Ausgabe 
8.12.1854
 
Einzelbild herunterladen

426

nicht einen Theil davon zu ahnen. Ihre freundliche Für⸗ bitte wegen Paulinchen fand bei Hettich und dem Prediger Selberg bereiteres Gehör und mehr Anklang, als bei Hrn. v. Altenhof, welcher ſie verſchiedene Male auf das Aner bieten, Paulinen in ihr Haus zu nehmen und deren Er ziehung zu überwachen, abſchlägig beſchieden hatte. Sie wollte ſich nicht in Familien-Angelegenheiten mengen, und ſtand daher von weiterem Andringen in dieſem Stücke ab und begnügte ſich damit, Paulinen alljährlich einige Mo nate zu ſich auf das Gut kommen zu laſſen, gewöhnlich in Begleitung einer oder mehrer ihrer jüͤngern Schweſtern; bei dieſen Beſuchen fand ſie dann ſtets Gelegenheit, Pau linen Troſt einzuſprechen und einen edlen Ehrgeiz in ihr zu wecken, welcher ſie unter den Demüthigungen und Beleidigungen im Vaterhauſe das Vertrauen in ſich ſelbſt und das erlaubte, gerechte Selbſtgefühl nicht ver lieren ließ; namentlich ſuchte ſie den Keim innerer Reli giöſität, welchen der Umgang und Rath des Predigers in ſie gelegt hatte, noch zu befruchten und zu entwickeln.

So war Pauline endlich zur neunzehnjährigen Jung frau herangewachſen. Still und ergebungsvoll, mild und freundlich, wie ihre Mutter, lag dennoch, durch die Ver hältniſſe geweckt, ein gewiſſer Ernſt und eine ſeltene Wil lenskraft und Charakterſtärke ihrem ganzen Weſen zu Grunde. Den Unterricht des Hauslehrers und der Erzieh erinnen, welche mehr um der jüngeren Schweſtern als um ihretwillen gehalten worden waren, hatte ſie wohl genützt und ihre Bildung noch weſentlich erweitert durch Lektüre, welche ihr der Pfarrer aus Herrn v. Altenhof's reicher Bibliothek wählte. Hierin hatte die Stiefmutter Paulinen ganz gewähren laſſen, froh wenn ſie das Stiefkind ſo we nig wie möglich im Salon ſah, ſobald Gäſte da waren, was bei dem hohen Ton, worin Frau v. Altenhof das Haus führte, faſt täglich vorkam. Die Bücher, ihr Piano, ihre Noten und die Zeichnenmappe auf ihrem Stübchen waren Paulinens ſtille Welt, die ſie nur verließ, um im Pfarrhauſe oder bei Hettich's in einen ihr behaglicheren, anſpruchsloſeren Kreis von Freunden zu treten, als die Zirkel der gnädigen Frau waren. Ihren Vater, der aller dings keinen Unterſchied zwiſchen ihr und ihren jüngeren Geſchwiſtern machte, ſah ſie nur ſelten allein; die Mama hätte ihr dieß übel entgelten laſſen. Zudem war Papa ſchon ſeit Jahren leidend und faſt immer in ſeine Studier ſtube eingeſperrt oder in ſeinem Gewächshauſe, wo ihn Niemand ſtörte, und er der Lektüre und anderen geiſtigen Genüſſen lebte, vielleicht um nicht vermerken zu laſſen, daß er eine reine Null im Hausweſen ſeie; nur im Som mer ging er zur Aufbeſſerung ſeiner Geſundheit in ein größeres Bad, wohin ihm dann ſeine Frau mit ihren ei genen Töchtern folgte. Seit Eugenie, die älteſte von dieſen, aus der Penſion zurück war, wo ſie die letzte Po litur erhalten hatte, ward aber Pauline von dieſen Bade reiſen ausgeſchloſſen, und durfte dann ſtets allein zur Tante Schörtel, bei welcher man ſie unterwegs ablud, weil man gewöhnlich Baden-Baden oder Wiesbaden beſuchte.

Pauline war mit dieſem Tauſche wohl zufrieden; ein Blick in den Spiegel, ein Vergleich ihrer eigenen hohen ätheriſchen Geſtalt mit dem gedrungenern Wuchſe Euge niens ſagte ihr insgemein: man wolle ſie entfernt halten, um nicht Eugenieus etwaige Vorzüge zu verdunkeln. Sie wußte, daß ſie der Stiefmutter in allen Stücken im Wege war, und daß man ſie ſicher nicht allein zu Tante Schörtel laſſen würde, wenn man nicht dieſes Motiv hätte, denn Mama wußte um das Intereſſe, welches Frau Schörtel für ihre älteſte Nichte hegte. Dieſes Intereſſe wurde von Pauli nens Seite durch die wärmſte Anhänglichkeit und Dank

barkeit vergolten, denn ſie hing an der Tante als an ihrer

beſten Freundin und Wohlthäterin. Außerdem aber hatte der Hirſchhardter Hof, der Tante Schörtel gehörig, noch andere geheime Anziehungskräfte für Paulinen. Madame Schörtel war trotz ihres Reichthums eine treffliche Haus frau, welche kaum den dritten Theil ihrer Einkünfte auf brauchte, und ohne geizig zu ſein, eine weiſe Sparſamkeit in ihrem ganzen Hausweſen eingeführt hatte; in ihrem Hauſe traf man ſtets eine heitere Geſellſchaft anſpruchs loſer gebildeter Freunde aus Mainz, Darmſtadt und an deren Städten der Umgebung, in welcher treffliche Muſik und geiſtvolle Geſpräche mit kleinen Aufführungen eines Liebhabertheaters, Spazierritten und fröhlichen Ausflügen in die romantiſche Umgebung abwechſelten. Der Aufent halt auf dem Hirſchhardter Hof bot daher Paulinen ſowohl eine Anleitung und Muſter in den ernſthaften Pflichten einer Hausfrau, als auch einen Umgang von Menſchen, wie er ſeit dem Einzug der vornehmen Stiefmutter auf Lindau nicht mehr möglich war, weil nun Alles auf dem Gute einen ſtreng ariſtokratiſchen höfiſchen Anſtrich haben mußte. Und gerade dieſer heitere geſellige zwangloſe Ton, welcher im Hauſe der Tante Schörtel herrſchte, gefiel Pau linens jüngerern Schweſtern gar wenig, welche überhaupt ihrer Mutter Abneigung gegen Frau Schörtel theilten, weßhalb ſie keinen großen Werth auf einen Beſuch bei der Tante legten. (Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Ein junger Herr begegnete einem artigen Bauernmäd chen, welches eine Heerde Eſel vor ſich her trieb. Wo biſt Du her, ſchönes Kind? fragte der Stutzer. Vom nächſten Dorfe, war die Antwort. Ei, fuhr der Frager fort, dann kennſt Du auch ohne Zweifel die Tochter Deines Nachbars N. Sei ſo gut, ihr dieſen Kuß von mir zu übergeben. Mit dieſen Worten wollte er die ländliche Schöne umarmen und küſſen. Laſſen Sie das nur hübſch bleiben, erwiederte das Mädchen. Geben Sie den Kuß nur einem meiner Eſel, die kommen eher zu Hauſe, als ich, und werden den Auftrag von einem ihrer Freunde gewiß gern ausrichten.

Als in Deutſchland bei gerichtlichen Prozeduren noch der Stock regierte, wurde in einem Wirthshauſe über die Stadt Hamburg geſprochen.Ja, ſagte ein Matroſe, Hamburg iſt eine prächtige Stadt und über die Schnellig keit und Vortrefflichkeit ihrer Juſtiz geht nichts in der Welt. Sehen Sie, da komme ich mal hin, bin erſt eine Stunde da, ſtehle ein Schnupftuch, werde auf die Polizei geſchleppt, verhört, abgeurtheilt, bekomme meine fünfzig Hiebe und werde vor's Thor ſpedirt. Und das Alles fir und fertig in zwei Stunden! Es geht Nichts über die Hamburger Juſtiz!

Markt⸗Bericht von Friedberg. Dienſtag den 5. Dezember.

Waizen aufgefabren 1116 Malter, verkauft 1038 ½, 16 fl. 52 kr., Korn aufg. 92, verk. 68, 14 fl. 29 kr.; Gerſte aufg. 100, verk. 88 ½, 9 fl. 15; Hafer aufg. 139, verk. 139, 5 fl. 27 kr.; Kartoffeln aufg. 32, verk. 15½, 4 fl. 52 kr.; Vorſchußmebl aufg. 18, verk. 8, 20 fl. 15 kr.; Roggenmehl aufg. 4, verk. 4, 11 fl. 50 kr.; Erbſen aufg., verk., 13 fl. 12 kr.; Linſen aufg. 1, verk. 1, 13 fl. 15 kr.; Wicken aufg. 6, verk. 6, 10 fl. 30 kr; Bohnen aufg. 10.

Für die Brandbeſchädigten zu Felda

gingen ferner bei der Unterzeichneten ein: Von einem Ungenannten 20 kr., F. W. R. 30 kr.

Um weitere Gaben wird gebeten. Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.

Großherſe

L828] Die! Vermeidung drei Wochen Don

auber zu bet Ockſtatt Freihe

Ja

IId 29] Mon um 11 Uhr, dem bereinig ſchlachtbaret Friedber

Großher

Ma

IIS 42] Zur Friedberg, auf dem Ba 18. Dezemde Arbeiten an veraccordirt A. Ste

1) Schreiner. ) Glaſerarbe 3) Schloſſcra 4) Weiß dind: B. Statio

1) Schreiner. 9 Glaſcrarde 9) Sgloſſera 9) Veißbinde

C. St

1 Genn aſerard.

J) Schloſere Weiß binde Skiggbedin, legen auf der neten zur Ei Friedber Der 0

der

üs g) lieg Ausleben 1

lederw