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Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnements preis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗
kwirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 1370.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 1800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Pet
„ Vergntwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von N Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.
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18. Jahrgang
Rußland als Vermittler?
Die Gewalttätigkeiten der französischen Besatzung im Ruhrgebiet werden im Verhältnis zu der Dauer der Aktion gesteigert. Nur noch in ganz wenigen Städten des neu⸗ besetzten Gebietes führen gegenwärtig Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte, und selbst dort, wo das der Fall ist, wurde der größte Teil der höheren Beamtenschaft ausgewiesen oder verhaftet. Es gibt Gemeinden, deren Verwaltungsgeschäfte gegenwärtig ausschließlich von der unteren Beamtenschaft geführt werden. Aber auch vor der Ausweisung oder Ver⸗ haftung dieser Personalgattung ist man bisher nicht zurück⸗ geschreckt. Wir könnten eine ganze Reihe von kommunalen Selbstverwaltungen aufzählen, deren Personal aus den Bureauräumen getrieben worden ist wie das Vieh aus dem Stall und wo daher jede Verwaltungsmaßnahme unmöglich gemacht wurde. Zu der systematischen Entsetzung der Ge⸗ meindeverbände von deutschen Beamten kommt die systemati⸗ sche Unterbindung der Meinungsfreiheit und die willkürliche Vorenthaltung der für unsere Gehalts⸗ und Lohnempfänger bestimmten Gelder. Ein Blatt nach dem andern wird ver⸗ boten, Geldtransport auf Geldtransport wird beschlag— mahmt, und wir können in diesem Zusammenhang nicht um⸗ chin, der Reichsbank, die für diese Transport verantwortlich
üst, einen schweren Vorwurf für die Leichtfertigkeit zu
machen, mit der die Beförderung ungeheurer Geldsummen Fisher betrieben wurde. Am Samstag fielen den Franzosen uf der Kontrollstation Hengstey bei Hagen allein 15 Mil⸗ (iarden in die Finger, die für die Eisenbahnerschaft in dem Hon den Engländern besetzten Gebiet bestimmt waren. Wir glauben, daß es noch andere Möglichkeiten der Beförderung gibt, als die Benutzung eines Eisenbahnwagens dritter Klasse und erwarten, daß die Reichsbank in Zukunft von diesen Möglichkeiten Gebrauch macht.
In Frankreich suchen die französischen Agitatoren die ulturwidrigen Maßnahmen auf deutschem Gebiet mit„Ge⸗ waltakten der Deutschen“ im besetzten und„mllitärischen Zorhereitungen“ im unbesetzten Gebiet zu rechtfertigen. So⸗ Hohl für die eine wie für die andere Behauptung sind Unter⸗ gen nicht vorhanden. Von Gewalttaten der Bevölkerung
m besetzten Gebiet kann bisher trotz der Provokationen der
Zesatzung nicht die Rede sein und ebenso gibt es im un⸗ esetzten Deutschland keine„militärischen Vorbereitungen“ in dem Sinne, wie sie die französische Presse schildert. Wir estreiten nicht, daß es„Verrückte“ in Deutschland gibt, die ch mit dem Gedanken eines neuen Revanchekrieges tragen und deshalb eifrig versuchen, im Einverständnis mit ge⸗ bvissen Kreisen der Reichswehr 88er und 98er Gewehre oder ergleichen für diese Zwecke zu sammeln. Auch ist nicht zu bugnen, daß diese Kreise den Versuch gemacht haben, in begelmäßigen. Lehrgängen von drei bis vier Wochen unter er Leitung von Reichswehroffizieren Bauernsöhne aus be⸗ immten Kreisen militärisch auszubilden usw. Bisher aber t es den Reichs⸗ und Staatsbehörden gelungen, diesen Un⸗ tig nicht nur schnell aufzudecken, sondern ihm auch wirkungs⸗ ll entgegenzutreten. Die deutschen Behörden finden bei ihren Maßnahmen gegen einen kleinen Teil„Verrückte“, die
sch immer noch nicht damit abfinden können, daß wir den
Frieg verloren haben und ein wehrloses Volk sind und deren Gedächtnis nur von heute auf morgen reicht, allgemeine fortgesetzten wahnsinnigen Maßnahmen der französischen und belgischen Besatzung tümmt es uns aber nicht Wunder, wenn sich der Kreis der Verrückten“ langsam vergrößert!
che, daß sich auch in Frankreich die Stimmen mehren, die den Wahnsinn der französischen Aktion einsehen. Maß⸗ gebende Politiker, darunter der frühere Minister Loucheur, beginnen jetzt offen ihre Meinung über die„verfehlten Maß⸗ bahmen“ zu äußern und sehen ein, daß schließlich nur der Weg der Verhandlungen übrig bleibt, der aus dem gegen⸗ lärtigen Elend herausführen konn. Aber nicht nur in grankreich sondern auch im übrigen Ausland mehren sich apnliche Stimmen. Die Frage bleibt nur: Wer soll ver⸗ ütteln und unter welchen Voraussetzungen kann verhandelt erden? Die letzte Debatte im englischen Unterhaus über de Ruhraktion hat gezeigt, daß von England in dieser Hin⸗ iht vorläufig nicht viel zu erwarten ist, und es kann nach iter Kundgebung mehrerer maßgebender englischer Konser⸗
Aktiver in diesen Tagen kaum erwartet werden, daß Eng⸗ vnd vermittelnd
0 einschreiten wird, solange Amerika aus ener Reserve nicht herausgetreten ist. Amerika aber wird
llenfalls, passiv bleiben.
ne Zustimmung auch Frankreichs zu einer“ Intervention Daß eine derartige Zustimmung ö otz der Zustimmung der Lage von Poincaré, oder besser Jlllerand, bald zu erwarten ist, bleibt kaum anzunehmen. e Furcht um einen Prestigeverlust ist im Augenblick bei en offiziellen Frankreich größer als die Vernunft. Auf-
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Bei aller Zuspitzung der Gegensätze bleibt das 1
Gießen, Dienstag, den 27. Februar 1923
Die„Lichtbringer“ als Amokläufer.
Schreckenstage in Bochum.
Ueberfall auf die Handelskammer.
Auf die Verhaftung des Magistrats und eines großen Teils der Stadtverordneten sind in der Samstagnacht neue Schreckenstaten der französischen Reitpeitschen⸗Lichtbringer erfolgt. Gegen Mitternacht erschien ein französisches Truppenaufgebot vor dem Gebäude der Handelskammer und drang in dieses ein. Die Akten wurden aus den Schränken herausgerissen und zerstreut. Alle Schränke wur⸗ den erbrochen. Auch die Schränke der Beamten wurden durchsucht und die Wertsachen mitgenommen. Die Vorhänge und Gardinen wurden von den Fenstern gerissen, die Teppiche aus allen Räume entfernt und, soweit man sie nicht mitnahm, vollständig zerschnitten. Die an den Wänden des Sitzungssaales der Handelskammer und in den einzelnen Zimmern hängenden Oelgemälde der früheren Peäsi⸗ denten der Kammer sowie anderer Männer wurden zerfetzt und zer⸗ kratzt. Aus der Privatwohnung des Syndikus Dr. Jakobs hagen, der selbst nicht anwesend war, wurden ebenso wie aus der Wohnung des Rechtsanwalts Dr. Schüler eine Anzahl von Ledersesseln geholt und mitgenommen. In dem Keller des Syndikus Dr. Jalobshagen wur⸗ den die Wein⸗ und sonstigen Vorräte vollständig geplündert. Selbst die Wohnung und der Keller des bejahrten Hausmeisters der Handelskammer wurden nicht verschont und vollständig ausgeplün⸗ dert. Die Franzosen zogen schließlich in aller Frühe mit zahlreichen Wagenladungen der aus dem Handelskammergebäude geraubten Möbel⸗ und Ausstattungsstücke, Teppichen, Sessel sowie Lebensmittel usw. ab. Das ganze Handelskammergebäude ist bis auf die kahlen Wände restlos ausgeplündert; es ist kein Stuhl und kein Teppich mehr vorhanden
Die Bente wurde auf 12 Lastwagen fortgeschafft.
„Französisches Kulturmuseum“.
Vor dem Eingang zum Gebäude der Bachun er Handelskam⸗ mer, das dos Ziel einer großen Volksmenge sowie zahlreicher Journalisten war, die die dort von den französischen Truppen an⸗ gerichteten Zerstörungen in Augenschein nehmen wollten, ist eine Tafel mit der Aufschrift„Französisches Kultur museum“ ange⸗ bracht worden.
Ausländische Pressevertreter, die die von den Franzosen ver- wüstelen Räume der Handelskammer sich ansahen, erklärten, daß ihnen Beispiele einer solchen Verwüstung trotz ihrer Anwesenheit selbst in sehr unkultivierten Gegenden noch nicht vor Augen ge⸗ kommen seten.
Atech das Landratsamt geplündert.
Am Sonntag haben die Franzosen ihr Apachentreiben in Bochum fortgestzt. Diesmal war das Landratsamt das Ziel ihrer Räubereien. Der Bochumer Landrat ist ein Partei⸗ genosse, ein Mann, der bisher äußerste Zurückhaltung den Frauzosen gegenüber geübt hat. Ihn und den Hausmeister haben sie mit Revolvern bedroht. Seine Dienstwohnung wurde zum größten Teil zerschlagen. Ferner versuchten die Franzosen den Geldschrank zu erbrechen. Der alte Kastellan des Landratsamtes mußte der Gewalt weichen und die Forderung nach Schnaps ausführen. Gleich der Handels— kammer bilden auch die Räume des Landratsamtes ein Bild sinnloser Verwüstung. f
Der„überrasche“ Bevollmächtigte.
Als der Vertreter des Landrates bei den Vertreter des fran— zösischen Bevollmächtigten Beschwerde über die Zerstörung des Landratsamtes führte, war der Franzose sichtlich überrascht. daß das Zerstörungskommando auch in das Landratsamt eingedrungen war. Er teilte mit, daß der offizielle Befehl gegeben worden sei, die Handelskammer zu zerstören und zu demolieren. Er war verwundert, daß auch das Landratsamt demoliert worden sei. Die geraubten Akten sind nach der Oberrealschule geschafft worden.
Geuevalstreik in Bochum.
Als Protest gegen die Vorgänge in der Stadtverord— netenversammlung von Bochum haben die Gewerkschaften Samstag mittag 12 bis nachmittags 5 Uhr einen General— streik durchgeführt. Jeder Verkehr ruht, alle Geschäfte sind geschlossen. Der verschärfte Belagerungszustand dauert fort. In der Nacht zum Samstag wurden 500 Personen festge— nommen, die von den Franzosen auf der Straße nach 10 Uhr angetroffen worden waren. 0
Der Oberbürgermeister und die verhafteten Stadtväter sind inzwischen wieder freigelassen worden.
Fahrradräuber.
Das Militär fährt in Bochum mit seinen Requisitionen fort. Am Sonntag vormittag durchzogen große Truppenaufgebote die Stadt und beschlagnahmten in den Geschäften verschiedene Gegen— stände. Hauptsächlich hatte man es auf Fahrräder abgesehen.
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Verhaftung von Schülern.
In Dortmund sind 15 Oberrealschüler von den Franzosen verhaftet worden, di e ihrerseits die Verhaftung von 9 75 zösischen Spitzeln veranlaßt hatten. Die Schüler wurden schwer mißhandelt. Sie sind inzwischen entlassen und bis zur Heilung ihrer Wunden in einer Villa untergebracht worden.
Erneute Verhaftung eines Stadtverordneten.
In Essen ist der Stadtverordnete der Stadt Essen, Bolddorfj, zusammen mit seiner Frau ohne Angabe von Gründen verhaftet
worden. Ausplünderung eines Arbeiters.
In der Sonntag nacht wurde in Herne ein Arbeiter, der 250 Mark bei sich führte, von drei franzößischen Soldaten überfallen und vollständig ausgeraubt.
Millionen- und Milliardendiebstähle.
In Moselweis bei Koblenz wurden in einem Restaurant Eisenbahnkassenbeamte, die an die von französischem Militär von den Bahnanlagen vertriebenen Eisenbahner Löhne und Gehälter auszahlten, von vier bewaffneten französischen Polizisten in Zivil überfallen. Den Franzosen sind 65 Milligaen Mark in die Hände gefallen. N
Wie das Woffbureau erfahren haben will, beschlagnahmten die Franzssen heute vormittag in dem Schnehzug Berlin— Jöla Nr. 38 einen großen Geldtransport der Reichskank in Höhe von dreizehn Millarden Papiermark und den dazu gehörigen Druck⸗ platten auf dem Bahnhöfe Heugstei.
Die Eisenbahnerfamilien ans ihren Wohnungen verjagt.
Mit der Ausführung ihrer ungeheuerlichen Drohung, die Eisenbahner an den militarisierten Strecken, die sich nicht bereit erklären, unter französischem Befehl die Arbeit wieder aufzunehmen, jetzt mikten im Winter mit Frauen und Kindern aus ihren Wohnungen zu vertreiben, haben die Franzosen tatsächlich in großem Umfange begonnen: aus einer ganzen Reihe von Orten laufen Meldungen ein, wo⸗ nach dort die Eisenbahner gezwungen werden, in ganz kurzer Frist ihre Wohnung zu räumen. Damit nicht genug, halten die Franzosen in einer ganzen Anzahl von Fällen auch die Betten, ja sogar ganze Schlafzimmereinrichtungen der ver⸗ triebenen Eisenbahner zurück. Die für die Räumung der Wohnungen zumeist gestellte Frist von wenigen Stunden ist verschiedentlich nicht einmal innegehalten worden; mehrfach mußten die Wohnungen schon in einer halben Stunde ge⸗ räumt werden!
Numenschlichkeiten.
Die Gefangenen, die von Bredeney nach dem Zuchthaus Wer⸗ den überführt worden sind, wurden von den Franzosen in einen Naum eingesperrt, der ohne jedes Einrichtungsstück war. In⸗ zwischen ist es den deutschen Stellen auf Vorstellungen bei den Besatzungsbehörden gelungen, wenigstens einige notwendige Gegen⸗ stände in diesen Raum zu schaffen.
Der mißhandelte Gewerkschaftsbeamte.
Aus Düsseldorf erfährt der Gewerkschaftsbund der Ange⸗ stellten, daß der Gewerkschaftssekretär des Bundes der Angestell⸗ ten, Arthur Georg, am Sonntag von den Franzosen verhaftet und bei seiner Verhaftung bis zur Besinnungslosigkeit mißhanbelt wurde. Er befindet sich noch in Haft. Ein weiterer Mitarbeiter des Gewerkschaftsbundes wurde verhaftet und nach einer bei ihm vorgenommenen Haussuchung wieder freigelassen.
„Der organisierte Raub.
Die am Samstag vorgenommene Besetzung der Bahn⸗ höfe Wanne und Recklinghausen diente, wie sich im Laufe des Sonntag herausstellte, einem systematisch vorbereiteten neuen Raubzug. Im Laufe des Sonntag sind die Bahnhöfe wieder freigegeben worden. Gestohlen wurden 14 Loko⸗ motiven, 40 Personenwagen, 46 Packwagen und 160 mit Kohlen und Eisen beladene Güterwagen. Selbst vor der
Hohlensperre für die Züge nach Holland scheut die Besatzung
nicht zurück.
Auf der Station Dorsten ist jeder Durchgangsverkehr für diesen Zweck verboten worden. In Backel wurde ange⸗ ordnet, daß der Verkehr von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr gesperrt bleibt.
Auf der Jagd nach Ministern. Seit einigen Tagen führen die Franzosen und Belgier an den Zollgrenzen östlich des Rheins eine außerordentlich scharfe Kor⸗
FFPPPFFFCCTTT——T—T——— 8 5 5 fällig wirken in dieser verworrenen Situation die eifrigen Hinweise der französischen Presse auf die Annäherung zwischen Rußland und Frankreich, die sicherlich ernst zu nehmen sind. Es ist nicht als unwahrscheinlich zu betrachten, daß jene Besprechungen, die zu dieser Annährung führten, auch die Ruhraktion Frankreichs einschlossen und daß das offizielle Rußland bei dieser Gelegenheit vor der Aktion ge⸗ warnt hat.
Die Möglichkeit, daß selbst von dem durch die Entente
deutsche Arbeiterschaft verlangt.
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nicht anerkannten bolschewistischen Rußland ein vermittelnder
Schritt Tatsache werden kann, scheint gegenwärtig nicht aus⸗ geschlossen. Deutschland wird jede Vermittlungsaktion an- erkennen, von welcher Seite sie auch kommt und wird sein Möglichstes tun, um jeder Vermittlung zum Ziele zu ver⸗ helfen. Ist es so weit, dann wird auch die gegenwärtige Reichsregierung erklären, daß sie bereit ist, zu verhandeln ohne restlose Räumung des neubesetzten Gebiets, aber auf der Basis der Gleichberechtigung, wie es vor allem auch die
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