find daher zuzulassen.
Negterung mobil zu machen. Es bestehen starke Anzeichen dafür,
daß die Reichsregierung nicht abgeneigt ist, die sächsischen Vor⸗ gänge unter einer starken Vergrößerungslupe kritisch zu betrachten, während man die Vorgänge in Bayern nicht liest. 1 Dabei scheint man den engen Zusammenhang zwischen den sächsischen und bayerischen Vorgängen ganz zu vergessen. Die Vorgänge in Sachsen sind nichts anderes als das Echo, der Widerhall von dem, was in Bayern geschehen ist und noch geschieht. Mir unendlicher Langmut hat die Arbeiterschaft dem Treiben der bayerischen Reaktion zugesehen, hat sie erwartet, daß man diesen Toten⸗ gräbern der Republik endlich das Handwerk legt. Aber alle Hoffnungen auf ein Eingreifen der Reichsregierung sind zu Schanden geworden. Die maßgebenden Reichs instanzen versagen, während die Gefahr für die Republik ständig wächst. Und da wundert man sich noch, daß der Arbeiterschaft endlich der Gedulds⸗ faden reißt und sie zur Selbsthilfe greift?.
Mit der skrupellosen Hetze gegen Sachsen wird noch ein (anderer Zweck verfolgt: Man will die Aufmerksamkeit von den fascistischen Umtrieben in Preußen und Bayern und von den letzten Enthüllungen des Genossen Severing ablenken. Aber in Sachsen erwartet man, daß sich die Genossen im Reich von dem Geschrei der bürgerlichen Parteien nach der Reichsregierung gegen das fächsische Kabinett nicht irre machen und nicht ablenken lassen 555 den Gefahren, die der Republik von rechts drohen. Wir hoffen, daß unsere Genossen im Reich die Bedeutung erkennen, dle die sächsische sozialdemokratische Regierung für den Bestand und die Sicherheit der deutschen Republik hat, und daß sie uns in unserem Kampf für die Sicherheit der Republik, für Demokratie und So⸗ zialismus, unterstützen. Für die Reichsregierung aber gilt: Hände weg von Sachsen! 1
Die Hausordnung im Mietsrecht.
Die sogenannte Hausordnung beschränkt in den meisten Fällen die nach dem Gesetz dem Mieter zustehenden Gebrauchs rechte, ja sie macht ihn häufig in einer dem allgemeinen Rechtsgefühl wider⸗ er en Weise rechtlos. Die gerichtliche Praxis schiebt aber der Rigorosität vielfach einen Riegel vor.. Besagt die Hausordnung, daß ein Verstoß gegen sie zur frist⸗ losen Aufhebung des Mietverhältnisses berechtsge und es liegt eine mur einmalige Verletzung vor und der Hausbesitzer verlangt für die Zukunft genauere Beobachtung der Hausordnung, so kann er wegen früherer Fälle allein nicht mehr auf Räumung klagen. Henau so ist es, wenn er in Kenntnis der Zuwiderhandlung die 0
Miete vorbehaltlos annimmt ober der dugiderhendsne ein: Zeitlang zusieht. Selbstverständlich hindert das im Falle erneuter Mitteilung den Vermieter nicht, nunmehr von seinem Kündigungs⸗ vocht Gebrauch zu machen. Ter Schranken, die ihm z. 3. die Mieterschutzgesetzgebung auferlegt, sei hier natürlich nicht gedacht. Selbstwerständlich ist, daß der Mieter bei seiner Uebertretung schuldhaft und rechtswidrig gehandelt hat, Entschuldigungsgründe Hat also der Hausverwalter in Ueber⸗ eitung seiner Beanie irgend einen Verstoß gegen die Haus⸗ ordnung, z. B. Halten eines Hundes, gestattet so besteht für den Hausherrn kein Kündigungsgrund wenn er annehwen dürft, daß der Hausverwalter im Rahmen seiner Ermächtigung handele. Hat der Hausbesitzer selbst die Uebertretung veranlaßt oder be⸗ findet sich der Mieter in einem entschuldbaren Irrtum, so fehlt es an dem Verschulden. Stellt sich die Handlung des Mieters nach dem gesamten übrigen Inhalt des Mietvertrages nicht als rechts⸗ wibrig dar, so find die entgegenstehenden Bestimmungen der Haus⸗ ordnung überhaupt nicht anwendbar. Sind beispielsweise Räume an eine Kolontalwarenhandlung vermietet, so ist eine Bestimmung, die Lagerung von Materialien, die durch Geruch usw. be⸗ ästigend wirken können, verbietet, als nicht vorhanden anzusehen, eil sie mit dem vertragsmäßigen Gebrauch der Mietsache unver⸗ ar ist. Ist in einer Hausordnung das Anbringen von Schildern verboten, so darf der Arzt, der eine Wohnung gemietet, sich gleich⸗ wohl für befugt erachten, ein entsprechendes Schild anzubringen, oh anzumalem erscheint mindestens zweifelhaft. Ist die Wasch⸗ kliche aus irgend einem Grunde unbenutzbar oder verlangt der 7 ohne besondere Vereinbarung eine besondere Bezahlung r ihre Bemitzung, so handelt der Mieter, der der Hausordnung zuwider in der Küche wäscht, nicht rechtswidrig. Ist die Haus⸗ 15 lung im allgemeinen auch streng auszulegen, so muß dies doch 15
Zweifelsfällen so geschehen, wie sie den Mieter am wenigsten lästigt und zwar um deswillen, weil sie im übrigen dem Haus⸗ tzer ungewöhnliche, den gesetzlichen Bestimmungen fremde Vor⸗ steile einxäumt. Ist Reinigen der Wäsche in der Wohnung verboten, so schließt dies doch nicht das Verbot des Spülens und Trocknens der Wäsche in der Wohnung in sich. Die Bostimmung, daß Treppen und Flur vom Mieter zu reinigen sind, schließt im Mehretagen⸗ haus keines falls die Reinigung der Keller und Bodentreppe in sich. Sind ruhestörende Geräusche vor 8 Uhr zu unterlassen, so fällt hier⸗ unter nicht das Ausklopfen der Kleider der Schulkinder, es
sei
Die Konferenz von Lausanne.
Während zwischen London, Paris und Berlin das Spiel anhebt zur Beilegung des französischen Ruhrabenteuers und in Genf die Delegation der Saarbevölkerung vom Völker ⸗ bundsrat wenigstens eine Milderung der schweren Be⸗ drückung erwartet, haben am Montag in Lausanne Verhand · lungen von neuem begonnen, die die Beilegung des türkisch griechischen Krieges bezwecken, bei denen es sich um die Be⸗ seitigung französisch⸗türkischer Differenzen bandeln dürfte, wobei jedoch noch nicht gewiß ist, ob dieses diplomatische Spiel zu einer Aktion weltpolitischer Bedeutung führt oder wie so oft in einer allerdings wenig erfreulichen Komödie enden wird. Welch frevelhaftes Stück dort schon wieder aufgeführt zu werden scheint, geht aus folgender telephoni⸗ scher Meldung von heute morgen hervor:
Aus Anlaß der Fortsetzung der Konferenz von Lausanne kommen aus London sensationelle Meldungen über die Haltung Frankreichs gegenüber der Türkei. Die Londoner Abendblätter vom Montag behaupten nämlich, daß Frank- reich entschlossen ist, im Orient an die Entscheidung der Waffen zu appellieren, falls die Türkei die mit dem ameri⸗ kanischen General Chester vereinbarten Eisenbahn⸗ und Bergwerkskonzessionen in Kleinasien, in denen Frankreich eine Verletzung seiner Interessen erblickt, nicht rückgängig macht. Zu diesem Zweck beabsichtige Frankreich zunächst Smyrna mit Land- und Seestreitkräften zu besetzen. Im Pariser Auswärtigen, Amt werden allerdings diese Londoner Meldungen als„kompletter Blödsinn“ bezeichnet.
*
Hierzu meldet die Telunson vom 24. April aus Paris:
denn, daß solches libermäßig und chikanös geschieht. Dürfen Haus⸗ schlüssel nur an Familienmitglieder verabfolgt werden, so gehört Logierbesuch und Dienerschaft demnach dazu. Darf niemand mit brennendem Licht Keller und Boden betreten, so wenden gewöhn⸗ liche Petroleumlampen nicht von diesem Verbot getrossen. Ist das Halten von Tieren verboten, so ist dies nur auf solche Fälle zu be⸗ ziehen, wo die Tiere dauernd in die Mieträume aufgenommen sind. Als Haustiere sind nur solche Tiere anzusehen, welche die Mit⸗ bewohner belästigen oder die Räume schädigen könnten, also nicht Meerschweinchen. 3
Ist nur eine wiederholte Verletzung der Hausordnung bedroht, so muß eine Untersuchung vorangehen. Uebrigens kann, wie schon oben angedeutet, nicht jede noch so geringfügige oder vereinzelte Uebertretung der Hausordnung einen Kündigungs⸗ grund abgeben, sondern nur eine solche, in der sich ein böslicher Wille usw. in dem Maße betätigt, daß dadurch die Interessen des Hausherrn oder der Mitbewohner beeinträchtigt werden.
Die Vorschrift, daß Wäsche nicht in der Küche gewaschen oder getrocknet werden darf, ist nicht so zu verstehen, daß nicht einmal ein einziges Stück in der Wohnung gewaschen und getrocknet werden können. Es würde völlig unausführbar sein, wenn z. B. in einer Familie mit kleinen Kindern mit dem Reinigen und Trocknen der Kinderwäsche, die einer steten Erneuerung bedarf, darnach ge⸗ wartet werden müßte, bis Waschküche und Trockenboden frei werden. Unter Wäsche kann deshalb nur die sogenannte große Wäsche gemeint sein, und selbst das im Vertrage ausdrsicklich alusgesprochene Verbot der„kleinen Wäsche“ kann niemals au Kleinkinderwäsche ausgedehnt werden.—5
Deutscher Reichstag.
Berlin, 2. April. Der Reichstag überwies am Montag einen Antrag der Mittel⸗ parteien betr die Neuordnung der Lehrerbildung dem Bildungsausschuß. Die Gesetzentwürfe über die Erhöhung der Biersteuer und über den Eintritt der Freistagten Württemberg, Bayern und Baden in die Biersteuergemeinschaft wurden dem Steuerausschuß überwiesen. In zweiter und dritter Beratung wurde der Gesetzentwurf an⸗ genommen, der die Geldstrafen der Geldentwertung
heit zu erkennen. Remmele möge doch veranlassen, daß dit
Auna sich Suan 827 5 Für Frankreich en esichtspunkte in 3 * Hebe al. Venen bereits erworbener Rechte ausgeglichen werden. 2. Die Initiative der a müsse sich den Bestreb ö neuen Türkei anpassen. 5 4 3. Zwischen Frankreich und Amerika dürfe es zu keinem g likte kommen. 5 2 Mie ruhigere Auffassung der Lage scheint auf eine Mittei ber türkischen Delegation in Lausanne zurückzuführen i Diese Delegalion soll erklärt haben, daß der 10 dee 13 zesfionsinhaber andere Zugeständnisse im Aus tausch erl. n Benachteiligungen erhalten werde. Auch scheint man sich ie mehr darüber klar zu werden, daß das Chesterabkommen wegs anfechtbar ist. 7 8 We türkenfreundliche Ere Nouvelle schreibt: Die Protese un⸗ serer Regierung in London und Malshington haben nicht fruchtet. Zudem beginnt Admiral Chesler sich zu rühren und Gültigkeit des Abkommens hervorzuheben Vielleicht hat Pascha recht, wenn er sagte: Wenn man sich nicht bei Je aufhält und mit der neuen Türkei arbeiten will, kom Löfungen von selbst. 5 1 Montag nachmittag haben die Vertrgter der einlabeen Mächte die E Zusammenkunft abgehalten. Programm dowie Arbeitsmethode sind ausgearbeitet worden. Es wurden drel us schüsse gebildet. Die Bezeichnung Kommisston ist wegg Der erste Ausschuß wird sich unter dem Vorsitz von Sir Run dem Vertreter Englands, mit politischen Klauseln befassen. un der Leitung des französischen Bevollmächtigten Pollet wird 0 zweite Ausschuß die Finanzklauseln prüfen. Dem dritten Ausf unter der Leitung des italienischen i Montague wir vorbehalten bleiben, die wirtschaftlichen Fragen zu priffen. 9s ad Pascha hat dem Arbeitsplan zugestimmt. 8 1 Zu der Lausanner 2 schreibt der Temps: Wir nicht an dem Ostfrieden verzweffeln und wir wallen l. ö jenigen gehören, die schon jetzt(2J von einem Abhr N Konferenz reden. 0 II
anpaßt. Als Berichterstatter mac f merkenswerte Mitteilungen über die Einwir d Geldstrafen an die Stelle von kleineren Freiheitsstrafen A5. ersten Halbjahr 1922 gab es 60 924 Fälle, im zweiten g
machte Abg. Ra d Auvirt
87 936 Fälle im ganzen Reiche außer ü zwei Fünftel der Fälle, wo sonst Freiheitsstrafen verhängt wurden nun mit Geldstrafen abgemacht. Die meisten der strafen sind sehr bald nach dem Urteilsspruch worden. In der fortgesetzten Beratung über den Reichs wirtschaftsministeriums leistete sich K nationale Unternehmersyndikus Dr. Reichert eine Rede, d die Aufgabe gestellt hatte, daß in Deutschland die Kapitalisten meisten Not leiden und es den Arbeitern verhältnismäßig gut e Er rechnete aus, daß die ungelernten Arbeiter längst die Höhe hes Reallohns un Frieden erreicht haben und er prägte den une
Devisenbedarf für die Ein merkungen machte der ister über die Sozialist. 0 der er eine andere Betätigung zugewiesen haben möchte.
Feen duc 6 Zum
gang eichswirtschaftsminister: aus den sei keinerlei Mitwirk der Reichsregierung bei dieser A schuldigungen außerhalb des Parlamentes in einer Form würden, die die gerichtliche Klärung der Angelegenheit ermög Sehr wirkungsvoll sprach dann noch einmal unser 0 Robert Schmidt gegen die Auffassung des Reichsw ministers über den Devisenbestand und gegen die unerhörte Rehe Deutschnationglen. Die Effektenkurse seien viel stärker gestiegen die Löhne und die Verarmung der breiten Massen sei ungeheutt
Der Deserteur.
Roman von Robert Buchanan.
Wie lange er bewußtlos gelegen, das wußte er nicht;
aber er sand sich, als er die Augen aufschlug, an der Mün⸗ dung des„schwarzen Loches“. Draußen pfiff der Wind noch immer mit vollen Backen, das Meer toste, alle anderen Ge— sräusche jedoch waren verstummt. Nur langsam kehrte ihm die Erinnerung an die überstandene Gefahr zurück. Er hielt den Alem an und lauschte, ob keine menschlichen Stimmen an sein Ohr dringen. Als er nichts dergleichen vernahm, roch er mit schmerzenden Gliedern bis zum Rande des Loches und blickte hinunter konnte aber kein lebendes Wesen entdecken. Kein Wunder, denn unten schäumte und gurgelte die Flut und wälzte sich immer näher bis zum„Altar“. Das rklärte die unheimliche Stille. Die Belagerer hatten sich, wie so oft schon, vor dem barmherzigen Element flüchten müssen und er blieb Herr der Lage. Das war ein teuer er— kaufter Sieg! Unten schimmerten durch das noch niedrige Wasser die Felsstücke und Steine, die er aus seinem Versteck hinabgeschleudert. Die Schlacht war geschlagen und Rohan Sieger. Wenn er mit genügendem Proviant versehen wäre, um seinen erschöpften Körper zu kräftigen, könnte er seine Position gegen eine noch so große Uebermacht wie lange immer halten, aber seine Kräfte waren völlig erschöpft. Hunger und Kälte hatten ihr Werk vollbracht und seinen Organismus gründlich zerstört. Ein Gefühl der trostlosesten Verzweiflung und Vereinsamung packte ihn. Bislang hatte er sich tapfer gegen seine Feinde gewehrt und war ohne Zögern seinen Grundsätzen treu geblieben. Nun begann ihn der Glaube an sich, an die Menschheit und an Gott zu ver⸗ lassen; er fühlte, daß es nicht mehr weiter ging und seine Kraft zu Ende war.
N Das Wasser in der Kathedrale stieg immer höher und er⸗ füllte den ungeheueren Raum wie Donnergrollen. Der Wind peitschte den Schaum nach allen Richtungen hin und dieser spritzte sogar dem sich ängstlich vorbeugenden Rohan ins Ge⸗ „icht, der mit krampfhafter Spannung einen dunkeln, be— wegungslosen Gegenstand, der gerade unter seinen Füßen lag, beobachtete. Die Flut kroch immer näher an diesen hu an und netzte ihn schon fast mit ihrem Naß. Jetzt, jetzt ner sie ihn mit ihren gierigen Zähnen erfassen und zerfleischen!
Rohans Auge bleibt wie gebannt auf dem dunkelen Punkt haften, bis sein Herz, von namenlosem Grauen erfaßt, der Versuchung, hinunterzuklettern und sich Gewißheit zu ver⸗ schaffen, nicht länger zu widerstehen vermag.
Vierundzwanzigstes Kapitel. Fata Morgana.
Mit der Geschmeidigkeit eines Afsen kletterte Rohan die glatte Granitwand hinab und befand sich nach wenigen Augenblicken auf der einzigen trockenen Stelle in dem unge⸗ heueren Raume. Porsichtig blickte er um sich, als er bemerkte, daß die Flut sich mit einem donnerähnlichen Getöse durch das Tor des heiligen Gildas wälzte. Das weit draußen wogende große Herz des Ozeans erhob mit jedem Pulsschlag die Wellen zu schäumenden Bergen die an den Granitwänden zerstoben, um im nächsten Augenblick um so höher wieder auf⸗ zutauchen. Rohan beobachtete ängstlich diesen mächtigen Auf⸗ ruhr des tobenden, brausenden und immer höher steigenden Gewässers, das bereits seine nackten Füße umspülte und die bewegungslos auf dem Boden liegende Gestalt wegzuspülen drohte. Er zuckte zusammen, als ob eine eiskalte Hand an sein Herz gegriffen hätte und konnle keinen Blick von dem leichenblassen, zum Himmel gerichteten Antlitz wenden, das jetzt vom fahlen Mondlicht beleuchtet wurde. Eines der großen Felsstücke, die Rohan in seiner blinden Wut herunter⸗ geschleudert hatte, mußte den Mann niedergestreckt haben: es lag noch immer auf seiner zerschmetterten Brust. Der Tod mußte sofort eingetreten sein. Die eine starre Hand lag be⸗ reits im Wasser, während das schreckliche Gesicht mit den ge⸗ brochenen Augen wie anklagend zum Himmel emporstarrte.
Worte vermögen das Gefühl des Grauens, von welchem Rohan bei diesem Anblick durchrittelt wurde, nicht zu be⸗ schreiben. Er fröstelte wie im Fieber, ein dumpfer wühlen⸗ der Schmerz lähmte seine Glieder, er hätte, wenn es sein Leben kosten sollte, sich nicht von der Stelle zu rühren ver⸗ mocht. Wie hypnotisiert starrte er bald auf das Antlitz des Toten, bald auf seine eigene Hände, die nicht mehr rein von Blut waren. Vor seinen Augen sprühten Funken, er mußte sich 15 ein Felsstück lehnen, um nicht vor Schmerzen um⸗ zusinken.
Mit der Flucht seiner Feinde war sein wilder Zorn und senn Blutdurst sofort verraucht. Die Schlacht war geschlagen, er behauptete das Feld als Sieger, aber zu seinen Füßen lag l
ein von ihm Gemordeter! Er hatte schon öfter Tote gesthen — Männer, Frauen und Kinder, die in ihren Betten storben waren, nachdem sie die letzten Segnungen der empfangen hatten. Auch Totenwache hatte er als guter 0 und Bürger öfter gehalten, aber damals waren seine Hilde noch nicht mit Blut befleckt gewesen und sein Gewissen wan! e e
Mit Entsetzen und Grauen ward er sich bewußt, daß Hände ein atmendes Menschenleben— das merkwüt und heiligste Geheimnis der Natur— vernichtet hal Freilich hätte er sich damit trösten können, daß 1 5 aus Notwehr gehandelt; aber ist das für ein so geqtse Wesen wie Rohan Gwenfern ein Trost? Er, dessen Herz purer Güte, dessen Natur aus purer Liebe und Barmhhi keit zusammengesetzt war, aus dessen Hand die unschul! Lämmlein und schüchternen Tauben gefressen hatten, der lang keinem Lebewesen ein Leid hatte zufügen könneß, selbst die Seevögel geschützt hatte, war an einem Mesf zum Mörder geworden! Schon der Gedanke erfüllte ihn grenzenlosem Abscheu! Sein Leben war zerstört, die die er atmete, vergiftet! Das also war das Ende fei Traumes von Liebe und Frieden auf Erden?! 11 Als er sich endlich aus dem einer Erstarrung ähnlihe Zustande aufraffte, zogen Wolken über seinem Haupte bah, der Wind pfiff und das Meer brüllte noch immer hinter de Tore. Er faßte sich ein Herz und bückte sich zu dem di hinab, um sein Antlitz zu erkennen, wozu er bisher noch nah den Mut gefunden. In seinem Entsetzen flehte er inbrihnhg, er möge wenigstens seinen bittersten Feind— Mikel Glen — ins Fenseits befördert haben, damit er vor sich selbss h Entschuldigung finden könne. Gott erhörte sein Gebet ie und Rohan war der Verzweiflung nahe, als er entdecktz aß der Ermordete eine Uniform trug schneeweißes Haupt 15 Barthaar hatte und Sergeant Pipriae war! Während langen Zeit seiner Verfolgung war es ihm nie einge urg dem Alten ernstlich zu grollen oder ihn als Totfeind 1 trachten. Er hatte ihn stets als den besten Kameraden* Vaters gekannt und wußte, daß sich hinter der fte Miene große Gutmütigkeit versteckte, daß Pipriae ihm ga Gelegenheit zur Flucht geboten hätte, wenn eine solche 0 lich gewesen wäre und daß er nur„der Not gehorchend dem eigenen Triebe“ seine unliebsame Pflicht erfüllen fle, ihn lebend oder tot den Behörden einzuliesern. e (Fortjetzung folot 7*
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