Ausgabe 
27.4.1855
 
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Ja, wohl es liegt darin, ſagte mit erhobener Stimme der Magiſter,allein wir ſollen auch deßhalb nicht üͤbermüthig werden. Meine geiſtliche Pflicht gebeut es mir, nochmals Euch zu warnen. Zwar ſollte Euer eigener Vortheil Euch ſchon antreiben, jede Verbindung mit dem Sohne des Senotors Eurer Tochter zu verbieten.

Wie verſteht Ihr das, Herr Pfarrer 2 fragte die alte Hartwich, ihn geſpannt anſehend.

Nun, ich ſollte meinen, war die Antwort,der reiche Vater würde es ſich ſchon ein artig Stück Geld koſten laſſen, wenn Ihr dem Liebesgetändel ein Ende machet und Eurer Tochter bald einen tüchtigen, fleißigen Arbeiter zum Mann erwähltet. i

Und Ihr, ein Geiſtlicher, mögt mir das ſagen? fragte bebend die Wittwe.Nein, nein, meine Ehre, die Ruhe meines Kindes iſt mir weder fur Geld feil, noch fürchte ich jede Drohung. Sagt das, wenn Ihr wollt, ſelbſt dem Senator; vermeldet ihm aber auch zugleich, daß es meiner Tochter nie in den Sinn kommen wird, ſich in ſeine Sippſchaft zu drängen.

Wohlan denn, ſprach ſich erhebend der Prediger, ſo mögt Ihr ſelbſt die Folgen tragen; ich habe gethan, was meines Amtes war und waſche meine Hände in Un ſchuld. Gehabt Euch wohl! Nach dieſen Worten verließ der Pfarrer, wie es ſchien, gekränkt durch die Antworten der Wittwe, das Zimmer und ließ die beiden Frauen in einer Aufregung und Beſtürzung zurück, die ſich bei der alten Hartwich bald in heftigen Ausdrücken Luft machte und Anna in Thränen verſetzte.

Neben demRozehoffe befand ſich eine dunkle, enge Gaſſe, der Schmerjohannshof genannt. Hier wohnte der Schneider Hencke, ein in der ganzen Stadt Hannover ver⸗ rufener Menſch. Wenn irgend ein loſer, ſchlechter Streich verübt worden, ſo war Hencke ſicherlich dabei geweſen. Sein Gewerbe trieb er ſchon ſeit längerer Zeit nicht mehr, da ihm das Umhertreiben und Müſſiggehen viel beſſer gefiel. Dabei war er gewandt und aalglatt in ſeinem Betragen und wußte ſich in das Vertrauen der Gutmüthigen und Argloſen nach und nach einzuſchleichen und dieſes Vertrauen dann trefflich auszubeuten. Auf ſeinen vielen Kreuz- und Querzügen war er durch vieler Herren Länder gekommen und hatte ein gutes Stück Welt kennen gelernt; war aber auch dadurch zu der Ueberzeugung gelangt, daß es vor allen Dingen nöoͤthig ſei, jede Sache mit Klugheit anzufaſſen und ſich nicht zu übereilen.Dem Klugen, d. h. Pfiffigen gehört die Welt, pflegte er oft zu ſagen,denn Klugheit iſt die Zauberruthe und der Scepter, mit welchen man die Narren zu regieren und ihre Schätze zu heben weiß. Und dieſem Ausſpruche gemäß war Pfiffigkeit ſeine vorzüglichſte Eigenſchaft. Sein Weib, eine Verwandte des Büttels auf dem Freihofe, war eine ihm gleichgeſinnte Seele und ſtand ihm treulich mit Rath und That zur Seite, wenn es galt, einen geſchickten und vortheilhaften Streich auszuführen. Auf dieſes würdige Paar, deſſen Ehe kinderlos war, hatten der Senator und der Pfarrer ihre Augen geworfen und es ganz geeignet gefunden zur Ausführung eines jeden Planes.

Schon nach wenigen Tagen erfuhr Johannes Wöhler die von dem Pfarrer Garberus geſchehenen Schritte. Zwar hatte Anna gegen ihn ein ängſtliches Schweigen beobachtet und ſich auch nicht die leiſeſte Andeutung über den ihnen gewordenen Beſuch entſchlüpfen laſſen; allein die Mutter hatte denn doch einige gute Freundinnen, denen ſie heim⸗ lich das Begegniß mit dem Geiſtlichen vertraut hatte, und die vielzüngige Fama, die eben ſo gut in Hannover, wie in anderen Städten geſchäftig war, ſorgte fuͤr die gehörige Verbreitung des Geſchehenen. Anfangs wollte Johannes nicht an das Gehörte glauben und hielt es nur für Wei⸗ bergeklatſche; als er aber Anna um den Grund des Ge⸗ rüchtes fragte und ſie ihm, nach längerem Zögern und unter Thränen, die Wahrheit deſſelben eingeſtand, da beſchloß er, die Sache mit Einem Schlage zu Ende zu führen.

(Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Woher der Name Zuaven, jener franzöſiſchen Sol daten, die immer nur mit Ruhm genannt werden? Sie beſtehen bereits ſeit 1831 und zwar in Algier, wo ſie eigentlich Zuana heißen. Zuana aber iſt ein Kabylen⸗Stamm oder vielmehr ein Bund von Kabylenſtämmen, die in den Schlünden des Jurjura wohnen, ſtolze, muthige, fleißige Menſchen, die von den Türken nie unterworfen, in Algier aber ſehr bekannt waren, wohin ſie alle Erzeugniſſe zum Verkaufe brachten. Sie hatten bisweilen auch Kriegsdienſte bei den Barbareskenfürſten genommen und immer für die beſten Truppen derſelben gegolten. Als nun die Franzoſen zuerſt zwei Bataillone aus Eingebornen errichteten, gaben ſie denſelben nach jener Miliz den Namen Zuana oder Zuaven, obgleich Männer aus allen Volksſtämmen da⸗ runter ſich befanden, ja auch ſehr vieleSohne von Paris.

Bericht über die im 1. Quartal 1855 in der Stadt Friedberg abgehaltenen Frucht⸗Märkte.

Waizen: aufgefahren 19,141 Malter, verkauft 16,903 Malter; Korn: aufg. 2566 M., verk. 1689 ½ M.; Gerſte: aufg. 3559 M., verk. 2851 ½ M.; Hafer: aufgef. 1856 ½ M., verk. 1613 M.; Vorſchußmehl: aufg. 614½ M., verk. 479 M.; Waizenmehl: aufg. 222 M., verk. 222 M.; Roggenmehl: aufg. 57 M., verk. 54½ M.; Erbſen: aufg. 184¼ M., verk. 99½ M.; Linſen: aufg. 3 M., verk. 3 M.; Wicken: aufg. 30 M., verk. 28 M.; Bohnen: aufg. 17½ M., verk. 15½ M.; Kartoffeln: aufg. 268 M., verk. 179 Malter.

Der Kapitalwerth der hiernach verkauften Früchte beträgt im Ganzen 347,910 fl. 21 kr.

Friedberg im April 1855.

Der ſtädtiſche Marktmeiſter J. Stein häußer.

Bürgerhülfe für den Odenwald.

Nachdem ich noch von D. G. S. 2 fl. mit herzlichem Danke heute empfangen hatte und damit die nachträglich eingegangenen Gaben auf 29 fl. 3 kr. gekommen waren, iſt dieſe Summe unter der Adreſſe des Herrn Caplan Anthes für das Kirchſpiel Erbach abgeſendet worden.

Friedberg, den 22. April 1855. Dr. Matthias.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.

Die Fohlenweide im Vogelsberge 1576] wird auch im Sommer 1855, wie in früheren Jahren, wieder fortgeſetzt werden. Die

Fohlen find am 1. Juni am Petersheimer⸗ hof abzuliefern und die Hälfte des Weidgeldes

= 9 resp. 12 fl. zu erlegen. müſſen bis zum 15. Mal erfolgen. ren Bedingungen wolle man in der landwirth⸗ lichen Zeitſchrift nachleſen. Schotten am 24. April 1855. Großherzogliches Rentamt Schotten Prätorſus.

Bekanntmachung. [577] Die im Moxſtädter Markwald, Diſtrikt Au, am 11. und 12. d. M. abgebaltenen Holz⸗ verſteigerungen ſind genehmigt u. iſt der erſte Fahr⸗ tag auf Montag den 30. April feſtgeſetzt worden. Obermoxſtadt am 23. April 1855. Großherzogliche Bürgermeiſtexei Obermorſtadt Mickel, Markmeiſter.

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