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ſicherung, ſeine Unpäßlichkeit habe nichts zu bedeuten und werde in wenigen Tagen vollends vorüber ſein. Anton Strumpf betrachtete den Vetter zögernd und mit einiger Unruhe aufmerkſam von der Seite, verzog ſein fettes Ge⸗ ſicht zu einem breiten Grinſen und ſchrie mit ſeinem Bier⸗ baß:„Meiner Treu, Vetter! wenn das wahr iſt, ſo freut es mich um ſo mehr.... Ihr fühlt Euch alſo wirklich beſſer?⸗ f a W „O, um Vieles— um ſehr viel beſſer!“ ſtöhnte artmann. l 8„Ei, da wünſch' ich Euch Glück dazu!“ fuhr der Brauer fort und ſchielte den Kranken noch immer halb ungläubig an.„Die braven Leute ſollten niemals krank werden. Ihr habt 1 wohl den Arzt rufen laſſen? Und s ſagt denn Der?- b * 55 kommt alle Tage,“ verſetzte Hartmann.„Mich dünkt, er iſt ganz zufrieden mit meinem Befinden, denn er verſchreibt mir keine Arznei mehr, und verſichert mir, es gehe Alles gut.“ 5 f i N 6 b das iſt ja prächtig!“ ſchrie der Bier⸗ brauer, der ſich ſeinen Aerger nicht merken laſſen wollte; —„na, Vetter! Ihr habt'ne gute Geſundheit, das muß wahr ſein! Ihr könnt einen Puff ertragen, ſeid ein Fel⸗ ſenkerl! Wie's ſcheint, habt Ihr Euch ein Bischen er⸗ kältet, aber die alten Knochen halten noch immer gut zu⸗ ſammen.“ 105
„Freilich, freilich!“ antwortete der Alte, der gern Andere von der geringen Bedeutung ſeines Unwohlſeins überzeugen wollte, um ſelber daran glauben zu können. „Es fehlt mir nur noch etwas an Kraft, aber die wird
on wiederkehren!“ f
1„Wir denen Euch Etwas, das Euch wieder Kraft geben ſoll, Vetter!“ fiel ihm Thereſe, die Brauersfrau, in's Wort und nahm aus einem Korbe eine gerupfte fette Gans und drei Flaſchen Wein.„Seht, Vetter! dieſe prächtige Watſchlerin da hab' ich expreß für Euch ge⸗ mäſtet, damit Ihr Euch eine rechte Labe daran holen ſollt; und da ſind auch drei Flaſchen Wein von unſerm jüngſten Gewächs zum Verkoſten, weil wir ihn dieſe Woche abge⸗ laſſen haben! Da müßt Ihr tüchtig davon eſſen, das bringt Euch wieder zu Kräften 1
Hartmann ſchielte gierig nach der Gans und den Weinflaſchen, denn die Ausſicht auf eine gute Mahlzeit, die ihn Nichts koſtete, machte ihm bei all ſeiner Schwache den Mund wäſſern. Er rief Emilien, zeigte ihr dieſe Mundvorräthe und hieß ſie davon ein leckeres Mittags⸗ brod bereiten, woran Vetter Strumpf und Thereſe theil⸗ nehmen ſollten. Es war ja billig, daß die Brauerin die Gans verzehren half, die ſie für den kranken Vetter ge⸗ mäſtet hatte. Emilie ſchaute überraſcht drein und zauderte. „Aber, lieber Vetter,“ ſagte ſie,„der Gänſebraten ſoll ja ſehr ſchwer verdaulich ſein!“ g
„Bah, das ſind Schnacken!“ ſagte der Bräuer; „Gänſebraten thut nur Dem wehe, der nicht drein beißen darf. Eßt nur nach Herzensluſt, Vetter Hartmann 1
„Ja, eßt nur, Vetter, und Gott geſund' es Euch!“ rief Thereſe;„ich glaube gar, das Stadtjüngferchen gönnt's uns nicht, daß wir miteſſen?— O Maria und Joſeph! Jungfer Emilchen! Sie wird ſich auch noch ſatt eſſen können. Bei uns auf dem Lande ſind die gebratenen Gänſe keine ſo ſeltenen Vögel, wie in Ihrer Mutter Hauſe. Verſteht Sie mich?“
Emilie ging beſchämt und that wie ihr befohlen; an unbedingten Gehorſam gewöhnt, hatte ſie nur in ihrer liebevollen Sorge für den Kranken den Muth gefunden, ihm zu widerſprechen. Sie erinnerte ſich aber nun, daß der Doctor ihr ja erlaubt habe, dem Vetter Alles zu
geben, was er nur zu eſſen begehre, und ſie rüſtete das
Mittagbrod ohne weitere Einwendungen.
Der appetitliche Duft des Gänſebratens drang bald bis in die Stube des Kranken, deſſen ausgehungerter Magen durch dieſe Gerüche ungemein angeregt wurde. Die Ausſicht auf den unentgeltlichen Schmaus ſtachelte ſeine Eßluſt gewaltig, und als die Mahlzeit fertig war, ließ er den gedeckten Tiſch neben ſein Bett ſtellen, und that dem Braten und dem Kartoffelſalat alle mögliche Ehre an, ſo lange nur noch ein Biſſen in ſeinem ver⸗ ſchrumpften Magen Platz hatte. Vetter Strumpf ſprach ihm weidlich zu und ſchenkte ihm mehrmals ſein Glas voll, das Hartmann dann mit zitternder Hand zum Munde führte. Auch bekamen Wein und Braten dem Alten im erſten Augenblick gar nicht ſchlecht, ſondern ſchienen wirk— lich ſeiner geſchwundenen Kraft wieder aufzuhelfen und ihn in beſſere Stimmung zu verſetzen. Er richtete ſich kräftiger auf, ein kleines Räuſchchen machte ſeine Augen glänzen; er erging ſich von Neuem in ſeinen vielerlei Plänen und Luftſchlöſſern, und drückte ein Mal über's andere dem Vetter Bierbrauer und Thereſen die Hand mit der Verſicherung, daß ſie ſich als rechte Verwandte an ihm bezeugt haben, denen er das Bischen Hab und Gut, das ſie einſt von ihm erben würden, von Herzen gönne. Er gab ihnen ſchon manch guten Rath, was ſie dann mit dem Gelde beginnen ſollten, das ſie von ihm erben wür⸗ den, und Strumpf und ſeine Frau weinten vor lauter Rührung. Endlich brachen ſie auf, um noch verſchiedene Geſchäfte in der Stadt zu beſorgen, und mußten dem Alten verſprechen, daß ſie ihm am Abend, bevor ſie wieder nach Hauſe fuhren, noch Lebewohl ſagen würden.
Kaum waren ſie eine Viertelſtunde fort, ſo beſuchte
der Doctor den Kranken, der ihm erzählte, wie trefflich
ihm ſein Mittagsmahl gemundet, das der erbſüͤchtige Neffe und ſeine Frau ſpendirt hätten.
„Sehen Sie, Doctorchen!“ ſagte er, mit dem Glaſe in der Hand und mit einem höhniſchen boshaften Blinzeln ſeiner unſtäten Augen—„den Wein da haben ſie auch gebracht, das ſcheinheilige heuchleriſche Pack, das mir mit Ungeduld auf's Ende wartet! Und ich verſichere Sie, dem Vetter ſein Wein iſt beſſer als ſein Herz!“ ſetzte er lächelnd hinzu, trank ſein Glas vollends aus und ſchnalzte vor Behagen und Schadenfreude.
„Nun, Nachbar, Sie befinden ſich ja, wie es ſcheint, weit beſſer?“ fragte Marcus erſtaunt.
„Gewiß— weit beſſer!« ſtammelte der Alte ange⸗ trunken.„Die Mahlzeit hat mir königlich gemundet, und ich habe mir recht gütlich gethan! Hahaha! ſie machen meiner Erbſchaft mit Gänſen den Hof und mit neuem Wein!... Und ich nehme Alles an— Alles. Ich mag Niemanden durch eine abſchlägige Antwort wehe thun.. Und viele ſolcher Küchengrüße bringt mir der Anton doch nicht mehr!“
„Wie? Sie halten die Freigebigkeit Ihres Neffen für eine Berechnung?“ fragte Marcus lächelnd.
„Gewiß; es iſt eine Wurſt, die ſie nach der Speck⸗ ſeite werfen; ein Kapitälchen, das ſie auf tauſendfältigen Gewinn anlegen wollen. O, ſie halten mich für ihren Gimpel, weil ich von ihrem Wein trinke und von der Gans eſſe, die die Baſe expreß für mich gemäſtet hat, wie ſie ſagt. Aber ich kenne ſie wohl, die Beiden, und wir wollen ſehen, wer zuletzt lacht! hahaha!“
„Nun, Sie werden doch nicht die Abſicht haben, den Leutchen einen Strich durch ihre Hoffnungen zu machen?“ rief der Doctor.
„Und warum nicht?.... Ich kann ja doch über das Bischen Hab und Gut, was ich mein nenne, verfugen
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