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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
Friedberger Intelligenzblatt.
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„75.
Dienſtag, den 26. September.
1851.
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Vierteljahr⸗ Abonnement auf das Friedberger Intelligenzblatt. Beſtellungen beliebe man bei der Expedition oder bei dem zunächſt gelegenen
Poſtamte zu machen.
Behäbige Menſchen. (Fortſetzung und Schluß.)
Noch voll des Eindrucks von dieſem Vorfalle gingen die drei Freunde aus dem Kaffeehauſe nach dem Theater, wo der„Verſchwender“ von Raimund angekündigt war. Es war noch etwas früh vor Beginn des Stückes, allein die Freunde wollten bequemlich auf ihre geſperrten Sitze gelangen und ließen ſich vor dem Theater nicht aufhalten, ſondern ſtrebten bedächtig, aber unaufhaltſam ihren nume— rirten Plätzen zunächſt dem Orcheſter zu. Hier war es noch ganz„wüſte und leer“ wie es vom Anfange der Schöpfung lautet, nur zwei alte gemüthliche Blasengel des Orcheſters ſaßen bereits plaudernd in einem Winkel und gaben ſich„ſo unter ſich“ einige Witze und Anekdoten zum Beſten. Unſere Freunde, welche jedes Wort ver— ſtehen konnten, fanden es recht behaglich, ſelber zu ſchwei— gen und anderer Leute Mäuler ſich luſtig abnützen zu laſſen, ſie horchten alſo auf und vernahmen folgendes:
„Was du da ſagſt, das iſt Nichts“ begann der Oboenbläſer— aber in Polen haben die Bauern vor Anno ſo und ſo viel, einen Gutsbeſitzer gefangen genom— men, ihn in ein Faß geſperrt und auf Gemeindekoſten aufs herrlichſte mit Speis und Trank verſehen; denn, ſo ge— dachten ſie, ſofern man dasſelbe mit jungen Gänſen thue, wächſt ihnen die Leber groß und werde ein Leckerbiſſen, bei einem vornehmen Herrn aber müßte gewiß ein edlerer Theil ſich vergrößern— wenigſtens das Herz und ein großherziger Gutsbeſitzer würde ihnen Robot und an— dere Laſten umſonſt nachlaſſen!“
„Hehe“ ſagte der Fagotbläſer und ſchneuzte ſich, daß es vom Reſonanzboden der nahen Baßgeige zurüͤckhallte: „ſo klug das auch gedacht geweſen, ſo hat doch jener Haaſe, der neulich vor zwei Hunden herlief, noch einen feineren Gedanken gehabt—“
„Wie ſo 27
„Ein Haaſe wurde neulich von zwei Hunden ver— folgt, von einem ſchwarzen und einem weißen, und that ſein Möglichſtes, um ihnen zu entkommen; namentlich blickte er oft nach dem weißen Hund zurück, vor dem er beſonderen Reſpekt und Schrecken hatte—“
„Warum?“
„Weil er meinte, der habe den Rock ausgezogen und laufe in Hemdärmeln.“:
„Das waͤre ſo übel nicht“ begann der Oboenbläſer wieder—„wenn jener Schulmeiſter, welcher nach der Hauptſtadt wanderte, um dort die Krönung zu ſehen, nicht etwas ganz Anderes erlebt hätte!“
„Nun, und was hat denn dieſer Mann ſo Beſonderes erlebt?
„Ja nun— ein Schulmeiſter, hochgewachſen und ſteinrackernürr wie eine verkümmelte Brodrinde, brach eines Tages mit einem Paraplüe und zwei neuen Stiefel— ſohlen auf und wanderte feierlichſt nach der Hauptſtadt, um die Krönung des Fürſten, dem er fanatiſch ergeben war, mit eigenen Ohren— will ſagen: eigenen Augen zu ſehen. Es gelingt ihm auch, nach drei Tagen die Hauptſtadt zu erreichen und ein für ſeine Mittel paſſendes Hotel zu finden; ja er iſt ſo glücklich, im entſcheidenden Augenblicke, wo der neugierige Menſchenſtrom nach dem Dome zur Krönungsfeierlichkeit tobt, das Thor der Kirche zu erreichen— und von einer heftigen Menſchenwoge ſogar mitten ins Innere des Heiligthums entführt zu werden. Aber ſiehe da! er hatte nicht mehr Zeit gehabt, ſeinen hohen alten Hut abzunehmen und ſtand nun mitten im Gotteshauſe da wie ein Muhamedaner, ſeinen Filz— thurm auf dem Kopfe„hoch in der Höh!“— Die hinter ihm Stehenden entſetzten ſich aus zweierlei Gründen: weil ſie ſich erſtens alle Ausſicht nach dem Altare verſperrt ſahen und zweitens, weil ſie ein Aergerniß nahmen an der Entweihung des Tempels. Sie flüſterten, ſie riefen: „den Hut herunter, den Hut abnehmen!“ allein der un— glückliche Schulmeiſter konnte die eingezwängten Arme nicht bewegen und mußte ſich's gefallen laſſen, daß man ihm nach vergeblichen Ermahnungen den Hut bis an die Schultern eintrieb und das gerade in dem entſcheidenden Augenblicke, als die Krönung begann. Die Kroͤnung war ſehr ſchön. Viele riſſen Mund und Augen auf; Viele weinten. Endlich, wie denn Alles Schöne auf Erden ein Ende nimmt, ging auch die große Feierlichkeit zu Ende — ver hatte ſie erreicht“ wie's im Mackbeth heißt, näm— lich der König die Krone; die Menſchen drängten wieder heftig in's Freie, ſie hatten es auch erreicht, nämlich Rippenſtöße aller Sorten— nur der unglückſelige Er— zieher, der Dorfjugend hatte nicht erreicht, weshalb er in die Stadt gekommen war: denn er hatte von der Krö— nung Nichts geſehen und brachte ſeinen Hut erſt wieder in die Höhe, als er nach der Feierlichkeit das Freie des Domplatzes erreichte.“ Der Fagotbläſer wollte eben ſeinen Beifall uͤber dieſe Geſchichte zu erkennen geben, als der Oboiſt dazwiſchen fuhr:„Nun iſt aber die Geſchichte da— mit noch nicht zu Ende. Der Schulmeiſter, betrübt und erzürnt über den Unfall, den er erlebt hat, will ſich we— nigſtens einen kleinen Troſt für ſeinen Schmerz verſchaffen und beſchließt den folgenden Abend in's Theater zu gehen; denn hier ſollte ſich, wie er vernommen, auch der»ge— ſammelte“ Hof einfinden. Er verſagt ſich alſo Eſſen und Trinken, um ſich ein Billet ins Parterre kaufen zu konnen, pflanzt ſich bereits in den erſten Nachmittagsſtunden vor die Theaterthüre und wartet mit Heldengeduld, bis ge—


