herrnhalle marschiert.
ein Hlatt, das den deutschen Abwehrkampf gegen den Ein⸗ bruch der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet mit größter Entschiedenheit unterstützt, zu einem scharfen Protest. Von einem sehr ruhigen und allem Chauvinismus abholden Beobachter, der die ganze Fahrt mitgemacht hat, wird mir aber versichert, daß die Demonstrationen an keiner Stelle einen herausfordernden Charakter gegen die in der Nähe be⸗ findlichen Besatzungstruppen angenommen hätten und daß nirgendwo nationalistische Uebertreibungen oder reaktionäre Nebengeräusche zu beobachten gewesen seien. Das gleiche kann von der Kundgebung am Essener Bahnhof gesagt wer- den. Gerade eine aus den Volksmassen hervorgegangene und auf sie sich stützende Partei wie die Sozialdemokratie sollte sich im übrigen doch auch dem durchaus volkstümlichen Charakter dieser Kundgebungen nicht verschließen, in denen eine lang angesammelte Erregung und Empörung gegen die fremden Bedrücker und die natürliche und gesunde Freude an dem helden⸗ und mannhaften Auftreten der aus Mainz
zurückkehrenden Männer sich Luft machte.
Im Interesse der Erhaltung der Einmütigkeit des deut⸗ schen Abwehrkampfes gegen den Ueberfall ist es trotzdem
notwendig, daß man sich in Deutschland in allen Schichten über die Bedingungen dieser Einmütigkeit völlig klar ist. Die Arbeiterschaft und alle einsichtigen Teile des Bürger⸗ tums lehnen auch in der jetzigen Krise und gerade in ihr alle nationalistische Stimmungsmache bestimmt ab. Trotz der bisherigen Mißersolge der Franzosen ist die Lage im Ruhrgebiet so ungeheuer ernst, daß nur ein mit kühlster Ueberlegung unter Niederhaltung aller nationalistischen Un⸗ besonnenheiten geführter Abwehrkampf überhaupt Aussicht auf entscheidenden Erfolg bieten kann. Eine solche Taktik wird durch die richtige Einschätzung des beiderseitigen Kräfte⸗ verhältnisses mit zwingender Gewalt vorgeschrieben; sie wird aber auch deshalb gefordert, weil nur, wenn an ihr festgehalten wird, die geschlossene Beteiligung der Arbeiter⸗ schaft an der allgemeinen Abwehr gesichert ist.„Auf diese mit voller innerer Anteilnahme erfolgende Mitwirkung der Arbeiter aber kommt, worüber sich hier im Ruhrrevier jeder⸗ mann klar ist, absolut alles an. Es kann also unter diesen Umständen tasächlich nicht eindringlich genug vor natio⸗ nalistischen Entgleisungen gewarnt werden.“
Wie Bahern vor den Fascisten kapitulierte.
Zu Kreuze gekrochen.
Hitler kann zufrieden sein! Er hat seinen Willen durch⸗ gesetzt und jeden Zweifel darüber, wer in Bayern regiert, be⸗ seitigt. Er hat nicht nur die ihm genehmigten sechs Ver⸗ sammlungen, sondern die von ihm geplanten zwölf abgehal⸗ ten, er hat die Standartenweihe, wie er es wollte, auf dem Marsfelde abgehalten und seine Sturmtrupps haben nicht, wie die Regierung anordnete, die Bannmeile gemieden, son⸗ dern sind, wie Hitler es wollte, durch diese hindurch zur Feld⸗ Die verfassungsmäßige Regierung Bayerns, die am Freitag feierlichst verkündete, daß die natio⸗ nalsozialistische deutsche Arbeiterpartei„den gesetzmäßigen Boden verlassen und der verfassungsmäßigen Regierung den Kampf angesagt“ habe, hat sich nicht dazu aufschwingen kön⸗ nen, die Verfassung vor den Fußtritten der Hitlerschen Hor⸗ den zu schützen. Sie hat den besseren Teil der Tapferkeit er⸗ wählt und sich feige vor Hitler ins Mauseloch verkrochen. Hitler konnte bei der Bannerweihe erklären, daß seine Flagge die„Flagge von Deutschlands Größe“ bleiben werde und ungestört durfte er von der Reichsflagge sagen, daß sie ein Zeichen sein wird von Deutschlands Schande, Deutschlands Ehrlosigkeit und Deutschlands Zusammenbruch.
Die Münchener Post stellt die vollkommene Niederlage der Re⸗ gierung fest und wendet sich heftig gegen die einseitige parteipolitische Einstellung der bayerischen Regierung. Diese habe sich dadurch ge⸗ zeigt, daß sie mit Hitler Handelsgeschäfte abgeschlossen habe, indem sie ihm gegemiber das Verbot der sozialistischen Versammlungen am Freitag als Kompensationsobjekt bemutzt habe. Von vornherein habe man es auf eine Einigung mit den Nationalsozialisten abgesehen. Das Verhalten des Polizeipräsidenten Nortz und des Innenministers 8 gegenüber den Drohungen Hitlers und seiner Leute beweise
Kein Nücktritt des Innenministers. Nach dem völligen Versagen des nach Verhängung des Be⸗
lage rungszustandes zum Generallommissar ernannten Innen⸗ Polizeipräsi⸗
ministers Dr. Schweyer und des Staatskommissars, dent Nortz wäre in jedem anderen Lande ihr weiteres Verbleiben im Amte unmöglich gewesen. In Bayern ist es anders. Die Ge⸗ rsichte von einem bevorstehenden Rücktritt Dr. Schweyers werden mit aller Entschiedenheit dementiert; allerdings wird von dem Münchener Polizeipräsidenten gesagt, daß mit seinem Rücktritt ge⸗ rechnet werden könne. Wir zweifeln einstweilen daran, daß Ver⸗ n der bayerischen Jaseisten in die Wüste geschickt werden.
Ein Rechtfertigungsversuch der Regierung. Die bayerische Regierung gab am Montag in der Staatszeitung eine amtliche Erklärung ab, in der sie ihre Maßnahmen betr. Belagerungszustand verteidigt. Die Ver⸗ hängung des Ausnahmezustandes habe sich nicht umgehen lassen, um der Regierung die für den äußersten Fall not⸗ wendigen Maßnahmen und Befugnisse in die Hand zu geben. Die Maßnahmen hätten auch ihren Zweck, die Sicherheit von Ruhe und Ordnung zu gewährleisten, erreicht. Es sei nicht an der Zeit, ungehemmt den Leidenschaften die Zügel schießen zu lassen. Jeder müsse der Regierung in dem Kampfe mit dem äußeren Feind zur Verfügung stehen.
Welche Rolle hat der Reichswehrgeneral gespielt?
Aufzuklären bleibt die Rolle, die der Münchener Führer der republikanischen Reichswehr, General von Lossow bei der Affäre gespielt hat. Bürgerliche Blätter behaupten, das Zurückziehen der bayerischen Regierung vor den Faszisten sei auf die„Vermittlung“ des Generals zurückzuführen. Von amtlicher Berliner Stelle wird erklärt, daß der General in einer Besprechung, an der u. a. der Polizeichef und die Vertreter der„Vaterländischen Verbände“ und andere teilnahmen, zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß ein Ein⸗ schreiten gegen die starrköpfigen Faszisten zu einer blutigen Kraft⸗ probe führen könne, die man hätte vermeiden müssen. Ergänzend wird dazu mitgeteilt, das an der Zuverlässigkeit der Reichswehr wie der Polizet kein Zweifel bestehe. Da wir nicht annehmen, daß der Herr General ebenso human gewesen wäre, wenn es sich um Kom⸗ mumistn gehandelt hätte, so bleibt uns nur übrig, an der Zuver⸗ lässigkeit des Generals und seiner Truppe ebenso zu zweffeln, wie an dem guten Willen der bayerischen Regierung der Reichs verfassung innerhalb der blau⸗weißen Grenzpfähle Anerkennung zu verschaffen.
Was dice Reichsleitung tun muß.
Da nicht zu erwarten ist, daß von Bayern aus der für die Sicherheit des Reiches notwendige Kampf gegen die Fascisten aufgenommen und durchgeführt wird, entsteht für die Reichsregierung, als der obersten Hüterin der Reichsver⸗ fassung, die Pflicht, in der„Ordnungszelle“ Ordnung zu schaffen. Die nächste Forderung ist, die unverzügliche Auf⸗ hebung des gegen links gerichteten Ausnahmezustandes in Bayern und die rücksichtslose Durchführung der Gesetze zum Schutze der Republik auch in diesem deutschen Lande.
Zur Verhaftung der Nationalsozia in Gera. ur V ung der Nativnalsozialisten aus dem Berlin 1 00 4 dem Hauptbahnhof in Gera gibt die Thi Regierung amtlich bekannt, daß in der Nacht vom Freitag Samstag der Kreisdirektor Drechsler gemeldet habe, daß Anzahl Roßbach⸗Leute sich in dem betreffenden Zuge auf der nach München befänden. Der Landespolizei sei es gelungen, 373 Ro bach⸗Leute festzunehmen. Unter ihnen befenden sich 40 Of unter der früher in der Thüringer Landespolizei tätig gewesen Hauptmann Lampel. Eine Anzahl Roßbach⸗Leute war mit Revol und Gummiknüppel ausgerüstet. Sämtliche Leute wurden erst in de Geraer Kaserne interniert, dann aber nachts nach Leipzig abges Das Thüringer Stactsministerium hat infolge des Vorfal Grund des Artikels 48 Absatz 4 der Reichs verfassung den 2 rungszustand über den Stadt⸗ und Landkreis Gera verhängt. Uebrigens sind auch in Frankfurt Transporte junger beobachtet worden.
Die Kritit des Reichstagshauptausschusses.
der Montagssitzung des Haushaltungsausschusses des 1 nahm bei der Ae über den Etat des Reichsprä und des Reichskanzlers Genosse Hermann Müller⸗Franken Anlaß die Vorgänge in Bayern zu erörtern. Der Belagerungszustand sei nur gegen links angewendet worden. Dagegen habe man die national⸗ sozialistischen Versammlungen in geschlossenen Räumen gestattet und auch den öffentlichen Umzug nicht verhindert. Werde diese w 0 Praxis aufrecht erhalten dann seien die schwersten Auseinande⸗ setzungen auch außerhalb Bayerns nicht zu vermeiden. Auch über d Wirkung auf das Ruhrgebiet solle man sich keinen Täuschungen geben. Ist es wahr, daß der Umschwung in der Haltung der b rischen Regierung durch das Eingreifen des Kommandeurs der Reich wehr, General v. Lossow herbeigeführt worden ist? Die Anwerbungen für die Reichswehr 9
im Ruhrgebiet erforderten die größte Aufmerksamkeit der Regierung Diese aus allen möglichen Elementen zusammengesetzten Trupps, o denen einer ja auch nach Berlin gelangt sei, gefährden die öffent Ordnung. In Berlin habe man sogar der Regierung wegen Unterbringung in Kasernen ein Ultimatum gestellt. Wir verlan eine klare Erklärung der Regierung, daß die Reichswehr nicht mehrt wird und daß Anwerbungen für sie nicht erfolgen. In der Aussprache meinte Abg. Dr. Beyerle(Bayr. Vol man müsse doch das Verhalen der bayerischen Regierung, die Ungesetzlichkeit habe entgegentreten wollen, anerkennen. Versar lungen in geschlossenen Räumen seien doch gefährlicher als Stra 70 Unberechtigt sei der Vorwurf, die bayerische Regierung sei
en. Minister Oeser erklärte, die Reichsregierung sei noch nicht im Besitz amtlicher Informationen, auch die Ausnahmeverordnung sei ihr noch nicht zugegangen. Di bayerische Regierung habe sich allem Anschein nach von der Ge lichkeit der nationalsozialistischen Bewegung überzeugt. Es sei dings nicht zu leugnen, daß die praktische Anwendung der V mung nur gegen die Sozialdemokratie erfolgt sei, die auf dem der Verfassung stehe, nicht aber gegen die, die die Verfasfung waltsam stüürzen wollten. Anderersefts dürfe man nicht ve daß die Zuverlässigkeit der Reichswehr die Verhandlungsber Hitlers zur Folge gehabt hätte. Auf diesem Boden sei wohl die mittlung der Reichswehr erfolgt, um Zusammenstöße zu ve den Minister Oeser bestätigte ferner Müllers Angaben über die Ann bung von Arbeitern aus dem Ruhrgebiet, die sich in Berlin mit der Hitlergarde vereinigt hätten, die nach München fuhr. Die 1 Reichsregierung denke nicht an die Erweiterung der Reichswehr. Sie lehne jede aktive Gegenwehr gegen Frankreich ab. Wenn die Au — weiter gehen, müßten Ausnahmemaßnahmen getroffen werden. a 1 Abg. Dr. Helfferich(Du.) sagte, die Ruhe in München zeige den Erfolg der Regierung. Das Verhalten d skandalös, daß auch dagegen eingeschritten werden müsse. Ein banerischer Regierungsvertreter betonte, es sei der Wu der bayerischen Regierung gewesen, schlimmerem vorzubeugen. durch, daß sie das erreicht habe, habe sie einen großen Erfolg k getragen. 8 Genosse Müller⸗Fronken stellte dann noch einmal fest, daß in München nicht mit gleichem Maße gemessen worden sei. Zweierlei Maß aber lassen wir Sozialdemokraten uns nicht gefallen! Wir wer⸗ den deshalb die Aufhebung des Ausnahmezustandes beantragen, zu⸗ mal die Schutzgesetze vollkommen ausreichen, wenn man sie anw will. Die Auskunft des Ministers über die Beteiligung der R
0 Der Deserteur. 10 Roman von Robert Buchanan.
„All das ist Aberglaube, und der Aberglaube ist eine böse Sache,“ lautete Arfolls ruhige Antwort.„In der Religion, in der Politik, in allen Angelegenheiten des Lebens ist der Aberglaube ein Fluch, mein Kind! Er ver⸗ anlaßt die Menschen, die sanften Toten, Phantome und die Dunkelheit zu fürchten, und er veranlaßt sie, böse Herrscher und böse Taten zu dulden, weil sie in ihnen ein böses Fatum sehen. Der Aberglaube hält schlechte Könige auf ihren Thronen, bedeckt die Erde mit Blut und bricht denen, die ihre Art wahrhaft lieben, das Herz. Siehst Du, mein Kind, der Aberglaube kann einen schlechten Menschen in einen Gott verwandeln und bewirken, daß alle Menschen ihn anbeten und für ihn sterben, als ob er wirklich göttlich wäre.“
i„Das ist wahr,“ sagte Rohan mit einem ängstlichen Blick auf Marcelle; dann, als ob den Lehrer von dem Thema ablenken wollte:„Es ist doch sicher. daß die große Stadt einst da unten gestanden hat?“
0„Wir wissen es durch verschiedene Zeichen. Man braucht nicht einmal tief zu graben, um ihre Spuren zu entdecken. Ach ja die Stadt stand da unten mit ihren Marmorpalästen, mit ihren goldenen Tempeln, ihren ungeheuren Bädern und Theatern, den Statuen ihrer Götter, und sie muß bei hellem Sonnenschein ebenso geleuchtet haben, wie jetzt Kromlair 05 unten heraufleuchtet. Damals war der Fluß ein wirk⸗ licher Fluß und weiße Villen standen an seinen Ufern, Blumen und Obstbäume dufteten in den Gärten. Unser Menhir stand schon damals auf seinem Platze und sah die ganze Herrlichkeit, aber auch all das Böse, denn die Stadt ward, gleich unseren Städten, mit Menschenblut erbaut. Alle Bürger nahmen teil an den Metzeleien auf Erden, jeder Mann trug ein Schwert an der Seite und Blut klebte an seinen Händen. Gott zürnte ihnen und ihre Steingötter konnten sie nicht retten. Diese alten Römer waren Wölfe in Menschengestalt! Sie waren die Kinder Kains! End— lich riß die Geduld Gottes und er fegte sie wie Unkraut von der Erde. Er erhob seinen Finger, und das Meer kam, ver⸗ schlang die Stadt und bedeckte sie mit Felsen und Sand. Männer, Frauen und Kinder wurden in einem Riesengrab begraben und dort schlafen sie alle—“
„Bis zum jüngsten Gericht!“ fiel ihm Marcelle feierlich ins Wort.
„Sie sind bereits gerichtet,“ lautete Arfolls Antwort. „Ihr Urteil war gesprochen und hat sich erfüllt, jetzt schlafen sie. Es ist nur ein Aberglaube, daß sie aus ihrem Grabe auferstehen werden.“
Marcelle wollte etwas entgegnen, aber das große Wort „Aberglaube“ machte sie verstummen. Sie hatte nur einen dunklen Begriff seiner Bedeutung, aber es erfüllte sie doch immer mit banger Scheu. Es war ein Lieblingswort, sozu⸗ sagen ein Schlagwort des Wanderschullehrers, und er ge— brauchte es in einer verwirrenden Weise, um alle möglichen Ideen und Zustände damit auszudrücken.
Rohan sagte wenig oder gar nichts. In Wirklichkeit war er über den feierlichen Ton, in dem Meister Arfoll das Gespräch führte, höchlich erstaunt, denn er kannte auch die heitere und sanftere Seite seines geschätzten Lehrers, den er nur sehr selten so ernst und traurig gesehen wie heute. Er war überzeugt, daß etwas Ungewöhnliches geschehen sein müsse und daß Arfoll sich nur nicht in Gegenwart Marcelles aussprechen wolle.
Sie stiegen jetzt den Abhang, der zum Dorfe führt, hinab. Marcelle war einige Schritte zurückgeblieben, während Rohan sich an der Seite des Wanderlehrers hielt— in der Absicht, dessen Mißstimmung zu ergründen.
Blick zufällig das Buch gestreift, welches sein Zögling in der
„Was hast Du da gelesen, Rohan?“ fragte Arfoll, dessen Hand hielt.
Rohan reichte ihm den zerschlissenen Band. Es war eine französische Tacitus-Uebersetzung mit dem lateinischen Urtext. Das Buch trug das Datum des Revolutionsjahres und war in irgend einem verborgenen Keller des unter dem Sturm zitternden Paris gedruckt worden.
„Wozu liesest Du das?“ rief der Lehrer erbittert, ob⸗ gleich er selbst Rohan in den Geist dieser Literaturgattung eingeweiht hatte.„Da findest Du kaum etwas anderes zu lesen als von Blut, Schlachten und dem Gestöhn der Völker unter dem Druck der Throne! Ach Gott, das ist fürchter⸗ lich! Sogar in diesem Buche hier, das die Menschen„Gottes Buch“ nennen“— dabei hielt er die Bibel in die Höhe— wiedrholt sich dieselbe Geschichte, wir hören denselben wahn— sinnigen Aufschrei der geopferten Menschen. Ja, Gottes Buch ist blutig, wie es Gottes Erde ist!“!
Dabei deutete er landeinwärts, und das Mädchen folg
Marcelle schauderte. Was der Lehrer da sagte, war sa Lästerung.„Meister Arfoll,“ stotterte sie; aber seine großen Augen waren ins Weite gerichtet, er hörte nicht, daß sie sprach, sondern fuhr klagend fort:„Seit dem Urbeginn des Menschengeschlechtes wütet diese wilde Gier, zu morden und Blut zu vergießen, dieser Kriegsdurst und Ruhmeswahn.
Weiß man es, ob jener große Stein dort drüben nicht den!
alten Zeiten doch noch das
Geist eines mächtigen Mörders aus alten, birgt, eines Kain, der, zu Stein erstarrt,
lebendige Bewußtsein empfindet, zu sehen, welchen Wert der
Ruhm hat, zu beobachten, wie Königreiche von der Erde
verschwinden, Könige und ihre Völker hinweggefegt werden,
wie welke Blätter vom Winde?! Das ist Aberglaube, ich weiß es; aber wenn es nach meinem Willen ginge, ich würde jeden Tyrannen so bestrafen. Ich würde ihn zu Stein ver⸗ wandeln und als warnendes Zeichen hinstellen! Er sollte alles sehen und hören! O, dann gäbe es keine Kriege mehr/ enn es gäbe keine Kains, die sie heraufbeschwören und die Menschheit zum Wahnsinn treiben!“ a
Marcelle begriff den Sinn seiner Rede nur halb, ab das Soldatenblut in ihr empörte sich. Sie würdigte Arf keiner Antwort, sondern wandte sich mit zornfunkelnden Blicken an Rohan:„Nur Feiglinge fürchten den Krieg, Mein Onkel Ewen war ein tapferer Soldat und hat sein Blut für Frankreich vergossen und dafür eine schöne Medaille vom großen Kaiser bekommen. Frankreich ist ein großes Lan und nur seine gegen die Feinde geführten Kriege haben so mächtig und berühmt gemacht. Die bösen Menschen, sich gegen den Kaiser auflehnen, weil er gut und mächtig
die sind an den Kriegen schuld; ihn darf man dafür 1 N
verantwortlich machen.“ 1 5
Arfoll hörte jedes Wort und lächelte traurig vor sich hin. Er kannte die Verehrung dieser Bauernmaid für d Kaiser; er wußte, daß sie gewöhnt worden war, ihn nä Gott als das erhabenste Wesen zu betrachten. Ohne Idol anzutasten, fragte er mit dem ihm eigenen überlege sanften Lächeln, dem man nicht leicht widerstehen kon „Das sagt Dein Onkel Ewen, nicht wahr? Jawohl, On Ewen ist ein tapferer Mann, aber willst Du, meine klei Marcelle, wissen, was der Krieg ist? Blick' mal dorth
Richtung seiner Hand. 0„ortsetzung folgt.)
er Roten Fahne se 5
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