.
2 —
. ee. 52
Acala: Gießen Bahnhofstraße 23
9
e Volkszeitung
Organ für die Interessen des werktätigen Volkes
Frpedition: Gießen Bahuhoffraße 23
1
Der Abonnementspreis mi i Wirtschaftliche Beilage beirgen Durch die Post bezog. 5500.—
2
7
E
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von 2 Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.
der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. e a. n Die Oberh. Bolts zeitung erscheint
75 17„ e beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren
aum lokg
450.— Nek. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends.
Nr. 146
.
Gießen, Freitag, den 29. Juni 1923
18. Jahrgang
8
1
Schutz der Währung.
Die neue Verordnung der Reichregi ie d ö. eror gierung, die den U e mit ausländischen Zahlungsmitteln nur zu dem amt⸗
——
2
lichen Einheitskurs gestattet, hat am Tage nach ihrer Ver⸗ öffentlichung die Kurse etwas gedrückt Alem Anschein nach ist aber dieser Sturz nur erzielt worden, weil die Ver⸗ ordnung gans plötzlich erlassen wurde und die Spekulation üüberraschte. Auf die Dauer ist von dieser Verordnung keine Wirkung zu erwarten. Daher ist es notwendig, daß es nicht bei dieser einzigen Maßnahme zur Hemmung des Währungsverfalls bleibt, sondern das von der Sozialdemo⸗ kratie aufgestellte Währungsprogramm in vollem Umfang veröffentlicht wird. Deshalb muß jetzt schleunigst die Zen⸗ tralisierung des Devisenverkehrs eingeführt und eine neue ö ützungsaktion begonnen werden. g Voraussetzung ihres Gelingens aber ist ein aus⸗ U 1
keichender Devisenfonds, mit dessen Hilfe eine starke Inter⸗ be der auszuüben ist, die die Kurse drückt. Neben em Golde der Reichsbank, das für diese Zwecke erneut ein⸗ gesetzt werden muß, ist aber auch die private Wirtschaft mit 13 ihrem Devisenbestand heranzuziehen. Das war ja auch der 14 weck der Auflegung einer Dollaranleihe. Ihre geringe Zeichnung hat ihn vereitelt und zur Erschütterung der Stützungsaktion wesentlich beigetragen. Seltsamerweise hat sich das Finanzministerium damit begnügt, daß die ö Banken, die hundert Millionen Goldmark garantiert hatten, nur 5 Prozent der Garantiesumme einzahlten, obwohl 50 Prozent zu zahlen waren. Ein solches Verhalten ist umso merkwürdiger, als die Banken dauernd beteuern, daß sie selbst das größte Interesse an der Markstützung haben, weil bei weiterer Markentwertung ihre Substanz noch mehr dahinschwinden würde. An der Beschlagnahme der von der 0 Wirtschaft angesammelten Devisenbestände wird man des⸗ halb kaum vorübergehen können, sofern man wirklich die Absicht hot, die aus außen⸗ und innenpolitischen Gründen nmnotwendige Markstützungsaktion erneut aufzunehmen. Warum hat man übrigens diese bereits am 19. April als funmittelbar bevorstehend angekündigte Beschlagnahme bis jetzt nicht durchgeführt? Will man sich auch hierbei erst wieder dazu entschließen, wenn es zu spät ist? a Wann ist ferner das seit langem angekündigte Verbot des Ankaufs ausländischer Effekten im Auslande zu er⸗ warten? Seitengroße Inserate in deutschen Blättern for⸗ dern zur Zeichnung der österreichischen Dollaranleihe auf. Erhebliche Markbeträge wandern zu diesem Zweck ins Aus⸗ land und schädigen die deutsche Valuta. Wann ist endlich zu erwarten, daß Beschränkungen der Einfuhr von Waren vor⸗ genommen werden, die in übermäßigem Umfang ebenso die Mark schädigt wie die Einfuhr von ausländischen Zahlungs⸗
6 mitteln gegen deutsche Mark? Was will man ferner tun, um dem ungeheuren Verfall der deutschen Finanzen Einhalt zu gebieten? Die kleine Besserung im Mai ist längst wieder f einer rasenden Verschlechterung gewichen. In der ersten FJuni⸗Telade sind weniger als 15 Prozent der Ausgaben durch Steuern gedeckt worden. Im ganzen Monat Juni 9 dürften es kaum 5 Prozent sein: alles andere liefert die Notenpresse. Daran wird durch die Erhöhung von Ver⸗ brauckssteuern kaum etwas geändert. Nur schärfste Besitz⸗
steuern mit sofortiger Wirkung könnten hier eine Wendung 1
zum ern herbeiführen. 5. f 5. 5 ewt 7 das alles geschieht, bleibt noch 125 ßerordentlich große Lücke. Die Verhandlungen 55 intersuchungsausschusses über den Fall Stinnes haben be⸗ wiesen, wie ungeheuer leichtfertig von diesen maßgebenden i eisen der deutschen Wirtschaft Handlungen vorgenommen werden, deren Wirkungen die schärffte ieee 195 Mark darstellten. Das ist nur ein Fall von vielen, die sich den Tag ereignen. Jeder e 15 5 icht sich in dem allgemeinen Cha⸗⸗ zu 1 e zu bedenken daß er damit den Untergang 5 5 10 15 becteunigt. Pflichtbewußtsein und Verantwor g efühl ber der Wirtscast und dem Staat sind 1 10 schaften geworden. Nicht nur; weil der 1 motiv des Handelns geworden ist, sondern 3 5 1 taat nichts getan hat um 5 gan 05 5 f 7 9
ar 1 Fe mit ausländischen als der mit Dollarschatzan⸗ einsetzte. An Stelle der wirklichen ierun ab man„Schätzungen“ für die Devisen an, ire ehnn die Mark schadigende Wirkung erzielt 1 kten Maßnahmen zur Schädigung Uns liegt ein Schreiben eines das die Vertretung der. heblichen Krediten dieser
N
ikhauses städter Bank hat un
Jungdo— Hakenkreuzler— Noßbachfeme.
Die alten Harmlosen in Gruppenkolonne.— Auch der Meuchelmord ist harmlos.— Das Schweigen des Herrn Cuno.
Die Hitlergarde in Butzbach.
Mit herzlicher Freude begrüßt von ihren Kampf⸗ genossen hielten die Hitlergarde, Hakenkreuzler und Ge⸗ nossen am Samstag ihren Einzug in Butzbach. Zur Ehre der Butzbacher Bevölkerung muß gesagt werden, daß sie im allgemeinen sehr zurückhaltend war. Auf der im Hessischen Hof stattfindenden Empfangsfeierlichkeit waren nur wenige Butzbacher anwesend. Interessant ist, daß es besonders republikanische Beamte waren, die ihren Groll gegen die Republik bezw. ihre Liebe zur Monarchie bekundeten. So u. a. Schupo⸗Oberleutnant Wittich, serner der Oberarzt der Schupo Dr. Zülch, z. Zt. in Babenhausen, ferner der Telegraphenbautruppführer
Eissinger, der als Redner des Tages ausersehen
war, und daß auch Herr Oberrealschullehrer Professor Dr. Werner nicht fehlen durfte, versteht sich am Rande. Die Erstgenannten, Wittich und Dr. Zülch, glaubten sich noch besonders hervortun zu müssen, nach jedem nationalistisch⸗ monarchistischen Liede, so u. a. nach dem Liede„Die Wacht am Rhein“, das zweimal gesungen wurde, ihre tiefe Ver⸗ beugung zu machen. Die Herren hatten auch keinerlei Be⸗ denken und sie wurden sich auch gar nicht bewußt, daß sie doch auch aus dem Brotkorb der Republik gefüttert werden. Ihr monarchistischer Traum, den alten Obrigkeitsstaat wieder aufzurichten, wird sicher nicht in Erfüllung gehen. Bemerkenswert ist, daß die Hauptschreier „Heimkrieger waren; z. B. der Besitzer des Verkehrs⸗ lokals des Jungdo„Taubenheim“ war während des Krieges reklamiert zur Arbeit in der Pulverfabrik, Ferdinand Spiegelberger, der Quartiermacher des Jungdo, in das Gefangenenlager in Friedberg ah⸗ kommandiert. da er plötzlich fußkrank wurde und andere Leiden hatte. Auch Prof. Dr. Werner hatte das Glück, mit in die Liste der Reklamierten aufgeführt zu werden. So sehen unsere Helden aus! Aber wie auch im Kriege sollte der„schwarze Gendarm“ nicht fehlen. Der evang. Pfarrer Loos hielt den Festgottesdienst ab. Am Altar pflanzten 8 Jungdo stehend sich mit ihren Fahnen auf, wahrend die Hakenkreuzfahnen por der Kirche plaziert wur⸗ den. Pfarrer Loos lobte diese Heldenjüng⸗
linge und sagte u. a.: Obwohl srei von Jeden, kann man es doch nicht Jedem recht machen. Er würde jedem andern auch das Recht einräumen, einen Festgottesdienst abzu⸗ halten, wenn sie an ihn herantreten. In diesem Falle würde er es aber mit besonders freudigem Herzen tun, weil die Jungdo das Kreuz im Wappen führen und nicht nur den Wiederaufbau, sondern auch die innere Selbsterneuerung auf ihr Banner geschrieben haben. Aber auch dem 2. evang. Bezirkspfarrer Schneider sollte bei dem um 10 Uhr morgens stattfindenden Feldgottesdienst Gelegenheit gegeben werden, seinen Haßgesang gegen Frankreich er⸗ tönen, zu lassen. Tags zuvor war der betr. Herr diensttuender Pfarrer, aber wegen Krankheit unpäßlich. Es ist zu berstehen, denn in diesem Falle handelte es sich nur um eine Proletarierin, die der Herr Pfarrer zur letzten Ruhe bestatten sollte. Sein Amtskollege mußte für ihn einspringen. Wir können den flammenden Protest, welche mehrere ev. Gemeinde⸗ mitglieder in Nr. 144 der Butzbacher Zeitung ver⸗ öffentlichten, nur unterschreiben. Dieser lautet: „Wir erheben flammenden Protest
1. gegen die Veranstaltung von Feldgottesdiensten für
den durch und durch unchristlichen Jungdo, 2. gegen das deplazierte Lob dieser Gesellschaft im Gottesdienst und g
90.— Mk. auswärts 120.— Mk., die Reklamemillimeterzeile
3. gegen das Aufpflanzen von 8 Jungdo⸗Jahnen am. —
Altar!
Wir protestieren im Namen des wahren Christentums und der internationalen Christenheit!“ b 5
So agitieren ev. Pfarrer für den Austritt aus der Landeskirche! 8 1
Der Aufmarsch der Hitlergarde, Hakenkreuzler und Ge⸗ nossen nahm dann am Sonntag mittag 12 Uhr seinen programmäßigen Verlauf und trug ein rein mili- tärisches Gepräge. In Gruppenkolonnen formiert: Marsch! Achtung! Kniee besser durchgedrückt!— Erste Hundertschaft Marsch! Zweite Hundertschaft Marsch— usw., erschallte es aus dem Munde ihrer Kom⸗ mandeure. Der Aufmarsch bis ins kleinste organisiert, war mustergültig, man glaubte sich auf einem Exerzierplatz in
Bank arbeitet. In ihm wird geradezu zur Spekulation in ausländischen Zahlungsmitteln aufgefordert. In diesem Schreiben heißt es:. „Da gegenwärtig die Devisengeschäfte in Deutschland stark eingeschränkt, wenn nicht gar ganz unmöglich ge⸗ worden sind, so möchten wir uns gestatten, Sie darauf hinzuweisen, daß es uns noch möglich ist, Devisentermin⸗ transaktionen, und zwar Käufe, sowie Verkäufe in allen Valuten, u. a. auch Verkäufe von Mark per ein und zwei Monate gegen Gulden und andere Valuten, die Ihnen auf späteren Terminen dann zur Verfügung stehen wer⸗ den, durchzuführen.“
Eine noch stärkere Schädigung der Mark dürfte von den vielen geheimen Zirkularen ausgehen, in denen Banken und Bankinstitute ihre Hoffnung auf weiteren Markverfall aus⸗ drücken. In der Deutschen Allgem. Ztg. wurde vor einiger Zeit ein derartiges Rundschreiben, das das Datum des 18. April trug, veröffentlicht. An diesem Tage stieg der Dollar von 22000 auf etwa 25 000. In dem Rundschreiben aber hieß es: 5
„Wenn heute der Dollar um 100 000 Mark bewertet würde, so wäre dies im Gegensatz zu unserer ehemaligen Friedensgoldparität auch noch eine Unterbewertung des Dollars... Infolge des zu erwartenden Zusammen⸗ bruchs der deutschen Papiermarkswährung empfehlen wir Ihnen, gegebenenfalls Ihre Bestellung telegraphisch auf⸗ zugeben, damit Sie bei der mit Sicherheit eintretenden außcrordentlichen Entwertung dee Mark rechtzeitig Ihren Papiergeldbesitz durch Umtausch in ein Valutapapier vor Entwertung geschützt haben.“
Bei den Urhebern dieses Rundschreibens herrschte zweifellos die Absicht vor, die Mark zu schädigen. Aber selbst wenn diese Absicht nicht bestanden hätte, eine der⸗ artige Wirkung des Rundschreibens ist kaum zu bestreiten. Trotzdem ist eine solche Handlungsweise gegenwärtig straf— los. Weder die Devisenverordnung, noch irgend eine andere
gesetzliche Bestimmung schützt die Mart vor solchen schweren!
—
eee
Schädigungen. Wir brauchen deshalb ein Schutzgesetz für die Währung, das solchen Handlungen ein für allemal einen Riegel vorschiebt und sie mit den allerschärfsten Strafen belegt. Wer die Mark schädigt, handelt schlimmer als ein Landesverräter.
In der Tschechoslowakei hat sich diese Auffassung durch⸗ gesetzt. Trotzdem die tschechische Krone seit langem stabil ist, hat die Regierung dem Parlament den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der tschechoflowakischen Währung vor⸗ gelegt. Seine Grundgedanken sind in den folgenden drei Paragraphen enthalten:
1. Wer ohne wirtschaftlichen Bedarf oder darüber hinaus fremde Zahlungsmittel und Edelmetalle gegen heimische Zahlungsmittel kauft oder diese gegen fremde Zahlungsmittel und Edelmetalle verkauft, wird wegen
Vergehens mit schweren Kerkerstrafen von sechs Monaten
bis zu zwei Jahren bestraft.
2. Ebenso wird bestraft, wer bei einer Rechtshand⸗ lung, deren Gegenstand einheimische oder fremde Zah⸗ lungsmittel oder Edelmetalle sind, in einer Art vorgeht, von der er nach seinem Beruf, seinen Kenntnissen und Er⸗ fahrungen erkennen muß, daß es der tschechoflowakischen Währung schädlich sein könnte.
3. Wer sich dieser Taten schuldig macht in der Absicht, die tschechoslowakische Währung zu schädigen, wird wegen Verbrechens mit schwerem Kerker in der Dauer von 1 bis 5 Jahren bestraft.“
Deutschlands Währung fällt dauernd. Trotzdem darf bei uns jeder Handlungen begehen, die die Mark weiter in den Abgrund treiben, die Wirtschaft schädigen, die Staats- finanzen ruinieren und den passiven Widerstand an der Ruhr und am Rhein untergraben. Der Schutz der Währung muß deshalb gesetzlich festgelegt werden und strenge Strafe über denjenigen verhängt werden, der aus Leichtfertigkeit
oder in böswilliger Absicht Handlungen unternimmt, die
der Allgemeinheit Schaden zufügen.
.
eee ereekrgen k. ad- Fest. 2 cee Wc s nch e Nene 8
4
0
*
8
1
g


