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1955

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Betreffend; Regultrung des Landpofdienstes bet den Postslellen zu Frledberg, Naubelm und Reschelsbelm.

Oeffentliche

Bekannt m a

Friedberg den 30. Januar 1867.

ch ung.

Nach einer Mittheilung Groß. Ober⸗Post-Amts in Darmstadt ist die nachstehende Einrichtung der Landbestelltour II. bei Großh.

13 Friedberg, welche von der in Nr. 11 des Intelligenzblattes bekannt gemachten abweicht, für zweckmäßiger erachtet worden.

Wir

ingen dies unter dem Anfügen zur offentlichen Kenntniß, daß diese Einrichtung mit dem 1. Februar 1. J. in das Leben tritt,

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp.

Postamt Friedberg. Botengang II.(wöchentlich 6 mal): Aus Friedberg Uhr Morgens, in Dorheim, Bauern- bim 10¾, Dorheimer Bergwerk 11½, Melbach 12½ Uhr Nachmittags, Södel, Wölfersheim, Schwalheimer Brunnen 5, Schwal⸗ seim, zursck in Friedberg 6 Uhr Nachmittags.

Hessen Darmstadt. Sitzung der zweiten Jammer vom 28. d.(Forts.) Berathung über die gechenschaftsablage für 186062. Der Posten Einnahme von Jagden gibt zu längerer Debatte Leranlassung, in welcher von Metz hervorgeboben bird, daß bei Vergebung von Jagden aus der Hand en Mißbrauch mit dem Namen des Großherzogs ge ttieben werde. Bei der Debatte betheiligte sich außer tem J. K. Hoffmann, Forstmeister Hoffmann, Kraft, Zentgraf, v. Löw, Zimmer und Wernher. der Antrag des Ausschusses, die Staatsregierung * ersuchen, ganz allgemein zu veranlassen, daß kmmtliche fiskalische Jagden nur in öffentlicher bersteigerung und auf nicht länger als sechs Jahre, höchstens auf 12 Jahre, verpachtet werden, rurde mit 30 gegen 14 Stimmen angenommen, sachdem ein Antrag Zentgraf's, die Beschluß sssung hierüber bis zur Berathung des Ein- zahmebüdgets auszusetzen, in der Minorität ge Lieben war. Die vorige zweite Kammer hatte 3. beschlossen, die Geldüberlassung an Roth- bild zu nur 1% Zinsen als nicht gerechtfertigt u betrachten. Der diesmalige Ausschuß beantragt u seiner Mehrheit, diesen Beschluß fallen zu ussen. Dem treten die Abg. Bamberger, Heß ind Metz entgegen, Wernher, Kraft u. A. sprechen fir den Antrag, welchem schließlich die Kammer leitrat. Die Kammer erklärte ferner die unter olgenden Rubriken gemachten Ausgaben für ge sechtfertigt: Pensionen, Bedürfnisse des großh. Hauses und Hofes, besondere Ausgaben für das Militär, endlich Ausgaben in Geschäftszweigen zes Ministeriums der Justiz.

Sitzung der zweiten Kammer vom 29. d. Nach einer Interpellation des Abg. Dernburg, vas die Regierung zur Ausdehnung des Tele- sraphennetzes gethan und zu thun gedenke, wird zie Berathung des Rechenschaftsbericht pro 1860 is 1862 fortgesetzt. Die von der früheren Tammer beanstandeten Posten: 1) Ueberzugskosten »es Hrn. v. Biegeleben von Berlin nach Frank urt(1000 fl.), 2) Reise des Grafen Görtz nach Petersburg, wegen Ableben der Großherzogin 1757 fl.) und 3) Kosten bei Gelegenheit der Zermählung des Prinzen Ludwig(8260 fl.) zaben Anlaß zu einer lebhaften Debatte. Bei der Abstimmung erhielten indeß sämmtliche Aus- jaben die Bewilligung der Mehrheit der Kammer. Dagegen hielt die Kammer, nach einer nicht un- nteressanten Debatte, die Beanstandung für Rosten der Ordenskanzlei, welche über den früheren Betrag von 12,030 fl. mit 2631 fl. weiter ver- nusgabt wurden, aufrecht. Am Schluß der Sitzung bringt Dumont noch einen Antrag auf Erbauung einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Kastel ein, worauf sich die Kammer auf un⸗ bestimmte Zeit vertagt, bis die Ausschüsse ihre Berichte und Anträge u. s. w. vollendet haben werden.

Auf die schon mehrfach angekündigte Broschüre des Bischofs v. Ketteler über die Deutsche Frage, welche sich noch im Drucke befindet, sollen die Bestellungen so massenhaft ein- gelaufen sein, daß die erste Auflage vor deren Erscheinen bereits vergriffen ist. v. Ketteler soll sich in dieser Schrift auf das Entschiedenste für den Anschluß an den norddeutschen Bund aus sprechen und sich hierdurch mit den übrigen Häuptern der ultramontanen Partei im Wider spruch befinden.

Friedberg, 31. Januar. Einer heute dahier zusammengetretenen Versammlung von hiesigen Mitgliedern des Comites für die bevor- stehende Parlamentswahl und von auswärts her

gekommenen Vertrauensmännern aus mehreren Orten des Wahlkreises Friedberg-Vilbel⸗Büdingen war Gelegenheit gegeben, den auf der Durchreise hier eingetroffenen Parlaments-Candidaten, Herrn Bergrath Buderus von Hirzen⸗ hain, persönlich kennen zu lernen, denselben sich über seine persönliche Stellung zu der vor liegenden Frage der Constituirung des nord deutschen Bundes u. s. w. aussprechen zu hören, und ein Bild von demselben zu gewinnen, welches den Wünschen und Erwartungen der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Anwesenden in Be zug auf unsern demnächstigen Vertreter in dem norddeutschen Parlament in jeder Hinsicht ent sprach. Zwar wurde nach Entfernung des Herrn Buderus von den anwesenden Butzbacher Herren die schon bei einer früheren Versammlung befür wortetete Candidatur des Herrn Kuhl lebhaft angeregt und mit großer Wärme hervorgehoben, konnte aber schließlich dadurch nicht verhindert werden, daß sämmtliche Stimmen, welche nicht nach Köpfen, sondern nach den vertretenen Orten gezählt wurden, mit Ausnahme der Butzbacher, welche sich dagegen, und noch eines Ortes, dessen Vertreter sich nicht entscheiden zu können erklärten, für die Wahl des Herrn Bergrath Buderus sich aussprachen. Es wird demnach bei der nächsten Sonntag den 3. Februar Nachmittags um zwei Uhr in Nieder Wöllstadt stattfindenden allgemeinen Versammlung von dem Friedberger Wahl-Comite, welches diese Versammlung auf mehrfachen Wunsch ausgeschrieben hat, Herr Bergrath Buderus zu Hirzen⸗ bain als Wahl⸗Candidat in Vorschlag gebracht werden, und wäre recht sehr zu wünschen, daß in einer so hochwichtigen Sache, wobeises sich nicht um einseitige Parteifragen, son⸗ dern um allgemeine vaterländische In- teressen handelt, eine Einigung erzielt und Herrn Bergrath Buderus, welcher als ein in jeder Beziehung würdiger Vertreter unseres Wahlkreises bei der heutigen engeren Versamm lung beinahe einstimmige Anerkennung gefunden, die Zustimmung aller, auch der vorgeschrittensten liberalen Parteischattirungen, zu Theil werden möge!

Gießen. Das hiesige Bezirksstrafgericht hat in der Verhandlung gegen J. Krauß von Butzbach wegen Majestätsbeleldigung auf 4 Wochen

Gefängniß und Verurtheilung in die Kosten erkannt. Es ist dies abermals eine Bestrafung

für eine in der Zeit größter Aufregung des vorigen Sommers geschehene Aeußerung, für welche, wenn auch dem Gesetze nach strafbar, in An⸗ betracht der damaligen Erregtheit und Gereiztheit der Gemüther nachsichtiges Vergessen und Ver geben zu wünschen sein möchte.

Preußen. Berlin. Als definitive Re gierungecandidaten Berlins für das norddeutsche Parlament sind aufgestellt, für den ersten Wahl

bezirk: v. Roon; für den zweiten: Graf Bis marck; für den dritten: General v. Moltke; für den vierten: General v. Falckenstein; für

den fünften: General Herwarth v. Bittenfeld, und für den sechsten: General v. Steinmetz.

DieWeser-Zeitung meldet bezüglich der Bundesangelegenheit:Als zuverlässig gilt, daß die nord deutschen Regierungen während der Session des Reichstages bei der preußischen Regierung vertreten sein werden. Die Verhand lungen mit dem Reichstage wird indessen Preußen allein zu leiteg haben.

Nach der officlösenNordd. Allg. Ztg. ist die Nachricht, Preußen habe von Oesterreich Aufklärungen über Truppenbewegungen in Galizien

erbeten, durchaus unbegründet.

Eine telegr. Depesche von Berlin meldet: Mit der großherzoglich hessischen Regierung hat Preußen keine militärische Separatconvention abgeschlossen.

Der Fürst v. Thurn und Taxis hat das Postrecht und das gesammte Inventar an Preußen für die Summe von 3,000,000 Thlr. abgetreten. Der Vertrag wurde dem Abgeordnetenhause vorgelegt.

Die Staatsregierung hat nach Einholung eines Gutachtens von vertrauenswürdigen Ein⸗ wohnern die Gemeindeverfassung Frankfurts ent- worfen, welche, einige auf die besonderen Frank- furter Verhältnisse berechnete Abweichungen ab gerechnet, nur eine Umarbeitung der Städte- ordnung vom 30. Mai 1853 ist. Die Er- öffnung des Parlaments ist definitiv auf den 24. Februar festgesetzt. Der Verfassungsentwurf berücksichtigt vielfach die Separatwünsche der einzelnen Regierungen. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in seiner Sitzung eine Eisenbahn⸗ Anleihe von 24 Millionen, dabei festsetzend, die Regierung dürfe die betreffenden Bahnen nur mit der Zustimmung des Landtages verpachten oder veräußern.

Vom Niederrhein wird gemeldet, daß nach Mittheilungen aus dem Holländischen die Rinderpest diesseits des Rheines keine Fortschritte

macht; sie soll dagegen auf der anderen Seite sich der preußischen Grenze nähern.

Kiel. Anlaßlich einer Verfügung des Ober⸗

präsidenten ist die Majorität der Stadtdeputirten wegen Nichttheilnahme an der Feier der Besitz⸗ ergreifung zu einer motivirten Erklärung inner⸗ halb acht Tagen aufgefordert worden. Aus Holstein wird über die Einverleibungs⸗ feierlichkeiten gemeldet, daß dieselben nach den jetzt aus allen Landestheilen vorliegenden Nach- richten durchweg einen bureaukratisch-militärischen Charakter gezeigt haben. Der plötzliche Rück⸗ tritt des General v. Manteuffel hat allgemein überrascht. Die Gründe, welche den Feldherrn hierzu bewogen, hüllen sich in Dunkel. Die Bevölkerung sucht die Motive theils in Mißhellig- keiten mit dem Regierungpräsidenten Scheel Plessen, theils in der Dotationsangelegenheit.

Frankfurt. Am 28. d. fand im Saale derHarmonie dahier die erste Wahlversammlung zum norddeutschen Parlamente statt. Ueber 300 Personen, meist dem Arbeiterstande angehörig, hatten sich eingefunden. Den Vorsitz führte das, dem jüngst niedergesetzten Agitations-Comite an⸗ gehörende Mitglied Herr W. Welker von hier. Derselbe wurde, nachdem er sich zu dem von der Generalversammlung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins in Erfurt nach den Prinzipien Ferd. Lasalle's aufgestellten Programm bekannt, von der Versammlung als Candidat für das Parlament mit allen gegen eine Stimme ausersehen. Wie man vernimmt, hat die Staats- anwaltschaft Appellation gegen das freisprechende Urtheil des Zuchtpolizeigerichts hinsichtlich der Tagebuch-Blätter ꝛc. jc. eingelegt.

Usingen. Der Usinger Anzeiger schreibt: Auf die von mehreren hies. Einwohnern unterm 18. d. M. gemachte Eingabe an die General- postdirection zu Frankfurt a. M. wegen Her stellung einer Personenpost zwischen Usingen und Nauheim ist Antwort erfolgt, wonach die erwünschte neue Einrichtung wabhrscheinlich schon an dem 1. März d. J. mit Anschluß an die Züge der Main-Weser-Bahn ins Leben tritt. Allerdings nur ein kleines Ereigniß, aber unter dem ehemaligen Erblandpostmeister des weiland deutschen Reichs dennoch eine Unmöglichkeit.