Ausgabe 
4.5.1855
 
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folgenden

x Hauſe ndhauſen,

d 5) dem

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rung von Technikern beſtimmt, welche Pläne zu derartigen Entwäſſerungsanlagen entwerfen und die Ausführung leiten. Es können daher in dieſer Hinſicht nur die wegen dieſer Beihülfe zuerſt erfolgenden Anmeldungen Berückſichtigung finden.

Ad 7. Auch für das Jahr 1855 ſoll den laudwirthſchaftlichen Bezirksvereinen aus der Caſſe des Provinzial vereines, eine Geldunterſtützung zufließen, beſtehend in einem Drittheil der Jahresbeiträge der in jedem Bezirksverein wohnenden Mitglieder des landwirthſchaftlichen Vereins von Oberheſſen. Dieſer Zuſchuß ſoll aber nach ausdrücklichem Beſchluß des Ausſchuſſes nur an diejenigen Bezirks-Vereine geleiſtet werden, welche vor Ablauf dieſes Jahres (1855) den Nachweis über die Verwendung bereits bezogener derartiger Unterſtützung erbringen(in ſo weit dieß noch nicht geſchehen iſt) und welche ferner angeben, wozu die für dieß Jahr in Anſpruch genommen werdenden Unterſtützungs gelder verwendet werden ſollen.

Ad 8. Iſt zu bemerken, daß auch in dieſem Jahr ſolchen oberheſſiſchen Schullehrern, welche ſich für Landwirth ſchaft intereſſiren, Schul- oder andere Güter auf eigne Rechnung bauen und zu den geringer Beſoldeten gehören, auf ge äußerten Wunſch, die landwirthſchaftliche Zeitſchrift auf Rechnung der Caſſe des Provinzialvereins in der Art zugeſchickt werden ſoll, daß ſolche Eigenthum der Schule bleiben und in deren Vermögensinventar eingetragen werden muß.

Ad 9. Die zur Unterſtützung der Seidenzucht und des Gartenbaues verwilligten 100 fl. ſind dazu beſtimmt:

1) die nöthigen Anſtalten zum Betrieb der Aufzucht der Seidenraupen im Rettungshaus für verwahrloſte Kinder zu Arnsburg(bei Lich) auf Koſten des Vereins zu vervollſtändigen und eine Anzahl der von dem Seidenbauverein zu Darmſtadt herausgegebenen Schrift über Maulbeerpflanzungen und Seidenzucht behufs der Abgabe an ſolche Bewohner Oberheſſens anzuſchaffen, welche ſich für dieſe Sache intereſſiren. Es werden daher Solche, bei denen dieß der Fall iſt, erſucht, wegen Mittheilung dieſer Schrift ſich an das Büreau des landwirthſchaftlichen Vereins zu Laubach zu wenden.

20 Denjenigen Seidenzüchtern Oberheſſens, welche Cocon's abliefern, von denen nicht mehr als 275 Stück auf das Pfund gehn, eine Prämie von 20 kr. pro Pfund auszuzahlen. Diejenigen Seidenzüchter, welche dieſe Prämie in Anſpruch nehmen können, wollen den Seidenbauverein zu Darmſtadt erſuchen: die Prüfung der Cocon's vorzunehmen, auf deſſen Beſcheinigung alsdann die Decretur zur Auszahlung dieſer Prämien Seitens des Präſidiums des landw. Vereins von Oberheſſen ertheilt werden wird.

3) Endlich kann der sub 9 mit 100 fl. vorgeſehene Credit auch zu Prämien für ſolche Beſitzer verwilderter oder vernachläſſigter Garten verwendet werden, die dieſelben in zweckmäßige Garten- oder Obſt-Anlagen umſchaffen, und daß dieß geſchehen iſt, dem Präſidium des landwirthſchaftlichen Vereins von Oberheſſen durch ein Zeugniß des Vorſtandes des betreffenden Bezirksvereins nachweiſen.

Ad 10. Dieſe Summe von 200 fl. iſt beſtimmt, den Ankauf und die Einführung der beſonders im Königreich Sachſen angebaut werdenden ſ. g. Zwiebelkartoffeln in die Provinz Oberheſſen zu unterſtützen, da nach glaubhaften Zeug niſſen dieſe Sorte weniger als andere der Krankheit unterworfen ſein ſoll. Es ſollen die Transportkoſten von 100 Mal- ter wenigſtens bis Gießen mit dieſer Summe beſtritten werden, von wo aus dieſe Kartoffeln den landwirthſchaftlichen Bezirks⸗Vereinen gegen Erſatz der Ankaufskoſten überlaſſen werden. Die Beſtimmung darüber, welchen Landwirthen in den verſchiedenen Bezirken dieſe Kartoffeln zum Setzen überlaſſen werden ſollen, bleibt den Bezirksvereinen anheim eſtellt.

0 Die Vorſtände der landw. Bezirks-Vereine, die Mitglieder des Ausſchuſſes des Provinzial-Vereins, ſo wie überhaupt alle Mitglieder desſelben, endlich die Großherzogl. Bürgermeiſter werden erſucht, zur Verbreitung vorſtehender Bekannt machung beizutragen.

Laubach am 10. April 1855. Der Präſident des landwirthſchaftlichen Vereins von Oberheſſen

Otto, Graf zu Solms-Laubach.

Der Juden Teich. zuͤglich, daß Leidende und Kranke aus den niederen, wenig (Fortſtßung.) begüterten Ständen beſonders ihre Hülfe in Anſpruch nah⸗ 8 men, weil ſie entweder die großen Koſten einer ärztlichen So war der herrſchende Geiſt der Zeit, in welcher Behandlung nicht zu erſchwingen vermochten, oder weil ſie ein der Senator Woͤhler, geſtützt auf ſein Anſehen, ſeinen gewiſſes Zutrauen zu den Heilmitteln der alten Hartwich Reichthum und ſeinen Einfluß bei der Geistlichkeit, zweien hegten. Dieſe Heilmittel hatten ſich ſogar in manchen armen, ſchwachen Frauen gegenüber, den Ausſpruch that: ſchwierigen Fällen erprobt, denn als im Jahre vorher der Es müſſe gehandelt, mit Gewalt gehandelt werden! ſchwarze Tod, die Peſt, in Hannover wüthete, brachten ihre Schon am folgenden Tage, nachdem Johannes Wöhler Kräutertränke Manchem noch Heilung, den ſelbſt die ge mit ſeinem Vater geſprochen, wurde der Schneider Hencke prieſene Kunſt der gelehrten Aerzte ſchon aufgegeben hatte. aus dem Schmerjohannshof nach dem Hauſe des Senators Auch die Frau des Schneiders Hencke hatte einen Anfall beſchieden und hatte hier mit demſelben eine lange heimliche von jener ſchrecklichen Krankheit gehabt und war durch die Unterredung, der auch der Prediger Garberus mit beiwohnte. Mittel der Frau Hartwich von demſelben glücklich geheilt Welche Maßregeln hier verabredet wurden, ſollte ſich nur worden. Sie pflegte daher auch, wenn ſie oder ihr Mann zu bald zeigen. von einer Unpäßlichkeit befallen wurden, was jedoch ſelten Die Wittwe Hartwich, die Frau des früheren Stadt- der Fall war, ſich bei der Wittwe Rath und Mittel zu baders, galt überall für einekluge Frau. War in der holen. Nachbarſchaft irgend Jemand, der an einem Gebreſte litt, Nachdem Hencke von ſeiner Unterredung mit dem Se ſei es eine Wunde, ein Geſchwür oder dergleichen, ſo er- nator und dem Prediger zurückgekehrt, begab er ſich zu holte er ſich gewöhnlich Raths bei dee alten Hartwich, ſeinem Vetter, dem Büttel auf dem Freihofe. Dieſer pflegte und die Umſchläge von Kräutern oder die Salben und eine Anzahl großer und kleiner Hunde zu halten, die theils Tränke, die ſie bereitete, pflegten in der Regel gute Dienſte ihm ſelbſt gehörten, theils von vornehmen Leuten ihm zur zu leiſten, wenn ſie auch das Uebel nicht ganz hoben. Für Fütterung und Pflege übergeben waren. Auf die Frage die Darreichung ihrer Mittel pflegte ſie zwar wohl ein des Schneiders: ob er nicht unter ſeinen Hunden eine

Geſchenk anzunehmen, überließ es aber immer dem guten trächtige Hündin beſitze? erwiderte ihm der Hencker, daß Willen der von ihr Behandelten, ob ſie ihr ein ſolches zufällig ein ihm gehörendes ſchönes, weißes, kleines darreichen wollten oder nicht. Dadurch kam es nun vor- Windſpiel in den nächſten Tagen werfen werde.