Ausgabe 
27.4.1923
 
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nge am Debisenmarkt zu fordern. Das Berliner Tage-

blatt teilt bei dieser Gelegenheit mit daß ihr von ernst zu nehmender Seite versichert worden ist. in den kritischen Tagen seien geschlossene Finanzgruppen für die Hebung des Dollarkurses tätig gewesen. Wir selbst haben vor wenigen Tagen mitgeteilt, daß der Stinnes⸗ Konzern als Devisenkäufer in großem Umfange aufgetreten ist. Ergänzend sei dem heute hinzugefügt, daß speziell die Herrn Stinnes nahestehende Berliner Großbank, dieBerliner Handelsgesellschaft, als Großkäufer für Devisen auftrat. Außerordentlich zutreffend weist das Berliner Tageblatt darauf hin, daß die vielgeschmähte Devisen⸗ notverordnung die Möglichkeit gibt, die wichtigsten Devisen⸗ käufer namhaft zu machen und dabei auch zu ermitteln, ob die Devisenkäufe notwendig gewesen sind. Es fährt fort: Diese Untersuchung muß sofort vorgenommen werden, und ihre Resultate müssen schonungslos offengelegt werden. Er⸗ weist es sich als richtig, daß von irgend welchen Seiten ein Dolchstoß gegen die Abwehrfront an der Ruhr geführt wor⸗ den ist, so müssen diejenigen Kreise bloßgestellt werden, die ihn geführt haben zur Verhinderung von Verdunkelungen und zur Abschreckung für die Zukunft.

Der Forderung nach einer Untersuchung können wir uns nur anschließen, ja, wir halten sie zu einer Entgiftung 555 politischen Atmosphäre für unbedingt notwendig. Viel versprechen kann man sich allerdings von der Untersuchung nicht, nachdem die Reichsregierung bisher noch nicht so viel eigene Initiative aufgebracht hat, um aus den ihr seit mehr als acht Tagen bekannten Tatsachen die notwendigen Konseguenzen zu ziehen. Man schreckt offenbar or dem Einfluß der Schwerindustrie zurück. Deshalb läßt sich schon jetzt sagen: Ob Untersuchung oder nicht, fest steht, daß die Schwerindustrie ihr eigenes Interesse dem der Ge⸗

samtheit voranstellend die Markstützung unterhöhlt hat. Um

das festzuhalten, genügen vollkommen die Mitteilungen, die der Reichsbankpräsident vor dem Reichsbankausschuß gemacht hat. Wie auch der Ruhrkampf ausgehen mag wir hoffen, daß er trotz der Schwerindustrie besser ausgehen wird, als sie es verdient, das deutsche Volk wird diejenigen nicht vergessen, die durch eine neue Dollarhausse seine soziale Ver⸗ elendung in der höchsten Not Deutschlands noch zu be⸗ schleunigen suchten! Dazu gehört Herr Stinnes! 5 Die Deutsche Allgemeine Zeitung wirft sich zum Verteidiger von Stinnes auf, weil auch der Berliner Vertreter des New⸗York Herald erfahren haben will und zwar aus dem Munde einesder höchsten Stinnes⸗Vertreter, daß Herr Stinnes während des letzten Markfturzes große Devisenkäufe vornahm. Demgegenüber er⸗ ärt die Deutsche Allgemeine Zeitung, daß Stinnes glaubenie⸗ and Rechenschaft über seine Privathandlungen zu schulden und r Not pendigkeit, auf Gassen⸗ und Vörsengeraune einzugehen, en n zu sein. Da die Lügen von seinen Devisenkäufen im Auslande als Kampfmittel gegen Deutschlands Politik und In⸗ e 2 aufgegriffen würden, sei die Deutsche Allgemeine Zeitung in ber Lage sestzustellen,daß weder Herr Stinnes, noch seine Firma zurzeit des letzten Marksturzes Devisen kauften. Wer n Stinnes und seinen weitverzweigten Unternehmungen seine Firma?, auch die Berliner Handelsgesellschaft, die Ber⸗ lüner Großbank, die Herrn Stinnes besonders nahesteht?

Die Fertigstellung der deutschen Note.

0 Der Berliner Lokalanzeiger will wissen, daß der Empfang der Parteiführer durch den Reichskanzler wahrscheinlich am Freitag bannen wrd und deutet diese Tatsache dahin, daß bis dann die Note an die alliierten Mächte fertiggestellt sein wird. In parla⸗ menkarischen Kreisen, die dem deutschen Wirtschastsleben nahe⸗

sstünden, würden gewisse Bedenken geäußert werden, doch dürfte die

Note bereits Ende der Woche abgehen.

Kinderhilfe.

8 95 und Sozialdemokraten Lettlands haben dem neuen deutschen esandten in Riga, Genossen Dr. Köster mitgeteilt, daß sie eine Lettlandshilfe für die Kinder des Ruhrgebiets organi⸗ sieren wollen. Es soll möglichst vielen unterernährten Kindern des besetzten Gebietes die Möglichkett eines kräftigenden See⸗ und Landaufenthalts während mehrerer Sommerwochen in Lettland * werden.

Der Deserteur..

Noman von Robert Buchanan.

Langsam, wie Wolken dohinzuschweben pflegen, glitt die Gestalt über das Firmament dahin und um sie herum schweb⸗ ten all die Legionen Fliehender, denen sie den Weg zeigte. Der Kopf war tief auf die Brust gesenkt, wie der eines Mut⸗ losen; die kalten, erbarmungslosen Augen blickten in stiller Verzweiflung zu Boden. Bestürzt und angsterfüllt erhob Rohan seine Hände mit einem Schrei, denn die Umrisse, die er anstarrte, erschienen ihm beinahe gottähnlich und auch die Gestalt schien göttlich; aber als er fester hinsah, verwandelten sich die Züge des göttlichen Antlitzes und kamen ihm furcht⸗ bar bekannt vor. Ach, es war das Gesicht des Mannes, der ihm sein Leben verbittert und welches ihm Christus im Träume gezeigt hatte Bonaparte!

Kolonne nach Kolonne passierte vorbei und verdunkelte das ganze Firmament. In ihre Mitte bewegte sich, teuflisch und herrisch, das Phantom Napoleons.

So geschehen in der Nacht des 19. Oktober 1813. Be⸗ kanntlich erfolgte die Flucht der französischen Armee aus Leipzig, mit dem Kaiser an der Spitze, zur gleichen Zeit..

Fünfundzwanzigstes Kapitel. Bei Mutter Gwenfern.

Tante Luise, es ist nur zu wahr! Pipriac ist tot und seine Leiche liegt drüben im Wirtshause aufgebahrt; aber Rohan lebt! Ach ja, er hat Pipriac getötet!

8 en er dafür? Es war ein Kampf auf Leben und 0 22

Jetzt wird kein Mensch mehr Erbarmen mit ihm haben, denn an seinen Händen klebt Blut. Niemand wird ihm Brot oder Obdach geben, und wenn er sich nicht freiwillig ergibt, wird kein Priester ihm Absolution erteilen und seine arme Seele wird nicht Buße tun können.

Ist dem wirklich so, Marcelle?

Ja, denn alle behaupten es sei Mord, sogar Vater Rolland, der ein wirklich gutes Herz hat. Aber das ist nicht wahr, ich glaube es nicht.

fIch auch nicht! Was hätte der Aermste tun sollen? Mein armer verfolgter Junge hat nur in der Notwehr Blut vergossen, seine Verfolger haben ihn dozu gezwungen. Gott

Neuer Vorstoß bei Mannheim.

Mittwoch vormittag zwischen 7 und 8 uhr wurden mehrere 1 in dem bisher unbesetzten Teile von Mannheim von en Franzosen besetzt. 2 Offiziere, 3 Gendarmen und 4 Zivil⸗ beamte gaben den Wachen der Polizei Anordnung über das Tragen weitreichender Schußwaffen und über die Grußpflicht der* gegenüber den französischen Offizieren. Späler wurden die Wachen wieder freigegeben. In verschiedenen Lokalen haben die Franzosen die Auszeichnung der zum Verkaufe ausgestellten Waren verlangt.

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Politische Uebersicht. Der 1. Mai und die Neichsregierung.

Nach einer von der Reichsregierung getroffenen Regelung haben am 1. Mai die Reichsbehörden und Betriebe in den Ländern, die den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag festgelegt haben, auf diese Tatsache Rücksicht zu nehmen, d. h. auch ihrerseits den 1. Mai als Feiertag zu betrachten. In den anderen Ländern können die Beamten, Angestellten und Arbeiter um Urlaub nachsuchen, der grundsätzlich über⸗ all soweit zu gewähren ist, als dadurch die Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Nach dem Wunsche der Reichsregierung soll bei der Entscheidung über solche Anträge nicht engherzig verfahren werden. Die be⸗ willigte Freizeit ist den Beamten und Angestellten auf den Urlaub anzurechnen und den Arbeitern vom Lohn abzu⸗ ziehen, sofern nicht die versäumte Zeit anderweitig nachge⸗ holt wird. In Betrieben, in denen eine Dienstbefreiung zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse an nicht anerkannten Feiertagen ohne Anrechnung auf den Urlaub oder Lohn⸗ kürzung gewährt wird, gilt das Gleiche auch für die Dienst⸗ befreiung am 1. Mai.

E 1 Die Deutschvölkischen und die Hitlergarden.

DieDeutschvölkische Freiheitspartei, deren parlamentarische Vertretung im Reichstag drei Mitglieder aufweist, ist vor kurzem in Preußen durch den Minister des Innern Severing verboten worden. Darob natürlich großer Lärm bei den Deutschvpölkischen und Deutschnationalen, zwischen denen ja engste Seelengemein⸗ schaf besteht. Der Haß gegen den sozialdemokratischen Minister, der es gewagt hatte, dem angeblichpatriotischen, in Wirklichkeit staatszerstörenden Treiben der echtsradikalen ein Ende zu machen, entlud sich in einem witenden Ansturm der deutschnatio⸗ nalen Partei im preußischen Landtag gegen Severing, aber dieser Ansturm, der in einem Mißtrauensvotum gegen den Minister gipfelte, scheiterte kläglich; der Antrag fand nicht einmal bei der Deutschen Volkspartei Unterstützung. Ja, der Vertreter dieser Partei, Herr v. Kardorff, fand sogar äußerst glückliche Worte, um das Treiben der Nationalisten zu kennzeichnen; so, wenn er fest⸗ stellt, daß die vaterländtschen Verbände in Bayern ein frivoles Spiel mit der Reichseinheit trieben, und wenn er die Behauptung, daß Bayern eine Ordnungszelle sei, den größten Schwindel nannte, der jemals in der Welt dagewesen sei. Auch darin hatte er recht, wenn er sagte, daß ein rechtsradikaler Umsturzversuch keine acht Tage Erfolg haben könne, weil die Arbeiterschaft, die im Ruhrkonflikt die Probe auf ihre Staatsgesinnung abgelegt habe, sich das einfach nicht gefallen lassen würde..

Die vom Minister Severing veranlaßten Haussuchungen bei den Führern der deutschvölkischen Freiheitspartei haben nun auch Briefe des Reichstagsabgeordneten Wulle zutage gefördert, die den engen Zusammenhang zwischen der deutschvölki⸗ schen Freiheitspartei im Norden und der nationalsozialistischen Hitlerbewegung in Bayern klar erweisen. In einem der Briefe, die der Vorwärts veröffentlicht, heißt es wörtlich:

Ihre Frage kann ich dahin beantworten, daß die Deutsch⸗ völkische Freiheitspartei ihrem Grundcharakter nach dasselbe ist wie die Hitler⸗Bewegung im Süden. Einige Programmunmter⸗ schiede ändern daran nicht das geringste, abgesehen davon, daß die Verhältnisse im Norden wesentlich andere sind als im Süden. Im übrigen ist unser Programm selbstverständlich noch nicht ab⸗ geschlossen. Es ist in der Entwicklung begriffen. Infolge der Gleichartigkeit unserer Bestrebungen hat sich auch die Groß⸗ deutsche Arbeiterpartei, die durch und durch nationassozialistisch ist, mit uns verschmolzen. Sie können also mit Recht sagen, daß an der Hitler-Vewegung etwas Verwandtes, im wesentlichen so⸗ Gleichartiges wäre. Beide Bewegungen wollen die politische

möge sich seiner Seele erbarmen und meinen armen, armen Jungen wieder zum Guten leiten! stammelte die Alte.

Die beiden Frauen saßen, wie so oft schon, eng anein. ander geschmiegt in der ärmlichen Hütte, trostesbedürftiger denn je. Rohans Bluttat lastete auf ihnen wie ein schwerer Alpdruck. Den Abgesandten des großen Kaisers niederzu⸗ strecken, dünkte ihnen ein doppelt furchbares Verbrechen. Sie wußten nur zu gut, daß für diese Tat, sie mochte noch so gerechtfertigt sein, keine Gnade zu erwarten sei. Rohan war für immer ein Ausgestoßener und vogelfrei, jeder konnte un⸗ gestraft Hand an ihn legen. Sie wurden durch Jan Goron aus ihren Grübeleien geweckt:Guten Tag, Mutter Gwen⸗ fern! Gott mit Dir, Marcelle! Ich dachte mir, Euch hier beisammen zu treffen und deshalb bin ich gekommen. Ver⸗ liert den Mut nicht! Gott hilft dem Gerechten! Die Gendar⸗ men sind wütend und haben die Grotte endlich erstürmt, aber von Rohan keine Spur gefunden. Er hat wahrscheinlich, von dem gestrigen furchtbaren Sturm begünstigt, ein sicheres Ver⸗ steck aufgesucht. Uebrigens bringe ich auch noch andere Neuigkeiten. Der König von Sachsen soll von unserem Kaiser abgefallen sein, die französische Armee steht vor Leipzig, wo man ihr allgemein eine große Niederlage prophezeit. Viele behaupten, daß der Kaiser endlich seinen Mann gefunden habe und daß sich jetzt alle Könige gegen ihn auflehnen. Kein Wunder, hat er doch bis jetzt zu jedem Frühstück ein halbes Dutzend Könige verschlungen!

Die Neuigkeit hätte zu einer anderen Zeit Marcelle Derval sehr erregt, heute schenkte sie ihr absolut keine Beach⸗ tung. Die Schicksale Frankreichs und des großen Kaisers gingen in ihrem persönlichen Kummer vollständig unter. Als Goron von einer Niederlage vor Leipzig sprach, sagte sie bloß:Hoél und Gildas dürften dort sein. Vergangene Woche hatten wir von Gildas einen Brief. Er schreibt, daß er schon drei große Schlachten mitgemacht habe, ohne im geringsten verletzt worden zu sein. Er hat auch den Kaiser ganz in der Nähe gesehen und meint, daß er sehr alt aus⸗ sehe. Auch Hoél ist gesund und heil. Ach Gott, warum kann nicht auch mein armer Vetter Rohan an ihrer Seite kämpfen, uns allen wäre wohler zu Mute nicht wahr, Tante Luise?

Nacht erringen, Ne berhaupt die Voramssetzung ist Durchführung der schönen Programmpunkte. 1. 0 Der Staatsgerichtshof, der vor kurzem die Staatsseinosschre

der Hitlerschen Organisationen festgestellt hat, wird nach

Beweisen hoffentlich nicht zögern, die Auflösung der deu

schen Freiheitspartei in Preußen als zu Recht erfolgt

erkennen.

Hessischer Landtag. Darmstadt, 25. April 122 Präsident Adelung eröffnet die Sitzung 9.20 Uhr. Der entwurf betr. die Gebühren für die Auskunfterteilung aus polizeilichen Melderegistern wird in zwei Lesungen angenonn Zu einer langen Debatte gibt der Antrag Rink und lat ge Aang ber Wg. hüben sch cis 58115 fg 5. e en en altlos ern Abg. Ebner beharrt auf seinem Antrag und bringt weiter Be schuldigungen gegen Dr. Schneider den er alslügenhafte Person bezeichnet. Vizepräsident Soherr ruft den Abg. Ebner zur Ou Gegen dn Ordmmgsruf protestiert Abg. Ebner, weil er nia Schneider, sondern Dr. Peters gemeint hatte und eine Verwe set doch einmal möglich. Abg. Kaul beantragt die Vertagm Sitzung, da Vizepräsident Soherr erklärte, gegen den Ordm könne nur schriftlich Protest erhoben werden. Abg. Ofann n sich gegen den Antrag Kaul. Der Antrag wird abgelehnt. Stant präsident Ulrich nimmt den beleidigten Beamten in chu Dem Antrage der Abg. Ebner⸗Roth(Komm.) betr. die Erhöh Wrisengeldsätze vom 12. 12. 22 wird stattgegeben, aber Beschlußfassung über bestimmte Sätze abgesehen. Es ergibt sich en

hier eine längere Aussprache aus der hervorging, daß die Kinde 7 1 1 gut aufgenommen sind. Abg. Kindt b da e finanzielle Umerstützung enige.

5 daß selbstverständlich i Arbeiten, wie

zum Viehhitten herangezogen werden können. 18

Der Antrag betr. Erhöhung der Entschädigungssätze für eh verluste wird für erledigt erklärt. Die Regierungsvorlage, In wurf zur Aenderung der Strafprozeß⸗Ordnung wird in ee Lesungen angenommen.

Zu einer weiteren großen Debatte kommt es durch Abg. G (Komm.) bei der Vorstellung F. B. Veiß und Gen. Heppen Bergstraße, betr. Einstellung des Verfahrens in Strafsachen n Nötigung und Beleidigung. Die Einstellung wird abgelehnt hg Ebner meint, man müsse den beleidigten Prof. Schnellbaher verklagen. Abg. Neuß(3Ztr.) bemerkt, daß die Reden des Ebner eine unverantwortliche Geld⸗ und Zeitverschwendung fie denen man nur mit Beschämung zuhören könne. Die stellung wird für erledigt erklärt. Die Strafverfolgung gegen Sturmfels wird versagt. f

Der Antrag Sturmfels betr. Niederschlag des Stra fahrens gegen Bernh. Nett und 10 Genossen in Erbach w Landfriedensbruch wird für erledigt erklärt. Die Doch des ausländischen Hilfswerks, sowie die Beschaffung von und Zucker für die Kinderspeisungen und die entstehenden kosten werden nach kurzer Debatte angenommen, ebenso standsmaßnahmen für Rentenempfänger der Invaliden⸗ und gestelltenversicherung. Für erledigt erklärt wird der Abg. Ebner und Roth, Ergreifung sofortiger Maßnahmen Schartze der Arbeiterklasse gegen Verelendung unde Auswuche Das Haus hat sich inzwischen derart geleert, daß wegen e schlußunfähigkeit die Sitzung abgebrochen wird. 0

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Gießen und umgebung.

Gemeinwirtschaft Oberhessen.

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Von den Gemeinden Oberhessens haben nunmehr at alle ihren Beitritt erklärt. Nur wenige Landorte haßen bisher ihren Anschluß noch nicht vollzogen; in mehteren Orten lehnte der Gemeinderat den Beitritt ab, in einzelen Fällen wurde der Antrag auf Anschluß mit Stimmenglesch⸗ heit abgelehnt. Mehrfach zeigte es sich, daß über die Se nicht überall volles Verständnis herrschte, man witterte Mögliche hinter dem Unternehmen. Und namentlich in ländlichen Gemeinden ist man meistens wenig geneigt, fir die Allgemeinheit etwas zu leisten, selbst dann nicht, wann die Gemeinde schließlich selber davon Nutzen hat. Doc handelt es sich, wie gesagt, hierbei nur um Ausnahmen; allgemeinen hat die Gemeinwirtschaft Oberhessen Anklang

Mannespflicht erfüllt hätte und ein tapferer Soldat genor⸗ den wäre, würde er sich all die zahllosen übermenschlitzen Leiden und Qualen und als deren Folge die Todsünde er⸗ spart haben. Im Kriege hätte er vielleicht auch Blut ber⸗ gossen, aber nur Feindesblut welches, wie alle guten Patrioten wissen, von Gott nicht als Sünde angerechnet wild! Es ward Nacht. Ein schwarze, wilde Nacht. Der Mid, der sich tagsüber etwas gelegt hatte, erhob sich mit erneuter Kraft. Die Hütte erzitterte unter den heftigen Windstößen. Marcelle hatte es nicht übers Herz bringen können, die Wipe in diesem Sturm allein zu lassen und hatte ihrer Milter durch Goron die Botschaft gesandt, daß sie die Nacht bei Tante Lnise bleiben wolle. Der Torf im Kamin war schon fast ganz zu Asche ge⸗ brannt, aber die beiden Frauen saßen noch immer vor dam Herd und lauschten entweder dem Orkan draußen, oder die besprachen im Flüstertone, wovon ihr Herz voll war. J lich erhob sich Marcelle, denn ihr schien, als ob jemand die Fensterscheibe geklopft hätte. Sie lauschte mit angehalze⸗ nem Atem das Klopfen wiederholte sich; endlich versulde sogar jemand, die von innen versperrte Türe aufzustoßen. Oeffne schrie eine heisere Stimme von draußen. Jetzt sprang auch die Mutter auf; jeder Blutstropfen i aus ihrem Gesicht, sie zitterte am ganzen Leibe. Marel schwankte zur Tür und riß sie auf: stumm und verängsist, wie ein gehetztes Wild, schlich ein Mann herein. 3 Es bedurfte keines Blickes und keines Wortes; die beiheh Frauen wußten sofort an dem furchtbaren Klopfen its Herzens, daß der verlorene Sohn heimgekehrt sei. Mit her ihr eigenen Geistesgegenwart sprang Marcelle zur Türe 0 rück und versperrte sie, dann verhängte sie auch noch soß fältig das Fenster, damit kein Unberufener hereinspih könne und schraubte die kleine Hängelampe tiefer. Mit weile hatte sich Rohan, vor Kälte zitternd, zu dem fast loschenen Feuer geschlichen und war erschöpft auf die gesunken. Die beiden Frauen brachten vor Entsezen Wort über die Lippen und starrten den nächtlichen dem die Fetzen vom Leibe hingen, den der Regen bis die Haut durchnäßt hatte, so daß ihm das Wasser aus 1 derwilderten Haar und Bark tropfte. voll zärtlichen N

Ein Tränenstrom stürzte aus Marcelles Augen und die

Witwe stöhnte schmerzlich. Freilich, wenn Rohan seine

leids an. (Fortsehuno Falat)