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ae Organ für die Interessen des werktätigen Volkes aun bann n der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Nr. 75
Gießen, Samstag, den 31. März 1923
183. Jahrgang
Der dentsche Kampf um Freiheit und Sein.
Nationalsozialismus und Kapitalsinter nationale.
Foch
Sanktionen und Pfänder diese Grenze
Zu den Pariser Friedensverhandlungen hatte Marschall Herrn Clemenceau ein Memorandum unterbreitet, das folgende Stelle enthält: 5 Diese Grenze(die Rheingrenze) muß Deutschland auf⸗ gezwungen werden. Von jetzt ab wird der Rhein die West⸗ grenze der germanischen Völker sein.“ Dieses Ziel ist nun bis jetzt nicht erreicht worden. Darum geht die Politik Poincarés darauf hinaus, durch allmählich zu ge⸗
Iiwinnen.
auch die wirtschaftlichen Pläne
Neben den politisch⸗strategischen Triebkräften, die auf seine„natürliche“ Grenze Frankreichs abzielen, wirken aber der französischen Schwer⸗
lindustrie, die unter den gegebenen Verhältnissen noch tief.
gehender sind als die Einflüsse der französischen Militärs.
ö Der ungeheuere Zuwachs, den die französische Schwer⸗ industrie durch Elsaß⸗Lothringen, durch die Monopolstellung in Luxemburg, durch die Ueberlassung der Saargruben auf 15 Jahre und durch die Reparationskohlen erhalten hat, genügt ihr noch nicht. Auch die Zuteilung der Hauptmasse der oberschlesischen Industrie an Polen und damit an die östliche Interessensphäre der französischen Schwerindustrie wird von diesen Kreisen noch nicht als ausreichend ange⸗ sehen. Der wirtschaftliche Imperialismus. der Herrschafts⸗ drang und der Machthunger der französischen Industrie⸗ könige verlangt gebieterisch nach der Einbeziehung des Ruhr⸗ gebietes in ein zentrales, einheitliches Industriebecken Europas..
8 Poincaré hat in den letzten zwanzig Jahren diese mäch⸗ igen finanziellen und industriellen Gruppen Frankreichs fals Rechtsanwalt vertreten, er war als Abgeordneter im Parlament deren Wortführer, ebenso als Präsident der Republik, und ist jetzt als Ministerpräsident deren Vollzugs sorgan. Wer ist nun die Spitze dieser mächtigen, bestimmen⸗ den und Deutschlands Wirtschaft zerstörenden Gruppen?
Die entscheidenden Führer dieser Gruppen sind: 3 Eisensyndikat(Comité des Forges), 5 Schneider⸗Creusot, der sofort nach Gründung des tschecho⸗ 5 slowakischen Staates auch die Skoda-Werke in Pilsen an sich Frriß, 0 6 1 Kohlensyndikat,
1 die Vereinigung der chemischen Werke und 1 die Pariser Unionbank. 13 Diese Führung hat die Regierung, das Parlament'und die große Pariser Presse vollkommen in der Hand, nach deren Pfeife muß getanzt werden.
Was das Ruhrgebiet für diese Kreise bedeutet, ist zu
zersehen aus einem Elaborat von Francois Delaisi, eines ehemaligen hohen Beamten des französischen Kolonialmini⸗ isteriums. Er sagt da unter anderm: 0„Wenn die großen französischen Fabrikanten sich die mehr oder weniger verkleidete Annexion des Rheinlandes wünschen, so geschieht dies vor allem, weil die natürlichen Bedingungen und menschliche Kurzsichtigkeit sie von dem Ruhrbecken ab⸗ hängig machen.
Für die Metallindustrie glaubten die Versailler Bevoll⸗ mächtigten genügend Vorkehrungen getroffen zu haben, indem sie ihr den Ertrag der Saargruben für 15 Jahre zuwiesen Dies war jedoch ein vehängnis voller Irrtum, denn die Saarkohle ergibt keinen guten Gießereikoks. Selbst als sie noch unter deutscher Herrschaft waren, holten die lothringischen Hoch⸗ öfen ihren Koks aus dem Ruhrrevier, und unsere Gießereien im, Norden und Osten taten dies gleichfalls.
Die Lage ist heute noch ebenso, und ein Studium der Wirt⸗ schaftsstatistik lehrt, daß die geringste Abnahme der Ruhrkohlen⸗ lieferung unmittelbar eine teilweise Stillegung der französischen Hochösen im Norden und im Elsaß bewirkt. Diese durch die Natur bedingte Abhängigkeit ist vom Gesichtspunkt un⸗ ferer Metall industrie aus eine schmerzliche Tatsache. Ueberdies hängt die Preis der Kohle in ganz Frank⸗
7 35 der Lieferung der teerhaltigen Kohle aus Deutsch⸗ and ab.“
Das sind die Gründe für die Ruhraktion der französi⸗ schen Schwerindustrie. Dies zeigt aber auch die Quellen, aus denen der Franken nach Bayern rollt. 5 a
Auf die Geldquellen der Nationalsozia⸗ listischen„Arbeiter“partei und auf deren politi⸗
ische Einstellung wirft das ein grelles Licht. Diese Partei
und ihr Organ, der Völkische Beobachter, führen einen rück⸗ sichtslosen Kampf gegen die deutsche Abwehrfront. In seiner Samstagnummer reißt der Völkische Beobachter in
seinem Artikel„Kanzlersprüche“ voll Gift und Zynismus den bürgerlichen Reichskanzler herunter. Cuno sei„ein schöner, ein kluger Mann, er halte hübsche Reden, aber er sei— kein Mann“. Dagegen wird im gleichen Blatte
der amerikanische Industriekönig Henry Jord geradezu ver⸗ [himmelt und begeistert wird mitgeteilt, daß er zur Präsi⸗
Poincaré vor dem Hauptausschuß. Zu Verhandlungen nicht bereit.
Im Hauptausschuß der Kammer hat Poincaré am Dienstag über die Kredite für die Ruhrbesetzung gesprochen. Er entwarf ein allgemeines wirtschaftliches wie politisches Bild zur Lage im Ruhrgebiet und machte im einzelnen Mit⸗ teilungen über die miltärische Verwaltungsorganisation, die ausnahmslos dem Oberkommandierenden der verbündeten Truppen anvertraut worden ist.
Weiterhin kam Poincaré auf den von der deutschen Regierung und den deutschen Industriellen von Beginn der Besetzung an ge⸗ leisteten passiven Widerstand zu sprechen. Er erklärte, daß die Schutz⸗ polizei aufgelöst werden müsse, denn sie sei eine rein militärische Organisation und daß im ganzen 1000 preußische Beamte aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden seien.
Nur eine andauernde und ununterbrochene Besetzung werde angesichts des Widerstandes der deutschen Regierung die Verwirklichung eines Programms der Verwertung des Ruhr gebiets erlauben, durch die das Wiedergutmachungsproblem gelöst werden kann. Diesem Problem zuliebe müßten die Ein⸗ und Aus⸗ fuhr izenzen, die zur wirtschaftlichen Blockade führen, wieder ein⸗ geführt werden.
Poincaré betonte, daß die Großindustriellen im Ruhrgebiet die Seelen des Widerstandes seien. Sie hätten mehrmals ver⸗ sucht, direkte Verhandzungen mit der französischen Regierung an⸗ zulnüpfen! Diese nehme aber
nur formelle Vorschläge von der Reichsregierung an. Vorschläge von neutralen oder alliierten Mächten könnte die französische Regierung nicht 3 1 97 9 4
Weiterhin sagte Poincaré, daß Belgien und Frankreich darin einig sind,
die Ruhrpfänder bis zur völligen Bezahlung der deutschen
Schuld zu behalten und die Räumung des besetzten Gebietes nur nach Maßgabe der erfolgten Zahlungen vorzunehmen. Essen vor allem, sagte Poincaré, würde unter leinen Umständen aufgegeben werden, bevor die politische Regelung der Reparationsfrage durchgeführt ist.
In der Frage des Eisenbahnverkehrs konstatierte Poincaré mit Genugtuung, daß die Forderung nach freiwilligen Hilfskräften ausgezeichnete Ergebnisse hatte.(2) Die
Eisenbahnen seien das beste Pfand in den Händen der Besatzungsmächte. Ueber die Koks⸗ und Koh⸗ len ransporte machte er folgende Angaben: Seit kurzem erreichen diese Transporte eine tägliche Menge von 3500 Tonnen; bald wer⸗ den sie verdoppelt werden Von den 114 Hochöfen vor der Be⸗ etzung sind 74 noch im Gange. Auch diese Ziffer werde bald be⸗ eutend erhöht werden.
Arbeitsminister Le Troquer machte im Anschluß daran noch die Mitteilung, daß die Ziffern der auf den Gruben⸗
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Koks und 2 Millionen Tonnen Kohlen betragen.
Die Kommission bewilligte danach alle Kredite, die von der Regierung verlangt wurden. Eymod soll der Kammer einen Bericht vorlegen, der am Freitag zur Verhandlung kommen soll.
Die vorstehend wiedergegebenen Erklärungen Poincarés über die Lage im Ruhrgebiet sprechen dafür, daß Frankreich überhaupt nicht bereit ist, mit Deutschland auf ehrlicher Grundlage zu verhandeln. Nach den Aeußerungen des fran⸗ zösischen Ministerpräsidenten soll die Ruhraktion, aus deren Mißersolgen er selbst kein Hehl mehr macht, erst dann auf⸗ gegeben werden, wenn Deutschland Fa pitü liert, wenn Frankreich ohne weiteres das Ruhrgebiet als Pfand behalten kann, angeblich, bis das Deutschland seine Repa⸗ rationsverpflichtungen vollständig bezahlt hat. Diese Zu⸗ mutungen, zu deren Verwirklichung keine deutsche Regierung beitragen wird, sind nicht nur widerrechtlich, sondern sie be⸗ weisen auch, daß Frankreich seine annexionistischen Absichten, wie sie ihm von guten Kennern der französischen Politik zu⸗ geschrieben werden, noch nicht aufgegeben hat. Hinter den Erklärungen Poincarés verbirgt sich der Gedanke, durch wirtschaftliche Zerrüttung Deutschlands, die eintreten muß,
wenn Frankreich das Ruhrgebiet als Pfand behält, das Rheinland selbst gegen den Willen seiner Bewohner zu
annektieren.
halden vorhandenen Vorräte augenblicklich 560 000 Tonnen
Deutschland soll kapitulieren!
Widerrechtlich wäre die Inbesitznahme des Ruhrgebietes als Pfand bis zur endgültigen Regelung unserer Repara⸗ tionsverpflichtungen insofern, als der Versailler Vertrag die territorialen Pfänder genau umgrenzt. Nicht das Ruhr⸗ gebiet, sondern die linksrheinischen Gebietsteile gelten in diesem Vertrag als territoriale Pfänder und nur die Ge⸗ samtheit der Alliierten hat darüber zu entscheiden, in welchem Maße dieses Gebiet Deutschland entsprechend sei er Erfüllung zurückgegeben werden kann. Poincaré setzt sich also mit seiner Forderung offen in Widerspruch zu den alliierten Mächten. Er will scheinbar den Versailler Vertrag nach eigenem Gutdünken zugunsten seiner annexionistischen Absichten ohne die Verbündeten revidieren.
Der deutschen Verständigungsbereitschaft, die aus der jüngsten Rede des Reichsaußenministers hervorgeht, steht also eine Verhandlungsgegnerschaft der französischen Re⸗ gierung gegenüber, mit der sich die deutsche Arbeiterschaft abfinden wird. Die„passive Refistenz“ muß fortgesetzt werden, weil Poincaré es wünscht; sie soll aber andererseits ihr Ende finden, sobald Frankreich bereit ist, zu einer ehr⸗ lichen Verständigung die Hand zu bieten. Eine Kapitulation, wie sie Poincaré fordert, kann es für die deutsche Arbeiter⸗ schaft aus Selbstinteresse ohne weiteres nicht geben.
Das Pariser Echo der Rosenberg⸗Rede.
„Der Pariser Temps sagt zu den Erklärungen des Reichsaußenministers in seinem gestrigen Leitartikel:
„Herr von Rosenberg legt Wert darauf, alle Brücken abzu⸗ brechen, über die eine loyale Verhandlung hätte geschehen können.“
Am Quai d'Orsay(dem französischen Außen ministerium) wurde am Mittwoch abend über die Rede
Rosenbergs erklärt, daß Deutschland anscheinend alle nur
erdenklichen Lösungsmöglichkeiten in Aussicht genommen habe, mit Ausnahme der einzigen, die für Frankreich in Frage kommen könnte, nämlich der direkten Ueberreichung offizieller Vorschläge.
Diese einzige, für Frankreich in Frage Lösungsmöglichkeit ist gleichzeitig unmöglich. Stinnes und Jasper in Mailand?
In Mailand, wo sich Mussolini aufhält, ist der belgische Außen⸗ minister, Jasper angekommen. Die römischen Blätter meldeten auch die Ankunft Stinnes in Mailand. Eine französische Nachrichten⸗ agentur berichtet hierzu, daß Stinnes, der bereits den Nachtexpreß Rom- Berlin bestiegen hatte, sich im letzten Augenblick anders be⸗ sann und sich entschloß, nach Mailand zu fahren. Die offizielle ita⸗ lienische Nachrichtenagentur veröffentlicht folgende Note: Alles, was über die Ursachen und die Ergebnisse der Unterredung des Staats⸗ sekretärs im Ministerium des Innern mit Stinnes mitgeteilt wurde. entbehrt jeder Grundlage.
Das Wüten der französischen Kriegs⸗„Justiz“. 20 Jahre Zwangsarbeit!
Das französische Kriegsgericht in Landau hat den Eisen⸗ bahn⸗Betriebsinspektor Gottfried in Ludwigshafen zu der entsetzlichen Strafe von zwanzig Jahren Zwangsarbeit ver⸗ urteilt. Ueber die Gründe dieses Schreckensurteils berichtet ein Korrespondenzbureau folgendes:
„Der pfälzischen Eisenbahn wurde von der französischen Besatzungsbehörde der Auftrag gegeben, ein französisches Diensttelegramm, das einen französischen wilden Zug auf der Strecke meldete, zu befördern. Gottfried hat auf Grund der Vorschriften des Reichsverkehrsministeriums dieses Ansinnen abgelehnt. Der betreffende französische Zug ist darauf ent⸗ gleist, jedoch sind keine Menschen zu Schaden gekommen. Für die Entgleisung des Zuges wurde jetzt Gottfried vnn der französischen Besatzungsbehörde verantwortlich gemacht.“
Gottfried hat also nur getan, was er als pflicht⸗ und ver fassungsgetreuer Beamter der deutschen Republik hat tun müssen. Und dafür verurteilen ihn die Schergen des frar⸗ zösischen Großkapitalismus zu 20 Jahren Zuchthaus. Im Namen der„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zer,
kommende
BPbPbPPCoCocoCcCcCoCcCcrcrcrccc/ Th n
Ford ist einer der schwerwiegendsten Geldgeber der Nationalistischen Arbeiterpartei. Führer dieser Partei haben ihm den Vorschlag unterbreiten lassen, er solle nach München kommen, sich die Bewegung ansehen, dann werde er sich überzeugen, was mit seinem Gelde geleistet wird und wie notwendig es sei, daß er noch mehr leiste, da die vorhandenen Einrichtungen sehr viel Geld kosten.
Ford ist einer der größten Industriellen Amerikas, er ist Jude, der sich mit seinen Glaubensgenossen aus großkapita⸗ listischen Gründen überworfen hat. Ford ist aber auch im französischen Konzern Schneider⸗Creusot, dessen Bestrebun⸗ gen gegen Deutschland wir vorstehend gekennzeichnet haben. Auf die früheren Veröffentlichungen über ihre Finanz-
identenwahl in Amerika kandidieren werde.
quellen haben die Nationalsozialisten erklärt:
enn eee eee neee— 2— Wir, die Nationalsozialistische„Arbeiter“ partei, nehmen Geld von jedem deutschen Manne, wenn es uns bedingungslos gegeben wird.
Die heutige Feststellung zeigt, daß der berechnende, amerikanisch⸗französisch versippte Großkapitalist die national sozialistische Bewegung aushält. Und wenn keine Bedingun⸗ gen gestellt sind, so muß diese Kapitalshyäne von der Tätig · keit dieser Partei überzeugt sein, daß seine Interessen damit gefördert werden. Sonst würde er nichts für die Bewegung übrig haben. 8
Zur Erörterung steht also eigentlich die Frage, ob dis Nationalisten bewußt oder unbewußt die Geschäfte der französischen Schwerindustrie besorgen.
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