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geſchaffen ſiud, die für einander ſchlagen? Oder ware es wahr, was ich nicht ausſprechen, nicht einmal zu denken wage, was aber ein Damon mir in's Ohr flüſtert, liebſt Du— liebſt Du einen Andern?“
„Wie kannſt Du mein armes Herz ſo quälen,, ent— gegnete ihm das Mädchen,»indem Du ſolches von mir denkſt? Nur unſer Geſchick verlangt gebieteriſch die Tren— nung, und dieſer Maznung müſſen wir folgen;— ſollte auch das Herz daruber brechen,“ ſetzte ſie leiſe hinzu.
„Nein, Mädchen ſo leicht entſage ich meiner Liebe nicht,“ ſagte warm der Mann, indem er die ſich Sträubende mit den Armen umſchlang;„gönne mir nur Zeit und be— wahre noch ferner das ſüße Gehumniß unſeres Uebesbundes. Vielleicht gelingt es mir noch, des Vaters harten Sinn zu erweichen, zumal wenn er ſieht, daß ich nicht von Dir laſſen werde. Schlägt es aber fehl, nun dann, ſo ziehen wir fort von hier, und gründen uns da eine Heimath, wo die Menſchen minder bartherzig ſind, als hier.“
„Und ich ſollte de Mutter daheim laſſen in Elend und Noth, darnieder jevorfen von Krankheit auf das Siechbett? Ich ſollte auf Dich, auf mich laden den Fluch eines erzürnten, ſtrenga Vaters und meinen ehrlichen Namen beſchimpfen? Nit, Johannes, das ſei ferne von mir. Wohl liebe ich Dichaufrichtig und innig, aber wahre Liebe opfert das eigene Glk gern dem Heile des Geliebten.“
„Dein Herz iſt fram und gut, Anna,“ erwiderte beſchwichtigend der Verhite,„und wohl haſt Du Recht, wenn Du alſo ſprichſt. Ler beruhige Dich; noch iſt uns nicht jede Ausſicht auf ein glücklichere Zukunft genommen. Mein Ohm, der reſche Hedelsherr in dem nahen Hildes— heim, liebt mich, wie ſeen Sohn. Er iſt Wittwer und kinderlos, mih hat el zu ſeinem dereinſtigen Erben auserſehen; ihm wil ich mi anvertrauen; in ſeine Bruſt will ich das Geheimiß unrer Liebe legen. Wenn Einer helfen kann, ſo iſt eis unteine innere Ahnung ſagt mir, daß ich mich nicht täſchen verde. Darum, theures Mäd— chen, faſſe Muth un Hoffung.“
„Ach wie germöcht ich mich frohen Hoffnungen hingeben,“ ſeufzte d Mäcchen,„obgleich es mir iſt, als flüſtere eine geheimwolle Stimme von künftiger Bedräng— niß, von Noth, vozebrochenem Herzen, ja von entſetz⸗ lichem Tode. Doch ch', mir ſchien es, als hörte ich die Stimme der Muttedie mir riefe? Leb' wohl, Geliebter, ich darf nicht läuggeilen.“
„Und wann ne ich Dich wieder ſehen, Anna 2“ fragte der Mann, m er einen Kuß auf die Lippen des ſich ſeinen Armen Leindenden Mädchens drückte.
„Am nächſteronntage gehe ich in die Kirche zu St. Jakobi und Ge/ war die haſtige Antwort,„Gute Nacht, mein Johan,
Nach dieſen ten ſchlüpfte das Mädchen durch die angelehnte Pfoies Hauſes, die ſich leiſe hinter ihr ſchloß. 1
Der Verhüllte te noch einige Augenblicke vor dem Hauſe, als wolle er überzeugen, daß nirgends ein ver— dächtiges Geräuſch bernehmen ließe. Aber in ſein Ohr
drangen nur die gurgelnden Töne des Nordwindes, der in die Schornſteine fuhr, oder durch die Straßen dahinpfiff. Als der Mann ſich verſichert glaubte, daß ſeine Anweſen— heit unbemerkt geblieben, eilte er raſchen Schrittes durch den kleinen Wulfeshorn, der innern Stadt zu.
Kaum waren die Schritte des Dovoneilenden ver— hallt, als aus dem Dunkel des Thorweges, der den Frei— hof“ verſchloß, eine Geſtalt emportauchte und leiſe nach dem kleinen Hauſe ſchlich, vor welchem ſoeben die Zuſam— menkunft der beiden Liebenden ſtattgefunden hatte.
„Bei meiner Treu, der Spaß war nicht übel,/ brummte der Späher vor ſich hin,„nur dauerte er bei dieſer grim⸗ migen Kälte ein wenig lange. Aha, mein ſauberer Herr Johannes Wöhler, ſo kommt man hinter Eure Schliche! Und hier, in dieſem Hauſe wohnt das Täubchen, um das Ihr girrt? Nun, wir wollen ſehen, was der geſtrenge Herr Vater und Senator zu dieſem nächtlichen Vergnügen ſagen wird, wenn er es erfährt. Mein Lohn wird hoffent⸗ lich nicht karg ausfallen.“
Als in dem Hauſe ſich nichts vernehmen ließ, ging er mit geräuſchloſen Schritten wieder zu dem Thorwege des Freihofes, der ihm, mit leiſem Klopfen, von Innen geöffnet wurde und in welchen er raſch hinein ſchlüpfte. Dann war Alles wieder öde und ſtill in der Straße.—
(Fortſetzung folgt.)
* 1* 4 Bürngerhülfe für den Odenwald.
Müller Weidmann v. Ockſtadt 1 fl.; C. H. 30 kr.; Oek. Berg hier 48 kr; die Schule u. einige Menſchenfreunde in B auernheim 13 fl.; 27 kr.; Petterweil(das Namenverzeichniß im Vilbeler Kreis- blatt) 16 fl. 36 kr.; Pfr. Buchbold 1 fl.; B. N. Kopp 1 fl.; Aehle 30 kr.; H. Ditſchler 30 kr.; H. Fr. Keller 1 fl.; K. Stumpf 30 kr.; E. F. Kopp 30 kr.; H. Stumpf 1 fl.; Fr. Keller 1 fl., G Chr. Höres 30 kr.; G. Höres 30 kr.; Müller Weißenſee 1 fl.; Joh. Völker 12 kr.; Gerh. Görg 30 kr.; Chr. Schäfer 24 kr. H. Schmidt 3 kr.; Jakob Krick 18 kr; Barth. Schwalb 24 kr.; G Maul 30 kr.; G. Walther II. 30 kr.; Bernh. Schmid 12 kr.; Konr. Maul 24 kr.; Nik. Höres 8 kr; Pbil. Stumpf 1 fl; Chr. Keller Wit. 48 kr.; zuſammen 13 fl. 59 kr. aus Oſſenheim. Zuſammen 47 fl. 20 kr.— Herzlichſten Dank!
Mit den Gr. Kreisämtern zu Erbach, Lindenfels und Neuſtadt bin ich wegen der beſten Verwendung unſerer Gaben in Verbindung getreten.
Friedberg den 21. März 1855.
Dr. Matthias.
Bei der Unterzeichneten iſt ferner eingegangen: Von Bürgermeiſter Stier in Melbach geſammelt: Bürgermeister Stier 1. fl; Chriſtoph Keil 1 fl.; Johannes Laun 45 kr.; Philipp Keils Wit. 1 fl.; Georg Geck 30 kr; Georg Philippi 15 kr.; Philipp Stier 111 24 kr. Konrad Heun 30 kr.; Philipp Hahn II. 15 kr. Georg Casper Leopard 48 kr.; Peter Kle— berger II. 30 kr; Konrad Keller 24 kr.; Jobannes Betz 6 kr.; Georg Keller J. 48 kr.; Ernſt Schott Wit. 1 fl.; Ernſt Heun 11 48 kr.; Jo⸗ hannes Kleberger 18 kr.) Adam Weller 18 kr.; Wilhelm Kleberger II.
24 kr.; Peter Kleberger 1. Wit. 24 kr.; Steuer- Einneb. Muller 24 kr.; Cbriſtoph Stier 15 kr.; Decan Blumhof 1 fl.; Caspar Welffert 24 kr.; Caspar Keil 15 kr.; Leonhard Blum 12 kr.; Friedrich Schmidt 9 kr.; Joſeph Jahn 12 kr.; Philipp Hahn III 6 kr.; Johannes Morloff 10 kr.; Philipp Keller I. 24 kr; Salamon Iſenburger 15 kr.; Johann Brückel 6 kr.; Heinrich Weller 24 kr.; Philipp Hahn IV. 36 kr.; Ernſt Windeckers Wit. 18 kr.; Urias Hahn 15 kr.; zuſammen fl. 16. 52 kr.; Gefühl für Armuth— mein Scherflein mit 12 kr. von W. R. aus Niederwöllſtadt; K. zu Hof Haſſelbeck 7 fl.; Fr. O. 36 kr.; ungenannt aus Sodel 1 fl. 30 kr.
Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.
Behitmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Fruchtverſterung. 1356] Donnerſtag den Al, Nachmittags um 2 Uhr, werden im en Rathhauſe 30 bis 60 Malter Korn un bis 20 Malter Gerſte, von dem Frucht des vereinigten Armeufonds, meiſtbietend nalterweiſe ver—
eigert. 5 ole den 21. M55.
Großherſoglc, Nuerei Friedberg
e n.
werden.
Flachsgarn⸗ Werſteigerung. [3571 Mittwoch den 28. März d. J., des Nach⸗ mittags um 1 Uhr, ſollen circa 350 Zahlen durch die Reichelsheimer Ortsarmen aus feinem Braunſchweiger Flachſe gut geſponnenes Garn im Rathhauſe daſelbſt meiſtbielend verſteigert
Reichelsheim am 20. März 1855. Schmidt, Bürgermeiſter.
Garten ⸗ Verpachtung. 1358] Montag, den 26 d. M., Nachmittags 2 Uhr, werden 1½ Morgen Garten im Fried— berger Burggebiet auf 6- 12 Jahre an den Meiſtbietenden öffentlich dahier verpachtet.
Ockſtadt, am 22. März 1855. Freihl. v. Franckenſtein'ſches Re tamt Angerer.


