Ausgabe 
14.12.1855
 
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Die Wälder ſollten gehegt und nicht verwüſtet wer⸗ den, damit kein Holzmangel entſtünde, auch wenn einmal der Brand Dörfer und Städte verwüſte. i

Die Univerſität, die Hospitäler und andere milde Stiftungen empfahl Philipp der beſonderen Oohut ſeiner Nachfolger. Ebenſo legte er denſelben an's Herz, daß ſie Recht und Billigkeit gegen Reiche und Arme bewieſen und ſtrenge Aufſicht über die Beamten fuͤhrten. Sie ſollten Sorge tragen, daß Niemand Mangel und Noth leide. g

Die Beobachtung der kirchlichen Ordnung lag Phi lipp recht ernſtlich am Herzen. Deßhalb erließ er die ſtrengſten Verordnungen wegen der Sonntagsfeier; er unterſagte namentlich das Tanzen an Sonn⸗ und Feſt⸗ tagen. Bei Taufen ſollte jede Unmäßigkeit unterbleiben.

Eine ſcharfe Verordnung wurde 1558 gegen das übermäßige Branntweintrinken erlaſſen, indem daraus viel Unheil und Verderben entſtände.

In ſeinem eigenen Hausweſen war der Landgraf ſo ſparſam als möglich. Der welſche Luxus, hohe Federn zum Schmuck der Pferde, ſeidene und ſammtene Kleider für die Frauenzimmer und Edelknaben des Hofes waren ihm noch fremd. Zu ſeiner Bedienung genügte ihm ein Kammerknecht und drei adlige Buben, unter denen auch ſein Liebling, Johann von Scheurenſchloß, war. Ein Huhn in ſeiner Brühe mit etlichen Weckſchnitten, oder auf's höchſte mit einigen Stücken eingemachter Limonen, war ſchon ein Hauptgericht. Als Philipp einſtens einen Pfalzgrafen be wirthen wollte, bemühte er ſich, einen welſchen Hahn zu bekommen. An feſtlichen Tagen ſchrieb er wohl den Be⸗ amten ſelbſt vor, wie viel Forellen, Haſen und wilde Vögel ſie einſenden ſollten. Er legte mit eigener Hand den Gäſten vor und freute ſich, wenn es denſelben gut ſchmeckte.

Dieſelbe Einfachheit verlangte er auch bei ſeinen Kindern. Er verbot bei der Kleidung derſelben die neuen Moden und Zierrathen. Röcke und Beinkleider der jünge ren Prinzen waren von! ſchwarzem flämiſchen Leder mit Sammet beſetzt. Eines Tages ließ er ſein jüngſtes Söhn chen Georg, der ſich vor allen Brüdern durch Schönheit und Munterkeit auszeichnete, zur Fuchsjagd rufen. Froh⸗ lockend erſchien derſelbe mit neuen, engen, glatten Stiefeln und einem feinen, hohen Filzhütchen. Philipp ſchnitt die Stiefel ſelbſt von den Füßen und ſchickte ihn mit einem Paar ſeiner eigenen großen Stiefel und einem breiten rauhen Hut zu dem Lehrmeiſter zurück, indem er befahl, ſo ſolle der Knabe den ganzen Winter gekleidet werden.

Ein anderes Mal kam Georg mit verzierten Bein-

kleidern zur Tafel. Er ſuchte dieſelben zu verbergen, doch der Vater bemerkte ſie, ließ ſich eine Scheere geben und ſchnitt die Verzierungen ab. f

Oefters beſuchte er die Lehrſtunden ſeiner Kinder und hatte überhaupt ein offenes Auge, daß kein Unfug in denſelben getrieben wurde. Der Hofmeiſter Adolf von Dörnberg erhielt einen ernſten Verweis, da er einen mit der Wahrſagerei vertrauten Buben dem älteſten Prin⸗ zen zugeführt hatte. Eine gleiche Naſe wurde dem Hof meiſter von Riedeſel von der Landgräfin gegeben, weil er den Prinzen Spielkarten vorgelegt hatte.

Da die Söhne älter wurden, ſollten ſie auch hin⸗ aus in die Welt. Wem aber hätte ſie Philipp beſſer anvertrauen können, als dem frommen Herzog von Wur⸗ temberg, Chriſtoph, dem Sohne von Ulrich? Der zweite Prinz Ludwig wurde zuerſt nach Stuttgart geſendet. Er empfing eine ſchriftliche Belehrung vom Vater, wie er ſich draußen verhalten ſollte. Ich kann nicht umhin, Ei⸗ niges aus derſelben zu erwähnen.Er ſolle vor Allem und allezeit Gott fürchten, von dem er Seele, Leib und alle Güter habe, und der mit ihm machen könne, was er wolle. Er ſolle die verdammliche Sünde der Völlerei ver meiden, welche in Krankheiten und Zänkereien führe, auch Gefahr des Lebens und den Zuſtand der Unvernunft zu⸗ ziehe. Er ſollte ſich vor leichtſinnigem Fluchen und Schwö⸗ ren, vor Ausſchweifungen und Schuldenmachen hüten. Er ſolle armen Leuten, ſo weit ſich ſein Vermögen erſtrecke, mittheilen und gegen die Frauenzimmer ſich anſtändig und züchtig halten.

Treue Dienſte ſuchte der Landgraf mit dankbarer Liebe zu vergelten. Das hat unter Andern der ſchon früher erwähnte Heinz von Lüder erfahren. Er war Be fehlshaber von Ziegenhain, während ſein Herr in Gefangen⸗ ſchaft ſchmachtete. Da er aufgefordert wurde, die Feſte den kaiſerlichen Commiſſarien zu überliefern, antwortete er:Ich habe die Schlüſſel von einem freien Reichsfürſten anvertraut bekommen, nur einem ſolchen gebe ich ſie zu rück. Nicht einmal ein Befehl des gefangenen Fürſten änderte ſeinen Sinn.

Als der Landgraf die Freiheit wieder erhielt, wurde ihm zur Bedingung gemacht, den treuen Diener aufhängen zu laͤſſen. Er that, wie ihm befohlen war. Eine Zeit lang wurde der biedere Heinz mit einer goldenen Kette unter dem Arme an das Stadtthor gehängt. Hierauf wurde er mit Lobſprüchen überhäuft und mit der goldenen Kette beſchenkt.

(Schluß folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-⸗Anzeigen.

Hofraithe⸗Verſteigerung.

Gemarkung Fauerbach II. liegenden Grundſtü⸗ ſteigert. cken, wie dieſelben in den Intelligenzblättern

von 1855, Nr. 11, 15 und 19, Inſerat 147, In

näher bezeichnet ſind, mit dem Anfügen meiſt⸗ bletend verſteigert, daß die beiden nun getrenn⸗ ten Hofraithen einzeln der Verſteigerung aus⸗ geſetzt werden. Nut

den Thomas Becker'ſchen J. Eheleuten dahier CiSoo] Montag den 17. December, Morgens gebörenden zwei Grundstücke, in hieſiger Ge⸗ um 11 Ubr, werden in hicſigen Rathbauſe die] markung liegend, wie ſolche in den Intelligenz⸗ der Konrad Schlechtweg's Wittwe und ihren blättern Nr. 58, 62 u. 66 von 1855. Inſerat Kindern gehörende Hofraithe nebſt zwei in der 1090, näher verzeichnet ſind, meiſtbietend ver⸗

Sriedbeng⸗ den g Alla 35 tenden Güterſtücke auf einen Zeitraum von 12

Großherzoglichen Landgerichts Friedberg:[Jahren meiſtbietend verpachtet. Großherzogliches Orsgericht Friedberg. Der Vorſteher undes r

Güter Verpachtung. 11802] Mittwoch den 19. Dezember, Morgens um 9 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die den Friedrich Schäfer'ſchen Eheleuten dahier ge⸗ hörenden, in den Gemarkungen Friedberg und Fauerbach II. liegenden, eirca 30 Morgen hal⸗

Friedberg, den 8. Dezember 1855.

In Auftrag: b Großherzogliches Ortsgericht Friedberg.

Friedberg, den 8. Dezember 1855. In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Der Vorſteher B. e n ex.

Grundſtücke⸗Verſteigerung. 11801] Montag den 17. Dezember, Morgens um 10 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die

20 bis 30

Fx uch t Wer ſt ed ger ung 11808] Montag den 17. Dezember, Nachmit⸗ Bie ß e r. tags um 2 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſeſ

50 bis 60 Malter Korn und

von dem Fruchtvorrath des vereinigten Armen⸗ fonds zweimalterweis meiſtbietend verſteigert. Friedberg, den 8. Dezember 1855. e Bürgermeiſterei Friedberg e n

Der Vorſteher

ul de 9 en 118191 fiegen in der Kirchenkaſſe zu Oberwöll⸗ ſtadt zum Ausleihen bereit. Oberwöllſtadt den 9. Dezember 1855. Der Kirchenrechner

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