Gebe bohlen gegen das Eindringen frember gefährlicher thaber.
Der Moskauer Kommunismus und der Pariser Militarismus, das sind die beiden Helfer der deutschen Reaktion.
(Stürmische Zustimmung.) Aus den Spartakusputschen entwickelte sich der Kapp⸗Putsch von 1920. Er wurde niedergeschagen durch die Macht der organisierten Arbeiterschast. Damals erprobte die
Arbeiterklasse zum ersten Male die Waffe, die sie heute an Rhein und Ruhr dem bis an die, Zähne bewaffneten französischen Mili⸗ Karismus entgegenstellt.(Lebhafter Beifall des Kongresses.) Er⸗ folgreich war der Kapp⸗Putsch nur in Bayern. Auch das war kein Zufall, war doch München die einzige deutsche Stadt, die das Theater einer sogenzunten roten Herrschaft eine Zeit lang mit⸗
0 b Es löste dort der weiße Schrecken den kuallroten
0
den det bu Aber auch in Bayern können die Bäume der Reaktion
10 d 11 in den Himmel wachsen.
de Nan 1 Die glänzende Maifeier in Müachen hat bewirsen, daß die Ar⸗ meu sane beiter wieder beginnen, sich ale Macht zu üblen. Sie 3 jetzt
ae den Ditlergardisten gut geschulte Mannschaften aus den Nahen eden des Proletariats gegenübergestellt, die aber jenen moralifch 3 ene endlich überlegen sud.
n versice Deutschlands innerpolitisches Schicksal entscheidet sich am Rhein
9 ein dein und an der Ruhr. dan el Siegt dort der Militarismus dann ist das die Tragödie der deut⸗ wohne d schen Republik.(Sehr wahr!) Die deutschen Arbeiter im Westen
ie sabgen kämpfen für die deutsche Republik. Ich danke den Genossen in eses wh allen Ländern, die als Republikaner begriffen haben, um 1 es aden Tag 3 eigentlich geht. Die deutsche Republit ist nicht nur eine deutsche,
wel Gag sondern eine allgemein europäische, ja eine Weltangelegenheit.
in Deut,(Sehr r Lebh. Zustimmunmg. ällt die deutsche Republik lossene 0 dann 12257 alles zusammen. f 1555 n 15 Perm, Vertrauen auf die Wiederherstellung eines wirklichen Friedens 17 Meda! stützt. Darum rufe ich allen zu: Helft uns unsere Republik tern 19 schlitzen! Nicht nur uns zuliebe, sondern auch Euch zuliebe. ie 4 Die Republik ist der 1 Reaktion aber die Gewalt, ben 0 a 08. derleht 50 Die Arbeitermassen Deutschlands sind zu jedem Opfer bereit, um ar Ersin ee Weltgesahr abzuwehren. Je mehr wir dabei auf Eure dice Unterstützung rechnen können. desto erfolgreicher wird unser Kampf ii we sein. Darum haben wir diesen Kongreß auf deutschem Boden mit arch so großen Hoffnungei begrüßt. Die Internationale der Reaktion, 1 de 99. 585 i 100 Internationale des Todes und der Verfall. Ihr gegen⸗ ——— über stehen wir als die Internationale des Lebens und der 1 Wiederaufrichtung. Es ist überall derselbe Feind, den wir be⸗ „ kämpfen. Und eine Freiheit macht uns alle fre.(Stürm. Beifall.) 1 5 i Brailsford(England) teilt als Berichterstatter der * a ersten Kommission mit. daß diefe zwei Resolutionen vorlecgen r Unze wird, von denen die eime, die Frage der internationalen Reaktion,
u Deulschla, wurde. Fortfahrend erklärte er: Seit dem Kriege hat die Reaktion . manche neue Formen angenommen, die wir scharf beobachten n müssen. Die Menschen haben im Kriege morden gelernt. Aus . dieser Erfahrung ist eine Neigung zur Gewalt entstanden, die sich heute in ganz Europa zeigt. Die heutige Reaktion zeigt sich ein⸗ 3 innechalb der nationalen Schranken, wie in Italien und Ungarn, oder sie greift über die nationalen Grenzen hinaus. Wir siind darin einig, daß es unsere Pflicht ist, mit allen Mitteln nisten bir lin unseren itallenischen und ungarischen Genossen zu helfen. Es olle. liegt nicht in unserer Macht, mit Gewalt die Reaktion in diesen cen 1% e. zu bekämpfen, aber
0 Pusche*, wir halten es für eine wirksamere Waffe, den vereinigten * 1 moralischen Druck durch Beeinflussung der öffentlichen immer 1
ee, m ö Meinung auszuüben.
den She n Musselim und die Reaktionäre in Ungarn wissen diese Beein⸗ Fascts u, flussung der öffentlichen Meimma im Auslande wirksam zu hand⸗ nen anf haben. Daraus müssen wir lernen, uns derselben Machtmittel
aun bedienen, um das Gewfssen der Welt gegen die Reaktion zu 5 mobilisieren. Was die andere Art der Reaktion betrifft, die mit e Politik de! diplomatischen, miltärischen und anderen Mitteln über die Grenzen gingen za, hinausgreift, führt uns auf das deutsche und russische Problem. pie die deunh! Wir wissen, daß es die Diplomatie der Entente gewesen ist, die die sozialistischen Teile der deutschen Republik nicht zur Entwick⸗ lung hat kommen lassen. naltstiscen eilt Wir sind also gewillt, zusammenzuwirken, um der Entwicklung ö 1 der deutschen Republik möglichst freie Bahn zu schaffen. 11(Bravol)
Auch die internationale Ausnutzung der Finanzkraft ist eim starkes Mittel der Reaktion. Die finanziell abhängigen Staaten werden so zu Werkzeugen der großen fiwanzkräftigen Staaten. Hilferding hat mit großer Meisterschaft die wirtschaft⸗ lichen Zusammenhänge aufgezeigt. Es muß unsere Aufgabe sein, a immer weitere Kreise über diese Dinge zu informieren. Bel der % russischen Gefahr haben wir es, wie die nenesten Ereignisse zeigen, noch mit der altn Rivalität zwischn England und Rußland zu tun. Wir müssen hier vor allem fordern de jure⸗Anerkennung der 4 Sowjetrepublik.
0 Die Ausartung des Somwjetregimes ist die Wirkung der ö Politik des kapitalistischen Regimes des Westens. en e ee,(Bravo!) Wir appellieren in dem Kampfe gegen alle Arten der aß die 1 Reaktion an die interna temale. Der Reaktion kann nur ent⸗
alle sich 10 3 werden mit den Methoden der Arbeit und des g dich fat“ Kampfes.(Lebhafter Beifall.) 1 5 1 90 Es entspinnt sich dann eine Geschäftsordnungsdebatte über die Mut faub,* Ark der Abstimmung für die von der ersten Kommission vorgelegten et Lehe% Resolutionen. Modigliani(Italien) beantragt Einzelabstimmung. Der ihn füt a Kongreß bestimmt, die Abstimmung en bloc vorzunehmen. 1 terte sich W Anschließend kommt Vandervelde(Belgien) als letzter Re⸗ en aberm ferent zu Punkt 1 der Tagesordnung zu Wort: 5 urden„n Ich kann die Ausführungen von Hilferding und Webb unter⸗ einem Ed 1 schreiben. Ich möchte aber diese erste Gelegenheit, die mir nach dem 9 Könige en Kriege geboten wird, um vor einem internationalen Kongreß zu ö elle spsechen, zenutzen, um darzutegen, worin die Besonderheiten der ber 9 gis Partei bestehen. Mir selbst wird vorgeworfen, daß meine Unsere Unter chrift unter dem Versailler Vertrag steht. Diese brutale Tat⸗ aber nur 10 sache ist wahr. Wenn mich dabei etwas tröstet, so die Tatsache, daß stirzt jc ich nicht der einzige Sozialist bin, der ihn unterschrieben hat, sondern 7 10 len 17 daß auch der Name Hermann Müller darunter steht.(Modigliani: n khel, Das ist etwas ganz anderes!) Im übrigen ist meine Unterschesft riestet zee erfolgt im Einverständnis mit der gesamten belgischen Partei. Wit r, al⸗ 5 f mußten diese Unterschrift leisten: denn sie bedeutete für uns die „„egelt il, Befreiung unseres Landes von der fremden militärischen Besetzung geren N und die Festlegung unseres Anspruches auf Reparationen. Außerdem Arien, haben wir verschiedene Reserven bei diesem Vertrag gemacht. Mit nelle in Freude habe ich gelesen, daß Eduard Bernstein in der Glocke schrieb, drs deutsche Volk habe es zu bedauern, daß im Januar 1923 keine 1 1 Syzialisten mehr in der belgischen Regierung saßen. a 1.. 4% In der Tat haben wir belgischen Genossen von vornherein gegen en 21 0160 die Ruhrbesetzung protestiert.„ ines i(Bravo!) Wir taten das aus der Ueberzeugung, daß eine Welle de 992 0 Hasses en den Nationen durch diese gewaltsame Besetzung nur 1 anf, l immer größer werden könne. Das haben wir selbst in Hamburg 9 1 während des Kongresses am eigenen Leibe erlebt. Wir wurden aufe nab gefordert, ein Lokal zu verlassen, mit der Begründung:„So wenig Wangen Dürsen hier Belgier und Franzosen ein Lokal betreten, wie wer den e, Hue in einen Salon läßt!“(Lebh. Pfuirufe.) Wir haben das hebe gegen keinerlei Geste gemacht; denn wir haben nicht vergessen, daß wand solche Fälle leider auch vorkamen in Lille und Brüssel, als unser ee ce, Freund Hllferding zu uns kam, um für die Versöhnung der Völker
zu reden. i empfunden, daß, wenn der Haß etwas Natio⸗ nales ist, een international ist.(Lebh. Zustimmung⸗ An der
0
. Reparationsfrage
fehlt es noch heute an jedem System. Die Regierungen setzen sich zusammen aus Bankenchefs.(öHeiterkeit.) Aber die einen, die glauben, mit Gewalt alles regeln zu können, erweisen sich ebenso ohn⸗ mächtig wie die anderen, die als geriebene Geschäftsleute empfohlen wurden. Wir Belgier wissen am besten, wie ein Volk unter fremder Besatzung zu leiden hat. Wir haben deshalb gesagt: Solches darf sich niemals wiederholen(Bravo!) und haben deshalb gegen die Ruhrbesetzung protestiert. Gestern haben wir, als Blum und nach ihm Crispien sprach, hier unpergeßliche Augenblicke erlebt; dieses Erlebnis bemies uns, daß in uns allen eine gemeinsame Kampfes⸗ flamme lodert.(Bravo! 5 vor Jahrzehnten geknüpfte Band zwischen den internationalen Proletariern ist jetzt durch nichts mehr zu zerreißen. Der imperialistische Friede ist nichts als ein in sich erstarrter Kriegszustand. Ihm stellen wir unsere Macht gegenüber. Vor der Geschichte wird der Kapitalismus ewig verdammt sein, weil er in gewissen Zeiträumen die Völker in den Krieg führt. Der Sozialismus wird vor der Geschichte eines Tages als die einzige Macht dastehen, die imstande war, aus dem Frieden Wirklichkeit und Wahrheit zu machen. Ich schließe mich den Worten eines großen Franzosen an: Das Proletariat wird der Welt den Frieden diktieren. (Lebhafte? Beifall.)
Auf Vorschlag des Bureaus wird der vorher gefaßte Beschluß, über die Resolution zu Punkt 2 en bloc abzustimmen, aufgehoben. Es wird getrennt über die Resolution abgestimmt und zwar nach Nationen. Die Resolution, die sich gegen die internationale Reaktion wendet, wird hierauf einstimmig angenommen, die Resolution über die russischen Verhältnisse nach einer von der Subkommission vorge⸗ schlagenen Aenderung mit 196 gegen 2 Stimmen bei 39 Stimment⸗ haltungen der englischen Delegation.(Wir werden die RKesolutjon noch veröffentlichen.) Die Resolution zu Punkt 1 wird einstimmig angenommen.
Adler⸗Wien teilt mit, daß in die
Geschüfts kommi ssion
gemählt sind: Thomas, Henderson, Macdonald, Gosling(als Kassierer) und Allen, Wallhegd, Webb.— Außerdem hat die Exekutive ein Bureau aus neun Mitgliedern gewählt, und zwar sind in das Bureau entsandt. Bracke(Frankreich), Vandervelde(Belgien), Troelstra(Holland), Branting(Schweden), Bauer(Oesterreich), Abramowitsch(Rußland), Wels(Deutschland), Modigliani(Italien) und Henderson(England).
Das Bureau soll in dringenden Fällen zusammentreten. Um auch kleineren Nationen Gelegenheit zu geben, ihre besonderen Auf⸗ gaben zu erfüllen, soll es der Geschäftskommiffion bezw. dem Bureau freistehen, andere Ländervertreter mit beratender Stimme hinzuzuziehen. Es sollen jedesmal zwei Vertreter anderer Länder, je nach den Gegenständen der Tagesordnung, mit beratender Stimme eingeladen werden.
Dann wählte der Kondreß noch eine Kommission zur Prüfung der Konflikte zwischen den sozialdemokratischen Partesen in der Tschecho⸗Slowakei.
Die Schlußworte.
Wels(Deutschland): Damit sind wir am Schlusse des Kon⸗ gresses. Der Präsident des Kongresses, Genosse Henderson, ist leider erkrankt, und das Organisationslomitee hat mich beauftragt, an seiner Stelle die Schlußrede zu halten. Genosse Henderson ge⸗ hört zu denen, die unmittelbar nach dem Kriege die Internationale in Bern wieder zusammenberief und seitdem unausgesetzt daran ge⸗ arbeitet haben, das Werk zu errichten, das wir in diesen Tagen zu einem gewissen Abschluß gebracht haben. Wir alle sehen in Henderson den Führer des englischen Proletariats, der es zuwege brachte, daß die englische Arbeiterpartei in Abkehr von dem dort durch jahrhundertelange Uebung üblich gewordenen Zweiparteien⸗ system zur selbständigen Bildung einer Fraktion im Parlament übergegangen ist und damit in gewissem Sinne eine revolutionäre Tat in England vollbracht hat.(Bravo!) Ich danke ihm und allen, die für die Internationale gearbeitet haben. Daun scherlden wir auch den Hamburger Genossen für die mühevolle, aufopfernde Ar⸗ beit in dieser Woche Dank.(Bravo!) Vandervelde erwähate, daß es den belgischen und französischen Genosson nicht erspart geblieben ist, von chaupinistischen Elementen augepöbelt zu werden. Er selbst hat die richtige Antwort gefunden: Pöbel gibt es in allen Ländern. (Sehr wahr!) Es ist die Aufgabe der Sozialisten und aller ge⸗ sitteten Menschen, dasür zu sorgen, daß der Geist eines wahren Weltbürgertums allen Haß gegen Nationen und gegen Klassen aus der Welt verschwinden macht.(Bravo!) Wir haben in diesen Tagen eine Arbeit geleistet, die nicht allein in den Plenaxsitzungen ihren Ausdruck fand. In hartex Tages⸗ und Nachtarbeit sind die Kommissionen tätig gewesen. Ich hebe es als schönstes Sumbol des Einigungswillens, der alle Teilnehmer dieses Kongresses be⸗ seelt, hervor, daß sie den Opfermut und den Opferwillen aufge⸗ bracht haben, um sich einzufügen in die große internationale Fa⸗ milie des Sozialismus und so manchen Herzenswunsch bei dex Aus⸗ arbeitung der Resolutionen zurückzustellen. Schon Eingangs des Kongresses habe ich gesagt, daß noch Meinungsverschiedenheiten unter uns vorhanden sind. Aber sie sind dazu da, um überwunden zu werden. Ich habe die Ueberzeugung: Nach diesem Siege, den wir über uns selbst errungen haben, wird der Gedanke dex inter⸗ nationalen Einigung Erschsütterungen nicht mehr erleiden bei all denen, die in der Unterordnung eines Minderheitswillens unter dem Willen der Mehrheit die Garantie für den Aufbau der Zu⸗ kunft erblicken. Wir gehen von hier in den Kampf, um den inter⸗ nationalen Sieg zu erringen und das Gebäude des Sozialismus zu errichten, in dem Friede, Freiheit und Brot für alle sein werden. Im Sinne dieser Lösung bitte ich mit mir einzustimmen in den Ruf: Es lebe die Internationale, es lebe der völkerbefreiende So⸗ zialismus!
Das Haus stimmt begeistert in das Hoch ein, und die Dele⸗ gierten erheben sich und singen gemeinsam die Internationale. Er⸗ neute Hochrufe auf den internationalen Sozialismus wurden über⸗ tönt von Kampfliedern einzelner Delegationen in ihrer Sprache. Die Deutschen scblossen die gewaltige Kundgebung ab mit dem Ge⸗ sang des Sozialistenmarsches und seinem verheißungsovllen Ruf: „Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!“— Schluß der Tagung 3% Uhr.
Gießen und Umgebung.
Ungeheuere Steigerung des Brotpreises
— um mehr als das Doppelte— tritt in den nächsten Tagen in Kraft. Für die arbeitende Bevölkerung für jeden gering Bemittellen bedeutet das eine neue schwere Last. Es wird zwar mitgeteilt, daß der Reichsarbeitsminister sich bewußt sei, daß eine so starke Verteuerung des wichtigsten Volks⸗ nahrungsmittels nicht zu Lasten der Arbeit⸗ nehmer gehen darf, daß die eintretende unmittel⸗ bare Belastung vielmehr bei den Lohnverhandlungen, die infolge der gesunkenen Kaufkraft der Löhne ohnehin überall notwendig werden, voll abgegolten wer⸗ den muß. Der Reichsarbeitsminister hat gleichzeitig mit dieser Veröffentlichung den Arbeitgeber⸗ und Arbeitnehmer⸗ verbänden seine Stellungnahme bekanntgegeben und die Schlichtungsbehörden ersucht, dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Ebenso wird die Fürsorge für die Sozialrentner, Klein rentner, Kriegsbeschädigten, Krieger⸗ hinterbliebenen und Erwerbslosen der durch die Brotpreis⸗ erhöhung eintretenden Verteuerung der Lebensverhältnisse
angepaßt werden. Der Reichsarbeitsminister hat auch die
hierfür erforderlichen Maßnahmen bereits eingelertet. Sie sollen beschleunigt zum Abschluß gebracht werden, damit die Berechtigten baldigst in den Bezug der erhöhten Unter⸗ stützungen gelangen.
Wie aber die Ausführung werden wird, muß man erst abwarten.
—
Internationales Meeting in Tarmstadt.
Bei günfligem Wetter war am Sonntag diese dem inter⸗ nationalen Gedanken des Proletariats gewidmete Demonstration, wenn auch nicht in riesenhaftem Ausmaß, so doch unter starker Teilnahme aus vielen Orten Hessens ein sichtbares Zeichen unserer eigenen Kraft. 5
Durch Mustk und Chorgesänge eingeleitet, sprachen von drei Stellen zugleich die Redner. Wir erwähnen Reichstagsabg. Dr. David, dann vor allem den Vertreter Ungarns, Genosse Buchinger, der die Grüße des dortigen Proletariats über⸗ brachte und der die Verhällnssse in Ungarn schilderte seit der Reaktion von 1918. Es war der Anverstand, den das Volk dort dem Sozialismus entgegencrachte, der der ungarischen Reaktion zur Staatsgewalt verholfen hat. Bemerkenswert war noch seine Mitteilung, daß dort laut Gesetz jede freiheitliche Betätigumg im Auslande, z. B. die Teilnahme an der internationalen Tagung in Hamburg, mit schwerer Strafe bedroht wird. Trotzdem waren
die ungarischen Genossen in Hamburg vertreten. Er rief den deutschen Eenossen ßieses Beispiel vor Augen. Der Vertreter
Bulgarfens, Genosse Sackasoff, brachte Grüße der Bulgaren. Er verspcach, die Leiden der deutschen Arbeiterschaft in seinem Laude zu schüsdern. Seine Bewunderung galt der deutschen Or⸗ gamisation.
Es syprachen noch Wirtschaftsminister a. D. Robert Schmidt, Gen. Dr. Quessel⸗Darmstadt, Frau Reichstags⸗ abgeordnete Tesch⸗ Frankfurt und Frau Ege Frankfurt.
Die Reden galten mit der internationalen Tagung in Ham⸗ burg und der Erkenntnis, daß mit unwiderstehlicher Kraft das Proletariat am Werke seiner Befreiung Anteil nehmen muß.
Mit einem Hoch auf die Internatsonale nahm die Demon⸗ stration ohne jeden Störung ihr Ende.
Geschworene.
Wie aus der kürzlich veröffentlichten Geschworenenliste für die bevorstehende zweite Sitzungsperiode hervorging, sind diesmal sechs Frauen mit ausgelost. Das ist zwar nur ein Fünftel von den 30 Geschwoxenen, es ist aber immer⸗ hin ein Anfang. Von den 30 werden zu jedem Verhand⸗ lungsfalle 12 ausgelost. Vom Staatsanwalt und vom Ver⸗ teidiger können je neun abgelehnt werden. Ein Grund für die Ablehnung braucht nicht angegeben zu werden. Von dem Schwurgericht, das kürzlich in Berlin tagte, berichtete ein Volksrichter dem Vorwärts, daß merkwürdigerweise die Frauen fast immer abgelehnt wurden. Im weiteren bemerkt der Erwähnte mit Recht, daß der Laienrichter, ob Frau oder Mann, ernstlich zu prüfen habe, was für eine strasbare Tat zur Verhandlung steht,— welche Ursachen, welche Verhäl⸗ nisse dem Verbrechen zugrunde lagen, kurz der Laienrichter muß das genügende Maß sozialen Verständnisses besitzen. Die Rechtsbelehrung des Vorsitzenden bezieht sich nur mehr auf die formell⸗rechtliche Seite des Falles. Er ist Volks richter— Richter des ungeschriebenen Rechts! Beim Schwurgericht hat der Laienrichter leider nur über
„schuldig“ oder„unschuldig“ sein Urteil zu fällen, mildernde
Umtände mit„ja“ oder„nein“ zu beurteilen. Das Straf⸗ maß setzt das Berufsrichterkollegium fest. Weil den Ge⸗ schworenen nur ein enger Rahmen zur Betätigung heute gegeben ist, müssen wir besonders darauf achten, wer von unserer Seite als Geschworener vorgeschlagen wird. Es ist leicht, einen Menschen zu Zuchthaus zu verurteilen, ihm die bürgerlichen Ehrenrechte abzusprechen und ihn aus der menschlichen Gesellschaft auszustoßen auf Grund einer Straftat, die vielleicht nur auf die elenden sozialen Verhält⸗ nisse zurückzuführen ist. Auf der andern Seite wird natür⸗ lich jeder pflichtbewußte Geschworene keinen Angeklagten der gerechten Strafe zu entziehen versuchen, der sie ver⸗ dient hat.
— Kirschen werden— trotz der kühlen Witterung— jetzt schon angeboten, aber zu Preisen, die nur Leute bezahlen, die viel Geld übrig haben. In Frankfurt wurde die Kleinigkett von 4000 Mark für das Pfund gefordert, wonach die einzelne Kirsche vielleicht 10 bis 20 Mark kostet. Dabei sind diese Erstlingsfrüchte natürlich noch sehr wässerig und nichts wert.
— Der Oberhessische Jahresversammlung im Stadthaus an der Bergstraße unter Lei⸗ tung des Hexrn Universitätsprofessors Dr. Rauch ab. Dem vor⸗ getragenen Geschäftsbericht für das Jahr 1922 entnehmen wir das Folgende: Die günstige Entwicklung, in welcher der Oberhessische Kunstverein seit mehreren Jahren sich befindet, nahm auch im Jahre 1922 einen erfreulichen Fortgang. Im Ja nu ar fand eine Ausstellung der Künstlerverxeinigung„Der Sturm“⸗Berlin statt, die Werke des„Expressionismus“,„Impressionismus“ und„Kubis⸗ mus“ zeigte. Im Februar ⸗März folgte eine mit anseitigem Interesse aufgenommene Ausstellung des Süddeutschen Illustra⸗ toren⸗Bundes Münchener Künstler, der sich im April eine Aus⸗ stellung der Karlsruher Künstlerschaft anschloß. Im Mai fand eine Sammelausstellung statt, darunter auch zwei größere Kollek⸗ tionen von Prof. Hans von Volkmann und Prof. Th. Esser⸗Karls⸗ ruhe. Im Juni sand eine Sonderausstellung von W. Barthel⸗ Gießen statt, die außer Oelgemälden auch Aquarelle und Zeichnungen zeigte. Eine ganz bedeutsame Ausstellung wurde mit der am 22. Juli eröffneten Otto⸗Übbelohde⸗Gedächtuis⸗Aus⸗ stellung veranstaltet, die über 100 Kunstwerke des Künstlers aufwies. Herr Prof. Dr. Rauch eröffnete diese Aus⸗ stellung mit einer Ansprache, in der er das Leben und Schaffen dieses allgufrüh vorstorbenen Künstlers schilderte, und an die sich eine Führung und Erklärung dr einzelnen ausgestellten Kunstwerke anschloß. Diese his zum 10. September dauernde Ausstellung hatte fortgesetzt einen außerordentlich starken Besuch aufzuweisen. Vom 24. September bis 8. Oktober wurde eine Ausstellung der Wies⸗ badener Gesellschaft sür Grabmalkunst gezeigt. Mit dieser Aus⸗
25. 9 Nb 2
25 8 8 5 35 aggi's Fleischbrüh⸗ Würfel
2 ersparen Fleisch u. Fett. Nur mit lochendem Wasser übergossen, geben sie kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen,
zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art.
Nur echt mit dem Namen Maggi auf der rotgelben Packung
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Kunstverein hielt am Freitag seine
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