Ausgabe 
9.1.1855
 
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lieber um mich ſehen, ſo ſehr ſie mir auch ein Dorn im Auge iſt, als ſie hier bei Papa allein laſſen. Papa iſt auch eingeladen, wird aber natürlich nicht mitgehen. Und Pauline kann ja im Grunde Euch, meine Täubchen, nur als Folie dienen, um Eure feine Tournure in deſto günſtigeres Licht zu ſetzen, um ſo mehr als vermuthlich keine anderen jungen Damen dort ſein werden. Und was Paulinen an langt, meine Kinder, fuhr ſie fort und die Bitterkeit uͤber kam ſie unwillkürlich,ſo werdet ihr hoffentlich Alles aufbieten, um das hausbackene linkiſche Geſchöpf mit ſeiner demüthigen und doch ſelbſtgenugſamen, leiſe-treteriſchen Katzenweiſe, die mir ſo in den Tod zuwider iſt, durch euer Benehmen zu verdunkeln!

Aber wer mögen denn die Gäſte ſein, welche Tante Schörtel erwartet? fragte Henriette, die jüngere Tochter. Hoffentlich ſind es doch Perſonen von Rang und Stand, denn ſonſt hätte man uns nicht dazu eingeladen, nicht wahr, Mama?,

Gewiß, mein Kind! Frau Schörtel meldet gar nichts Näheres darüber, gibt aber in ihrem Briefe deutlich genug zu verſtehen, daß ſie es ganz beſonders wünſche, uns mit ihren Gäſten bekannt zu machen. Nun iſt die Frau Schwä gerin zwar ſonſt eine ſehr wunderliche Perſon, aber bei alledem hängt ſie ſehr innig an ihrer Familie, hat mancher lei reiche Bekannte, und iſt, wie ich mir ſchmeicheln darf, im Grunde doch ein wenig ſtolz auf ihre Nichten; und darum, meine lieben Kinder, kann ich nicht umhin, zu vermuthen, daß ſie irgend eine gute Parthie für Euch in petto hat, weil es leider wegen der thörichten Teſtaments- klauſel aus der Heirath zwiſchen meiner Henriette und Karl Schörtel nichts werden kann. Wenn aber dem jungen Paßhofen Gelegenheit gegeben werden ſoll, ſich einer von Euch zu nähern, meine Täubchen, ſo werde ich ihm allen Vorſchub leiſten, und Pauline wird Euch nicht gefährlich werden!

Dieſe Mittheilungen der Mama regten die Neugier der, beiden jungen Damen in nicht geringem Grade an; mit geſpannter Erwartung traten ſie die Reiſe an und wurden deſto lebhafter, geſprächiger und munterer, je näher man dem Ziele der Reiſe kam. Bei Paulinen gab ſich ge rade die entgegengeſetzte Wirkung kund; ſie wußte von Papa, daß Tante Schörtel beſondere Abſichten mit dieſer Einladung verbinde, und juſt das geheimnißvolle Dunkel, welches uber denſelben lag, ſtörte Paulinens Ruhe; auch bedünkte es ſie wie eine Entweihung, daß die Stiefſmama dießmal von der Parthie ſein ſollte, und je weiter die brau ſende Lokomotive ſie und Mama und die Schweſtern in's Land hineinführte, deſto bläſſer, ſtiller und unruhiger ward ſie, und ſuchte ſich der Beobachtung zu entziehen. Gluͤck licherweiſe bemerkte es jedoch Niemand, denn die Anderen kümmerten ſich kaum um ſie. Frau Schörtel empfing ihre Gaͤſte mit mehr Höflichkeit als ſonſt, und ihr rundes ſreund liches Geſicht ſtrahlte vor Freude, als ſie eines um das andre bewillkommte. Als die Reihe der Begrüßung an Paulinen kam, blickte die Tante dieſer eine Weile ernſt und mit forſchender Aufmerkſamkeit in's Geſicht, ſchloß ſie dann in ihre Arme, und wandte ſich zu Frau v. Altenhof mit den Worten:Ich bin ſo erfreut, daß Sie gekommen ſind, liebe Frau Schwägerin, denn wir haben eine ſo treffliche Geſellſchaft von Gäſten hier, daß ich kaum Ihre Ankunft erwarten konnte. Sie kennen ja Herrn v. Paßhofen, der auch hier iſt? Ich verſichere ſie, Karl iſt ein wahrer Schul junge neben dieſem gewandten ſtattlichen Kavalier. Und auch meine übrigen Gäſte ſind ſo herzliebe charmante Leute, daß ich ſie nicht genug loben kann! Sie blickte dabei ſo freudeſtrahlend um ſich, daß Frau v. Altenhof die Ver muthung nicht unterdrücken konnte, die zukünftige Gattin

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Karl's mit der erforderlichen Mitgift ſeie gefunden, zu großer Befriedigung für alle Parthieen. Sie wagte zwar keine direkte Frage hierüber an Frau Schörtel zu richten, kam aber auf einigen Umwegen doch zu der Erkundigung, ob man denn wiſſen dürfte, wer die anderen Gäſte ſeien. Ei freilich ſollen Sie es wiſſenl, verſetzte Frau Schörtel. Es iſt ein liebes, kreuzbraves altes Ehepaar Namens Heinich. Der alte Herr iſt ſeine halbe Million Gulden ſchwer, die er ſich in Holland verdient hat, und die alte Dame trauert noch um den Verluſt einer geliebten Tochter, deren Tod beinahe den beiden Eltern das Herz gebrochen hat. Sie haben zwar noch eine hübſche Nichte, aber dieſe wird ſich bald verheirathen.

Aha! dachte Frau v. Altenhof; da ſind wir nun auf einmal dem Geheimniß auf die Spur gekommen. Ohne Zweifel iſt Herrn Heinich's Nichte die fuͤr Karl beſtimmte Braut.Wir werden doch hoffentlich auch das Ver⸗ gnügen haben, dieſe junge Dame kennen zu lernen, meine liebe Schwägerin? fragte Frau v. Altenhof laut.

Ei gewiß, ſie iſt hier! erwiederte Frau Schörtel gleichgültig, und that als bemerkte ſie die bedeutſamen Blicke nicht, welche die Schwägerin ihren Töchtern zuwarf. Die beiden jüngeren Fräulein v. Altenhof, im modiſcheſten Putz und mit den gewandten anmuthigen Manieren erfahrener Weltdamen, beobachteten mit ſorglich-verhehltem Intereſſe die zögernde Bewegung Karl's und ſeines Freundes Paß hofen, die in in einiger Entfernung in einer hoͤchſt beluſti genden Unterhaltung begriffen ſchienen, denn ihr lautes Lachen drang bis in den Gartenſalon herüber, wohin die Frau vom Hauſe ihre Gäſte geführt hatte.

Vetter Karl ſcheint ja heute beſonders gut aufgelegt zu ſein, ſagte Henriette;wir möchten wohl wiſſen, was ihn und Herrn v. Paßhofen ſo luſtig macht, der ja ſonſt ſo geſetzt und verſtändig iſt!

bKarl nennt ihn immer unverſtändig, weil er noch keine Frau genommen hat, um ſein Gluͤck und ſeinen Reich⸗ thum mit ihr zu theilen,erwiederte Frau Schörtel be deutſam.

Vielleicht wartet Herr v. Paßhofen nur, bis ihm Vetter Karl das gute Beiſpiel dazu gibt, meinte Selinde, auf den Buſch klopfend.

Dann ſoll er nicht mehr lange warten, liebes Kind, entgegnete Tante Schörtel geheimnißvoll;Du weißt, es iſt die höchſte Zeit für Karl, und mich dünkt, er wird ſich auch nicht mehr lange beſinnen!

Für Frau v. Altenhof ſollte dieſer Wink nicht ver⸗ loren ſein, denn Herr v. Paßhofen war in jeder Hinſicht eine gute Parthie, reich genug um bei ſeiner Braut nicht auf Vermögen ſehen zu dürfen, und ein anerkannter Verehrer weiblicher Anmuth. Sie muſterte wohlgefällig ihre beiden Töchter, und fragte ſich im Stillen, ob Herr v. Paßhofen gegen ſo viele Vorzüge gleichgültig bleiben konne. Offen bar mußte ihm nur die Wahl ſchwer fallen zwiſchen Hen⸗ riette und Selinde, die freilich beide blühende Mädchen waren, mit welchen die ſtille, ernſte, bleiche Pauline ſich kaum meſſen konnte. Und doch machte die ſtille verſtändige Ruhe ihrer Züge auf manchen Beſchauer einen tieferen Ein druck, als die glänzenden Augen, die friſchen Wangen, das ſtrahlende Lächeln und all die Reize der ſchlanken, herrlich gewachſenen Töchter der Stiefmama, neben denen ſich der etwas unterſetzte Wuchs und die volleren Formen Paulinens nicht allzugünſtig geltend machten. 5

Pauline hatte mit innigſtem Intereſſe die vorſtehende Unterredung angehört, und ihr Herz pochte deſto lauter, je mehr ſie hörte. Sie war zu demſelben Schluſſe gekommen wie ihre Stiefmutter, und trotz all ihrer Herzensgüte und Vorzüge des Charakters konnte Pauline doch eine toͤdtliche

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