Ausgabe 
27.4.1855
 
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zerreiben laſſen, ſo muß man ſie in ſo viel warmem Waſſe!!

auflöſen, als nöthig iſt, um die Gartenerde, ehe man ſie mit dem Lehm ꝛc. vermiſcht, damit zu befeuchten. Von dieſer Miſchung werfe man auf die Kartoffel beim Pflanzen, und auf den Buſch beim Anhäufen, eine Hund voll; man lockere erſt die Erde um den Stengel, werfe eine Hand voll von dem Gemiſche darauf, lege dann alle Stengel flach, und bringe die umliegende Erde, welche tief gelockert ſein muß, darauf..

Die Kartoffeln müſſen im Laufe des September, wenn nur eben die Schale ſich nicht mehr ſchieben laßt, ausge⸗ nommen werden; beſonders im Herbſte vermehrt ſich das Inſect ſehr. Diejenigen, welche die Kartoffeln aufleſen, müſſen den Boden feſttreten, weil dadurch der größte Theil der Brut des Inſectes vernichtet wird. f

Die Kartoffeln müſſen auf der Tenne oder in der Sonne erſt ganz abgetrocknet ſein, bevor ſie in Keller oder in Gruben kommen; dadurch, beſonders beim Trocknen in der Sonne, wird die Brut vernichtet. Die Gruben müſſen durch einen Büſchel Stroh, welcher bis auf die Kartoffeln reicht, Luftabzug haben. Alles Kartoffelkraut und alle ſon ſtigen Stengel von Weißkohl ꝛc. muß man verbrennen, und beſonders dürfen dergleichen, ſo wie auch Kartoffelſchaalen nicht in den Dünger kommen.

Der Verf. bemerkt am Schluſſe dieſer intereſſanten Schrift, daß die größte Gefahr dadurch zu beſeitigen ſei, wenn jede Haushaltung Ruß und Aſche(Holzaſche) an einem trocknen Orte bis zum Frühjahr aufbewahrte. Das letztgenannte Hausmittel wird damit gemiſcht. Der Mehr⸗ betrag an Kartoffeln wird die Koſten der Anwendung dieſes Mittels zehnfach überſteigen, indem der Preis desſelben zum Gebrauch für 1 Scheffel Pflanzkartoffeln 10 Sgr. nicht überſteigen wird.

Der Juden Teich. (Fortſetzung.) Nach wenigen Augenblicken trat der Prediger in das Stübchen der Wittwe Hartwich. Ehrfurchtsvoll er⸗ hoben ſich die Frauen bei ſeinem Eintritte von ihren

Sitzen und begruͤßten den Geiſtlichen, der mit freund⸗ licher, herablaſſender Miene den ihm dargebotenen Ehren⸗ platz einnahm. Er ſei, ſagte er, bei dem kranken Kinde eines Nachbars geweſen, und da ihn ſein Weg zufällig vorbeigeſührt, ſo habe er die Gelegenheit nicht vor⸗ beigehen laſſen wollen, um ſein früheres Beichtkind, die liebe Anna und deren Mutter zu beſuchen. Dann erkun⸗ digte er ſich theilnehmend nach dem Geſundheitszuſtande der alten Wittwe und hörte mit Aufmerkſamkeit auf die Erzählung der alltäglichſten Dinge, wie ſie nur eben in dem beſchränkten Kreiſe dieſer Frauen vorkommen konnten. Nachdem ſich das Geſpräch längere Zeit um dieſe Alltäg lichkeiten gedreht hatte, warf endlich der Pfarrer, wie es ſchien, ohne Abſicht und nur ſcherzend, die Frage hin: ob denn ſein ehemaliges Beichtkind ihm nicht recht bald Ge⸗ legenheit zu einer kirchlichen Handlung geben werde? Er hoffe doch, ein ſo liebes, gutes Mädchen werde ja wohl Jemanden gefunden haben, der würdig ſei, ihr Gefährte auf dem kuͤnftigen Lebenswege zu ſein. Es gebe ja doch recht anſtändige und ſchmucke junge Leute in der Nachbar ſchaft. Bei dieſer Frage färbte eine dunkle Röthe die Wangen der Jungfrau und in ſichtbarer Beſchämung bückte ſie ſich tiefer über ihre Nätherei; die Mutter aber ant⸗ wortete, nach mehrfachem verlegenem Huſten:

Ei, Herr Pfarrer, wo denkt Ihr hin? das Mädchen darf mir an das Heirathen noch nicht denken. Das wäre eine ſchöne Sache, wenn ſo ein Guck in die Welt ſchon eine eigene Wirthſchaft führen wollte.

Nun, liebe Frau Haktwich, entgegnete ihr der Geiſtliche,da bin ich gerade nicht Eurer Meinung, Die Anna iſt ein gar nettes Mädchen und hat das Haushalten von Euch gewiß gelernt; warum ſollte ſie Euch nicht bald einen ſtattlichen Schwiegerſohn, der die Arbeit tüchtig ver⸗

ſteht, in's Haus führen? Mir iſt's als hätte ich neulich

auch ſchon dergleichen erzählen hören.

Eitel Verläümdung, ehrwürdiger Herr, eiferte die Wittwe dagegen zmeine Anna iſt viel-zu brav und ehrlich, als daß ſie hinter dem Rücken der Mutter ein heimliches Liebesverhälkniß anknüpfen, oder gar fuhren ſollte.

Ich habe es auch nicht geglaubt, antwortete ihr der Magiſter,odgleich man mir verſicherte, daß ein ge wiſſer junger Mann aus vornehmem Hauſe um Eure Anna herumſchleiche und ihr den Hof mache. Weiß ich doch zu gut, daß Ihr, als eine vernünftige Frau, es einſehen werdet, wohin nur ſolche Liebeständeleien führen können. Dieſe vornehmen Herrchen machen ſich ein gar großes Vergnügen daraus, eine gewöhnliche Bürgerstochter aufzuziehen.

Sprecht nicht alſo, Herr Pfarrer, unterbrach Anna den Redenden, indem ſie ſich mit jungfräulicher Entrüſtung erhob;wohl weiß ich, was mir ziemt und habe nicht da⸗ gegen gehandelt; glaubt aber, daß auch unter den Söhnen unſerer Vornehmen edle, treue Herzen zu finden ſind.

Es iſt durchaus nicht meine Abſicht, erwiderte ihr der Geiſliche voll Salbung,mit meinen Worten hier Jemanden beſonders bezeichnen zu wollen; ich ſprach im Allgemeinen, und werde gewiß der Letzte ſein, der den Stein auf ſeinen ſündigen Bruder wirft. Euch aber, Frau Hart⸗ wich, wollte ich nur darauf aufmerkſam machen, damit Ihr

der Stimme der Warnung Euer Ohr nicht verſchließen 2 1172 122 5 71

et. f f lum Gott, ehrwürdiger Herr, rief die Wittwe, während Anna in Thränen ausbrach,wie ſoll ich Eure Rede deuten? Was habt Ihr von meiner Tochter gehört?

Nun, wenn Ihr es zu wiſſen verlangt, ſo iſt es meine Pflicht und mein Amt, Euch davon in Kenntniß zu ſetzen, ſprach feierlich der Prieſter.Man erzählt ſich in der Stadt, daß Eure Tochter mit dem Sohne des reichen

Senators Wöhler ſeit längerer Zeit ein heimliches Liebes⸗ verhältniß unterhalte; naturlich, ſetzte er hinzu,in allen Züchten und Ehren; allein bedenkt, wozu das endlich führen muß. f a

Alſo es iſt das, eiferte voll Entrüſtung die alte

Frau,was in aller Leute Munde iſt? Wahrlich, die Freude gönn' ich ihnen. Weil meine Tochter ihren früheren Spielgenoſſen einmal, geſehen und mit ihm vielleicht einige Worte gewechſelt hat, ſoll ſie gleich, aller Zucht und Sitte bar, mit ihm ein Liebes verhältniß unterhalten? Nein, Herr Pfarrer, da kenn' ich meine Anna beſſer. Und wenn es wirklich ſo wäre, wenn ſich die jungen Leute gern hätten und ſich liebten in Ehr' und Zucht; ich wäre die Letzte nicht, die es mißbilligte. Iſt doch der Johannes ein braver guter Jüngling, der nicht ſtolz und hochmüthig auf ſeine Geburt und auf ſeines Vaters Reichthum iſt. 1 22

Frau, läſtert nicht, ſagte mit ſcheinheiliger Ent⸗ rüſtung der Geiſtliche,und unterſtützt nicht noch gar, was Ihr aus allen Kräften verhindern ſelltet. Meint Ihr viel⸗ leicht, der Senator würde es zugeben, daß Eure Tochter ſich in ſeine Sippſchaft dränge? Seid überzeugt, der Zorn und die Rache des mächtigen Mannes würde Euch gewal⸗ tiglich treffen. ö 1

Was kümmert uns der Zorn der Mächtigen, ent⸗ gegnete ihm die Wittwe des Baders mit feſter Stimme,

da wir uns keiner Sünde, keines Unrechtes zu zeihen wiſſen. Unſer Schickſal liegt in Gottes Hand und auf ihn wollen wir vertrauen. ö f

Schne rifener verübt! Geßberg ihm do Dabei und Arglo dann Querz und he auch allen und 4 gehöt iſt di Narre dieſen Eige dem ihm einen Auf der E es ga Manet

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