorbereitet.

Wie man vernimmt wurde von der königl. Polizei die Colportage von Zeitungen, Flug- blättern ꝛc. verhoten.

ImAmtsblatt wird die k. Ver⸗ ordnung vom 16. Dec. in Betreff der Einführung der Bankordnung vom 5. Oct. 1846 und des Ge⸗ setzes wegen Abänderung und Ergänzung einiger Bestimmungen derselben vom 7. Mai 1856 im Gebiete des vormaligen Königreichs Hannover, des Herzogthums Nassau und der freien Stadt Frankfurt, sowie die Bankordnung und das Gesetz selbst publizirt.

Am 28. Dec. hielten mehrere hiesige Bürger, welche Mitglieder der gesetzgebenden Bersammlung von 186566 gewesen sind, eine Berathung über unsere eommunalen Verhältnisse. Die Versammlung vereinigte sich zu einer Ein⸗ gabe an den k. Ministerpräsidenten Grafen Bis- marck. Es wird in derselben petitionirt: 1) um schleunigste Einführung der preußischen Städte⸗ ordnung mit Beibehaltung unseres Wahlgesetzes vom 22. Juni 1866; 2) um schleunigste Be⸗ rufung einer Bürgervertretung; 3) um baldigen Rückersatz der Kriegscontribution; 4) um Fest⸗ setzung des Communalvermögens nach den Be. stimmungen des Berliner Abkommens; 5) um bestimmte Verfügung darüber, daß die süddeutsche

Münzwährung bei uns so lange gelten soll, so

lange dieselbe in den übrigen süddeutschen Staaten N

Geltung hat.

Homburg. Im neuestenAmtsblatt wird den Gemeinden, sowie auch Wirthen und Privat personen das Halten derProvinzial-Correspondenz empfohlen, mit dem Beifügen, daß dieses Blatt eine Wochenschau der politischen Tagesereignisse gibt und darauf berechnet ist, im Volke das Ver⸗ ständniß der Intentionen der Staatsregierung auf dem Gebiete der innern wie der äußern Politik zu fördern.

Sachsen. Die Kriegskosten für Sachsen belaufen sich nach den Vorlagen an die Stände kammern auf 21,444,000 Thlr., also 8 Thlr. auf den Kopf der Bevölkerung!(Eingerechnet sind die 10 Millionen als Kriegscontribution des Friedensvertrags, die 1,290,000 Thlr. Kriegs- contribution(per Tag 10,000 Thlr. während des Kriegs), 2 Millionen für die Reorganisation der sächsischen Armee, 4 Millionen für ihre Unter- haltung im Kriege ꝛc.

Oesterreich. DieAmtszeitung veröffent- lich heute das Finanzgesetz pro 1867, worin die Gesammtaus gaben mit 433,896,000 Gulden, und die Gesammteinnahmen mit 407,297,000 Gulden aufgeführt sind. Die bestehenden außerordentlichen Steuerzuschläge werden wie im Vorfahr einge- hoben. Zur Bedeckung des Abgangs von 26,599,000 Gulden im Jahre 1867, sowie der aus dem Vor⸗ jahrsdienste noch zu bestreitenden Ausgaben von 51,034,000 Gulden sind jene 79,495,000 Gulden zu verwenden, die aus den Creditoperationen vom 5. und 25. Mai und 25. August 1866 noch ver- fügbar sind.

Schweiz. in Wallis hat den Beweis geliefert, daß con⸗ fessionelle Streitigkeiten in der Schweiz zu dem überwundenen Standpunkte gehören. Nachdem sich die Regierung in einem kurzen, etwas ge⸗ wundenen Schreiben ihrer Haut gewehrt, hat see auf eine ernste Replik des Bundesrathes die Segel gestrichen und entzieht den Jesuiten ihre Lehrpatente.

Italien. Obgleich die von Victor Emanuels

Regierung dem Papste gemachten Anerbietungen als so großmüthig angesehen wurden, daß ihre Annahme von Seiten Rons gesichert schien, hört man doch jetzt, daß der Papst sich wieder auf den alten Standpunktes geht nicht stelle. Der Papst wolle zwar Alles, was Italien biete, an⸗ nebmen, aber nichts von Dem, was es ale Ent gelt verlange, geben.

Frankreich. DerMoniteur gibt in sei⸗ nem Bülletin eine Liste von 30 Fahrzeugen, die schon in See gegangen sind, um die französischen Truppen aus Mexico zurückzuführen.

Auf der Dijon⸗Belfortbahn hat sich zwischen Besangon und Dijon ein entsetzliches Eisenbahn⸗ unglück durch den Zusammenstoß zweier Bahnzüge ereignet. Der Zusammenstoß war furchtbar, die beiden Locomotiven bäumten sich aneinander auf, und blieben aufrecht stehen. Die ersten Personen- wagen wurden in Trümmer zermalmt. Die Zahl der Todten wird auf 12, die der erheblich Ver⸗ wundeten auf 28 angegeben. 3 Badnbeamte sind getödtet, 5 schwer verwundet worden. Der Bahnbof⸗ Verwalter von Franois, welchen die Schuld des Zusammenstoßes treffen soll, da er trotz der vor⸗ schriftsmäßig eingelaufenen Benachrichtigung, daß ein Zug in entgegengesetzter Richtung berannahe, den andern Zug dennoch abgeben ließ, wurde verhaftet.

Demnächst erwartet man aus Nordamerita die erste Sendung für die allgemeine Industrie Ausstellung. Dieselbe nimmt den Raum von 300 Tonnen ein. Es befinden sich in derselben viele neue Maschinen und auch der Wagen, in welchem der bekannte amerikanische General Sher⸗ man seinen Feldzug durch Südamerika machte. Er soll in demselben einen Weg von 4160 Meilen zurückgelegt haben. ul aun

Großbritannien. Eine Depesche aus Log von vom 30. Dezember Abends meldet, daß der

Erpstallpalast zum großen Thell in Flammen stehe,

einzelne Abthellungen seien vollständig zerstört.

Der Verlauf des Jesuitenhandels

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