noch etwas Anderes treiben, wie wir aus den einzelnen abgeſtoßenen Worten entnehmen können, welche er für ſich hinmurmelt. 5
„Endlich ſeh' ich den Kirchthum!“ ſagt er.„Ach Gott, wie wohl thut einem das, wieder dahinwandeln zu können, wo man aufgewachſen und wo... Ich hätte ſterben müſſen, wenn ich noch länger in dem Loch geſeſſen wäre... wie wird ſie ſich freuen... ja, ſie wird dank— bar ſein, für das, was ich ausgeſtanden für ſie... und der alte Jergmichel! Du lieber Gott! Wenn der erſt weiß, daß ich kein Dieb..... wie wird ihm ſein Glas vom Beſten ſchmecken, wenn ich wieder als gemachter Mann in meines Großvaters Haus ſitze... Aber, viel— leicht, vielleicht... nein! nein! Es kann nicht ſein! es darf nicht ſein... ſo falſch, ſo grundaus ſchlecht iſt die Kathel nicht... ſie hat ja jetzt geſehen genug, wie ich's mit ihr meine...— Aber nein, Fritz, mach Dir keine falſchen Hoffnungen, trau' Deinem Schickſal nicht zu Gro⸗ ßes zu.... Dru läßt dich von deinen Wünſchen verfuͤh⸗ ren!... Und doch, mein Gott, ſie muß ja jetzt ſehen, daß Niemand, gar Niemand in der Welt ſie ſo gern hat wie ich... ich bin doch ein recht armer Kerl und hab ſo viel ausgeſtanden... jetzt wird ſie auch etwas für mich thun!“—
„Wer iſt das? Das ſind ja die Schellen von des Bürgermeiſters Gefährt'... ja, das iſt der Schlitten, in dem ich ſie ſo oft gefahren! Wie die Gäule ausholen und dampfen, der Schimmel und der Fuchs! Wer wird drinnen ſitzen, wer wird fahren 2 s' kann's doch Keiner, wie des Schulzen Fritz zu ſeiner Zeit! Halt, jetzt kann ich's ſehen!... ach Gott, ſie ſitzt drinnen! Kathel, Kathel!... ſie hat mich nicht erkannt!“— g
Traurig blickte des Schulzen Fritz dem Schlitten nach,— ſie hatte den armen, abgezehrten jungen Mann nicht erkannt, der an der Straße ſtand und ihr ſo eigen in's Geſicht geſehen hatte;— was kümmerte die be⸗ neidete Braut des reichen Ochſenwirths von Heuchelheim der halb erfrorene Bettler an der Landſtraße? Wie hätte ſie den armen Burſchen, der eben aus dem Zuchthauſe in die Heimath kehrte, wieder erkennen mögen!
Du Armer! hatte doch der alte Jergmichel Mühe, in Dir ſeinen Fritz, den ſauberſten, kräftigſten Burſchen im Dorfe, wieder zu erkennen!——
Dort in der kleinen Wohnung auf dem Kirchberg ſaß man heute Abend wieder beiſammen am Ofen,— auch der alte Peter war da, aber alle Munterkeit war von ihm gewichen, und ebenſo heiß brannten ihm die Zähren auf der verblichenen narbigen Wange, als ſeinem Gevatter, dem Jergmichel, wenn er auf den Fritz hin guckte, der dort am Ofen ſaß, das Geſicht in den Händen verhüllt.
Ein leiſer Fluch über den andern kam aus des alten Peter's Mund, ſo daß darüber ſein Pfeifchen beinahe auslöſchte. Er hatte ſtatt dem Jergmichel dem Fritz Alles erzählt, was ſeitdem im Dorfe vorgefallen war,— wie die Parthie mit„'s Ochſenwirths“ von Heuchelheim die Bürgermeiſterin dennoch zu Stande gebracht,— wie das falſche Trinel, die Kathel, dennoch eingewilligt habe und auf Morgen ſchon die Doppelhochzeit gehalten werden ſolle. Auch ließ er merken, daß er jetzt doch gern wiſſen möcht', ob ſich der Fritz denn wirklich ſo vergeſſen habe und ſtehlen konnte.—
Der alte Jergmichel richtete dabei ſein getrübtes Auge in fürchterlicher Seelenangſt auf die Miene ſeines Fritz,— er entdeckte kein Schuldbewußtſein darinnen, ſon— dern nur den Ausdruck unſäglichen Schmerzes— ſchreck— licher Enttäuſchung. Ein erleichternder Seufzer drang
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aus des alten Mannes Bruſt und dann trat die vorige, bedrückende Stille ein.
„Gott! Gott!“ preßte es ſich endlich aus dem Herzen des unglücklichen Fritz, und er ließ die Arme ſinken, die ſeither ſein Geſicht verhüllt hatten.„An wem hab ich's verſchuldet, daß ich ſo leiden muß!
„Faſſe Muth, Fritz!“ ſagte mit von Trähnen er- ſtickter Stimme der alte Jergmichel.„Faſſe Muth! Sie iſt deiner nicht würdig geweſen!“ f
„Muth?“ rief der Burſche im Tone der höchſten Verzweiflung, ſprang auf und ſchritt im Zimmer auf und ab.„Was das für ein Wort iſt! Ich habe ja Muth! Seht, liebe Männer, Jergmichel, alter, treuer Vater! Seht, alte Lieſe(die Arme, welche ſeither leiſe für ſich hinge— weint hatte, fing jetzt überlaut an zu jammern), Euer Fritz, der Schulzen-Fritz, könnt' jetzt erſt ein Spitzbub werden, könnt' jetzt ſtehlen, brennen, rauben und. er ſtieß wild mit dem Fuße auf den Schemel, darauf er ge— ſeſſen war, daß dieſer mit lautem Krachen zuſammenbrach und die beiden Alten in ſich zuſammenfuhren. Jetzt erſt könnt' ich ſchlecht, ſchlecht wie Niemand mehr auf der Welt werden!“
„Führe uns nicht in Verſuchung!“ flüſterte leiſe der alte Jergmichel:„Sondern erloͤſe uns von dem Uebel!“
„Ja- ſtimmte der krumme Peter ein,„es wäre beſſer, er läge dort, wo ſeine Mutter liegt.“
Die beiden Alten hatten nicht geglaubt, daß es der Fritz höre.
Der blieb plötzlich in der Stube ſtehen,— ſah nach den drei treuen Seelen und ſprach in ſanftem Tone:
„Mutter, Mutter, meine arme Mutter! Wie gut iſt Dir, daß Du unter der Erde liegſt und von meinem Jammer nichts weißt!“
So klagte er und reichliche Thränen erleichterten ſein gepreßtes Herz, daß ſelbſt der krumme Peter einen ſoldatiſchen Kernfluch um den andern ausſtieß, um nicht in lautes Weinen ausbrechen zu müſſen bei dem Anblick des einſt ſo kräftigen, fröhlichen Burſchen, der nun von den auf ihn eindringenden Leiden geknickt ſtand und ſich kruͤmmte, wie ein gehetztes Wild unter den Biſſen der Meute.
(Schluß folgt.)
Verſchiedenes.
Vor längerer Zeit ſtudirte ein Baron von Viereck in Leipzig und behauptete in einer fröhlichen Abendgeſellſchaft von Studioſen, es könnte ihm nicht wohl etwas einfallen, was er nicht auch nach ſeinem Willen durchzuſetzen ver— möchte. Er ſchlug vol, eine Wette einzugehen, daß er in ſehr kurzer Zeit von Leipzig nach Berlin fahren und zu einer beſtimmten Stunde in dem feſtgeſetzten Hotel eintreffen wolle,— nichts ſolle ihn an der Ausführung hindern. Luſtige Univerſitätsfreunde gingen eine Wette ein, daß es ihm dießmal nicht glücken ſolle, unter der Bedingung jedoch, daß an ſeinem Fuhrwerk kein Leid gethan werde. Die Wette wurde geſchloſſen und die Abreiſe für den andern Morgen feſtgeſetzt. In der Nacht fuhren jedoch drei dieſer Spaßvögel mit Extrapoſt dem Herrn von Viereck voraus; ſie fuhren einzeln zum Thore hinein und gaben ihre Namen ſo an, daß ſich der Erſte Eineck, der Zweite Zweieck, der Dritte Dreieck nannte.— Schon bei der Ankunft des Herrn von Dreieck koſtete es Mühe, den Wachtcomman— danten zu überreden, daß dieß ſein rechter Name ſei. Kurz darauf kam nun der echte Herr von Viereck mit Pfeiles⸗ ſchnelle an dem Thore angefahren. Der Wachtcommandant trat an die Chaiſe:„Mein Herr, ich bitte um Ihren
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ihn eine Theilnaht vor Allem etwas ve komme.
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