Ausgabe 
23.3.1855
 
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Regierungsblatt⸗ Auszüge.

Nr. 8 vom 22. Februar: 1. Ueberſicht der 854 durch die Großherzogliche Gendarmerie geſchehenenen Arreſtationen und Denunciationen: J. Arreſtationen: inländiſche Deſerteure 4, aus- ländiſche 9, inländiſche Refractare 1, Brandſtifter 3, Straßenräuber 9, des Mords Beſchuldigte 3, der Braudſtiftung 20, des Straßenraubs 4, der Falſchmünzerei 2, des Diebſtabls 109, des Meineids 9, Betrüger 35, Paßverfälſcher 12, wegen Diebſtahls 585, Wilddieberei 5, Meineids 8, Mitwiſſens an einem Verbrechen 3, Fälſchung 22, Mißhandlung 13, Un⸗ geborſams 444, Widerſetzlichkeit 19, Exceſſen 42, Straßen- und ſonſtiger Polizeivergehen 134, Mangels an Patenten 2, an Transportſcheinen und ſonſtiger Defraudationen 86, wegen verbotswidrigen Handels 10, Man- gels an Legitimation 724, an Subſiſtenzmitteln 85, wegen verbotener Wanderſchaft ins Ausland 9, Verwundung 39, Nothzucht 8, unerlaubten Aufenthalts 133, Betteln 1334, Beleidigung 24, Entweichens aus Ar⸗ reſt 15, nächtlichen Einſteigens 7, Geiſtesſchwäche 4, Strafverbüßung 542, unſittlichen Zuſammenlebens 79, unſchicklichen Betragens und Trunken⸗ heit 12, Quackſolberei 3, Pfandveräußerung 11, Umgehung der Stem⸗ pelabgaben 8, Entfernung ohne Urlaub aus der Heimath 25, zweckloſen Umherziehens 1031, ſonſtiger Vergehen auf Requſſikion der Behörden 1011, unzahlfähige Forſtfrevler 489, Jagd- 13, Forſt⸗ 157, Feldfrevler 211, Vagabunden 116, wegen Erpreſſung 2, Ausſetzung eines Kindes 1, Unterſchlagung 1, Summe 7958. 2. Denunciationen: wegen Umgebung der Trankſteuer und Zapfgebühren 42, Salzregie 2, des Chauſſeegeldes 874, der Jagdwaffenpäſſe-Abgaben 72, der Stempelab⸗ gaben 915, des Poſtregals 12, der Abgaben von Hunden 175, des ſtädti⸗ ſchen Octrois 2, Jagdfrevler 63, Forſt⸗ 152, Feld. 34, wegen Jagd⸗ polizeivergeben 80, Forſt- 19, Feld- 78, Straßen- 1480, Feuer- 2026, Sitten 57, ſonſtiger Polizeivergehen 8334, verbotswidrigen Handels 194, Mangels an Transportſcheinen 14, Verwundung 2, Exceſſen 10, Entwendung 66, Beleidigung gegen Behörden 5, verbotener Wanderſchaft ins Ausland 64, unerlaubten Aufenthalts 9, unerlaubten Beherbergens 49 1, verſäumter u. vernachläſſigter Nachtwache 264, Verbreitung verbotener Lotterielooſe 14, Quackſalberei 31, Führung falſchen Maßes und Gewichts 428, Hauſtrens mit Gift 1, unerlaubter Beförderung von Auswanderern 21, Zinswucher 1, Verweigerung des Viſa's im Patrouillenbuch 1, ver- botenen Ankaufs von Früchten 44, Verbreitung falſchen Geldes 1, Summe 16,118, dazu die Verhaftungen mit 7958, Hauptſumme 24,076, Arreſtationen und Denunctationen. II. Bekanntmachung Gr. Kreis- amts Darmſtadt vom 6. Febr., die Aufſtellung der Geſchwornen-Liſte in der Provinz Starkenburg für 1856 betr. III. Umlagen zur Be⸗ ſtreitung von Communalbedürfniſſen in den Gemeinden des Kr. Büdingen für 1855. IV. Desgleichen im Kreiſe Offenbach. V. Desgleichen im Kr. Bingen. VI. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Gemaßheit der Artikels 30 des Strafgeſetzbuches bekannt zu machender Straferkennt⸗ niſſe der Gerichte der Provinz Oberheſſen. VII. Abweſenheits erklärung der Brüder Jacob und Dieter Schwamb, zuletzt ohne beſonderes Gewerbe in Schornsheim wohnhaft, durch Urtheil Großh. Bezirksgerichts Mainz vom 27. Januar 1855. VIII. Namensver⸗ änderung. Am 1. Febr. wurde dem Karl Joſeph Kleeſpieß aus Urberach, dermalen zu Bingen, geſtattet, ſtatt ſeines bisherigen künftig den FamiliennamenHalm zu führen. IX. Dienſtentlaſſung. Am 2. Febr. der Diſtrictseinnehmer der Diſtrictseinnehmerei Richen Grüne wald zu Umſtadt. X. Verſetzung in den Ruheſtand: am 3. Febr. Steuercommiſſär Jäger zu Alsfeld bis zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit. XI. Concurrenz für: die 1. evang. Pfarrſtelle zu Alsfeld mit einem Gehalte von 1658 fl.; die 2. evang. Pfarrſtelle zu Echzell mit 798 fl. 35 kr.; die Stelle eines Steuercommiſſärs zu Alsfeld(binnen 14 Tagen bei Gr. Oberſteuerdirection).

Nr. 9 vom 23. Februar: 1. Verordnung, die Aus hebung der für den Kriegsgebrauch nöthigen Pferde betr. II. Geſtorben find: am 17. Juli 1854 Rentamtsdiener Heß zu Friedberg; 16. Dee. evang. Pfarrer Römheld zu Dautphe; 18. Jan. penſ. Schullehrer Schopp zu Wonsheim; 26. penſ. Kreiswundarzt Hartung zu Keſſel⸗ bach; 29. Militärpenſionär Hofmann zu Wöllſtein; 31. venſ. Rechnungsreviſor Marcus zu Darmſtadt; 7. Febr. evang. Pfarrer Grimm zu Schwanheim.

Der Juden Teich. Hiſtoriſche Novelle von Fr. Brinckmann.

Der Theil der Stadt Haunover, welcher die jetzige große und kleine Packhofsſtraße umfaßt, wurde noch bis vor einigen Jahren der große und kleine Wulfeshorn genannt. In alten Chroniken finden wir den NamenWlueshorn verzeichnet. Das WortHorn oderHornan bezeich nete entweder eine Höhe(Summitatem) oder einen Winkel (Angulum) und wurde in früheren Zeiten vielen Oertern angehängt.

Im kleinen Wulfeshorn befand ſich dieHengerie/ oder, wie es in einer Urkunde des Grafen Heinrich von Roden, vom Jahre 1274 hieß,dat Hues de Bödelie. Hier wohnte der Scharfrichter der Stadt Hannover mit ſeinen Knechten; die Richtſtätte ſelbſt aber befand ſich nahe an dem Thore. Neben der Wohnung des Henkers war derRozehoff der jetzigeRoöſehof der den kleinen Wulfeshorn mit dem großen verband. beginnt unſere Erzählung.

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a Es war im Januar des Jahres 1550, als an einem ſpäten, dunklen, unfreundlichen Abend ein Mann ſich raſch dem kleinen Wulfeshorn näherte. Ein ſchneidend kalter Nordwind pfiff durch die Straßen, und wirbelte den Schnee auf, der in Maſſe neben den Häuſern lag. In den Gaſſen war es öde und ſtill, und kein Licht ſchimmerte aus den Fenſtern der Häuſer. Als der nächtliche Wanderer durch den kleinen Wulfeshorn ſchritt, zog er den Mantel, in welchen er gehüllt war, dichter um ſich, ging auf die an dere Seite der Straße und beſchleunigte ſeine Schritte. An der Ecke des Röſehofes blieb er jedoch plötzlich vor einem kleinen, einſtöckigen, alten Hauſe ſtehen, deſſen Fenſter ebenfalls unerleuchtet waren. Eine Zeit lang ſtand der Mann unbeweglich dem Hauſe gegenüber, als horche er, ob ſich irgendwo ein Geräuſch erhebe; doch Alles blieb ſtill und einſam wie vorher. Nur an der Seite, wo die Wohnung des Henkers im unheimlichen Dunkel der Nacht dalag, ſchien es, als huſche eine Geſtalt in den hohen Thorweg, der ſich hier befand.

Alles ſcheint wie ausgeſtorben zu ſein, murmelte

der Verhüllte,und kein unberufenes Auge wird mich hier ausſpähen. Wenn nur Anna ihr Verſprechen hält; die Mutter muß ſich ſchon längſt zur Ruhe begeben haben; doch vielleicht erwartet ſie mich ſchon. . Nach dieſen Worten ging er leiſe zu der niedrigen Hausthüre des kleinen Hauſes und klopfte dreimal in ab gemeſſenen Pauſen an dieſelbe. Nur wenige Augenblicke waren vergangen, als die Thüre vorſichtig geöffnet wurde und eine weibliche Geſtalt herausſchlüpfte.

Biſt Du da, mein Johannes? ſprach eine liebliche, weiche, zitternde Stimme.Ach! es iſt gewiß nicht recht, daß ich in dieſer nächtlichen Stunde zu Dir vor das Haus komme, da die Mutter ſiech und ſchmerzenvoll auf ihrem Lager liegt. Und wenn gar ein neugieriger Nachbar oder ein heimlicher Lauſcher uns hier erblickte, ich wäre des Todes!

Sei unbeſorgt, mein ſüßes Kind, beruhigte der Mann die Aengſtliche;man ſagt zwar: die Nacht ſei keines Menſchen Freund, und doch iſt dieſer Ausſpruch nicht wahr, denn gerade die dunkle, ſchweigſame Nacht iſt der beſte, zuverläſſige Freund der Liebenden. Sie iſt nicht neugierig, ſieht nichts und plaudert nichts aus. 5

Du kannſt noch ſcherzen, Geliebte, ſprach vorwurfs voll das Mädchen,während banges Weh mein armes Herz durchbebt? Noch heute erſt ſprach die Mutter von Dir, und wahrlich, was ſie ſagte, hat mich nicht beruhigt. Du, der einzige Sohn des reichen, ſtolzen Senators, auf den die Augen aller vornehmen, ſchönen Frauen blicken, mußt und wirſt bald das unwiſſende Mädchen aus nied' rem Stande, die Tochter einer armen Wittwe, vergeſſen. Ja, Johannes, um offen mit Dir zu ſprechen, habe ich Dir ſo ſpät dieſe geheime Zuſammenkunft bewilligt. Jo hannes, wir müſſen uns trennen! N

Was ſagſt Du, welches Wort ſprichſt Du aus? rief der Verhüllte mit vor gewaltiger Aufregung bebender Stimme.Trennen? Wer ſpricht von Trennung? Wer kann zwei Herzen von einander reißen, die für einander

An dieſem Orte

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und Noth, Stechen? eines erzut Namen beſo mir. Wohl Liebe opfert Dein beſhwiclie wenn Du al nicht jede A Mein Ohm heim, lied und kinder auserſehen; will ich das helfen kaun, daß ich wich chen, faſſe Ach hingeben, flüͤſtere ein niß, von 9 lichem Tode Stimme de ich darf nis Und

fragte der ſich ſeinen Am

St. Jakob Nacht, mei Ma die angelt

ſchloß.

e Hauſe, ale dächtiges

deu 1556 10 bis 60 Malt Gerffe, von d Ameufonde, ſeigert. örledbere Suhr