eigen.
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riedberger Jutelligenzblatt.
„ Aulgemeiner Anzeiger für Oberheſſen. echte Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
fl. 1. 30 kr. ſammen 7 kr.
Nu 19. Dienſtag, den 6. März. 1855.
Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Den Abgang der Gr. Landgeſtütsbeſchäler auf die Geſtütsſtationen.
Sie werden hierdurch in Kenntniß geſetzt, daß die Gr. Landgeſtütsbeſchäler Montag den 5. d. M. von Darmſtadt auf die Geſtütsſtation nach Altenſtadt abgehen. Sie haben ſolches alsbald zur öffentlichen Kenntniß bringen zu laſſen, ſowie dafür Sorge zu tragen, daß wegen Ausſtellung der Bedeckſcheine durch Sie keine Störung im Bedecken der Stuten, welches früher mehrfach vorgekommen, herbeigeführt wird.
Friedberg den 3. März 1855. Müller.
Steckbrief Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.
5 Carl Wilhelm Raſch von Fauerbach II. Entfernung aus ſeiner Heimath ohne Erlaubniß. Alter: 18 Jahre; Größe: 5 Fuß; Haare: blond; Stirne; niedrig; Augenbraunen: blond; Augen: grau; Naſe: ſtumpf und ſtark; Mund: breit; Bart: keinen; Geſicht: rund; Geſichtsfarbe: bleich; Statur unterſetzt; beſondere Zeichen: am linken Backen eine Narbe; Kleidung: geflickte Hoſen, grünes Weſt, rothgeſtrickten Palentin, einen Ueberzieher von Caſemir und eine weiß— liche Kappe.
Oeffentliche Nachricht.
Der Stadtgemeinde Hadamar iſt durch Herzogl. Naſſ. Landesregierung die Erlaubniß zur Abhaltung eines Pferde— marktes in der erſten Hälfte des Monats März eines jeden Jahres ertheilt worden. Der dießjährige Pferdemarkt ſoll auf Mittwoch den 14. März ſtattfinden.
Es wird erſucht, dies gefälligſt bekannt machen zu laſſen.
Hadamar den 26. Februar 1855. Herzogl. Naſſ. Amt.
Bürgerhülfe für den Odenwald!
Bürgerhülfe! ruft man in der höchſten Noth und die höchſte leibliche Noth iſt in einem Theile unſeres Landes
eingetreten— im Odenwald. Dort wuͤthet der Hunger in den Eingeweiden des armen Volks und ſchlägt des Volkes Glieder mit ſeiner ſchrecklichen Seuche, dem Typhus, dem jetzt auch ſchon vier Aerzte, die Doctoren Eiſenmenger, Fuchs, Martin und Bergold unterlegen ſind.— Iſt denn keine Hülfe da auch in der reichen Wetterau für den armen
Odenwald?—
Als ich im Jahre 1845 für die von Bergſtürzen bedrohten Felsberger aufrief, da verhallke mein Rufen nicht wirkungslos, ſondern in brüderlichem Erbarmen ſteuerte man 205 fl. 25 kr. zuſammen, die Noth der Schweizerarmen zu lindern. Und als ich Jahre 1848 für die unglücklichen, auch vom Hungertyphus heimgeſuchten Schleſier ein Wort an's Herz meiner Mitbürger redete, da floſſen die Gaben noch reichlicher und in wenigen Monaten waren mir 1407 fl. 31 kr. übergeben, ein köſtliches Tuch, mit dem die Wetterau die Thränen an den öſtlichſten Grenzen des theuern deutſchen Vaterlandes trocknen half. Heute brennt's im Hauſe!— Heute leiden Brüder im Heſſenlande ſo Schreckliches, wie es damals die Weitentfernten gelitten— iſt denn da keine Hülfe da! In Darmſtadt hat eine bürgerliche Familie 1500 fl. gegeben, iſt denn nicht auch Hülfe bei uns?
7 4 Ain i f Hunger und Peſt im Lande! Bürgerhülfe für den Odenwald!
Wer hat das Herz dazu, den Ruf zu hören und, dafern er kann, doch nicht herzuzueilen mit ſeiner kleineren oder größeren Gabe?
Ich bin gerne bereit, was die Bruderliebe opfert, zu ſammeln, durch die einſchlagenden Behörden und das in Michelſtadt beſtehende Comité zur beſten Verwendung bringen zu laſſen und öffentlich zu beſcheinigen und zu berechnen.
Friedberg den 1. März 1855. Dr. Matthias,
wohnhaft bei Herrn Trapp III.
Die Unterzeichnete bittet die verehrlichen Redactionen der oberheſſiſchen Kreisblätter um Aufnahme vorſtehenden
Aufrufs und erklärt ſich ſelbſt zur Annahme von Beiträgen gerne bereit. Die Expedition des Friedberger Intelligenzblattes.


