Ausgabe 
26.9.1854
 
Einzelbild herunterladen

332

offnet würde. Gegen Abend hat ſich endlich um ihn her ein großer Drang von Menſchen geſammelt, um, ſobald die Flügel des Thors aufgethan würden, ſchnaubend und würgend die beſten Plätze zu erobern. Die Stunde des Sturmes ſchlägt endlich, die Pforten des Tempels gehen auf und hinein wogt und wirbelt und preßt ſich das Volk. Auch der Schulmeiſter iſt an Ort und Stelle aber umgekehrt, mit dem Rücken gegen die Bühne gedreht. So hat ihn eine ſtürmende Colonne im Laufe des Vor⸗ wärtsdringens umgekehrt; ſo wurde er von den nachdrin⸗ genden Colonnen feſtgekeilt und al ſo mußte er den ganzen Abend die kleine neu angeſtrichene Flügelthüre des Eingangs betrachten, während in ſeinem Rücken die herr⸗ lichſten Dinge unter Beifallslärm und Gelächter auf der

Bühne vor ſich gingen. f

Unter ſolchen Erzählungen hatte ſich indeſſen das Orcheſter und Theater gefüllt, das Zeichen zur Ouvertüre wurde gegeben, der Vorhang der Bühne hob ſich in die Höhe und ein luſtiger Bedientenchor eröffnete das Stück. Die Freunde Anweiler und Ständl hörten vergnügt lächelnd das Lied bis zu Ende aber Kleber ſaß in Thränen da und ſagte ſeinem zunächſtſitzenden Freunde Ständl bebend in das Ohr:»Entſetzlich, herzzerreißend wenn nun der alte Hauptmann heimkommt und die gefundenen Hüte, Shawls und Sonnenſchirme als die ſeiner Töchter erkennt und erfährt ſie beide, ſeine beiden Kinder habe ein ſo trauriger Tod dahingerafft! Ständl fühlte ſich durch dieſe Worte nicht eben angenehm in ſeiner Heiter⸗ keit unterbrochen, doch erwiederte er ziemlich theilnehmend: Ja ja, das mag wohl ein Kummer ohne Gleichen ſein!/ das Stück ging indeſſen fleißig vorwärts und es kam die Stelle, wo der Herr Verſchwender Wellwart es mit ſeinem künftigen Schwiegervater dadurch verdirbt, daß er ſeinem Kammerdiener im zornigen Uebermuth die koſtbare Vaſe ſchenkt; es entſpinnt ſich zwiſchen Beiden ein Con⸗ flikt, der zur völligen Trennung führt, der Baron erklärt: einem ſolchen Tollkopf von Verſchwender ſeine Tochter nie niemals zu vertrauen. Die Spannung des Pub⸗ likums war groß und unter den Gäſten Wellwarts brach ein Tumult des Schreckens los aber im Parterre neben dem Orcheſter beugt ſich Kleber herzlich lachelnd zu dem Ohre ſeines Freundes Anweiler und flüſtert:»die Ge⸗ ſchichte mit den polniſchen Bauern iſt doch gar zu dumm, aber der weiße Hund in Hemdärmeln iſt zum Ofenein- einſchlagen! Großes Ergötzen verurſachte im Schau⸗ ſpielhauſe jedes Mal die Erſcheinung des Tiſchlers Valentin und ſeiner Frau. Dieſe zwei kerngeſunden Volksfiguren mit ihrem fauſtdicken Humor wurden auch ſehr ausge⸗ zeichnet geſpielt und erregten jeden Augenblick den luſtigſten Lärm des Beifalls. Ein ſolches Toben von Heiterkeit brach dann wie gewöhnlich ganz beſonders am Ende des zweiten Aktes los; Valentin hatte ſich ein Räuſchchen geholt, um den ſchurkiſchen Kammerdiener gründlich durchzubläuen, ſein Weib begegnet ihm und ruft:Um Gottes willen, Mann! du biſt betrunken! Er erwiedert:Ha, ich bin erkannt! Und hierauf greift er den Kammerdiener und eine Schaar Bedienten an, wird hinausgeworfen und kommt wieder, wird abermals hinausgeworfen und erſcheint von Neuem noch bebte das Gelächter und der Bei⸗ fall des Publikums durch das Haus über dieſe heitere und gutgeſpielte Scene, als Klebers langſamer Geiſt erſt bei der Scene des erſten Aktes ankam, wo ſich der Verſchwen der mit dem Schwiegervater ſo heftig überwirft Kleber neigte ſich daher zu Freund Ständl rechts und bemerkte ernſthaft:Im Grunde iſt es kein Wunder, wenn der Baron ſich zweimal beſinnt, ob er dem Wellwart ſeine Tochter anvertrauen ſoll, denn es iſt doch unerhört, wie

dieſer mit ſeinem Vermögen toll und ſchleuderiſch umgeht. Da in dieſem Augenblicke ein Zwiſchenakt eintrat, ſo ließ ſich Ständl mit ſeinem Freunde in ein näheres Geſpräch ein über den bisher geſehenen Theil des Stückes; er hob namentlich die wunderbar gut erfundene und poetiſche Figur des Bettlers hervor und machte einige treffende Bemerkungen voll Ernſt und Schauer als ihm plötz⸗ lich Kleber lachend in das Wort fiel und ausrief:Nein, dieſer Schulmeiſter mit dem eingetriebenen Hut im Dom und mit dem Malheur im Theater, daß er die Eingangs thüre betrachtet, während ſein Rücken nach der Bühne gerichtet iſt es iſt doch gar zu ſchön erfunden! Ständl wollte dem Freunde über dieſe ſonderbare Unterbrechung ſeines ernſthaften Geſpräches eben eine Bemerkung machen, als der Vorhang in die Höhe ging und der letzte Akt des Verſchwenders begann. Der einſtige Verſchwender Well wart erſcheint in Geſtalt jenes verhängnißvollen Bettlers und trifft ſo ungemein erſchütternd in dem einſt ihm ge⸗ hörigen Garten mit dem Gärtner und ſpäter mit dem ſchurkiſchen Kammerdiener, gegenwärtigem Inhaber ſeines Hauſes, zuſammen. Er wird als der einſtige Herr er⸗ kannt, mit guten Lehren abgeſpeiſt, ohne Hilfe abge⸗ wieſen; da erſcheint der Tiſchler auch er erkennt ſeinen vorigen Herrn kein Auge bleibt trocken bei dem freudig-ſchmerzhaften Aufſchrei Valentin's, als er ſeinen guten Gebieter erkennt, vor ihm niederfällt und ihm fieberhaft die Hände küſſen will; in dieſem Augen⸗ blicke wendete ſich Kleber links zu ſeinem Freunde An⸗ weiler und bemerkte mit großer Heiterkeit:Mann! du biſt betrunken! Ha, ich bin erkannt!... So ging es noch den ganzen Abend fort. Bei den traurigen Scenen des dritten Actes lachte Kleber erſt über die lu ſtigen Witze des zweiten und im Augenblick der heiterſten Scenen des dritten Akts ſchlug wieder eine Thräne die andere vor Wehmuth über die traurigen Scenen des zweiten. So kam es, daß die Wirkung des dritten Akts ſich erſt ſpät nach dem Theater in ganzer Bedeutung zeigen konnte, denn als die drei Freunde um zehn Uhr im hellbeleuchteten Zimmer des Gaſthofs der vier Schäfer beim Nachtmahle ſaßen, weinte Kleber bittere Thränen über ein wohlbereitetes Backhuhn, weil ihm der herzzer reißende Auftritt des dritten Aktes einſiel, wo Herr Well⸗ wart als Bettler von der Tiſchlerin aus dem Hauſe ge wieſen wirdz aber eine halbe Stunde ſpäter, als eben im Nebenzimmer erzählt wurde, daß dem Hauptmann die zwei Töchter wirklich ertrunken ſeien, konnte er in ein helllautes Gelächter ausbrechen über die vortreffliche Scene, wo ſich der Tiſchler und ſein Weib wegen ihres Herrn wieder zu verſöhnen anfangen, indem der Tiſchler während der Kriſis jeden Augenblick ſagt:Kinder geht's'naus! und gleich drauf wieder:Kinder kommt's'rein! Ueber die Ge ſchichte von dem traurigen Tode der zwei Töchter des Hauptmanns wurde er erſt traurig, als er um zwölf Uhr Nachts bereits im Bette lag und der gute Ausgang des Verſchwenders erheiterte ihn erſt am nächſten Morgen, als er wohlbehäbig bei dem Frühſtück ſaß und dachte: der Herr Wellwart kann ſich's eigentlich von jetzt an bequemlich machen in der Welt, er hat Geld gefunden in der Ruine und wird das zweite Mal bedachtſamer ſein als das erſte; bald darauf lächelte Kleber noch einmal überden weißen Hund in Hemdärmeln und einige Zeit ſpäter fiel ihm zu ſeiner heiterſten Erbauung wieder ein, wie es doch auch zu ergötzlich ſei mit dem Schulmeiſterlein den Filzthurm auf dem Haupte hoch in der Höh'... Hier verlaſſen wir den Einen der Freunde und wollen nächſtens berichten, worin ſich die Behäbigkeit der beiden Andern beſonders denkwuͤrdig erweiſe.(Novell. Ztg.)

0326 Jödel ut Gtoßher, heſſen worden. Es w biger au ſprüche!

2

dabier be ſes von In die ment verſ gefaßt w. ſcheinende zut Wah cutators widrigen heit det ſehen we Frie!

0

ö Verla! 14469]; 49 auste zu Dar 8 hiefigen! werden, öffentlich Gold in

Die V. nen Vor Butzbe Der Groß des

8 Lal] D der Groß hierdurch 1. Nail. des im! 10000 fl. zeuge

et Part 8 werden Nied Gro

S6 11494) um 11 Anzahl . J. in dacht.

dried

Oro