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Aufs Dringendſte wird aber angerathen, keine Fahrbillets irgend welcher Art für die Weiterreiſe ins Innere ſchon in Europa anzukaufen.

6) Die beſte Methode größere Geldſummen hierher zu bringen, iſt ohne Zweifel ein Sicht-Wechſel von einem in Europa bekannten, ſoliden Wechſelhaus auf ein hieſiges ausgeſtellt, für kleine Beträge thut man am Beſten ſich Amerikaniſches Gold in den europäiſchen Seehäfen einzuwechſeln, dabei aber zu bedenken, daß man Engliſche Souverän hier nur für 4 Thaler 87 Cents, und Fünffrankenſtücke nur für 95 Cents ausgeben kann.

7) Wir rathen auch ferner allen Auswanderern, die nach den nördlichen Häfen der Vereinigten Staaten fahren, ſich nicht früher als am 1. März und nicht ſpäter als Mitte September in Europa einzuſchiffen, und denjenigen, welche nach New Orleans gehen, nicht zwiſchen dem 1. April und 1. Juli in die See zu gehen. Im erſten Fall wird eine Winterreiſe, wo Fluß- und Canalſchifffahrt durch Eis geſchloſſen iſt, vermieden, und wird man nicht genöthigt, ſein mitge drachtes Geld in den Seeſtädten während Dezember, Januar und Februar, wo Geſchäfte immer ſtocken, zu verzehren. Im zweiten Falle entgehen die Einwanderer den gefährlichen Fiebern, die während der Sommermonate ſo manches Leben wegraffen.

8) Vermeidet die Einſchiffung in Engliſchen Häfen, wenn ihr nicht oft durch langes Warten die Baarſchaft die ihr bier ſo nöthig habt, noch verzehren wollt; worüber wir im vorigen Jahre ſo viele Klagen horten. Zudem werdet ihr in einen engen Schiffsraum unter viele Menſchen geſteckt, die von euch ſehr verſchieden in Sprache, Lebensweiſe und Sitten ſind, daß die ſchon ohnehin unangenehme Seereiſe dadurch noch viel unerträglicher gemacht wird. Auch ent ſtehen manche Mißverſtändniſſe durch die Verſchiedenheit der Sprache, welches bisher mehrfach eine Brutalität von Seiten der Matroſen verurſachte.

9) Beim Aus⸗ und Einladen Eures Gepäckes ſeid ſtets auf dem Schiffe zugegen, damit ihr genau wiſſet, wo ſich dieſes befindet, und verſchafft euch bereits in Europa oder vom Schiffs-Capitän den Namen eines reellen Gaſthofes, wohin ihr euch wendet, im Falle ihr nicht in die richtige Agentur der Deutſchen Geſellſchaft gehen könnt. Sehet beim Eintreten in das Gaſthaus nach, ob eine Taxe, dem hie ſigen Geſetz zufolge dort aufgehängt iſt, worauf der Preis des Logis und einer jeden Mahlzeit verzeichnet iſt. Schreibt euch genau den richtigen Namen des Schiffes und des Capitäns auf, womit ihr ber⸗ gekommen ſeid, ferner das Datum und das Jahr eurer Ankunft und ebenfalls das Gaſthaus mit Straße und Nummer, wo ihr abgeſtiegen ſeid, hierauf beſucht die oben bezeichnete richtige Agentur der Deut⸗ ſchen Geſellſchaft der Stadt Newyork. Habt aber Augen und Ohren offen, daß ihr nicht in die Hände der vielen Gauner und Betrüger fallet, die unter der Maske gefälliger Menſchenfreunde die Gaſthäuſer frequentiren und die Einwanderer in Comptoire zu führen ſuchen, wo man ihnen Eiſenbahnbillets zu enormen Preiſen aufſchwatzt und ſie noch auf andere Weiſe zu prellen ſucht.

Bemerkt deßhalb genau, daß in der Agentur der Deutſchen Geſellſchaft der Stadt Newpork keine Reiſebillets verkauft werden, und daß Euch für ertheilte Auskunft oder Nachweiſung kein Geld ab gefordert werden darf. Geſchieht irgend eines von dieſen, ſo ſeid überzeugt, ihr ſeid nicht in der richtigen Agentur, ſollte man ſich auch unterſtehen, dieſelbe dafür auszugeben.

10) Seid ihr einmal in dieſem Lande, ſo bewahrt als Grund, lage die deutſchen Tugenden: Fleiß, Ausdauer, Rechtlichkeit und Spar⸗ ſamkeit; dann beginnt eure Laufbahn mit der feſten Meinung, daß ihr der ſo ſehr verſchiedenen Sitten und Gebräuche wegen noch Vieles von der hieſigen Bevölkerung zu erlernen habt. Handelt ihr dieſen Grundſätzen zufolge, ſo erleichtert ihr euch nicht allein euer ſo ſchwie⸗ riges Unternehmen, ſondern ihr werdet euch auch eher heimiſch fühlen in der neuen Heimath.

New⸗Nork 1853.

Die vom Staat New⸗Nork zum Schutz aller Einwanderer veſonders eingeſetzte Commiſſion an die deutſchen Einwanderer, welche in New-Aork landen.

Warnung. Trauet nicht unbedingt den Mäklern, wenn ſie auch ein Schild mit den Worten:licensed emigrant runners. auf der Bruſt tragen, noch den Wirthen, welche beide euch gleich bei eurer Ankunft, gewöhnlich ſchon am Schiffe, unter dem Vorgeben der Landsmannſchaft und Freundſchaft umdrängen, und euch zu überreden ſuchen, die Paſſage für die Weiterreiſe ſofort zu accordiren. Es iſt ungeſetzlich, ſchon am Bord der Schiffe, auf den Landungsplätzen oder auf den Straßen, Paſſagiere zur Weiterreiſe einzuſchreiben, euch Fahr⸗ karten(genannt Tickets) zu verkaufen, oder Handgeld darauf von euch zu nehmen. Dies darf nur in der Stadt ſelbſt und zwar nur in den Büreaus der Paſſagier⸗Beförderer geſchehen. Unter den Prel⸗ lereien, die gegen Einwanderer ausgeübt werden, iſt keine häufiger, als eine Uebervortheilung in den Fahrpreiſen und dem Preiſe für Uebergewicht bei dem Gepäck, und gegen dieſe Prellereien giebt es

keinen anderen Schutz, als die genaue Beachtung der nachſtehenden Bemerkungen. Bemerkt euch auch, daß von Seiten der Deutſchen Geſellſchaft weder deren Agent noch ſonſt irgend eine in deren Dienſt ſtehende Perſon auf die Schiffe kommt, und daß ihr demnach allen denjenigen durchaus keinen Glauben und Vertrauen ſchenken dürft, die ſich euch am Bord der Schiffe als Abgeſandte der Deutſchen Geſell ſchaft vorſtellen.

Rath. Einwanderer haben in der Regel das Recht, zwei⸗ mal 24 Stunden nach Ankunft mit ihrem Gepäck auf dem Schiffe zu bleiben. Demnach haben diejenigen, welche gleich weiter reiſen wollen, gewohnlich nicht nöthig, ſich in ein Wirthshaus einzulogiren, ſondern ſie ſollten, zur Erſparung von Zeit und Koſten, das Gepäck auf dem Schiffe laſſen, und blos in die Stadt gehen, um über die Art und den Preis der Weiterreiſe genaue und zuverläſſige Erkundigungen ein zuziehen.

Dies kann zu jeder Tageszeit geſchehen, und es erfordert nicht viel Zeit, da die Paſſage-Büreaus, wo dieſe Tickets verkauft werden (ſowie auch die weiterhin erwähnte Agentur der Deutſchen Geſellſchaft), ſich in geringer Entfernung der Landungsplätze befinden. Auch die Weiterreiſe kann jeden Tag, ohne Ausnahme, nach allen möglichen Richtungen hin angetreten werden, und zwar in der Regel erſt Abends gegen 5 oder 6 Uhr, weßhalb ihr euch nicht zu übereilen braucht. Das frühe Abſchließen eines Contractes ſichert euch weder einen beſſern Platz, noch irgend einen andern Vortheil über einen ſpäter abgeſchloſ ſenen Vertrag.

Gepäck. Auf dieſe Weiſe könnt ihr nach Ankauf der Fahr karten euer Gepäck gleich vom Schiff auf das Dampfboot, die Eiſen bahn oder den Wagen bringen laſſen, womit ihr eure Weiterreiſe anzutreten habt. Der Einwanderer hat ſeine beſondere Aufmerkſam keit auf ſein Gepäck zu richten, damit daſſelbe nicht geſtohlen werde. Man ſehe genau zu, wem man es anvertraut.

Zur Fortbringung des Gepäcks, ſei es zur Weiterreiſe oder in's Wirthshaus, wendet euch nur an ſolche Fuhrleute, deren Karren mit einer Nummer verſehen ſind, und merkt euch ſorgfältig die Num mer der Karre, auf welcher eure Sachen fortgefahren werden; nur auf dieſem Wege iſt man im Stande Betrügereien oder Mißverſtänd⸗ niſſen auf die Spur zu kommen. Accordirt mit dem Karrenführer, bevor ihr ihn feſt annehmt; der geſetzliche Lohn für eine Karrenladung iſt 31 und ein Viertel Cents oder 2 und einen halben Schilling auf eine Entfernung nicht größer als eine halbe engliſche Meile, und für jede größere Entfernung von je einer halben Meile, ein Dritttheil mehr. Was hier in Amerika ein Schilling genannt wird, iſt nur ein halber engliſcher Schilling oder ein Sixpence Sterling.

Wirthshaus. Wollt ihr in ein Wirthshaus oder Hotel gehen, ſo folgt in der Wahl deſſelben eurem eignen freien Willen. In dem Wirthshauſe angelangt, mögt ihr gleich zuſehen, ob eine Liſte der Preiſe für Koſt und Logis, ſowie für die einzelnen Mabl⸗ zeiten, zur Einſicht angeſchlagen iſt. Jeder Wirth, der ein Wirths haus oder ein Hotel für Einwanderer hält, iſt geſetzlich verpflichtet, eine ſolche Preisliſte anzuſchlagen, und kein Wirth darf dieſe Liſte in ſeinen Rechnungen überſchreiten; doch iſt es rathſam, für Koſt und Logis, ſei es per Woche, Tag oder für einzelne Mahlzeiten, beſonders zu accordiren, wodurch man in der Regel billigere Preiſe erhält. n

2 Weiterreiſe. Wer in's Innere des Landes zu gehen be abſichtigt, mache ſeinen Aufenthalt hier in der Stadt ſo kurz als möglich. Jedem deutſchen Einwanderer wird hierdurch beſonders an gerathen ſich vor Ankauf einer Fahrkarte(Ticket) zur Weiterreiſe, in der Agentur der Deutſchen Geſellſchaft, Nr. 104(ſage Nummer ein hundert und vier) Greenwich⸗Straße, oder auch in dem Büreau der Commiſſion zum Schutze der Einwanderer im Park nach den billigſten und ſicherſten Reiſegelegenheiten zu erkundigen. Ihr erhaltet dort un⸗ entgeltlich eine bereitwillige Auskunft, und könnt eines unparteiiſchen und zuverlaſſigen Rathes gewiß ſein. Die Unterlaſſung einer ſolchen Vorſicht haben viele Einwanderer bitter zu bereuen gehabt.

Uebergewicht. Der Preis fur Uebergewicht beim Gepäck muß eben ſo gut vorher bedungen werden, als der Preis für die Perſonenfahrt; in beiden Preiſen findet häufig gleich große Uebervor⸗ theilung ſtatt. Reiſende, die viel Gepäck mit ſich führen, ſollten ſich genau erkundigen und es überlegen, ob es nicht rathſam für ſie ſei, ihre Sachen ganz oder theilweiſe durch ein zuverläſſiges Speditions haus befördern zu laſſen, wodurch ſie es ſicherer und um mehr als die Hälfte billiger nach ihrem Beſtimmungsorte erhalten können.

Perſonenfahrt. Die Einwanderer reiſen hier im Lande, da wo keine Dampfſchifffahrts⸗Verbindung iſt, entweder per Canal, in von Pferden gezogenen Böten oder per Eiſenbahn. Die Fahrpreiſe per Canal ſind ſcheinbar viel niedriger als die per Eiſenbahn, doch hat der Reiſende nicht viel Vortheil davon, wenn er bedenkt, wie langſam er auf dem Canale fortkommt(überall findet Selbſtbeköſtigung ſtatt), und wenn er berückſichtigt, daß auf dem Canal jeder Paſſagier nur 40 bis 50 Pfund Gepäck frei hat, während ihm auf den Eiſen⸗ bahnen 100 Pfund, ja auf manchen zur Sommerzeit ſelbſt 150 Pfund, ohne extra Vergütung erlaubt werden.

Reiſe⸗Routen. Von Newpork aus giebt es zwei Haupt richtungen für den Einwanderer, nämlich einmal über Dunkirk oder