zug auf das Zollweſen(Regbl. Nr. 3 von 1852 S. 18) wird in Gemäßheit einer Verfügung des Gr. Miniſteriums der Finanzen zur oͤffentlichen Kenntniß gebracht, daß in Folge des directen Güterver⸗ kehrs auf der K. Preußiſchen Saarbrücker Eiſenbahn, der K. Bape⸗ riſchen Pfälziſchen Ludwigsbahn und der Gr. Heſſiſchen Ludwigsbahn das gedachte Regulativ auf die letztere Bahnſtrecke Anwendung findet und daß ſonach die definitive Zollabfertigung der auf der Eiſenbahn über Saarbrücken eingehenden und in unveränderter Ladung nach Mainz gelangenden ausländiſchen Güter bei dem Gr. Hauptzollamte daſelbſt in der vorgeſchriebenen Weiſe ſtattfinden kann.— III. Um⸗ lagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der israelitiſchen Religionsge⸗ meinden des Kreiſes Neuſtadt für 1854.— IV. Desgl. im Kreiſe Gießen.— V. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Gemäßheit des Art. 30 des Strafgeſetzbuchs bekannt zu machender Strafer— kenntniſſe der Gerichte der Provinz Starkenburg und zwar 24 von dem Großh. Aſſiſenhofe dieſer Provinz, welche wegen Dieb— ſtahls ꝛc., Unterſchlagung, Veruntreuung und Meineids, Körperver— letzung, Todtſchlags, Nothzucht, Brandſtiftung, Strafen von 1½ Jahre Correctionshaus bis zu lebenslänglichem Zuchthaus verhängen;— 3 von dem Großherzoglichen Provinzialſtrafgericht der Provinz Star⸗ kenburg wegen Unterſchlagung ꝛc., und Schriftfälſchung zu 11 Jahr Correctionshaus;— 41 vom Gr. Hofgerichte wegen Theilnahme an einem Raufhandel, Landſtreicherei, Diebſtahls ꝛc. Strafen von 1 Jahr Corrections⸗ bis 4 Jahren Zuchthaus ꝛc. verhängend; 7 von Stadt- und Landgerichten der Provinz Starkenburg(Darmſtadt 2, Beer⸗ felden, Hirſchhorn, Seligenſtadt, Umſtadt, Zwingenberg je 1) in Cor⸗ rectionshausſtrafen von 1 Jahr— 16 Monaten ꝛc. wegen Diebſtahls ꝛc.
Der Juwelier von Straßburg. Eine Geſchichte. (Schluß.)
Lenoir's Angaben, welche ſogleich zu Protokoll ge— nommen wurden, lieferten folgenden Thatbeſtand: die Frucht ſeiner Erſparniß pflegte der alte Juwelier in einer kleinen Kaſſe in ſeiner Werkſtätte zu verwahren. Bald nachdem er Bertrand Lafont als Gehülfen angenommen, hatte er einen Theil dieſes Geldes vermißt, was ihn über die Maaßen befremdete, da er ſich nicht erklären konnte, auf welche Weiſe ihm das Geld abhanden gekommen ſei. Gleich vom Anfang an hatte er Bertrand im Verdacht dieſes Diebſtahls; als jedoch ein zweiter Eingriff in dieſe ſeine Kaſſe geſchah, welcher zwiſchen Abend und Morgen geſchehen ſein mußte, konnte er nur auf den Schluß kom— men, daß wenn Bertrand der Dieb war, er nothwendig einen Spießgeſellen im Hauſe haben mußte, weil der Ge— hülfe nicht im Hauſe ſelber ſchlief. Der Verdacht einer ſolchen Mitſchuld konnte aber nur auf Manon fallen, denn ſie war ja die einzige Hausgenoſſin des Alten. Ver— gebens wies der Goldſchmied, wie er hernach ſelber ge— ſtand, einen ſolchen Argwohn anfänglich mit Verachtung von ſich; allein bald darauf geſchah ein dritter bedeuten— derer Eingriff in ſeine Kaſſe, und ſchien ſeine Befürchtungen zu beſtätigen. Er konnte jedoch trotzdem ſich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß ſein einziges Kind ihn in Gedanken oder That ſo zu kränken vermöchte. Zu— letzt war, und gerade in der jüngſtvergangenen Nacht, der ganze übriggebliebene Inhalt der Kaſſe aus derſelben ge— nommen worden, und da er ſeit dem geſtrigen Abend auch die Wahrnehmung gemacht hatte, daß ein geheimes Ein— verſtändniß zwiſchen Manon und Bertrand beſtand, ſo war dies genügend geweſen, um ihn von der Begründung ſeines Verdachts zu überzeugen. Dies war der Grund ſeiner Anſchuldigung geweſen. Uebrigens hatte Lenoir in ſeinem Verhöre zugeben müſſen, daß die Kaſſe ſtets ohne Gewaltmittel geöffnet und der Schlüſſel derſelben, welchen er ſelbſt in beſtändiger Verwahrung hatte, ihm nicht abhanden gekommen war.
Der Richter mußte zugeben, daß dieſes Zuſammen— treffen verſchiedener Umſtände und dieſer Schein von Schuld einen ſtarken Verdacht gegen Bertrand und die arme Manon begründete. Mit was für widerſtreitenden
214
Empfindungen und innerer Pein Stephan Lenoir nach dieſem Verhör in ſeine Wohnung zurückkehrte, wollen wir nicht zu ſchildern verſuchen. Das eine Mal ſteigerten ihn Zorn und Geiz beinahe bis zum Aberwitz, und dann weinte er wieder bitterlich und ſtand auf dem Punkte, fortzu— eilen, um ſein Kind aus dem Gefängniß zurückzuholen und die Anklage gegen ſie wieder zurückzuziehen. Endlich warfen ihn Müdigkeit und Erſchöͤpfung auf's Lager; aber der Schlaf floh ihn gleichwohl. Um ſich dieſen zu ver— ſchaffen, ging er an einen Schrank, um ſich durch ein Gläschen Branntwein zu betäuben, er trank eins, zwei derſelben, allein als er die Flaſche wieder in den Schrank ſtellen wollte, zitterte er ſo heftig, daß ihm das Glas ent— fiel und am Boden in Stücke zerſchellte. Alsdann legte er ſich wieder zu Bette und ſchlief ein.— Es war heller Tag, als er erwachte und zum Bewußtſein ſeiner einſamen Lage kam. Langſam und traurig wollte er aufſtehen, als er plötzlich eine Schwere und Kälte und einen ſtechenden Schmerz in einem ſeiner Füße verſpürte. Er ſchlug die Betttücher zurück und ſah ſie mit geronnenem Blute be— deckt, das aus einer tiefen Wunde an ſeinem Fuße her— rührte. Wie er nun überraſcht und betroffen über dieſen Unfall nachdachte, erinnerte er ſich, daß er in der Nacht das Glas hatte fallen laſſen. Allein er konnte ſich da— mals nicht verletzt haben, weil er einen dicken Schuh trug, der noch neben ſeinem Bette ſtund und bei näherer Unterſuchung auch nicht die mindeſte Spur von Blut zeigte. In tiefen Gedanken warf ſich Stephan wieder auf ſein Bett; aber auf einmal ſchoß ihm ein ſeltſamer Gedanke durch den Kopf. Er ſprang raſch wieder auf und eilte nach dem kleinen Kämmerchen, wo er den Branntwein getrunken hatte. Die Glasſcherben lagen noch am Boden und der größte derſelben war mit Blut befleckt. Er mußte alſo nothwendig während der Nacht dort geweſen ſein und zwar im Schlafe! Noch mehr— der Kaſſenſchlüſſel, den er gewöhnlich unter ſeinem Kopf- kiſſen zu verwahren pflegte, lag vor einem kleinen Schranke, welcher von der Wand weggerückt war. Stephan er— ſchrack und blickte ſich forſchend um; als er hinter das Schränkchen ſchaute, bemerkte er das Brett verrückt, wel— ches ein in der Mauer des Hauſes aufgeſpartes Loch ver— deckte,— er zog es vollends hinweg, und ſiehe da!... in dieſem Verſteck, den er ſich einſt in Kriegszeiten ſelber angelegt hatte, lag all ſein Geld, das er vermißt hatte! Er kannte die Beutel, die Rollen, worin er ſeinen Sparpfennig aufzubewahren pflegte; er ſah mit einem einzigen Blick, daß das Geld noch alles beiſammen war, daß er es nicht zu zählen brauchte.—„O meine arme, meine unſchuldige Manon!“ rief Stephan und ſchlug ſich mit der Fauſt vor die Stirne;„der arme Ber— trand! auch er iſt unſchuldig! Mein eigener ſchmutziger Geiz und meine raſtloſe Habſucht haben mich ſo weit ge— bracht, daß ich mich ſelber beſtohlen habe!“
Wer den Juwelier an dieſem Morgen halb ange— kleidet durch die Straßen rennen ſah nach der Schreib— ſtube des Stadtrichters, der mußte glauben, er ſei um den Verſtand gekommen. Allein bald hatte ſich die Kunde von der ſeltſamen That des Schlafwandlers, welcher aus einer unſeligen, krankhaften, leidenſchaftlichen Habſucht wirklich ſich ſelber beſtohlen— in der Stadt verbreitet, und Jedermann freute ſich über die überraſchende und ſo zufällige Entlaſtung des jungen Paars von dem gemeinen Verbrechen, deſſen ſie beſchuldigt worden waren. Ver— gebens würden wir zu ſchildern verſuchen, mit welcher Zerknirſchung und welchem Seelenſchmerz der alte Gold— ſchmied ſich im Gefängniß vor ſeinem eigenen Kinde nie⸗ derwarf und wie die holde ſanfte Manon ihm weinend


