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Wege nach einer Frau umzuſehen, ſo gewohnlich er denn auch ſein mag! 5 5

Keine Frage konnte mir unerwünſchter und uner⸗ warteter kommen. In meiner Anzeige hatte ich künſtlich dieſen Punkt in ein myſtiſches Dunkel gehüllt, und man wird ſich erinnern, wie ſehr ich auf dieſes geſchickte Ver⸗ ſchweigen meine Hoffnungen gründete, daß es die Neugier des weiblichen Geſchlechts erregen werde. Und nun ſollte ich den Schleier lüften? Was ſollte ich ſagen? die Wahrheit? Aber mit welcher Stirn konnte ich das Be⸗ kenntniß ablegen, daß nur die ſchrecklichſte Verlegenheit mich zu dieſem Schritte vermocht hatte? Würden nicht alle reizenden Illuſionen, unter denen ich meine wahren Gründe zu verdecken ſuchte, unmittelbar durch die gemeinſte Proſa vernichtet werden? Ich mußte alſo durch einen Seitenweg zu entſchlüpfen ſuchen.Darf ich durch die Frage erwidern, ſagte ich,was Sie veranlaßte, mir dieſe Zuſammenkunft zu gewähren?

Jetzt wollen wir erſt davon ſprechen, antwortete ſie ruhig;wir müſſen natürlich mit einander bekannt werden, und nach allen Regeln der guten Geſellſchaft iſt es an Ihnen, unſere Mittheilungen zu beginnen. Ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß es mir beinahe unerklär⸗ lich ſcheint, warum Sie eine Frau durch die Zeitungen ſuchen.

Warum meinen Sie das?

Wundert Sie das? Nun ein ſo junger und wenn ich mir erlauben darf hinzuzuſetzen: ein ſo eleganter, Mann Ich verbeugte mich mit wohlgefälligem Lächeln.

Dazu kommt, daß Sie Ihr Benehmen nur in den ausgewählteſten Cirkeln erworben haben können; ich bin überzeugt, daß nicht Mangel an Bekanntſchaft mit Damen Sie zu dieſem Schritte veranlaßt haben kann.

Wäre die Sache nicht ſo verzweifelt ernſt geweſen, ſo hätte ich über dieſe Worte lachen müſſen. Gütiger Himmel! es war ja beſtändig mein Mißgeſchick geweſen, daß ich zu viele dieſes Geſchlechts gekannt.

Nein, nein! rief ich, einen ſcherzenden Ton an⸗ nehmend aus,ich kann mich in dieſer Hinſicht nicht be⸗ klagen. Aber finden Sie es ſo ſonderbar, daß ein Mann, der viele Damen kennt, doch nicht eine findet, mit der er es unternimmt, ſein ganzes Leben zuzubringen?

Vielleicht haben Sie es nie ernſthaft verſucht; oder, wie ich eher glauben möchte, Sie haben nicht die Zeit dazu gehabt. Sie ſind ſehr beſchäftigt, ein thätiger Mann; Ihre Stunden ſind koſtbar, Sie wollen ſie nicht mit langem Suchen und Wählen vergeuden. Habe ich Recht?

Ich hätte Viel darum gegeben, in dieſem Augenblick das Geſicht der Dame zu ſehen. Ich konnte bei ihrem ruhigen Tone durchaus nicht beurtheilen, ob ſie mich zum Beſten hatte, oder ernſthaft ſprach. Aber wie es auch war, Satyre oder Ernſt, beides war mir gleich unange nehm. Ich ſah mich dem Fegefeuer eines Examens aus geſetzt, gegen welches mein Staats⸗Examen nur ein Kin- derſpiel geweſen war.

Ich habe gern, fuhr ſie fort, als ich nicht ſogleich antwortete,thätige Männer. Daher wird es mich freuen und meine Achtung für Sie erhöhen, wenn ich von Ihnen höre, daß Sie eine ehrenvolle, wenn auch minder bedeu tende Thätigkeit haben. Auf jeden Fall müſſen Sie mir dies ſagen, ehe wir zu dem Hauptpunkt unſerer Unter⸗ redung übergehen können.

Welcher böſe Dämon war hinter dieſer Maske ver borgen? Sie griff meine verwundbarſten Stellen mit einer Ruhe an, die zu natürlich war, um ſtudirt zu ſein, und doch wieder einen beſtimmten Zweck verrieth. Es war mir zu Muthe, wie einem neuen Patienten in einer

können: ohne Matrikel.

hydropathiſchen Anſtalt, der alle Augenblick mit einem Eimer Waſſer übergoſſen wird. ich und ſagte muthig:

Doch ich faßte mir ein Herz

Ich habe die Rechte ſtudirt.

Haben Sie eine amtliche Beſoldung?

Nein, ich bin noch Advokat, ohne bedeutende Praxis. Für Alles in der Welt hätte ich nicht hinzuſetzen b Aber ſie half mir von meiner Angſt und ſagte mit unvergleichlicher Naivetät:

So ſind Sie alſo in Wirklichkeit Advokat ohne Matrikel. Das iſt allerdings ſchlimm; aber ein ſolcher Mann kann Großkanzler von England werden, wenn er Talent, Fleiß und etwas Geld hat, fügte ſie mit einem faſt ſatyriſchen Tone hinzu.

Das letzte Wort war das vernünftigſte, das ſie e u Fe erfrorenen Hoffnungen lebten wieder auf, und ich lauſchte mit gro iedigr die folgenden Worte: a Aae eiche g auf

Kommen Sie, mein Herr, ſagte ſie gutmüthig, ſeien wir aufrichtig gegen einander. Warum uns einander täuſchen? Ich glaube Alles klar zu ſehen. Sie ſuchen eine Frau, die Geld hat.

Das nicht allein, rief ich ſchnell, indem ich fühlte, wie all' mein Blut mir in die Backen ſtieg.

Doch iſt das der Hauptpunkt. Geſtehen ſie, daß Sie nicht darauf gekommen wären, dieſe nicht mehr un⸗ gewöhnliche Methode zu wählen, wenn Sie nicht ein hübſches Vermögen ſuchten und zu gleicher Zeit da das Eine nicht ohne das Andere angeht eine Frau.

O, Sie ſind hart, ſehr hart.

Nur wahr; erwiderte ſie ruhig,und nun, mein Herr, ſind mir zu dem Punkt gekommen, wo wir unſer Geſchäft beginnen können. Ich habe Vermögen. Nun, welchen Preis beſtimmen Sie für Ihre Perſon? Aber nein, das wäre in der That eine impertinente Frage; alſo: wie viel gſauben Sie zu gebrauchen, um zu einer comfortablen Situation zu gelangen?

(Fortſetzung folgt.)

Aſſiſen⸗Verhandlungen für Oberheſſen. IV. Quartal 1855. Zur Verhandlung kommen folgende Anklagen: (Schluß.)

14) Montag den 15. October, Vormittags 8 Uhr, Konrad Zeitz von Lißberg, wegen Brandſtiftung und Dienſtag den 16. October, der⸗ ſelbe, Heinrich Seipel VI. von da und Karl Nählinger von da, wegen Eigenthumsbeſchädigung; Verth. H.-G.⸗A. Dr. Muhl. 15) Mittwoch den 17. Oetbr., Vormittags 8 Uhr, Konrad Bambei und Ehefrau von Zell, wegen ausgezeichneter Diebſtähle reſp. Begünſtigung. 16) Dounerſtag den 18. Oct., Vormittags 8 Uhr, Friedr. Schneider, Phil. Schneider und Friedrich Bieber von Okarben, wegen ausgezeichneter Diebſtähle. 17) Freitag den 19. Oct, Vormittags 8 Uhr, Katharina Schneider von Reuters, Ludwig Schneider's Ehfr. von da und Samſtag den 0. Oct. Antoinette Travers von Lauterbach, wegen Verſuchs der Abtreibung der Leibesfrucht, Kindesmords reſp. Beihülfe. 18) Mon⸗ tag den 22. October, Vormittags 8 Uhr, Johs. Hamel VII., deſſen Sohn Conrad und Conrad Schuchard, ledig, von Rainrod, wegen Schriftfälſchung reſp. Begünſtigung. 19) Denſelben, Vormiktags 10 Uhr, Heinrich Zulauf von Angenrod, Heinrich Bernhard von da und Peter Altemann von Heimertshauſen, wegen Eigenthumsbeſchädigung; Verth. H.⸗G.⸗A. Dr. Buff. 20) Denſelben, Vormittags 11 Uhr, Heinrich Euler von Beuern, wegen Schriftfälſchung. 21) Dienſtag den 23. Oct., Vormittags 8 Uhr, Johannes Hardt, Peter Hardt, Heinr. Diehl und Johannes Diehl von Rendel, wegen Gewaltthätigkeit. 22) Denſelben, Vormittags 11 Uhr, Schichtmeiſter Otto Röſſing zu Gießen, wegen Schriftfälſchung. 23) Mittwoch den 24. October, Vormittags 8 Uhr, Johannes Hofmann, Heinrich Schütz 11., Philipp Köbel und Heinrich Fauerbach von Oberwöllſtadt, wegen Gewaltthätig⸗ keit. 24) Denſelben, Vormittags 10 Uhr, Johannes Horning von Bromskirchen, wegen Schriftfälſchung. 5

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