Ausgabe 
26.5.1923
 
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8* 1 1 Politische Uebersicht. Deutschlands Zahlungen. Eine Aufstellung der Reparatlouskommission.

Die Reparationskommission, die seinerzeit beschlossen hat, den Stand der Reparationszahlungen je am 30. Juni und am 31. Dezember zu veröffentlichen, hat soeben eine Aufstellung veröffentlicht, die mit dem 31. Dezember 1922 abschließt. Dan-h sind Deutschlend bis zu di⸗sem Tage 7 940 426 000 Goldmark auf das Reparationskonto gutge⸗ schriebn worden und zwar ist diese Summe wie folgt zu⸗ sammengesetzt: In bar 1878 515000, in Sachleistun⸗ gen 3495 006 000, abgetretenes Staatseigentum 2 553 905 000, verschiedene Einnahmen 13 000 000. Von der obengenannten Summe sind bis jetzt 5 185 277 000 auf die verschiedenen alliierten Mächte verteilt worden und zwar wie folgt: Frankreich 1 790 803 000, Belgien f 759 996 000, England 1 150 524000 Italien 242 794 000, Südslawien 150 685 000, Japan 67 978 000, Tschechoflowakei 21 190 000, Polen 14 705 000, Griechenland 11023 000, Rumänien 10 144 000, Portugal 4 415 000. Es verbleiben 2 765 169 000 Goldmark zu verteilen resp. den einzelnen Staaten gutzuschreiben, da es sich bei dieser Summe nicht um Waren oder Sachleistungen handelt, sondern nur um folgende Posten: Kabel 49 Millionen, abgetretenes Staats- eigentum und Anteil an der deutschen Staatsschuld 2 085 393 000, Saargruben 100 Millionen, Handelsschiffe 391 519 000, noch ausstehende Guthaben und Kassabestand 376 626 000, verschiedene Posten 92 631 000.

Der französische Anteil von 1790 803 000 verteilt sich wie folgt: Barleistungen 143 649 000, Sachleistungen 1345 112 000, Saargruben 302 042 000;

die Kosten der Besatzungsarmee und der

5 kommission belaufen sich auf 2 448 166 000, die sich auf die verschiedenen Länder, wie folgt, verteilen: Frankreich 1 261 001 000, Eng⸗ land 942 836 000, Belgien 233 677 000, Italien 10 383 000, Japan 269 000 und außerdem für Amerika 1 072 193 000. Dieser Betrag ist reserviert worden, so daß die Besatzungs⸗ und Kontrollkommissionskosten fich tatsächlich auf 3510 359 000 Goldmark

belaufen. Die Besatzungskosten der alliierten Länder mit Ausnahme der Vereinigten Staaten sowie die Vorschüsse, die auf Grund des Abkommens von Spaa von den Alliierten in Höhe von 392 216000 an Deutschland gemacht wurden, haben eine absolute Priorität für die deutschen Repa⸗ rationslieferungen. Diese beiden Prioritäten erstrecken sich somit auf eine Summe von 2840 382 000. Nach der tat⸗ sächlichen Verteilung dieser Summe an die Alliierten bleiben von den eingangs erwähnten 5154 257 000 der deutschen Bat⸗ und Sachleistungen noch 2 243 825 000 Goldmark' für die eigentlichen Reparationen zu verteilen, d. h. als erste Anzahlung auf die 192 Milliarden des Londoner Zahlungs⸗ planes. Für Frankreich sind nach der Begleichung der Be⸗ satzungskosten 271 031 000 Goldmark für den eigent⸗ lichen Wiederaufbau det zerstörten Gebiete übriggeblieben.

Also: Die Besatzungskosten fressen den Wiederaufbau!

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um die sächsische Landespolizei. Unter der UeberschriftEin neuer Vorstoß

Kontroll-

bie fächsische Regi fsentlicht d Sachstsche e egierung veröfsent ie Sächstsche e folgende, offenbar von der Regkerung inspfrierte

Auslassussng:

Parxteien ende hat in einer der letzten Sitzungen des amentes vor Pfingsten einen Antrag angenommen, wo⸗

Südteil der Stadt kleinere Teilaktionen bemerkbar. Hier war jedoch

Mark betragen. Neu ist die Haushaltungszulage, die die 2 1

Will Cuno die Parteien brüskiere 0

Auch am Donnerstag hat die Regierung noch keinetlei Mitteilung über ihre Absichten an die Parteien gelangen lassen. Es verlautet, daß insbesondere das Zentrum über diese Ausschaltung sehr verschnupft ist. Von dieser Partei werden schon seit Tagen Versuche unternommen, eine Sitzung der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft zustande zu bringen, die sich mit der politischen Situation befassen soll. Es ist damit zu rechnen, daß diese Sitzung noch im Laufe det Woche stattfindet. 5

Die Kommuuistenputsche an der Ruhr.

Nächtliche Kämpfe in Gelsenkirchen..

In der Nacht zum Donnerstag entspannen sich noch überaus heftige Kämpfe zwischen den Resten des Selbstschutzes und den Kom⸗ numisten. Da angeblich aus der Wirtschuft Müller in det Munkel⸗ straße auf die Menge geschossen sein sollte, wurde diese Wirtschaft gestürmt, die Spiegelscheiben, Tische und Stühle, kurz alles was nicht niet⸗ und nagelfest war, ist zerschlagen und zertrümmert wor⸗ ben. Während sich diese Kämpfe abspielten, wurden im Nord⸗ und

kein Abwehrkommando vorhanden, sodaß die Demonstranten unge⸗ hindert in Lebensmittelgeschäften eindringen konnten. Gegen 7 Uhr abends fandAuf der Wiese noch eine Versammlung statt, in der über das Ergebnis des Tages berichtet wurde, sowie Richtlinien für heute ausgegeben wurden. Von hier aus zogen die Kommunisten, bei denen offenbar die Führung liegt, noch zum Kristallpalast, um dort elne Sitzung abzuhalten. In der vergangenen Nacht war in der Stadt alles ruhig. Jetzt halten die Kommunisten die Zugänge zur Bankstraße, in der das Pol ize prä sid unn liegt, abgesperrt. Durch die Bahnhofstraße gehen kommunistische Patrouillen. 5 Vandalen.

Die Verwüüstung des Poltzeipräsidiums durch die Kommmtnisten reiht sich würdig an ähnliche Kulturtaten der Franzosen an, die ihre kommunistischen Schtitzlinge durch stillschweigende Duldung im ihrem verbrecherischen Treiben unterstützen. Man hat nicht nur sämlliche Akten des Polizeiprästdiums, sondern auch Telephonapparate und Schreibmaschinen auf die Straße geworfen. Und das alles unter der auf dem Polizeiprässduum gehißten roten Fahne. Die Arbeiterschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit wendet sich mit Abscheu von diesem Vorgehen ab und ist entrüstet über die Schändung der Flagge des Sozialismus durch das Verbrechergesindel. Die Plünderungen von Geschäften haben noch nicht aufgehört. 1 1

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Eine Arbeiterwehr in Gelsen

Bei den 0 zwischen der Gelfen a e behereschen, ihre For züglich der 0 5 lei ler die Bürgerlichen 9 schloffen sind, di morgen 1 ab wird eine Arbeiterweht den Ordun nehnten. Diese Arbeiter wehe wird bestehen aus 150

sreien Eswerkschaften, 75 d- Christlichen und 7 4 ö then Gewerkschassen, sowie 100 Angehörigen der ff ae K der Hand⸗ ulld Kopfarbeite

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gemeinsam init führen.

Bei den Unrihen in Gelsenkir

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der Ordnung einsetzte. Die Rechts 1 15 m es so

55* zülstellen, t anf N 1 5 55 hace 5 h bung von E pol 10 90 Dies own hen und den lber aulfgetan, der sich unter Ausschluß der Kommimisten der Bevölbetung gleichmäßig zuscnnmengesetzt und treten ist. Mit den der Auflösung anheim gefallenen re Selben hverbärden bal dieser Selbsss daß wicht ue

Ruhigere Lage. niseschen Se een pee ste as r

versuchen nunmehr, in der weiteren umgebung 7 Streik zu entfachen. Auf einigen Zechen haben sie! In Bochum ist es zurzeit im Fa 151 0 Zuzug auswärkiger kommuniftischer Elemente, Gelsenkirchen, festgestellt del. die sich ditvch gl bennklich machen. Im Landkreis Hamm ist es am Donnerst blieben. 173 ist 76575 15155 11 len 100 0 l ittag unnd die übr echen Heesen heute mittag 1 e ce

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85 1 haltung der heute einberufenen dbbersen b

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im Benehmen mit den Landesregievrungen aufgestellt hat. Die Stellung der Reichsregierung zu diesem Antrag ist noch nicht be⸗ kannt. Die sächsische Reglerung und die sächsische Polizei könnten einer solchen Prüfung mit größter Ruhe enkgegensehen, benn dle Otgagifalkon der sächsischen Landespolizei steht 1 blich in vollem Einklang mit den oben erwähnten Richtlinien. r Vor⸗ gang ist aber bemerkenswert, weil er ein neuter Beitrag für den Feldzug ist, den die bürgerlichen Parteien zur Diskreditierung det sozkalistischen Regierung in Sachsen führen. Wenn ein Land keinen Anlaß zu solcher Prüfung bietet, so lt es gerade Sachsen. An eine Prüfung der polizeilichen Verhältnisse in anderen Bundesstaaten, wie z. B. in Bayern, wo sicherlich mancherlei Gründe für eine solche Maßregel bestehen würden, denken die Herren der bürgerlichen Parteien nicht, weil es sich für sie eben nur um eine itt e gegen die sächsische soztalistische Regierung han 23 8

Der Kampf um die Beamtengehälter.

Da die Verhandlungen des Reichsfinanzministeriums mit den Beamtenorganisationen über eine Neuregelung der Grundgehälter nicht zur Einigung führten, hat das Mini⸗ sterium eine Vorlage ausgearbeitet, die noch in dieser Woche an das Kabinett geht. Die darin vorgesehene Neuregelung läuft in ihrer praktischen Wirkung auf eine 18 fache Er⸗ höhung der Grundgehälter hinaus. Dazu kommen die Ortszuschläge, die in der Ortsklasse& 73 000 bis 108 000

auf 80 Prozent hinaufgesetzt.*

bereit sei und dementiert auch die Drohung

bishetige Frauenzulage ersetzen und auch solchen 9. Beamten gewährt werden soll, die einen eige haben. Die Kinderzulage soll erst für Kindet ie gekützt wetden. Die Vorlage nimmt sich auch de an. Der Penstonär soll mit 25 Prozent seines G ginnen. Nach 10 Dienstjahren bis zum 25. Je Pension um 2 Prozent pro Jaht. Nach diese findet nut noch eine Steigerung um 1 Ptoze statt. Die Höchstgrenze der Pension wird von

5 Die Krise in Lausanne. Die Abhaltung der für Donnerstag ange der Finanzkommission der Lausanner Konfet griechisch-türkische Konflikt in der Reparaf Sprache kommen soll, ist wieder sehr fraglich fortwährend in Sonderbesprechungen zwischen e Delegationen eine Klärung der ernsten Lage bersi die aber bis jetzt noch nicht erreicht wurde. Iütimi zweifeln noch immer, daß es Griechenland ih der kit rischen Drohung ernst sei, wenn nicht eine gro dahintersteckt, die nur Frankreich sein kann. Me Delegation selbst betont nach wie vot, daß sie

Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan.

Man kann sich die Freude der Mutter Gwenfern vor stellen, als sie ihren Sohn endlich offen und ohne Furcht in

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ihrer Hütte begrüßen konnte. Seine traurige Geschichte hatte sich im ganzen Lande herumgesprochen und ihm viele Freunde und Bewunderer verschafft. Selbst seine bittersten Feinde im Dorfe wagten kein Wort gegen ihn zu sagen. Der Bürgermeister von St. Gurlott, der ihn so erbarmungslos hatte verfolgen lassen, erklärte ihn öffentlich als einen Märtyrer, für den das Land etwas tun müsse; Pipriacs Ermordung sei aus Notwehr erfolgt, infolgedessen gerecht⸗ fertigt und nicht strafbar. Der gute Bürgermeister gehörte eben zu der Spezies von Menschen, die gleich dem Chamäleon je nach Bedürfnis ihre Farbe wechseln.

So konnte denn Rohan als freier Mann an seinem eigenen Herd der langersehnten Ruhe pflegen. Die Freude seiner Mutter dauerte freilich nicht lange, denn die Aermste bemerkte schon in den ersten Tagen nach seiner Rückkehr die furchtbare Veränderung, die mit ihrem Sohne vorgegangen wor. Nicht nur, daß er außerlich den Eindruck eines ge⸗ brochenen Menschen machte und daß seine prächtigen, blon⸗ den Locken ganz grau geworden waren, auch sein Geist hatte gelitten. Er versank stundenlang in eine Art Erstarrung und sprach in diesem Zustand ganz unzusammenhängendes Zeug. Wenn er dann erwachte, sah er wie aus dem Grabe gestiegen aus. Des Nachts wurde er von schwerem Alp⸗ gücken geplagt und er träumte von der Belagerung der Grotte und dem Tode Pipriacs. Kein Lächeln erheiterte sein düsteres Gesicht, und er sprach nur, wenn er befragt wurde. So hatte denn die Mutter nür nach und nach erfahren, daß er sich den ganzen Winter in den ärmlichen Hütten von St. Lok herumgetrieben und bei den Strandpiraten Obdach ge⸗ funden hatte. Er lebte in fortwährender Angst, entdeckt zu werden und litt furchtbare Entbehrungen. Was ihn jedoch am meisten bedrückte, das war die Blutschuld; mit dieser vermochte er sich nicht abzufinden. Wenn er auch in den Augen der Welt gerechtfertigt war, vor seinem eigenen Ge⸗

wissen war er es nicht: an seinen Händen klebte Blut und noch dazu das eines Freundes seines Vateys! Der Friede seines Herzens war für immer gestört, sein Organismus im Kern zerrüttelt. Seelenqualen und physische Leiden trübten allmählich seinen Geist, die Erinnerung an die furchtbaren Schrecken und Leiden in der Grotte ließ ihn nicht zu Ruhe kommen. Dazu kam allmählich die Einsicht, daß zwischen ihm und Marcelle eine seelische Entfremdung eingetreten wat, die sich wohl nie mehr überbrücken lassen werde. Seine Rettung hatte ihr Kummer gebracht, seine Hoffnungen sie in Verzweiflung versetzt. Was zu seiner Ehrenrettung ge⸗ führt hatte, hatte ihren Onkel beinahe an den Rand des Grabes gebracht. Freilich, sie blieb ihm gegenüber immer die Gleiche; sie war sanft, treu und freundlich, aber ihte Blicke verrieten nicht mehr die stille Leidenschaft früheret Tage, sie war schüchtern und zurlckhaltend. Er besaß noch immer einen Teil ihres Herzens, ihre Seele aber hatte ihm Napoleon entfremdet.

Marcelle beschäftigte sich fast ausschließlich mit ihrem kranken Onkel, der seinen Anfall nach wenigen Tagen so weit überwunden hatte, daß er das Bett verlassen konnte, aller⸗ dings nur als Schatten seines früheren Selbst, als ein an Leib und Seele vollständig gebrochener Greis. Er mußte sich vor der kleinsten Aufregung hüten und jedes Mitglied der Familie bemühte sich auch redlich, ihm jede unangenehme Nachricht, jedes Aergernis fernzuhalten: die Zeitungen frei⸗ lich konnte man ihr nicht unterschlagen. Er verfolgte im Geiste Bonapartes Abschied von Frankreich, seine Ankunft auf Elba, den Einzrg des verhaßten Königs in die Haupt⸗ stadt des Reiches und all die Veränderungen, welche die

Liedereinsetzung der Bourbonen nach sich zog. Der Korporal brauchte sich nur vor seine eigene Haustüre zu setzen, um diese wahrzunehmen. Täglich zogen kirchliche Prozessionen durchs Dorf, die Glocken hörten gar nicht mehr zu läuten auf, denn der König war ein gar frommer König und seine Familie eine gar fromme Familie. Wie man unter der Herrschaft Napoleons überall den Soldatenrock sah, so er- blickte man jetzt allenthalben die schwarze Sutane. Die Priester, die mit den Emigranten das Land verlassen hatten,

kamen jetzt scharenweise zurück, und es galt, ihnen fh Stellen zu verschaffen. Vom Morgen bis zum Abend a man in sämtlichen Kirchen dasTedeum. In et wurden alle verfallenen Kapellen neu erban, bernag Kalvarien aufgerichtet, Heiligen⸗ und Mutterttlt 0 allen möglichen und unmöglichen Orten angel religiöse Gebräuche, die während der Reb Uebung kamen, fanden wieder Aufnahme. 1 zu erstaunlich, wie rasch die totgeglaubten J monien zu, neuem Leben erwachten.. Im Hause des Korporals herrschte daroh! die Witwe war die einzige, die innerlich frohlo hatte auch unter Napoleon Gott und alle Heil und alle kirchlichen Gebräuche eingehalten. Sorge bildete jetzt ihr Sohn Hosl, der seit vieh kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte und hätte zu Hause sein müssen. 13 Marrelle verabscheute die neue Richtung ul mochte nicht mehr in die Kirche gehen, denn sie züri dem Rolland, weil er sich an die Seite der Ropal Statt die große Messe zu besuchen, ging sie al 3 die kleine Kapelle hoch oben in den Klippen; her ko ungestört beten und ihrem gepreßten Herzen Ruft Der Frühling machte einem segensrei Platz, die weiße Lilie(das Wappen der breitete ihren Glanz über ganz Frankreich Herzen mit Hoffnung und Frieden. Mau m aufzuatmen. Die große Seewand der Bret 0 ganz weiß von Vögeln. die üppigen Felder würden von Mannern und Fünglingen bestellt, deren frische Lieder mit denen der Nachtigallen und Lerchen we Natut und Menschen schienen ihre Wiedergehl die Welt war in einen fatbenprächtigen Garlih die Menschen vergaßen alle überstandenen Lell Freude am Leben und der Gewißheit einet g Nur die Soldaten brummten, denn mit hte war's vorbei. l ö zortfetzung folgt.)

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