Verschärster Bela zerungszustand iu Bochum. Freitag früh ist über Bochum der verschärfte Belage⸗ ktungszustand verhängt worden. Ueber die gestrigen blutigen Vorfälle ist festgestellt worden, daß die Schießerei einsetzte, nachdem eine Dame in der Nähe des Landgerichtsgebäudes von einem französischen Soldaten vom Bürgersteig gedrängt worden war. Darauf erschollen Pfuirufe und der Schuß krachte. Ein etwa 20jähriger Arbeiter ist getötet worden, zwei weitere junge Leute wurden schwer verletzt. Post⸗ und Telegraphenamt in Bochum arbeiten noch nicht. Bei den Requisitionen, die vor der Besetzung des Gerichtsgebäudes vorgenommen wurden, handelt es sich um Möbel und sonstige Gegenstände für ein Offizierskasino. Der ganze Magistrat und die Hälfte der Stadt⸗
5 verordneten verhaftet! In Bochun wa nde aw Freitag nachmfttag der gesamte
Magistrat und die bolbe Stadtveegrbnetenvecsammlung von den
Franzosen ohne Angabe von Gründen verhastet. Es liegt die Vermutung nahe, daß oe Verhaftung wegen der Norkommnisse
am Donerstag anläßlich der Vesetzung des Amtsgerichts erfolgte.
Ein neuer Kassenraub. 5 In Duisburg wurde die Stalionskasse des Hauptbahnhofs mit 100 Millionen Mark Inhalt von franzößschen Truppen beschleg⸗
nahmt mNimdedim.
Auf Bahnhof Pallien(Bez. Trier) wurde beobachtet, daß täg⸗ lich zu bestimmter Stunde ein von französischem Personal ge⸗ 3 Kohlen zig die Staron passierte Da die einzelnen Züge
einander glichen wie ein Ei dem anderen, notierten einige
2 0 e die Waggon nummern und konnten so feststellen, daß es ein derselhe Zug war, de- täglich die Strecke passierte, und daß er regelmäßig in der Nacht wieder zurückgefahren wurde.
Politische Uebersicht.
Wucherbekämpfung in den Ländern. 1 Beim oldenburgischen Ministerium des Innern ist en Landes wucheramt eingerichtet worden, das zu selbst⸗ ständiger Untersuchung und Verfolgung aller Wucherfälle befugt ist. Sämtliche Staats⸗ und Gemeindebehövden sind verpflichtet, über Wucherfälle unverzüglich und unmittelbar an das Wucheramt zu berichten. Jeder, der sich übervorteilt glaubt, oder dem Wucher⸗ fälle zur Kenntnis lommen, ist berechtigt, unmittelbar beim Landes⸗ wuche ramt Anzeige zu erstatten. Gelbe„Vaterlandsliebe“.
Das Rundschreiben, das der volksparteiliche Reichstags⸗ abgeordnete Geisler, der Vorsitzende der sogenannten Ver⸗ einigung Vaterländischer Verbände Deutschlands, erlassen hat und worin er die Industriellen auffordert, statt zur Ruhrhilfe Spenden für seine marxistische Organisation zu widmen, hat, wie die Zeit mitteilt, bereits die volkspartei⸗ liche Reichstagsfraktion beschäftigt. Die Fraktion hat nach dem Bericht des volksparteilichen Blattes sich einmütig der scharfen Verurteilung und Zurückweisung angeschlossen, die der Vorsitzende Dr. Stresemann gegen das erwähnte Rund⸗ schreiben geäußert hat, und war sich darin einig, daß das Vorgehen des Abg. Geisler nicht zu billigen sei. Die Zeit sagt weiter, daß die volksparteiliche Fraktion zwischen ihrer Auffassung und dem Rundschreiben des Abg. Geisler einen ganz klaren Trennungsstrich gezogen habe. Man hat das Rundschreiben zusammen mit anderem Material dem zu⸗ ständigen Parteiausschuß zur Untersuchung und Ent⸗ scheidung überwiesen. Im übrigen ist unseres Wissens das
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Rußland gegen die Verhökerung von Memel.
Der Moskauer Volksbeauftragte Tschitscherin hat an die britische, französische und italienische Regierung eine Protestnote gegen die getroffene Regelung der Memel⸗Frage gerichtet. Eine Abschrift dieser Note ist der deutschen Re⸗ gierung übermittelt worden. Die Note besagt:
Der Versuch, eine Frage, die in so einschneidender Weise das Gleichgewicht auf dem baltischen Meere berühre, ohne Anhörung Rußlands und seiner Verbündeten zu lösen, beschwöxe neue inter⸗ nationale Konflitte herauf. Bereits am 22. Dezember 1922 habe die Sowjetregierung Protest gegeu die Annahme des Memel⸗ Statuts, mit Umgehung Rußlands und seiner Veroündeten, er⸗ hoben und darauf hirgewiesen, daß eine solche Entscheidung für Rußland und seine Verbündeten der legalen Verkindlichkeit ent⸗ behre und nicht von Dauer sein könne. Die Waldwirtschaft Ruß⸗ lands hänge in bedeutendem Maße von der Regelung der Wasser⸗ verkehrsverbindungen im Memelland und von der Jnanspruch⸗ nahme des Memeler Hafens ab. der für die russische Ausfuhr von größter Bedeutung sei⸗ f a
Da die allilerten Mächte die oben erwähnte Defiaration völlig ingnoriert hätten, müsse ihnen die ganze Verantwortung für alle Verluste und Mißhelligkeiten auferlegt werden, die für Ruß⸗ land aus der getrofsenen Entscherdung über die Angliederung des Memellandes an Litauen erwachsen könnten Die Sowjet⸗ regierung werde den Allsierten im geeigneten Augenblick eine Ent⸗ schädigungsforderung präsentieren. Insbesondere jeit der Artikel des Memel-Staluts zu beanstanden, der eine internationale Ver⸗
waltung unter Beteiligung Polens im Memeler Hafen eirsctze Dieser Artikel stelle eine grobe Verletzung der elementarsten Interessen Rußlands dar. 5
Die Sowjetregierung stellt fest:
1. daß die Einsetzung eines internationalen Verwal⸗ tungsorgans für die Memelschiffahrt ohne die Beteiligung Rußlands unzulässig sei;
2. daß nur die Uferstaaten des Memelflusses und seiner Nebenläufe einem solchen Verwaltungsorgan angehören dürften;
3. daß nur eine Entscheidung, welche Rußland die Frei⸗ heit seines Transports und den Unterhalt einer Flußflottille auf dem Memelfluß garantiere, von der Sowjetregierung anerkannt werden könne.
Die Sowjetregierung erwarlet, daß die Regierungen, die an der Entscheidung dieser Frage mitgewirkt haben, mit Rußland und seinen Verbündeten in einen Meinungsaus⸗ tausch eintreten werden, um dem jetzigen Zustande ein Ende zu bereiten, der eine schwere Bedrohung des Friedens in Osteuropa darstelle.
0 33 Gegen Wucher und Ausbeutung. Die Abfindung des Großherzogs.
Der Finanzausschuß beschäftigte sich in seiner Mittwochs⸗Sitzung zunächst mit einigen Anträgen der kom⸗ munistischen Abgeordneten Roth und Ebner. Ein Antrag auf Erhöhung der Waisengeldsätze auf die Höhe der Kinderzuschläge für die Beamten wurde wegen seiner Indurchführbarkeit unb rechtlichen Unzulässigkeit abgelehnt.
— Ein weiterer Antrag, allen jetzt zur Entlassung kommen⸗
den Schulkindern, deren Erziehungsberechtigte nicht das Existenzminin um haben, eine Beihilfe zur Beschaffung von Wiische und Kleibern zu gewähren, hatte das gleiche Schicksal. Generelle Maßnahmen dieser Art erschienen unzweckmäßig; in einzelnen Fällen von Bedürftigkeit ist in dieser Hinsicht bereits gesorgt.— Es folgte sodann die sozialdemokratische Interpellation über die Teuerung, die von dem Redner dieser Partei im einzelnen begründet
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F kerkigten Preisen die innere Einheitsfront zu gefährden drohen. Der Reg lerungsvertreter gab eine ausführlich Darstellung der Tätigkeit der Preisprüfungsstellen, deren Bemühungen um eine angemessene Preisgestaltung recht oft 7 von den Maßnahmen der Kartelle und Syndikate vereitelt werden. Der Polizeireferent erläuterte die polizeilichen Maßnahmen gegen die Preistreiberei und sicherte energische 4 Durchführung aller Maßnahmen zu, die geeignet sind, die Auswüchse der Teuerung zu bekämpfen. Insbesondere wurde vom Ausschuß gefordert rücksichtsloses Vorgehen gegen die Geschäftsinhaber, die ihre Waren nicht au⸗ zeichnen. Der Ausschuß ersuchte schließlich am Schlusse der 9 wirkungsvollen Aussprache die Regierung um eine energische Durchführung aller bestehenden und noch zu er⸗ lassenden Verordnungen auf dem Gebiete der Preisbildung. Als letzter Punkt wurde ein geisteinsamer Antrag des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Volkspartei und des Bauernbundes beraten, der sich zum Zwecke setzt, den.„ Abfindungsvertrag mit dem Großherzoglichen Hause 7 zugunsten des Großherzogs abzuändern. Es handelt sich dabei zunächst um eine Sicherstellung der Beamten, die der Großherzog mit der seinerzeit dafür überlassenen Summe heute nicht mehr besolden kann. Darüber hinaus aber will. der Antrag auch die Rente des Großherzogs selbst weit⸗ gehend erhöhen. Da es sich hierbei schätzungsweise um Summen von mehreren hundert Millionen Mark handelt, widersprachen die Sozialdemokraten der sofortigen Weiter ⸗ beratung. Die Demokraten brachten einen erheblich abge⸗ schwächten Abänderungsantrag ein, und die Regierung er ⸗ klärte, daß sie keine Erklärungen abzugeben vermöge, so. 4 lange sie sich nicht in dem Kabinett mit der Angelegenheit beschäftigt habe. Gegen die Stimmen der sozialdemokrati⸗ schen und demokratischen Vertreter und trotz der Erklärung der Regierung, daß sie bis morgen keine Stellung zu der 5 Angelegenheit nehmen könne, wurde mit den Stimmen des 4 Zentrums und der Rechten beschlossen, die Angelegenheit 1 heute Donnerstag doch weiter zu verhandeln.— Den Mit⸗ gliedern des Finanzausschusses wurde heute der Staats⸗ voranschlag 1923 zugestellt.
Die gesetzlichen Formen des Mietvertrags.„
Der dem Laien äußerst einfach erscheinende 8 566 des lichen Gefetz⸗Burches: 8 2 1 W Mietvertrag über ein Grundstück, der für längere Zeit als ein Jahr geschlossen wird, bedarf der schriftlichen Form. Wird die Form nicht becb⸗ 8 achtet, so gilt der Vortrag als für unbestimmte Zet geschlossen: die Kündigung ist jedoch nicht sür eine frühere Zeit als für den Schluß des ersten Jahres zulässig“, 3 7 5
gehört in der juristischen Praxis mit zu den bestrittensten Vor⸗ schriften. Er soll dashalb hier in eingehender Form einer ein⸗ gehenden Erörterung unterzogen werden. 1 J Wird ein Grundstsick, ein Wohn⸗ oder Geschäftsraum auf höchstens ein Jahr gemietet, so gilt jede Form des Vertrages, ins⸗ besondere auch die einfache mündliche Absprache. Dagegen muß bei! längerer Mietdauer der Vertrag schriftlich geschlossen ꝛoerden. Das gilt scwohl für Verträge von bestimmter Dauer, also, zwei, dret und mehr Jahre, als auch von unbestimmt langen Verträgen, z. 5 bis zur Anstellung des Mieters, bis zur Fertigstellung der Die 5 wohnung des Mieters usw., sofern dieses Ereignis erst nach mehr als einem Jahr sett Beginn des Mietverhältnisses eintritt. schriftliche Form ist auch erforderlich, wenn bei einem auf unbe⸗ stimmte Zeit abgeschlossenen Vertrag nicht vor Schluß des ersten Jahres gekündigt werden soll. Auch ein Vorvertrag über einen
erwähnte Rundschreiben bedauerlicherweise auch von einer wurde. Es wurde dabei besonders scharf gebrandmarkt das] demnächst 10 längere geit als ein 5 e Mict⸗ industriellen Organisation ihren Mitgliedern mit einer wucherische Verhalten weiter Kreise, die ohne Rücksicht auf] vertrag, bedarf der Schriftform. Lautet ein Vertrag zunchst 11 5 5 815 5 1 ein Halbjahr, verlängert er sich aber bei unterbliebener Kündigung Empfehlung weitergegeben worden. die Gesamtlage mit ihren unerhörten, oft nicht gerecht⸗! ein Jahr, so bindet er zur ächst keinen Teil sur längere Zell Der Deserteur Rohan blickte traurig in das tränenüberströmte Antlitz will mich deutlich ausdrücken— ich mag kein Soldat sein, 5 35[Marcelles; er war bis ins Innerste erschüttert, ergriff ihre] denn ich mag kein Blut vergießen, das ist mein unwandel⸗
Roman von Robert Buchanan.
Es war eine äußerst aufregende Szene. Rohan stand hochaufgerichtet da und maß seinen Onkel und seine Gegner mit verächtlichem Blick; die Hand seiner Mutter hielt er noch immer umklammert. Die arme Frau konnte es nicht er⸗ tragen, ihren Sohn so schmähen zu hören; unter Tränen rief sie:„Pfui, Ewen Derval, es ist schlecht von Ihnen, so von meinem Sohn zu sprechen; Sie wissen ganz gut, daß er kein Feigling ist!“
„Still, still, Mutter!“
„Aufgepaßt!“ nahm nun wieder der Korporal das Wort.„Wir wollen seiner Mutter zuliebe barmherzig sein — vielleicht ist der Junge nur krank oder verhext. Wir wollen ihm Zeit lassen, sich zu beruhigen. Mag er morgen zu uns kommen, um den guten Kaiser um Verzeihung zu bitten und Euch zu ersuchen, ihm zu erlauben, Euch in den Krieg zu begleiten. Tut er es nicht, so wollen wir ihn holen. Er darf nicht ohne Grund Schande über uns bringen! Er hält sich für sehr stark, aber was ist eines Menschen Stärke gegen die unsrige, gegen die des Kaisers? Ich sage Dir, wir werden Dich, wenn es nötig ist, wie einen Fuchs in die Enge treiben, wie einen Hund, und ich, Dein Onkel, werde mich an die Spitze der Treibjagd stellen. Ja, Mutter Luise, so wird es geschehen... Ich sage Euch, Burschen, mit oder ohne seinen Willen wird er mit Euch ziehen. Wenn er un— willig geht, möge ihn die erste Kugel beim ersten Treffen wie einen feigen Hund niederstrecken!“
Totenstille herrschte in dem Gemach. Ein geisterhaftes Lächeln zuckte um Rohans energische Lippen, wilde Ent⸗ schlossenheit leuchtete aus seinen Augen. Worte waren jetzt vergeblich; alle Blicke richteten sich auf den Empörer. Mar- celle trat tapfer zwischen ihn und ihren Onkel:„Du urteilst zu streng, Onkel Ewen, denn Du verstehst Rohan nicht. Et ist erregt und weiß in seiner Leidenschaft nicht, was er spricht. Er ist kein Feigling, sondern ein tapferer Mann, ja, der tapferste von Euch allen!“
„Hüte Deine Schnauze, Korporal sie an!“
„Ich kann nicht schweigen. Onkel, denn ich habe das Unglück über meinen Vetter und seine Mutter gebracht. Rohan, kannst Du mir verzeihen? Ich flehte zu Gott, daß er Dich befreie, aber es ist sein und aller Heiligen Wille, daß Du in den Krieg ziehst. Mögest Du gesund und heil heim⸗ kehren!“
Mädchen!“ herrschte der
Hand und drückte vor allen Anwesenden seine heißen Lippen in einem langen Kuß darauf.
„Es ist doch jammerschade“, ließ sich plötzlich der nicht sehr beliebte Mikel Grallon vernehmen,„daß ein so hübsches und kluges Mädchen wie Marcelle Derval ihre Liebe an einen Feigling verschwendet, wenn——“
Weiter kam er nicht, denn Rohan streckte ihn mit einem wuchtigen Schlag zu Boden. Die Weiber schrien entsetzt auf, die Männer fluchten, Marcelle trat erschrocken zurück, wäh— rend Rohan sich durch die. Menge einen PWeg zur Tür bahnte:„Haltet ihn fest! Tötet ihn!“ schrien einige Männer.
„Nehmt ihn gefangen!“ brüllte der Korporal.
Aber Rohan schleuderte die auf ihn Eindringenden wie Federbälle nach rechts und links; sie fielen zu Boden und rangen nach Atem. Gildas und Sol, die Riesenzwillings⸗ brüder, stürzten sich wutschnaubend auf ihn. Einen Augen⸗ blick zögerte Rohan, denn es fiel ihm ein, daß es seine Vet⸗ tern und Marcelles Brüder waren, dann huschte eine über⸗ legenes Lächeln über sein ernstes Gesicht und er führte einen in der Bretagne bekannten geschickten Trick aus. Ehe eine Sekunde verstrichen war, hatte er beide Brüder zu Falle ge⸗ bracht, dann nickte er Marcelle nochmals zu und verschwand unbelästigt im Dunkel der Nacht.
Er lenkte seine Schritte direkt ins Pfarrhaus. Vater Rolland saß in seinem einfach eingerichteten Studierzimmer und las gerade eine sehr gepfefferte Goschichte der Kirche vor der Revolution, als seine Wirtschafterin einen jungen Mann anmeldete, in dem er sofort Rohan Gwenfern erkannte.
Kaum hatte sich die Türe hinter der Wirtschafterin ge⸗ schlossen, als Rohan, blaß bis an die Lippen, sich dem Pfarrer näherte und mit leiser Stimme sagte:„Vater Rolland, ich bin gekommen, um in meiner Not bei Ihnen Hilfe zu finden“.
„Nimm Platz, mein Sohn.“
Rohan schüttelte seine Mähne und blieb, verlegen Mütze drehend, vor dem Pfarrer stehen.
„Sie dürften wohl schon wissen, daß ich gezogen worden bin. Da ich nicht persönlich anwesend war. könnte ich viel⸗ leicht dagegen protestieren, aber es bliebe sich ja gleich, denn ich weiß, daß es fiir mich keine Rettung gibt. Der Kaiser braucht starke Soldaten und ich bin stark. Ich will aber
die
nicht in den Krieg ziehen und bin fest entschlossen, lieber zu sterben als einzurücken. Sie sind erstaunt. Vater Rolland? Sie scheinen mich nicht recht zu verstehen. Nun denn, ich
barer Entschluß.“
Der Pfarrer blickte überrascht auf; gar manche ver⸗ zweifelte Mutter und ihr Sohn hatten ihn in ähnlichen Fällen aufgesucht, um sich seinen Rat zu erbitten. Mit tränenden Augen waren sie bei ihm eingetreten, mit tränen den Augen, aber resigniert, hatten sie ihn verlassen. Rohan, obgleich sichtlich erregt, vergoß keine Träne, sondern stand stolz da und hielt, ohne zu zucken, den Blicken des Pfarrers stand. Aus seinen erbitterten Worten klang Selbstbewußt⸗ sein und ein unbeugsamer Wille. 5 1
„Du bist also gezogen? Das tut mir aufrichtig leid, mein Junge, aber es wird nichts helfen— Du wirst nach⸗ geben müssen,“ mohnte der Pfarrer. 1
„Gibt es keine Ausnahme? Ich bin der einzige Sohn 0
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und Ernährer einer armen Witwe!“
„Sogar die Lahmen und Krüppel werden diesmal ein⸗ 3 Es ist hart, aber der Kaiser braucht dringend Sol⸗ daten.“ 5 i Rohan starrte den Priester zu dessen größtem Unbehagen eine Weile wortlos an. Endlich sagte er:„Der Kaiser will mich nicht verschonen, meine Landsleute wollen mir nicht helfen und so komme ich denn zu Ihnen, meinem Seelsorger, 8
„Sie sind ein heiliger Mann, der Absolution erteilt, die Seelen der Sterbenden auf den Himmel vorbereitet und Gott auf Erden vertritt. Ich appellier an Ihren Gott gegen unseren Kaiser. Ich behaupte vor Gott und vor Ihnen. daß der Kaiser ein Teufel und Frankreich ein Fleischcharren ist. Ich will Gottes Gebot befolgen und nicht morden, kann daher dem Kaiser nicht gehorchen. Ich widerstehe der Versuchung, in die mich der Teufel führt. 1 Ihr Gott ist ein Gott des Friedens: Thristus starb lieber, als daß er die Hand gegen seine Feinde erhob. Sie be⸗ haupten, Gott lebe und Christus regiere: nun denn mögen beide mir jetzt in meiner Not helfen.“ 5 Vater Rolland befand sich in nicht geringer Verlegen ⸗ heit. Er selbft war durchaus kein Kaiserverehrer, aber Rohans offener Widerstand schien ihm unter den gegebenen Umständen entsetzlich. Nach kurzer Ueberlegung antwortete er gutmütig, aber bestimmt:„Mein Sohn, Du solltest Go
tes Hilfe auf Deinen Knien erflehen. Dem Demütigen dem wirklich Gläubigen gewährt Er viel— vielleicht alle Nicht in Zorn und Trotz soll man sich an den Hei
wenden.“ (Fortsetzung folgt.)


