Aber eine Klaſſe von Gegenſtänden haben wir bis jetzt ganz unberührt gelaſſen, bei welchen gerade aus jener Eigenſchaft des Kautſchuk Vortheil gezogen wird, die viele Jahre hindurch einen Stein des Anſtoßes für die Fabrikanten abgab. Das Gummi Elasticum verliert faſt ſeine ganze Elaſtizität, wenn die Temperatur bis etwas über den Gefrierpunkt fällt; und dieſe Eigenſchaft hat man ſich bei der Verfertigung von Litzen und Tragbändern und Schnüren in unendlicher Verſchiedenheit zunutzege— macht. Die Strumpfwirker, Schneider, Poſamentiere und Putzmacher gebrauchen Unmaſſen von dieſen kleinen Artikeln, die zuſammengenommen, trotz ihrer Geringfügig— keit, einen recht anſehnlichen Werth haben. Es werden hier Gummidrähte mit ſeidenen, baumwollenen, wollenen oder leinen Fäden verbunden. Das Gummi wird durch ſehr künſtlich eingerichtete ſpitze Meſſer in Fäden geſchnitten, dieſe werden durch ein Rad geſtreckt und ſo in Spannung gehalten, bis ihre Elaſtizität beinahe verloren geht. Dem⸗— nächſt werden ſie in eine Flechtmaſchine gebracht und mit einem Ueberzuge von Seide, Haaren oder Flachs be— ſponnen, worauf man die Faden als Kette oder Einſchlag benutzt, oder auch in beiderlei Weiſe zur Weberei ge⸗ braucht. Auf dieſe Art werden die Schnürbander, Beſätze, Tapezier-Schnüre und andere Artikel ähnlicher Gattung gemacht; aber es bleibt noch zu erklären, durch welchen Prozeß die Elaſtizität des Materials wiederhergeſtellt wird. Wenn Gummidrähte in ihrem gewöhnlichen Zuſtande, ent weder mit anderen Fäden oder ohne ſie, gewebt würden, ſo würden ſie eine ſolche Elaſtizität erhalten, daß ſie zu dem Zweck unbrauchbar wären, dem ſie dienen ſollen; in— dem man ſie aber einige Zeit bei einer niedrigen Tempe— ratur ausgereckt hält, erlangen ſie eine ſo große Störrig— keit, als ob ſie durch die Kälte ſteif geworden wären, und können dann leicht verwebt werden. Iſt jedoch dieß erſt geſchehen, dann vertreibt eine freundliche Wärme dieſe Starrheit mit einem Male; man fährt mit einem Plätt⸗ eiſen, das bis zu fünfzig Grad erhitzt wird, über den ge— webten Stoff, das Gummi gibt ſogleich nach, verringert ſich in der Länge und vermehrt ſich in der Dicke bis zu ſeinen früheren Dimenſionen; aber da es in brüderlichem Verein mit den andern Fäden von Seide, Wolle u. ſ. w. ſteht, die mit ihm verwebt ſind, ſo bleibt letzteren kein anderes Mittel übrig, als einzuſchrumpfen oder zuſam— menzukriechen, bis ſie eine gleiche Länge mit ihrem Nach— bar haben. So bringt die Elaſtizität eine doppelte Wir⸗ kung hervor; die Gummi-Fäden dehnen ſich aus, weil das in ihrer Natur liegt, und die faſerigen Faden ſtrecken ſich, weil ſie etwas zuſammengeſchrumpft waren und der Wechſel einige Erleichterung gewährt. Hierin beſteht das Geheimniß der elaſtiſchen Strumpfbänder, Kragenhalter, Schirmſchnüre, Tragbänder, Gürtel, Sandalen, Corſet— Gürtel und Uhrſchnüre, Armbänder, Handſchuhhalter, Hals— ketten und einer Menge anderer Gegenſtände, die wir täglich gebrauchen, ohne ihren Urſprung und ihre Zu— ſammenſetzung zu kennen.(Erheit.)
Zwei Verzweifelte. Von Ludwig Storch.
Mitternacht war vorüber. Die Laternen auf der Blackfriarsbrücke in London leuchteten nur noch einzelnen Fußgängern. Von der City her ſchritt ein junger Mann haſtig der Mitte der Brücke zu, von Southwark her ſchlich ein bejahrter Mann ihm entgegen. Noch ſtießen ſie nicht zuſammen, als der Letztere ſich vom Wege rechts ab nach der Brüſtung wandte und die augenſcheinlichſten Anſtalten traf, ſich über dieſelbe in die Themſe hinabzuſtürzen. Der junge Mann war ihm gefolgt, und hielt ihn plötzlich zurück.
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„Herr, ich glaube Sie wollen ſich erſaͤufen?“
„Ihr Glaube iſt richtig, Herr; aber was geht das Sie an?
„Allerdings nicht das Mindeſte. Ich wollte Sie nur um die Gefälligkeit bitten, noch einige Augenblicke zu verziehen und mir zu erlauben, die Partie mitzumachen. Laſſen Sie uns einander feſt umarmen und ſo vereint den Luft⸗ und Waſſerſprung machen. Die Ausſicht, mich mit einem mir blutfremden Manne, den ich in dieſem Augen⸗ blick hier in derſelben Abſicht getroffen, die auch mich hier⸗ her geführt hat, zuſammen zu expediren, iſt zu pikant fuͤr mich, als daß ich Sie nicht bitten ſollte, ſich mit mir zu dem angegebenen Zwecke zu verbinden. Wahrlich, Herr, ſeit lange iſt mir nichts ſo reizend vorgekommen; und ich hätte nicht geglaubt, daß mir in der Todesſtunde noch ſo etwas Angenehmes widerfahren könne. Schlagen Sie ein, Herr; ich habe ſeit Jahren keine Bitte mehr an ein menſchliches Weſen geſtellt; verweigern Sie mir alſo die Erfüllung dieſer einzigen und letzten nicht. Auch kann ich mich nicht erinnern, jemals ſo viele Worte gemacht zu haben, als in dieſer Minute.“
Damit hielt er dem Andern die Hand hin. Dieſer gab denn auch die ſeinige, und der junge Mann fuhr in einer Art muthiger Begeiſterung fort:„Alſo feſt um⸗ ſchlungen, Arm in Arm! Und nun kurzen Prozeß! Es iſt mir recht wohl, zuletzt noch ein paar Augenblicke an einem Menſchenherzen zu liegen. Ich frage nicht, ob Du auch ein Schuft biſt. Hinab!“
Der ältere Mann, der erſt ſo große Eile gehabt hatte, in die kalten Fluthen der Themſe unterzutauchen, legte jetzt der Eile des Jüngern einen Zügel an, indem er deſſen Hand feſthielt und ihn zurückzog.„Halt Herr!“ ſagte er, indem ſein lebensmüdes Auge in den Zügen ſeines Gegenübers zu forſchen bemüht war, ſo viel der ungewiſſe Schein der nächſten Laterne erlaubte,„Sie ſind noch ſo jung, und wollen ſchon freiwillig aus dem Leben gehen. Ich fürchte, Sie übereilen ſich. Für einen Mann in Ihren Jahren bietet das Leben noch tauſend ſchöne Fernſichten und reizende Genüſſe.“
„Ja Moder und Geſtank, Lug und Trug, Nichts— würdigkeit und Verworfenheit. Kommen Sie und machen wir der Sache ein Ende!“
„So jung Sie ſind, Sie haben ſchon ſehr ſchlimme Erfahrungen gemacht, und ſcheinen alle Kreaturen, welche die menſchliche Geſtalt tragen, für Otterngezücht zu halten.“
„Ottern ſind edle Geſchöpfe gegen den Menſchen; denn ſie folgen ihrem Naturtrieb; ſie ſind keine Heuchler, welche die Tugend im Munde fuhren und das Laſter im Herzen.“
„Sie thun mir leid; denn in der That es gibt viele ehrenwerthe Ausnahmen von der von Ihnen aufgeſtellten Regel.“
„Hahaha! Ausnahmen!“ lachte der junge Mann bitter und höhniſch.„Ich habe keine gefunden.“
„Dann darf ich Ihnen wenigſtens den, wenn auch armſeligen Troſt geben, daß Sie in dieſer ernſten Stunde eine ſolche gefunden haben. So ſehr auch das Lügen den meiſten Menſchen zur Gewohnheit geworden iſt, in der Todesſtunde, gegenüber der ernſten und ſtummen Ewig⸗ keit, pflegen die Wenigſten zu lügen. Ich aber habe mein Leben lang nicht gelogen und möchte um keinen Preis der Welt mit einer Lüge auf den Lippen die dunkle Straße wandeln. Wenn ich Ihnen alſo ſage: ich bin kein Schuft, für den Sie auch mich zu halten ſcheinen, ſondern ein ganz ehrlicher und braver Mann, ſo iſt das die lautere Wahrheit.“
„Wirklich? Das iſt intereſſant! So mußte ich den
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