Ausgabe 
5.9.1854
 
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indem gegenfalls die Mäuſe ſich zuweilen heraus arbeiten. Zu Bohrern können ſehr wohl alte Schippen umgeformt und gebraucht werden, ſo daß kaum nennenswerthe Koſten dadurch entſtehen. Damit indeſſen den ärmeren Gliedern der Gemeinde auch dieſe Koſten erſpart werden mögen, ſind Sie hiermit ermächtigt und angewieſen, auf Koſten der Gemeinde eine Anzahl, etwa 10 15 dergleichen anzuſchaffen, und an dieſelben zu verleihen. Dieſelben werden zugleich zum Gebrauch bei der Einfangung der Mäuſe auf gemeinheitlichen Grundſtuücken und Weg⸗ Rainen dienen, welche Sie auf Gemeindekoſten anzuordnen nicht unterlaſſen werden. Ueberhaupt werde ich es billigen, wenn mit Zuſtimmung des Gemeinderaths ſelbſt beſondere Leute zum Einfangen der Mäuſe in der ganzen Gemarkung verwendet, oder Prämien für Lieferung einer beſtimmten Quantität Mäuſe ausgeſetzt werden, wobei ich mir jedoch uͤber das Maß des Lohns reſp. Vergütung Entſchließung vorbehalte. Vor Allem empfehle ich Ihnen indeß die ſchleunigſte Einſchreitung und ſehe der Vorlage über den Erfolg derſelben binnen 6 Wochen entgegen. Schließlich bemerke ich noch, daß es wuͤnſchens⸗ werth wäre, wenn die Jagdberechtigten vorläufig das den Mäuſen beſonders nachſtrebende Raubzeug, namentlich Füchſe und Raubvogel, auch zahme Katzen im Felde, ſchonen würden, wozu Sie dieſelben erſuchen wollen.

Friedberg den 28. September 1842.

chele er.

Unterſeeiſche Landſchaften. (Fortſetzung.) 2

Das Meer hat nicht nur ſeine Berge und Thäler, ſeine Hoch- und Tiefebenen, ſeine Moorlager und Sand wüſten, ſeine Quellen und Ströme, ſondern auch ſeine Urwälder mit ihren Schlingpflanzen, ihrer Farbenpracht und Thierwelt, mit Blumengärten und ungeheuren Prä rien, auf denen die Heerden der Pflanzenfreſſer des Meeres weiden, es hatſeine Landſchaften, die pracht voller und feenhafter ſind als irgend Etwas auf Erden.

Zwar gedeiht auf dem öden Meeresboden nur eine Pflanzenart, die Tange der Algengattung, aber dieſe Tange ſind ſo mannigfach geſtaltet, ſo prachtvoll gefarbt, in ſo reicher Anzahl und ſo ungeheurer Länge vorhanden, daß ſie im Stande ſind, die Tiefen des Meeres zu märchen⸗ haften Zaubergärten umzuſtalten.

Die Tangarten reichen von moosartiger Kleinheit bis weit über die ſtolze Höhe der Kiefern, Mangolien und des Affenbrodbaums, denn viele werden bis 700, ja bis 1500 Fuß lang. Während das prächtig goldrothe Korallenmoos und die braune, ſpannlange Schotendrahle (ectocarpus) das niedliche Miniaturbild eines unendlich verzweigten Baumes ſind, und das purpurrothe Stengel moos Islands in ein zollbreites, handförmiges Lappenblatt ſich erweitert, ſind andere gleich den Palmen mit wallen den Blattwedeln geſchmückt. Und wie die Blätter und Zweige der Wälder des Feſtlandes ſich wiegen und ſchau keln auf den elaſtiſchen Wellen der Luft, oder ſtöhnend und ächzend mit dem Sturme ringen, ſo wiegen und ſchau keln ſich die klafterlangen Tangblätter auf den Meeres wogen und ringen mit dem Orcan, der ſie mit rauher Hand aus dem Boden reißen möchte. Hier und da ge lingt ihm dies, und dann treibt er ſie in meilenlangen, Hunderten von Fuß breiten Streifen gegen die Küſten, wo ſie ſtrandenden Schiffern zum Schutz dienen und manches Menſchenleben retten.

Wie die Pflanzen der Erdoberfläche in ihren Arten wechſeln je nach dem Breitegrade oder der Höhe ihres Standortes, ſo wächſt auch nicht jede Tangart überall, ſondern hat ihren beſtimmten Bezirk. Die Tange heften ſich mit ihren finger⸗ und krallenartigen Wurzeln an dem Felſenboden ſo feſt an, daß ſie, wenn ſtürmiſche Wogen an ihren oberen Theilen zerren und ziehen, Felſenſtücke losreißen und wie Anker mit fortſchleifen. Im Allge meinen lieben ſie die Nähe der Küſte oder wenigſtens feſten

Boden und reichen nur bis etwa 40 Faden in die Tiefe hinab. Solche Tange, welche in die Tiefe gehen, glei chen denen, welche in höheren Breitegraden gedeihen; außerdem wechſeln die Arten, je nachdem ſie im Hoch oder Tiefwaſſer ſtehen. Man findet ſie in jedem Meer; am rieſenhafteſten werden ſie in den Polarmeeren, beſon ders im ſüdlichen. Von ſolchem Tang findet man große Flächen bedeckt, die endloſen Wieſen gleichen. Die ge waltigſte, der Sargaſſoſee, befindet ſich zwiſchen den Azoren und den Antillen, iſt ſechs Mal ſo groß wie Deutſch land, ſo daß Columbus 14 Tage brauchte um über ſie hinzuſegeln. Andere ſolche ſchwimmende Bauminſeln ziehen langſam durch die Nordſee, wo ſie Bänke von 34 Meilen bilden. Um Kerguelen, eine Inſel des Südpolar⸗ meeres, hat ſich ein Seetangring von 90 Fuß Breite in einer Entfernung von 20 Fuß vom Lande gelegt, ſo daß es den Schiffen faſt unmöglich wird, ans Land zu gelangen.

Die Tange ſind, einzeln betrachtet, Gewächſe von ſeltſamer, üppigſter Verzweigung. Sie beſtehen aus Gal lerte, welche von einem lederartigen Ueberzug bekleidet iſt und entweder bald nackte, kolbige Aeſte unregelmäßig zu beiden Seiten treibt, bald wirkliche Blätter an den Zweig enden hat. Der Stamm iſt dünn und geht aus, während die Pflanze ſelbſt ins Endloſe fortwächſt. Der Blüthen tang iſt ſtrauchartig äſtig, ſitzt auf dem Boden feſt, hat eine knorbelartige Feſtigkeit und lebhaft rothe Farbe. Er liebt warme Meere. Bei Irland wächſt das röthliche Carraghen mit geſchlitzten und gekräuſelten Zweigblättern, welches bekanntlich als Arznei den Bruſtkranken empfohlen wird. Aus einer ähnlichen Art des indiſchen Meeres bauen die dortigen Seevögel die bekannten Schwalbenneſter. Der Riemen- oder Zuckertang der Nordſee iſt handbreit, eine Linie dick und klafterlang. Aus ihm bereitet man den Mannazucker. Der Ledertang dagegen iſt baumartig, ſieht braun oder olifengrün aus und wächſt in kalten Meeren. Gegen 1000 Fuß wird der gabelig getheilte Blaſentang lang, an deſſen Blattmittelrippen ſich Luftblaſen befinden, die ihm das Schwimmen erleichtert. Der Beerentang endlich hat lanzettfoͤrmige Blätter, dazwiſchen kugelich ge ſtaltete Blaſen. Die meiſten größern Tange haben, wie die Palmen eine Blätterkrone, ſo am Zweigende einen Wedel lang herabhängender Büſchel, der bald peitſchen- oder ſchnurenförmig iſt, bald blätterförmig mit langen lappenar tigen Zertheilungen, bald ſteht auf dem ſeilartigen Stiel ein breiter riemenförmiger Lappen, oder der birnförmige Kolben trägt eine Krone klafterlanger Blätter. CFortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.

Oeffentliche Aufforderung.

Johann Georg Ratz von da, eingetragene] Sie ſind jedoch nicht im Stande, ihr behauptetes

11401] Adam Enders und Konrad Bek⸗ Liegenſchaften, worüber Verzeichniß vorliegt und ausſchließliches Recht an dieſen Liegenſchaften ker IV. von Gambach, ſowie Maria Eli⸗ in der Regiſtratur des Landgerichts eingeſehen] nachzuweiſen; auf ihr Anſtehen ergeht daher dieſe ſabetha, Martin Engels Ehefrau, geb.] werden kann, als Erben des vorgedachten Jo⸗ öffentliche Aufforderung zur Anmeldung etwaiger Becker, zu Holzheim wollen verſchiedene, in]hann Georg Ratz und ſeiner ebenfalls längſt J Anſprüche, und find ſolche binnen einer Friſt Gambacher Gemarkung gelegene und noch auf verſtorbenen Ehefrau verthellen und veräußern.] von 2 Monaten ſogewiß dabier anzuzeigen, als

2200 J. auf den Rudolph

die noch 106/10, 225½2ʃ, 302/30, 176/60 124/18, 1428 eingetragen. Nach vor fall dieſes reiherrn Ullcadt bean Eigenthum, erworben wo damlienfdei Jugeſchtieben Da nun e ſändig wenig bönnen, ſo! welche an di bilden zu kot binnen drei Rechtsnachth dieſelben ale Freiherrn G Ullſtadt, üb lienfideicomt Friedber

L128) Nac Friedrich do Schloß Ilde zuftehenden a) eine d. ſtian Erbleit jährlich

b) ein Ge 13 fl. sole nach de mungen abgel Es werden Kannte und un fordert, ihre 10 dei Monaten um ſo gewiſſe zahlung der Ad enn Bericht tiedder. Guoßh

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Gro dofm Uundricht