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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal. Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
Friedberger Intelligenzblatt.
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beben Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. ge
ſammen 7 kr.
„ 60.
Freitag, den. Auguſt.
18511.
Amtlicher Theil.
Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1884 ſind zu publieiren:
Nr. 24 sub 1 und 3. Friedberg am 31. Juli 1854.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Müller.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großherzogliche Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Die von den Polizeigerichten zum Abverdienſt beſtimmten Feldſtrafpoſten. Sie werden erinnert, die Berichte über die zum Abverdienſt beſtimmten Feldſtrafpoſten binnen 14 Tagen bei
Meidung der Abholung einzuſenden. Friedberg am 27. Juli 1854.
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Das Ver mächtniß. Erzählung von G. Freitag. (Fortſetzung.)
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Marcus beſuchte ſchon am andern Morgen ſeinen Pa— tienten wieder, fand aber ſeinen Zuſtand bedeutend ſchlimmer. Das Uebel hatte ſchon ſolche Fortſchritte gemacht, daß die Bemühungen der Wiſſenſchaft um ſo nutzloſer bleiben muß⸗ ten, als die karge Lebensweiſe des Greiſes ſeine Kräfte zuvor ſchon bedeutend heruntergeſtimmt hatte. Heftige Fieberanfälle wechſelten mit anhaltenden Ohnmachten und gänzlichem Darniederliegen aller Kräfte, welche von Tag zu Tage immer mehr ſchwanden, und der Doctor bemerkte bald, daß er alle Hoffnung aufgeben müſſe. Er verzichtete daher auf den ferneren Gebrauch von Heilmitteln, die ohnedem wirkungslos geworden waren, und ließ den Phan⸗ taſieen und Hirngeſpinnſten ſeines Patienten freies Spiel. Dieſer baute ſich tauſenderlei Luftſchlöſſer, hatte alle mög— lichen Wünſche und Projekte, deren Erfüllung und Aus- führung aber ſtets im Augenblick der Verwirklichung an dem Geiz des Alten ſcheiterte. Das aber entging dem Kranken doch nicht, daß die Quellen des Lebens in ihm allmählig verſicchen gingen, und er übertrieb daher den Drang der Vorſicht in der Selbſterhaltung, und erhielt ſich in der Illuſion, er werde bei gehöriger Schonung ſeiner Kräfte noch manche Jahre zu leben haben. Er ließ es deßhalb geſchehen, daß ihm Emilie zuweilen einige Löffel alten Wein und eine Schnitte von einem Huhn reichte, um ſo mehr, als er bemerkte, daß ſie die Aus— gaben dafür von dem Ertrag ihrer eigenen Arbeit deckte.
So vergingen vierzehn Tage. Emilie legte eine wahre Engelsgeduld und Selbſtverläugnung an den Tag und verſäumte nicht das Mindeſte in der Pflege des Greiſes, den ſie ihren Wohlthäter nannte. Seit zehn Jahren ſchon war ſie an dieſe ſelbſtgewählte Duͤrftigkeit gewöhnt, ſo daß ſie dieſelbe ohne Murren ertrug und bei— nahe ſelber glaubte, der Vetter ſei ein armer Mann, der
kaum zu leben habe. Sie beklagte den Kranken, anſtatt ihn anzuklagen, und hatte nie aus anderem Grunde reich zu ſein gewünſcht, als um ihn beſſer verpflegt zu ſehen und den Genuß behaglicherer Exiſtenz mit ihm zu theilen. Der Doctor hatte zuvor ſchon ein großes Intereſſe an dem ſtillen freundlichen Madchen genommen; nun aber entdeckte er bei jedem Beſuche immer neue treffliche Eigen— ſchaften, neue Schätze in dieſem Gemüthe, das Alles aus ſich ſelber war, und Nichts von Anderen begehrte, als die ihr ſo erfreuliche Erlaubniß, ſich für ſie aufzu— opfern, ihnen helfen und dienen zu dürfen. Die ſteigende Theilnahme und Hochachtung fuͤr Emilien übertrug ſich bei dem Doctor unbewußt auch auf den alten Geizhals, als den einzigen Verwandten und Freund, den die arme Waiſe auf der ganzen Welt hatte. So kärglich auch Schutz und Obdach geweſen waren, welche der alte Hart— mann ihr gegönnt hatte, ſo waren ſie ihr doch Erſatz für die eigene Familie geweſen. Aber was ſollte nach ſeinem Tode aus ihr werden? Ein Erbtheil hatte ſie von dem Alten nicht zu erwarten, denn er hatte nähere Verwandte, einen leiblichen Neffen, Sohn ſeiner einzigen Schweſter, den reichen Brauer Strumpf, aus einem benachbarten Marktflecken, mit welchem der alte Hartmann ſtets im beſten Einvernehmen gelebt hatte. Der Bierbrauer pflegte alle paar Tage dem kranken Greiſe einen Beſuch abzu— ſtatten, um zu ſehen, welche Zeitfriſt ihn noch von dem Antritt ſeines Erbes trenne, und ſo kam er denn mit ſeiner Gattin auch an demjenigen Tage, wo Hartmann's Uebel einer entſcheidenden Kriſe entgegenging.
Der Brauer war ein dünkelhafter brutaler Empor— koͤmmling voll Unwiſſenheit und Rohheit, der ein gewiſſes derbes Weſen angenommen hatte, um ſich den Schein von Freimuth und Offenheit zu geben, und recht laut zu ſprechen pflegte, damit die Leute auch an Das glaubten, was er ſage.
Beim Anblick des Sterbenden wollte das Stumpf'ſche Ehepaar in lautes Wehklagen ausbrechen; aber der Vetter Hartmann ſtopfte ihnen ſogleich den Mund mit der Ver—


