Ausgabe 
27.4.1855
 
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** K.

Friedberger Intelligenzblatt.

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N 33.

Freitag, den 27. April.

1855.

Amtlicher Theil. Steckbriefe Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.

Eliſabetha Bräuning von Flenſungen, Kreis Grünberg. Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Alter

14 Jahre; Größe: 4 Fuß; Haare: blond.

Heinrich und Johannes Kappes von Göbelnrod, Kreis Grünberg. Heimliche Entfernung aus ihrer W 9

Heimath. Alter: 12 Jahre und 11 Jahre.

Georg Wilhelm Pflug, Ackersmann von Nordenſtadt, Herzoglich Naſſ. Amts Hochheim, hat ſich- am 18. d. Mts. der wider ihn wegen Wechſelfälſchung eingeleiteten Unterſuchung durch die Flucht entzogen. Alter: 38 Jahre; Größe: 5 8%; Statur: etwas korpulent; Geſicht: länglich, blaß, eingefallen; Haare: dunkelbraun; Augenbraunen: braun; Augen: grau; Naſe: breit und groß; Mund: groß; Zähne: geſund; Kinn: rund; Bart: braun. Beſonderes

Kennzeichen: eine Narbe am Zeigefinger der linken Hand.

Kleidung: blauer Kittel.

Die Kartoffel-Krankheit, ihre Urſachen und die Mittel dagegen. (Schluß.)

Iv. Durch zweijährige Erfahrungen erprobte Vorſchriften zur Gewinnung eines doppelten Ertrages der nächſten Kartoffelernte.

Mit einem Schlage kann kein Vernünftiger die Ver⸗ tilgung dieſer gefährlichen Landplage erwarten. Nur in dem Falle, daß nachſtehende Vorſchriften nicht aus dem Verbande geriſſen, ſondern im Zuſammenhange genau be folgt werden, iſt im nächſten Jahre ſchon ein doppelter Kartoffelertrag zu erzielen. Die folgenden Jahre werden dieſe Landplage mit der Zeit unſchädlich machen.

a) Wahl des Bodens zum Kartoffelbau. Neu cultivirter oder brach gelegener Boden iſt der beſte; man vermeide vor Allem, den Boden zu Kartoffeln zu neh men, welcher das Jahr vorher Kartoffeln, gelbe oder weiße Rüben, oder Bohnen getragen hat.

b) Dünger. Man muß den Dünger erſt in Haufen ſetzen, und darf zu keiner Frucht, beſonders aber nicht zu Kartoffeln, Dünger nehmen, welcher nicht erſt gebrannt hat.

e) Behandlung des Bodens. Im Monat März, ſo früh wie es eben thunlich iſt, lege man den Boden ſo tief, wie ex es nur eben leiden kann, um, und laſſe ihn, ohne ihn zu eggen, liegen. Dieſes hat dreifache Vortheile: Erſtens kommt das in der Erde liegende Inſect auf die Oberfläche und wird durch die Nachtfröſte vernichtet. Zwei⸗ tens wird dem Boden durch's frühe Umbrechen der müſſige Character benommen und die Kartoffeln werden wohl⸗ ſchmeckender. Drittens wird dadurch die Röhrenbildung des Inſectes zerſtört, was eine Hauptſache iſt. Man hüte ſich jedoch, den Boden zu ſehr zu lockern, weil dann das Inſect wieder gut fertig werden kann. Vor dem Pflanzen der Kartoffeln wird der Boden rein gemacht, der Dünger wird aufgeſtreut, und erſt nach zwei Tagen untergepflügt. Die Kartoffeln müſſen gleich in den friſchen Boden gepflanzt werden, ohne ihn vorher oder nachher zu eggen. Anhäufen muß man die Kartoffeln, wenn ſie/ Fuß hoch ſindz die Erde muß tief gelockert und dann hoch angehäuft werden.

d) Wahl und Behandlung der Kartoffeln vor dem Pflanzen. Man darf zum Pflanzen nur ſtarke Kartoffeln nehmen, die zarteren leiden zu viel. Man ſchneide die Kartoffeln nicht durch, weil die durchgeſchnittene Seite leichter vom Inſect angefreſſen wird. Eine Hauptſache iſt es, zum Pflanzen auf trockenem Boden Kartoffeln zu nehmen, welche auf feuchtem Boden gewachſen ſind, und umgekehrt zum Pflanzen auf feuchtem Boden Kartoffeln zu nehmen, welche auf trockenem Boden gewachſen ſind. Ein Wechſeln mit Früchten iſt überhaupt gut, und die Brut des Inſects kann den Bodenwechſel nicht vertragen. Die Kartoffeln lege man 4 bis 5 Wochen vor dem Pflanzen an einen trockenen, warmen Ort; je mehr ſie angetrocknet ſind, deſto weniger leiden ſie, und treiben dann ſchneller.(Dieſe Erfahrung haben gewiß ſchon Viele gemacht.)

e) Das Pflanzen der Kartoffeln ſelbſt. Die Kartoffeln muͤſſen zwiſchen der Mitte und Ende April gepflanzt werden; die Stengel werden dann kräftiger, ehe das Inſect ſich ſo weit entwickelt hat, daß es dieſelben angreift. Die Kartoffeln müſſen auf trockenem Boden mindeſtens 1 Fuß von einander und 5 Zoll tief, auf feuchtem und fettem Bo den Fuß von einander und 4 Zoll tief gepflanzt werden. Man hüte ſich, die Kartoffeln beim Regen zu pflanzen, be ſchütze ſie überhaupt vor Näſſe; ſind ſie naß geworden, ſo müſſen ſie erſt wieder getrocknet werden.

) Mittel zum Schutze der Kartoffelpflanze gegen das Inſect, welches beim Pflanzen der Kartoffel anzuwenden. Auf 1 Berliner Scheffel Pflanz⸗ kartoffeln nehme man 1 Berliner Scheffel angetrockneten Lehm; ferner für ſchweren und feuchten Boden /, und für leichten trockenen Boden ½ ungelöſchten Puderkalk, bringe dieß auf einen Haufen Reiſig, welcher oben etwas dicht gelegt iſt, ſo daß der Lehm und Kalk nicht gleich durch⸗ fällt, und zünde den Reiſig an; wenn er ganz abgebrannt iſt, ſtreue man ½% Pfund Pottaſche, welche man in einer Flaſche oder in einem verſchloſſenen Gefäße aufbewahrt hat, und welche vorher fein gerieben iſt, darauf; ſtoße dann den Lehm, Kalk, Aſche und Pottaſche ganz fein zu Pulver, und miſche 1 Berliner Scheffel gute Gartenerde hinzu. Sollte die Pottaſche Feuchtigkeit angezogen haben und ſich nicht