nicht bringen werden. Wir müssen im Rahmen des passiven Widerstandes bleiben, diese Waffe des Geistes, die einzige, die wir haben, anwenden, bis es zum toten Ende kommt. Alles, was die Staatsautorität gefährdet, alles, was Parteihader und Zwistigkeit in das Volk hineinge⸗ fragen habe, muß hinter die eine großse Frage zurücktreten: Wie rette ich mein Vaterland? Wir können jetzt keine Parteipläne mit Dynamit und Revolver durchführen. Dazu ist es jetzt nicht an der Zeit. Eine rüiickhaltlose Billigung der Politik des preußischen Innenministers gegen die Landesverräter ließ Cuno aber auch diesmal vermissen. Scheinbar ist er sich nicht bewußt, daß Moralpredigten an die Abenteurer der Deuischvölkischen Partei nichts nutzen. sondern diese Gesellschaft nur durch Stratmaßnahmen kuriert werden kann. Wo blieb eine ent⸗ sprechende Androhung?
Protest der Pfalz.
Landau, 29. Juni,(Eig. Drahtb.) Die Regierung der Pfalz wendet sich erneut gegen den Versuch, den„aktiven Widerstand“ an Stelle der passiven Resistenz zu setzen. In einem neuen Aufruf an die Be⸗ völkerung sagt sie wörtlich: Solche Störungen(Dynamit⸗ atetnutate) verdrängen die Linie des passiven Widerstandes, bringen ihm keinen Nutzen und führen nur unabsehbares Unheil für die Unbeteiligten herbei.“
— Putschpläne in Hamburg. Hamburg, 28. Juni.(Eig. Drahtb.)
In der letzten Sitzung der Hamburger Bürgerschaft machte der Stadbemokmteiscg Abgeordnete Ehrenteit Enthüllungen über
einen
gut vorbereiteten Anschlag gegen die Republik, dessen fein gesponnene Fäden durch die Aufmerksamkeit der Polizei⸗ behbrgle zerrissen worden sind. Aus dem Material ergibt sich, daß seit 1919 in Groß⸗Hamburg auf Veranlassung des Stabes des Wehrkreiskommandos in Schwerin eine Nachrichtenstelle existiert. Weder die hamburgische, noch die preußische Regierung waren von der Existenz dieser Nachrichtenstelle unterrichtet. Auch die Regierung Wirth wußte nichts darüber. Diese Nachrichtenstelle hat bereits beim Kapp⸗Putsch bei der Vorbereitung und Durch⸗ führung ihre Hand im Spiele gehabt. Auch davon wußte weder die Hamburger noch die preußische Regierung, noch die vorherige Reichs⸗ regierung. Diese Nachrichtenstelle, die
5 aus privaten Mitteln unterhalten wird, befaßt sich noch heute mit der Ueberwachung von Versammlungen und Personen der links von den Deutschngtionalen stehenden Parteien. Zur Aufgabe der Nachrichteastelle gehörte, das Reichswehrkommando über interne Vorgänge innerhalb der Re⸗ gierungs parteien, über die Parteiführer und ihre Gewohnheiten zu unterrichten. Zu diesem Zwecke waren — 20 besoldete Agenten 5 in Hamburg⸗Altona tätig. Diese hatten die Mitgliedschaft in den einzelnen Parteien zu erwerben und zu versuchen, auch an vertrau⸗ lichen Zusammenkünften teilzunehmen und das Wehrkreiskommando davon zu unterrichten. Der Nachrichtenstelle ist weiter ein i 1 eigener Erkennungsdienst angegliedert, dem die Aufgabe zugewiesen ist, die„Haupthetzer“ zu siberwachen und Tatsachen und Ansprachen zu sammeln, die als Un⸗ terlagen für eine spätere Inhaftierung dienen könnten. Ferner sollten Personen ausfindig gemacht werden, die später als Zeugen gegen die„Haupthetzer“ guftreten würden. Nach einem streng geheimen Bericht an das Wehrkreiskommando hat vor einiger Zeit eine Besprechung über die Organisation des Nachrichtendienstes in Norddeutschland im Hamburger Hotel„Atlantic“ stattgefunden. Es wurde verlangt, den preußischen Staatskommissar zur Aufrecht⸗ erhaltung der Ordnung nach Möglichkeit von dem Nachrichtendienst auszuschalten. Der Verbindungsmann des Wehrkreiskommandos, Oherstleutnant von Brederlow⸗Altona, riet aber von der Ausschal⸗ ö ab, weil der Staatskommissar dann die„ A
Die Verhandlungen gehen weiter.
Baldwin für eine schnelle Regelung.
Brüssel, 29. Juni.(Eig. Drahtb.) Die Regierungs⸗ krise in Belgien wird in Kürze ihre Lösung erfahren, nach⸗ dem Theunis gestern von der Rechten und den Liberalen das Vertrauen zugesagt wurde. Diese Wendung wurde durch ein Kompromiß der Klerikalen und Liberalen in den Fragen der Genter Universität und 14monatigen Dienstzeit ermöglicht. Theunis hat deshalb auch gestern dem König erklärt, daß er den Auftrag zur Kabinettsbildung annehme.
Nunmehr werden die Verhandlungen über die Lösung der Ruhrfrage wieder in Fluß kommen. Der englische Ministerpräsident Baldwin legt nach einer Darstellung, die er gestern im Kabinettsrat gab, großen Wert auf eine schnelle Regelung, zu der er an sich schon von der Opposition dauernd gedrängt wird. Frankreich ist zu Zugeständnissen bereit, aber nicht derart, daß sie zu einer vernünftigen Regelung führen könnten. Neuerdings nimmt die Pariser Presse auch gegen das Schreiben des Papstes über die Ruhrfrage Stellung, das der Temps jetzt vollständig ablehnt. Die Vernunft läßt lange auf sich warten in Frankreich, trotzdem Poincarés Ruhrpolitik das Land 500 600 Franken täglich kosten soll.
Die Pariser Presse und der Schritt des Papstes
Die Presse beschäftigt sich weiterhin mit dem Brief des Papstes und trotz der neuen Auslegungen des Heiligen Stuhles, die im Observatore Romano erschtenen sind, herrscht mit der Haltung des Heiligen Stuhles allgemeine Unzufriedenheit. Es ist dieses eine Art und Weise, schreibt der Petit Parisen, die dafür sorgen wird, daß die Fragen nicht leichter zu einer Lösung gebraucht werden. Diese Art und Weise wird zweifellos Deutschland gefallen, wo man in diesem Brief einen neuen Grund sehen wird, zu lapieren, auszuweichen und Widerstand zu leisten. Wir wollen nicht hoffen, daß der Papst ein derartiges Resultat wünscht.
Zahlreich sind im übrigen die Kommentare, die feststellen, daß die Haltung des Heiligen Stuhles wesentlich von der Englands und Italsens abweicht. Insbesondere die Meldungen der französischen Presse aus Rom, die über die Auffassung in Italien berichten, nehmen diesen Standpunkt ein. 0
Hervs in der Victoire spricht von dem päpstlichen Irrtum Die Presse der Linken stellt sich mehr oder weniger offen auf die Seite der päpstlichen Ausführungen. Das Oeuvre überschreibt seinen Leitartikel:„Eine Offenstve des Papstes gegen Herrn Poincars“. Das Blatt führt aus: Schon drohe die Regierung dem Vatikan, man werde die Rückwirkungen der Haltung des Vatikans in den Beziehungen zwischen Paris und dem Heiligen Stuhl zu
sühten bekommen. Wir, lo fährt das Blatt fert, die weder f Beziehungen beim Vatikan noch b Politik des Herrn Po eintreten, wir stellen einfach fest, eine Offensipe in der g Welt gegen die Politik Poincarés unternommen worden
Eine zweite Niederlage Poincarés im Seng Nach der Niederlage in Sachen Cachin und Genossen vor Senat 1 15 Pee in einer militaristischen Rüstungsa legenheit eine zweite Schlappe erlitten. Wie wir dei Brüsseler Peuple entnehmen, wurde bei Veratung des Budge riegsministeriums der von der Regferung geforderte Kredit 235 Millionen Franken für die Verwaltung der Armee in ie abgelehnt. Der Senat einem Ausschußantrag zu, der 15 Millionen Franken von der gierungsforderung streicht. f Es ist besonders erfreulich. wenn im waffenstarrenden Fr reich gerade eine Militärvorlage erheblich reduziert wird geg
Regierung. 8 0 Genug der Toten! Räumt das Ruhrgebiet!
Unter der Ueberschrift:„Vier Deutsche getötet, drei ne
mit 177 gegen 115 Stimmen
Wiederhestellungsarbeiten für die Monarchie erschweren könne. Aus dem vorliegenden Material ergibt sich, daß auch Beamten von Behörden mit diesem illegalen Nachrich⸗ tendienst zusammenarbeiten, 8 g
die Herstellung der Monarchie geplant ist, daß
führende Militärs aus Schwerin und Stettin ö ö Träger dieser Bewegung sind, alle Parteien mit Ausnahme der Deutschnationalen, bespitzelt
und
Mittel der Republik für die antirepublikanische Propaganda benutzt werden. Im Wehrkreiskommando Stettin sind die. Bestrebungen vorhanden wie beim Schweriner Kommando. Da sich die leitenden Personen der beiden Kommandos aber scheinbar unter⸗ einander nicht trauen, hat das Stettiner Kommando in Hamburg einen besonderen Vertrauensmann namens Niemann, der dem Stet⸗ tiner Kommando Informationen liefert. 5
Ein gewisser Hans Kreuzfeld erwarb die Mitgliedschaft in der SPD. und im Metallarbeiterverband und versuchte, im Auftrage
Von einem Hamburger Ko summen zur Verfügung gestellt, u. a. von
Die seinsten Damen⸗
blusen, Spitzen, Wollsachen, Florstrümpfe usw, werden Plaue en Age. ape ste un 13 quemste Weise bei vollfommenster Schonung nicht nun. chemisch cer J sondern sie erhalten auch wieder ein prachtvolles frisches Aussehen und neuen Griff.
Ehemisch⸗reinige nur mit Heitmann's Reformia.
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Der verlorene Sohn.
Roman von Hall Caine. 20 Und darauf kam der Rechtsanwalt mit einem großen Bündel Papiere herein und legte sie auf den Tisch.
„Ha, ha!“ lachte der Rektor.„Eines reichen Mannes Kind bedarf einer sorgfaltigen Taufe, wie es scheint!“
g„Sie haben Recht, Rektor, und es hat meinem Schreiber den ganzen Tag gelostet, den Kontrakt abzuschreiben, aber das war es nicht, was mich so verzögerte— diese waren es.“
„Die Ringe!“ riesen die älteren Damen, als der Rechts⸗
anwalt ein kleines Plüschetui aus der Tasche zog. „Ja, Sie werden sich erinnern, daß gestern morgen, als die Ringe bestellt werden sollten, Magnus nirgends zu finden war, und ich sie selber bestellen mußte. Gut, ich glaubte nun genügend eingehend in meiner Anweisung ge— wesen zu sein; wie Sie aber wissen, geht das Gerücht in der Stadt herum, daß es Oskar und nicht Magnus ist, der Thora heiraten wird— kein Mensch glaubt es anders— und was muß nun der Olaf, der Goldschmied doch wohl tun als„Oskar“ in einen der Ringe hineingravieren!“
„Nicht möglich!“ sagte Oskar und versuchte in das allge⸗
meine Lachen einzustimmen. Wa, ganz gewiß, und da das Mißverständnis erst im letzten Moment entdeckt wurde, konnte ich nichts anderes mehr tun als, wie Sie sehen, den Namen„Oskar“ aus⸗ kratzen zu lassen— ihn durch„Magnus“ zu ersetzen, war es indes zu spat.“
„Wo nur Magnus bleiben mag?“ sagter der Gouver— neur, unruhig ans Fenster tretend.
„Sorge Dich nicht um Magnus, Stephen,“ sagte Anna, „der wird meinem seligen Vater täglich ähnlicher, und wenn der versprochen hatte, zu einer bestimmten Stunde irgendwo zu sein, war er auf die Minute da. und wenn es ihm auch ein paar Ponys hätte kosten sollen, zur Stelle zu gelangen.“ Die Domuhr schlug fünf, und wirklich, ehe der Schall des letzten Klanges erklungen war, trat Magnus in die Stube. Er sah vernachlässigt und fast unsauber in seiner Joppe und seinen hohen Stiefeln aus und war der einzige im Zimmer, der es nicht der Mühe wert gehalten hatte, sich für die Gelegenheit umzukleiden. Des Gouverneurs Antlitz verfinsterte sich bei seinem Anblick und der Faktor sagte ge⸗ kränkten Tones:
„Nun laßt uns keine Zeit verlieren und ans Werk gehen, mich hat schon die ganze letzte halbe Stunde nach einer
Pfeife verlangt.“
Der Rechtsanwalt öffnete sein Portfolio und die Ver⸗ e scharten sich um den Tisch, als Tante Margret ausrief:
„Magnus, gibst Du dies zu? Hier Thoras Seite.“ 12 5
„Laß ihn ruhig,“ sagte Magnus.„dieser Platz ist gut genug für mich,“ und er setzte sich neben seine Mutter auf einen niedrigen Stuhl. 6
„Nun also,“ sagte der Faktor,„laßt den, der die beste Stimme hat, den Rundgesang beginnen.“
„Dann muß es der Rechtsanwalt sein,“ sagte der Rektor,„denn jedes Rechtsanwalts Stimme ist silberrein, wenigstens gibt er sie dafür aus.“ 5
Und bann öffnete der Rechtsanwalt unter allgemeinem Gelächter den Heiratskontrakt und begann ihn vorzulesen.
Elftes Kapitel.
Die Versammelten horchten gespannt, und am Ende jeder Klausel sagte der Gouverneur, die mit aufgestützten Ellenbogen und in der Hand ruhenden Kopf dasaß:„Gut! Sehr gut! Großmütig! Aeußerst großmütig!“
Als der Rechtsanwalt geendet hatte, lehnten die übrigen alten Leute sich mit einem tiefen Seufzer der Befriedigung in ihre Stühle zurück. Der Gouverneur aber stand auf, schritt zum Faktor hinüber und sagte, ihm die Hände schüttelnd: 5
„Ganz wie Du, alter Freund!“
Der Faktor war über den Eindruck, den das Dokument hervorgerufen hatte, äußerst befriedigt und wurde vergnügt und fast humoristisch. Die Art und Weise eines Auktio⸗ nators nachahmend, rief er:„Bietet jemand höher? Dann zum ersten, zum zweiten— und zum—“
„Halt!“ sagt der Gouverneur.„Sollten wir nicht lieber die jungen Leute selbst um ihre Meinung fragen? Schließlich betrifft sie die Sache doch am nächsten, und 2 55 eine Kuh selten stößt, wenn man ihr Klee zu⸗ rägt—“
Ein allgemeines Kichern und Kopfnicken und ver⸗ schiedene gemurmelte Erwiderungen wie:„stimmt!“,„nur der Form wegen!“ folgten dieser Bemerkung.
„Gut also, Thora, was hast Du zu sagen?“ fragte der Faktor, eine entzückte Zustimmungsäußerung erwartend; Thora jedoch antwortete nur ganz schüchtern:
„Ich weiß nicht. Solltest Du nicht lieber Magnus erst fragen?“ i „Gewiß, mein Kind— selbstverständlich Magnus zu⸗
Was sagst Du also, Magnus? Irgendwelche Ein⸗
sitzt Oskar an
Evyst,
wände zu machen? Kleine Verbesserungen? Wie gefäl Dir der Kontrakt?“ 5 Zum Erstaunen der älteren Leute trat eine verle Pause ein, und dann folgte eine große Ueberrasch Magnus, der mit gesenktem Kopfe dagesessen hatte, ein bleiches und streng gespanntes Gesicht und antwor „Mir gefällt der Kontrakt durchaus nicht, Faktor, ich kann ihn nicht unterschreiben.“ 1 sicher, ob f
Die älteren Leute waren sich nicht ganz recht gehört, und wechselten verwunderte Blicke, wü Thora und Oskar, die sich die Sache teilweise e n konnten, atemlos dasaßen. Der Faktor war der erste, der seine Fassung wieder errang und sagte in einem halb weg⸗
werfenden Ton: „Stehen die Sachen so! Ich dachte, ich verstände
etwas auf derartige Angelegenheiten, wenn Du glaubst, einen besseren Kontrakt aufsetzen zu kö Magnus—“ g 5
Hier fiel der Gouverneur dem Faktor in die Rede sagte besänftigend:„Irgend eine Kleinigkeit, ohne Zweife zegen welchen Punkt hast Du Einwendungen zu erhebe mein Sohn?“ Ein Moment gespannter Pause folgte wieder, und sagte Magnus barschen Tones: 5 „Dieser Kontrakt verpflichtet mich, mein ganzes in Island zu verbringen— das ist Sklaverei und ich! werfe mich ihr nicht.“. „Aber, mein lieber Magnus,“ sagte Anna,„durchsch Du denn den Grund nicht? Thora ist in der Beziehun Jaktors einzige Tochter— sein einziges Kind— und sie ihn verläßt, wer ist da, ihn aufzuheitern und ih gemütliches Heim zu bereiten? Nimm Vernur Magnus!“ ö „Sollten wir nicht lieber den jungen Mann zu Ende reden lassen, Anna, er mag noch andere Einwendungen haben. Wie?“ sagte der Faktor. 5 5 „Ja,“ erwiderte Magnus.„Diesem Kontrakt trete sch durch meine Heirat mit Thora als Teilhaber das Geschäft ein, aber nur mit einem Viertel Anteil. Tei haberschaft ist Teilhaberschaft, und wo zwei Teilhab sollte es halb und halb gehen— mir kommt die Die Anwesenden lauschten bestürzt, und der gann zu lachen.„Weshalb nicht?“ sagte er zynischen „In schlechtem Wetter wird alles zu Heu gemacht so wie ich um einen Schwiegersohn verlegen ist nicht an Kleiniakeiten stoßen.“ a a
(Jortsetzung folgt.)


