Ausgabe 
22.6.1855
 
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die Schuld für entnommene Waare zu entrichten; ſie hatte müſſen um Stundung bitten; ſie hatte einen Wechſel aus eſtellt.

5 Was iſt ein Wechſel? Ein Stückchen Papier, von Unzähligen leicht und flüchtig unterſchrieben, ohne zu be denken, daß ſie mit der Unterſchrift eines Wechſels ihre Ehre und gleichſam ihre Perſon verpfänden; ſie geben ſich gänzlich in die Hand ihres Gläubigers, und nur eine prompte, pünktliche Zahlung vermag ſie aus allen dieſen ſich ſelbſt gezogenen Schlingen zu löſen.

Und Erdmuthe hatte einen Wechſel ausgeſtellt! Ban gend ſaß ſie daheim, die Folgen des gethanen Schrittes überdenkend, bangend fühlte und fürchtete ſie die Abnahme des Verdienſtes und die Angſt vergrößerte die Gefahr. Wie gern hätte ſie den Wechſel nicht ausgeſtellt, wie gern hätte ſie ihn ſofort eingelöſt, wenn dies in ihrer Macht geſtanden hätte; doch die Kaſſe war leer, und der Reiſende der Handlung drängte ſo ungeſtüm. Wie gern hätte ſie dem Geliebten ihre Noth, ihre Beſorgniß geklagt, aber das Zartgefühl, die Scham hielt ſie ab, den Himmel ihrer Liebe durch Klagen und Geſtändniſſe dieſer Art zu trüben.

Während ſie nun daheim ſaß und bangte und unter Seufzen einen Stich nach dem andern that, hielt der Fabrikherr den ihm cedirten und auf ſeinen Wunſch ſofort zugeſtellten Wechſel unter ſataniſchem Lächeln in der Hand. Er berechnete die Zeit bis zum Verfalltage, und ließ dann ſeinen jungen Werkführer, den Friedrich, rufen, deſſen Neigung und Verhältniß zu der Putzmacherin er längſt durch die Schweſter erfahren. Mit gewinnender Freund lichkeit empfing er den Verlangten, und ſofort auf das Ziel ſeiner Sendung eingehend, ſprach er;Die Aufſtel lung der Maſchinen auf dem Gute des Baron Z macht Ihre dortige Anweſenheit nothwendig. Richten ſie ſich ein, ſobald als möglich dorthin abzugehen. Sie werden längere Zeit dort verweilen müſſen, und da kann ich die Frage wohl thun: brauchen Sie Geld zur Reiſe?

Nein!

Sie haben Ihren Verdienſt ſeit längerer Zeit bei mir anſtehen laſſen; ſoll dieß auch ferner der Fall ſein? Wollen Sie ſparen?,

Wer wollte dieß nicht!

Ich möchte es auch! lachte gezwungen der Fabrik herr,aber der Ausgaben ſind ſo viel, daß man froh iſt, wenn man die nöthigſten beſtreiten kann. Ihr ſeid beſſer daran als ich, ihr ſpart. Nun, reiſt ſobald als möglich; Euer Geld iſt eingetragen und es ſteht Euch ſofort zur Verausgabung. Habt wohl einen Schatz, Werkführer? Nun, nun! werdet nicht verlegen. Wer hätte ſein Mädel nicht! Macht Eure Arbeit gut; es liegt mir daran, daß die Maſchinen meine Fabrik loben, und ich ſetze das Ver trauen in Euch, daß Ihr der Arbeit gewachſen ſeid. Der alte Wildhahn iſt ein tüchtiger Meiſter, und ſo, denke ich, werdet Ihr, der ja bei ihm ausgelernt, Euren Meiſter durch Eure Arbeit loben. Gehabt Euch wohl, Werkfuͤhrer! rüſtet Euch zur Reiſe, das Nähere erfahrt Ihr durch die erſten Werkführer! So ſprach der Fabrikherr, und ohne weitere Antwort abzuwarten war der junge Werk führer entlaſſen.

Wenn Zwei von einander ſcheiden, ſo drücken ſie ſich recht feſt an's Herz, und ſprechen voller Wehmuth und Schmerz:Auf Wiederſehen! Das Wiederſehen muß jedes Leid der Trennung uns verſüßen, und, ach! wie ſüß iſt nicht ein Wiederſehen! Der Friedrich hat ſeine Ar beiten vollendet, die Maſchinen ſind zur Zufriedenheit des Eigenthümers aufgeſtellt; nun geht es zur Heimreiſe fort= fort!

Die Stadt iſt erreicht, dem Fabrikherrn iſt Bericht

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erſtattet, und raſch geht es zur Geliebten, die ihn ſo früh nicht zurückerwarten konnte, die er zu überraſchen gedenkt. Nun iſt die Straße erreicht; Uhlands wunderſchöne Worte finden in ſeinem Herzen einen Wiederhall: ö

O Himmel fall' nicht ein,

Eh' ich mag bei der Liebſten ſein. Jeetzt ſteht er am Hauſe, jetzt ſetzt er den Fuß in die Thür, nun geht er den Flur entlang, dort, dort in jenem Zimmer pflegt ſie zu ſitzen; er klopft nicht an, er öffnet leiſe die Thür und findet ſein Mädchen in Thrä⸗ nen gebadet. Er ſtürzt ihr zu Füßen, er fragt beſorgt: Was iſt Dir Erdmuthe? Und ſie, ſie fällt ihm um den Hals, drückt ihn feſt an ſich, ruft voll tiefen Schmerzes: Ich bin recht, recht unglücklich! und weint bitterlich.

Der Geliebte erſtaunt, er weiß ſich dieſen Schmerz nicht zu deuten, endlich ſpricht ſie:Ich bin recht, recht elend! Mich kann Niemand retten! Laß Dir erzählen, aber zürne mir nicht, beklage mich! Seit langer Zeit hat mich ein Mann mit ſeiner Liebe verfolgt, ich habe ihn von mir gewieſen, wie es Ehre und Zucht erfordert; dennoch wich er nicht, überall verfolgte er mich. Ich war wohl unglücklich, aber nicht elend; wäre dies mein einziges Un glück geweſen, ich hätte es ertragen; ſo aber ward der Abſatz von Woche zu Woche geringer, der Verdienſt im mer ſchlechter, ich konnte endlich meine Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen. Von dem Augenblick und von den Reden des Reiſenden jenes Handlungshauſes gedrängt, ſtellte ich in der Noth einen Wechſel aus. Ach! ich that's in der Hoffnung, der Abſatz würde ſich wieder ſteigern. Die Hoffnung ging nicht in Erfüllung, der Verfall⸗Tag iſt herangekommen ich kann den Wechſel nicht einlöſen. Die Zeiten ſind ſchlecht, der Abſatz bleibt im Abnehmen!

Das bis hierher trübe Geſicht des Geliebten hellte ſich auf und freudig ſprach er:Erdmuthe! und all' dieſen Kummer, dieſe Sorge, dieſen Gram, dieſen Schmerz haſt Du allein getragen? Warum haſt Du mir dies Alles verſchwiegen? Haſt Du mich nicht lieb?

Erdmuthe fiel ihm um den Hals, ſie küßte ihn und weinte:Ob ich Dich lieb habe? Aber ich ſollte Dir Kummer bereiten, wo ich mich ſelber zu retten gedachte? Und dann, dann warſt Du ja verreiſt, Du warſt nicht hier, und jetzt, wo Du gekommen, iſt es zu ſpät!

Zu ſpät? Inwiefern zu ſpät!

Der Wechſel iſt fällig ſeit geſtern ſchon, in einer Stunde muß er eingelöſt ſein.

So iſt keine Zeit zu verlieren! rief der junge Werkführer aufſpringend;hier muß Hülfe geſchafft wer⸗ den!

Hülfe wo ſoll die mir werden!

Laß mich eilen! Wie viel beträgt die Schuld?

Hundertzwanzig Thaler.

Einen Augenblick rechnete der Geliebte ſtill vor ſich hin, dann griff er nach dem Hut, und ſich zum Abgehen anſchickend, ſagte er:Faſſe Dich, Erdmuthe, ich ſchaffe Rath. Ich habe meinen Verdienſt bei dem Herrn ſtehen laſſen und kann denſelben ſofort erhalten; dieſer, mit dem neuen noch nicht angerechneten ſeit meiner Abreiſe, tilgt Deine Schuld. Ich habe das Geld, tröſte Dich!

Erdmuthe hielt ihn zurück; ſie zitterte, ſie ward bald bleich, bald roth, endlich ſtammelte ſie:Du weißt noch nicht Alles!

Noch nicht Alles!

Du kennſt Den noch nicht, der mich mit ſeiner Neigung verfolgt.

Was hat dies mit dem Gelde zu thun? O, viel, viel! Er iſt der Inhaber meines Wechſels. Nun um ſo mehr muß ich eilen!

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