Ausgabe 
6.3.1855
 
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Die Erbſchleicher. (Fortſetzung.)

Beſſy machte ſich in aller Stille im Zimmer zu ſchaffen, ordnete die Möbeln, ſtellte die Geräthe an ihren rechten Platz, bereitete dem Kranken das Abend⸗ brod, goß ihm die Arznei heraus, und kniete endlich in einer Ecke des Zimmers, wo man ſie nicht ſehen konnte, nieder und betete inbrünſtig um Erleichterung und Laͤu⸗ terung dieſer verdüſterten Seele. Nat ſchlief noch immer, aber ſein Geſicht hatte denſelben geiſterhaften Ausdruck. Beſſy fühlte, daß ſie nicht von ihm gehen durfte, darum ſtahl ſie ſich nur hinaus, gab dem Soͤhnchen der Wittwe Gray einen Dreier, damit er nach ihrem väterlichen Häuschen gehe und Annie ſage, ſie werde heute Nacht nicht nach Hauſe kommen, weil der alte Norton kränker ſei und ſie ihm wachen wolle. Dann kehrte Beſſy wieder in's Zimmer zurück neben die verhangene Lampe, zog ihre Taſchenbibel, die ſie immer bei ſich führte, heraus und verſuchte zu leſen; aber ihre Gedanken waren eigenthümlich düſter und trübe. Sie hatte zuvor ſchon Krankheit und Tod geſehen, und umgeben von weit tieferem Kummer, denn man konnte wohl ſagen: es grämte ſich Niemand um den alten Nat; aber ihrer Mutter Heimgang war ein ganz andrer geweſen. Beſſy wußte nicht, was ſie beginnen ſollte; als ſie aber die Worte Deſſen las, der einſt geſprochen wie niemals wieder ein Menſch, da ſenkte ſich Frieden in ihre Seele und über ihre Gedanken. Der Schlummer des alten Mannes ſchien ruhiger zu werden; die Nacht rückte immer weiter vor, und öde Stille ſenkte ſich über die Stadt. Cäſar war auf ihre Bitte ebenfalls ſchlafen gegangen, weil er in der vorigen Nacht am Bette ſeines Herrn gewacht hatte, und ſie las ſtille das Gleichniß vom Säemann, als Nat erwachend aufſchaute mit demſelben ſtrengen ſtechenden Blick wie immer, und ſie anredete:Ei ei, mein gutes Kind! was thuſt Du denn hier und vergeuteſt Deine Zeit!

Meine Zeit iſt nicht vergeutet, Mr. Norton, er⸗ wiederte Beſſy ſanft.Ich leſe in der Bibel. Darf ich Ihnen auch etwas vorleſen? fuhr ſie fort und las als dann, beinahe ohne die Antwort abzuwarten, das Gleichniß zu Ende. N

Die Sorgen dieſer Welt und die Trüglichkeit der Reichthümer! ſagte Nat, als ſie zu leſen aufgehört.Vor vielen vielen Jahren hörte ich einmal einen wackern Geiſt⸗ lichen über dieſen Gegenſtand predigen. Beſſy, ich wollte, ich hätte in meinen jungen Jahren auch in der Bibel ge leſen wie Du, und mir mehr Religion eingeprägt.

Dazu iſt es noch nicht zu ſpät, Mr. Norton, ver⸗ ſetzte Beſſy;Sie können ja Den, der die Sünder retten kann aus der äußerſten Verdammniß den Herrn' unſre Gerechtigkeit....

Herr, erbarme Dich meiner!... was iſt das? rief Norton mit einem ganz andern Tone, der ſich in ein hohles Röcheln und dumpfes Gurgeln verlor, und die Stimme verſagte ihm. Ein großes inneres Blutgefäß war geborſten, und das dunkle Blut quoll ihm aus Mund und Naſe über Kiſſen und Decke. Caͤſar, welcher im andern Zimmer auf ſeiner Matratze ſchlief, eilte auf Beſſy's Ruf herbei. Beide verſuchten den alten Mann aufzurichten, aber die Krämpfe des Todes durch Erſtickung verzerrten ihm ſchon das Ge ſicht, ein zuckendes Leben lief durch den noch immer kräftigen Körper hin, ein paar ſchnappende Athemzüge hoben noch einmal ſeine Bruſt, und Nat Norton war von all ſeinen Reichthümern und Verwandten geſchieden.

Mit tiefer Bewegung und heiligem Schauer drückte ihm Beſſy die Augen zu, während Cäſar, der den Kopf ganz verloren hatte, nach dem Arzt rannte. Bis dieſer Herr aus dem Schlafe geweckt war, wußte beinahe die

ganze Stadt ſchon um das Ereigniß, und während Beſſy noch an dem Lager des Entſchlafenen kniete und für ſeine ewige Ruhe betete, traten die Mathewſons in haſtig an⸗ gelegten Kleidern und unter lauten Wehklagen um ihren Vetter herein. Ihnen folgten die Weatheralls in noch augenfälliger Betrübniß, und mit ihnen kam Mr. Hawkes, der alte Advokat, mit dem Friedensrichter, und dieſe beiden legten ihre Siegel an den Schreibpult und die Papiere des Verſtorbenen. 5

Beſſy fühlte, daß ihre Pflicht nun gethan ſei, und nach⸗ dem ſie die näheren Umſtände von dem Hingang des Grei ſes mit ſo viel Umſtändlichkeit und Ruhe erzählt hatte, als ihre Zuhörer ihr gönnen mochten, nahm ſie ihren Mantel, Hut und Bibel und begab ſich nach Hauſe, wobei ihr der alte Cäſar durch die nächtlichſtillen Straßen das Geleite gab. Cäſar wehklagte nicht und ſagte nichts, als ſogar der Arzt den Verſtorbenen für ganz todt erklärte; als ſich aber Beſſy nach ihm umſah, bemerkte ſie, daß dem Schwarzen dicke Thränen über die Wangen liefen. i

Es iſt mir nicht um den Lohn, den ich verliere oder um den Dienſt, Miß, ſagte Cäͤſar;aber er war mir ein guter Herr und wir kamen ſo trefflich mit einander aus; ich werde niemals wieder einen ſolchen bekommen.

Beſſy verſuchte den armen Burſchen zu tröſten und ſprach zu ihm ebenfalls von der Kürze des Lebens und von der Nothwendigkeit, ſich auf jene lange Reiſe vorzubereiten, die wir Alle thun müſſen. Allein als ſie ihres Vaters Häuschen erreichte, war ſie ordentlich dankbar, daß es wenigſtens noch Einen Menſchen gab, welchem der Tod des armen Norton wirklich nahe ging.

Man rühmte es in Troy allgemein, daß Nat's Ver⸗ wandte ſich bei dieſer Gelegenheit mit vielem Anſtand be nommen hätten, obſchon bei Einzelnen gelegentlich einige Spannung und Unruhe wegen des Teſtaments zu Tage getreten ſei. Aus dem alten Hawkes war nichts heraus⸗ zulocken, und er verſicherte Jedermann mit unbeweglicher Miene, man werde zur geeigneten Zeit ſchon ſehen, daß Aller Intereſſen gebührend gewahrt worden ſeien. Das Haus in der Homer-Straße war zwar kein eigentliches Trauerhaus; aber man ließ es nicht an ſchwarzem Flor und Krepp, an verhangenen Fenſtern und tiefzerknirſchten Mienen fehlen. Die Beerdigung ging mit gehörigem Pomp vor ſich, das Leichenmahl war dem Reichthum des Erblaſſers entſprechend, und ein Bildhauer erhielt den Auftrag, Nat's manchfache Tugenden und Verdienſte ſammt dem Gram der Ueberlebenden in Stein zu verewigen. Endlich war Alles vorüber Aſche war zur Aſche, Staub zu Staub gegeben, Nat Norton ſchlief an der Seite ſeines Vaters in kühler Erde auf dem Friedhof am Ufer des Skim, und die Angeſehenſten der Leidtragenden und Nachbarn, welche mit dem Leichenzuge gegangen waren, verſammelten ſich mit den Mathewſons, den Weſtlands und Weatheralls im Empfangszimmer des Verewigten, zur Eröffnung und Ver⸗ leſung ſeines Teſtaments.

Der alte Hawkes brauchte eine erſchrecklich lange Zeit bis er die Schreibſchatulle des Erblaſſers geöffnet und ſeine Brille zurecht gerichtet hatte. Endlich waren alle dieſe Zurüſtungen zu Ende und das Teſtament lag in ſeiner Hand. Es war nur kurz, und in meinem Leben werde ich die verdutzten Geſichter nicht vergeſſen, die es veranlaßte. Es lautete:Ich ſchenke und vermache hiebei an Beſſy Bennet, die älteſte Tochter von Jonathan Bennet, meinem Vetter im dritten Grade, mein ganzes Beſitzthum und Ver⸗ mögen an Liegenſchaften, perſönlichem und realem Eigen⸗ thum, Kapitalien und Rechten, zu ihrem alleinigen Nutzen und Frommen, als der einzigen von allen meinen Ver⸗ wandten, welcher mehr an mir lag als an meinem Ver

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