5 15 die Franzosen das Ansinnen an die Eisenbahn stellen,
Franzosen in Köln. Dienslag gegen 10 Uhr vormittags lam eine seldmorschmäßig ausgerüstete französische Kompagnie vor dem Eisenbahndirektions⸗ gebäude an und machte hier Halt. Zu einer direkten Besetzung des
Gebäudes ist es jedoch nicht gekommen. Gegen 11.30 Uhr mußten die
905 auf Veranlassung der englischen Besatzungsbehörde wieder abrücken. Die Zolllinie um das Ruhrgebiet.
Wie aus Düsseldorf berichtet wird, sind dort zahlreiche franzö⸗ sage Zollbeamte eingetroffen, die auf das Ruhrgebiet verteilt werben sollen. Man bereitet offenbar die Zollinie vor, die um das gesamte e gezogen werden soll, um es von dem übrigen Deutschland völlig abzuschließen. Im Zusaimmenhang damit stehen größere Um⸗ gruppierungen der Truppen. Die Soldaten werden zu einem Teil aus den Glabten gezogen. In Dortmund hat der Abtransport be⸗ gannen. All diese Soldaten sollen offenbar dazu dienen, die Feng des Ruhrgebiets in ihrem ganzen Umfang zu besetzen, um so die Durchführung der Zollinie anzubahnen. Voraus sichtlich 3 g entransporte großen Stils vorzunehmen, zu einem allgemeinen
Eisenbahnerstreik kommen. Es ist möglich, datz der Verkehr schou in
24 Stunden ruht. Das Parteiblatt in Duisburg beschlagnahmt. Die Dienstag⸗Ausgabe unseres Duisburger Partei⸗ blattes, der Volksstimme, wurde von der belgischen Be⸗ satzungsbehörde ohne Angabe von Gründen beschlagnahmt.
Außschub der Mainzer Kriegsgerichtsverhand⸗ lungen?
Aus Mainz wird gemeldet: Es wird von französischer Seite mitgeteilt, es stehe noch nicht unbedingt fest, daß die kriegsgerichtliche Verhandlung am Mittwoch stattfinden werde. Es werde noch mit der Pariser Regierung darüber verhandelt. 5 Die Lebensmittelversorgung des Ruhrgebiets
Die franzöf B. sbehörde t während einer münd⸗ Eber Velen a Gn 5 e ee dell die der Düsseldorfer Regierungspräsident besonders in den letzten Tagen erhoben hatte, mitgeteilt, daß der Oberbefehlshaber der Rheinarmee
hle folgenden Inhalts habe ergehen lassen: 7 0 Es ist allen Truppenbeslen ahtsdrücklich verboten, irgendwelche
Fettwaren für den Truppengebrauch zu beschlagnahmen oder aufzu⸗
n.
2. Dasselbe Verbot ist erlassen für fettes Fleisch und Gefrier⸗ fleisch in den Schlachthöfen und Metzgereien.
Außerdem wurde erklärt, daß sich die Besatzungsbehönden jeden
ingriffs in die Zufuhr von Lebensmitteln in das Ruhrgebiet zu
ten haben, Diese Bestimmungen sollen auch dann gelten, wenn die Eisenbahntransporte für den Verband, also Transporte für Wiedergutmachungskohlen, verweigert werden sollten. Durch diese Befehle und Anordnungen wäre vorläufig eine Besorgnis, daß die Lebensmittelversorgung durch die Besatzungstruppen unmittelbar ge⸗ stört würde, nicht zu hegen.
„Neue Maßnahmen“?
Das Ruhrgebiet stand am Dienstag in Erwartung der„neuen Maßnahmen“, die von Paris aus angemeldet sind. Wüßte Herr Poincaré, mit welcher e und Zuvpersicht die maßgebenden Stellen im Ruhrgebiet, auch die Gewerkschaften, diese Ankündi⸗ ng aufgenommen haben, dann würde er sich sicherlich noch über⸗ egen, ob es einen Sinn hat, erst mit den„neuen Maßnahmen“ zur beginnen. Glaubt man in Paris viellejcht durch die Verwirk⸗ lichung der Zollinie, also der Abschnürung des Ruhrgebietes von dem übrigen Deutschland, den Arbeitswillen der Arbeiterschaft, guf den es doch schließlich ankommt, zu stärken? Man gebe sich keiner Täuschung hin! Der Versuch, den Wirtschaftsorganismus im Ruhrgebiet vom Reiche systematisch zu trennen, muß bei der abweichenden Stimmung innerhalb der Arbeiterschaft zum Chaos führen! Die Antwort der Grübenarbeiter, Angestellten und Be⸗ amten auf die rechtswidrigen Verhaftungen ihrer Zechendirektoren müßte doch eigentlich genügend in Paris als Ziel und Richtschnur dienen, wohin es führt, wenn den bisherigen Gewaltakten neue militävische Zwangsmaßnahmen folgen sollten. Hat man von den
bisherigen„Erfolgen“ der„friedlichen Aktion“ noch nicht genug?
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kunft zu merken. Wir wiesen bereits gestern auf die Unsicherheit der
Der Einmarsch ins Nuyrgeviet ersolgte nach Pokncars, u die Kohlenverteilung neu zu regeln, insbesondere, um i in den Besitz der ihm vertragsmäßig zustehenden Kohle zu bringen. Trotz aller Basonette war es den Franzosen bisher aber nicht möglich, die Kohlenverteilung neu zu regeln, viel weniger die rückständige Menge aufzutreiben. Nicht eine Tonne Kohle hat Frankreich seit seiner Vesatzungsaktion erhalten.“ Da egen wurden in das innere Deutschland pro Tag durchschnittlich 8000 Waggons Kohle mehr befördert, als vor der Besetzung des Ruhrgebiets.
Die finnlose Beschlagnahme von Kohlenkähnen und das naive An⸗
halten von Kohlenzligen vermochten hieran nichts zu ändern. Und diesen Zustand als„Erfolg“ der Gewaltpolifik, die ungeheure Summen für die Militärs verschlingen, glaubt man vielleicht durch nepe Gewalt zu ändern? 5
Bepor Poincaré seine kriegslüsternen Militärs unter Ver⸗ letzung des Völkerrechtes und des Versailler Vertrages gegen eine friedliebende Bevölkerung losließ, erhielt Frankreich mongtlich auf Grund des Spager Abkonnnens rund 70 000 Tonnen Kohle auf Kosten Deutschlands. Es erhielt ferner umfangreiche Holz⸗ mengen, Barzahlungen und dergleichen mehr. Mit dem Zeitpunkt der rechtswidrigen Besetzung deutschen Gebietes hat alles das auuf⸗ gehört. Die sogenannte„wirtschaftliche“ Maßnahme mit Kanonen und Gasmasken erwies sich als unproduktiv und wird sich weiter⸗ 1 als unproduktiv zeigen, solange man glaubt, mit ihnen pro⸗ suzteren zu können. Neue Gewalt bedingt schließlich nur neue Kosten, die für den Wiederaufbau Nordfrankreichs besser ver⸗ wendet würden. 2
Die Arbeiterschaft ist auch in Zukunft bereit, im Rahmen des Möglichen die Lasten aus dem Versailler Vertrag zu erfüllen. Der Gewalt aber setzt sie weitere passive Reststenz entgegen. Schon die Solidarität mit den Brüdern im unbesetzten Gebiet, die durch die Verwirklichung der Pläne Poincarés jenem preisgegeben sind, er⸗ fordert diese entschlossene Abwehr.
Ein englischer Urteilsspruch.
Von großem Interesse ist in diesem Augenblick ein Rechtsgut⸗ achten der englischen Justizbehörde. Auf Anfrage des Minister⸗ präsidenten Bonar Law vertritt die Justizbehörde darin die An⸗ sicht, daß in streng gesetzlichem Sinne der Vertrag von Versailles durch das französische Vorgehen gebrochen worden ist. Da das Autoritätsgefühl und die Achtung vor dem Gesetz in keinem Lande so stark entwickelt ist, wie in England, ist dieser Richterspruch von hohem Wert für die öffentliche Meinung Englands. Ob man hoffen darf, daß er Weiterungen, wie etwa eine offtzielle Stellungnahme zu den Verhaftungen und Ausweisungen der Rheinlandkommission, zu der Frage der Abberufung der englischen Truppen vom Rhein oder gar einem Schritt hinsichtlich der widerrechtlichen Besetzung selbst nach sich ziehen wird, mag dahingestellt bleiben. Hier spielen Fragen der guswärtigen Politik in das Problem ein, die nicht unbeachtet bleiben dürfen. Fir den Augenblick genügt es, auf den Spruch des englischen Gerichts hinzuweisen. Wenn die Abrechnung über das Ruhr⸗Abenteuer kommt, wird man nicht ver⸗ fehlen dürfen, auf ihn zurückzukommen.
Pariser Guckkasten.
Die Pariser Abendblätter berichten über die Lage im Ruhr⸗ gebiet aus anscheinend offiziöser Quelle u. a. folgendes: Die nach Paris im Laufe des Tages gelangten Meldungen bestätigen das völlige Scheitern des Generalstreiks. Dieser ist von einzelnen Agitatoren, die aus Berlin ins Ruhrgebiet gekommen sind, her⸗ vorgerufen worden. Von einem Generalstreik kann gar nicht die Rede sein, im Gegenteil, in den Bergwerken wird fast durchweg gearbeitet. Indessen fahren die Eisenbahner noch fort, zu streiken und weigern sich, Kohlen abzufahren. Ferner meldet man Teilstreiks von Telegraphisten und Telephonisten, die sofort durch Franzosen ersetzt werden. Die Bevölkerung ist ruhig. Es werden nur ganz unbedeutende Zwischenfälle aus einzelnen Orten ge⸗ meldet, so aus Kray, wo ein anscheinend Betrunkener in der Nacht auf einen französischen Posten zu schießen versuchte, ohne aller⸗ dings zu treffen. Andere Leute, die sich Beleidigungen gegen französische Soldaten herausnahmen, wurden verhaftet.
Verlegenheiten in Paris.
Poincaré, der Urheber der widerrechtlichen Aktion, liobt es vor⸗ läufig noch, Verstecken mit sich selbst zu spielen. Teils weigert er sich, auf die Notifizierung der deutschen Regierung einzugehen, teils stellt er sich tot und schickt Dokumente, wie z. B. die Note über den Mord in Langendreer, an die Adresse des Absenders zurück. Wenn man auch diesen Nebenhandlungen kein übergroßes Gewicht beizulegen braucht, so wird es doch gut sein, sich auch diese Tatsachen für die Zu⸗
nur weil sie ihre Pflichten für ihre Regierung nicht vert
em T Französsschen Presse Hinsschtlich der Maßnahmen hin, die vo ä ce 9 150 1 ergreifen sind, nachdem 1 7 0 1 e
re um so mehr beachten dürfen, insp
Deutschland und die Ausweisun 5 N wäre es Zeit, sich an den englischen Richterspruch zu erinnern. will Poincaré, was das genannte Industriellenorgan noch empfiehlt, gleich kurzerhand auf Berlin marschie cen? Wir diesen Ruf schon einmal gehört und können den hitzigen Rufe läufig mit e zusehen. Hinter all zu lautem Zielen sich oft Verlegenheit und Verwirrung zu verbergen.
Politische uebersicht.
Hunger und Tod. 2 Der preußische Landtag beschäftigte sich am Dienstaz mit einer großen Anfrage der Regierungsparteien über de Stand der Volksgesundheit. Wohlfahrtsminister Hirtsiefe sagte in Erwiderung der Anfrage, daß zahlreiche Familie die für eine normale Ernährung erforderlichen Nahrun mittel, zu denen heute in einer vierköpfigen Jamilie ein Million Mark notwendig sind, nicht mehr beschaffen können Zum Teil führen sie geradezu ein Hungerdasein. Todesffl infolge Hungers, Selbstmorde aus Hunger und Ve zweiflung mehren sich. In den letzten Monaten wurden 9 Fälle von Skorbut, einer ausgesprochenen Hungerkranf mit fünf Todesfällen gemeldet. Die Säuglingssterbli ist seit Mitte v. Is. im Zunehmen begriffen. Fast 50 f zent aller Kleinkinder und Schulkinder sind unterer 20 Prozent können wegen allgemeiner Körperschwäche Blutarmut in den Schulen nicht aufgenommen w Hunderttausende erhalten keinen Tropfen Milch mehr. Tuberkulose nimmt bedenklich zu, die Todesfälle Tuberkulose sind bereits von 56 auf 97 gestiegen. Kinder haben kein Hemd, und Säuglinge werden Zeitungspapier eingewickelt. Die Krankenanstalten und ärztliche Wissenschaft stehen vor dem Zusammenbruch. 5 Minister schloß mit einem Appell an das Gewissen d Staatsmänner, die die Geschicke Europas bestimmen wies auf die furchtbaren Folgen hin, die für die Kulturwelt aus dem Untergang des deutschen Volkes slehen müßten.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 23. Januar.
Präsident Adelung eröffnet 10.40 Uhr die Sitzung und gibt Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab. ö Die furchtbare Absicht der Franzosen, in das Ruhrgebiet e marschieren, ist mmmehr Tatsache geworden und weiterhin. bunden mit Eingriffen in deutsches Eigentum, deutsches 9 deutsche Staatshoheit, Eingriffen, die sich nicht einmal mit dem trag von Versailles ünden lassen. Das ist eine Tat von n loser politischer Verblendung, deren Folgen nicht nur für 7 land katastrophal sind, sondern für den Frieden und die En der ganzen Welt. Deutsche Staatsbürger, deutsche Beamte, werd el Kerker gelegt, oder mit ihren Familien aus der Heimat vertrie
Der Deserteur. 5 Roman von Robert Buchanan. „Was geschah weiter?“ Spannung. „Ich ließ mich von einer großen Welle
fragte Marcelle in höchster
durchs Tor
tragen, sah das unendliche Meer vor mir und den Himmel.
In demselben Augenblick wälzte sich schon wieder eine berg— hohe Woge auf mich zu. Ich holte tief Atem und tauchte unter; als ich an die Oberfläche kam, war sie bereits hinter dem Tor des heiligen Gildas verschvunden. Ich brauchte jetzt nur noch einige hundert Meter weit zu schwimmen, um auf dem Sande unterhalb der Leiter der heiligen Triffine zu landen.“ g
Das Mädchen blickte einen Augenblick bewundernd zu ihrem tapferen Gefährten empor dann sagte sie mahnend: „Aber jetzt laß uns wirklich aufbrechen, Rohan, die Flut könnte uns auch heute überraschen und diesmal würde einer von uns sicherlich ertrinken.“
„Ich bin bereit, Fräulein Ungeduld!“
„Sieh mol, die letzte Welle hat uns schon den Weg ver— sperrt und wir müssen wirklich durch Wasser waten.“
„Was tut's? Das Wasser ist warm.“
Rohan streifte rasch seine Holzschuhe und Strümpfe ab; Marcelle tat dies schon langsamer und mit nervöser Unruhe, dann erhob sie sich von ihrem Steinblock, machte eine Grimasse, als ihre Füßchen den kalten Kies berührten, Rohan nahm sie bei der Hand und führte sie dem Ausgang zu. Mit jedem Schritt stieg die Flut, und bald mußte sie ihm ihre Hand entziehen, um ihr Röckchen bis übers Knie zu heben. Sie errötete nicht, als sie ihre niedlichen Beinchen zeigte; sie wußte ganz gut, daß sie schön waren, schämte sich aber nicht, das zu entblößen, was die Natur so schön gestaltet hatte. In einem Punkte jedoch war Marcelle sehr streng. Der Sitte ihrer Heimat entsprechend, versteckte sie ihr üppiges, rabenschwarzes Haar sorgfältig unter ihrer kleid— samen Haube; niemand durfte es sehen, nicht einmal Rohan.
Als sie das Portal erreichten, mußten sie schon knietief im Wasser waten und vor ihnen erstreckte sich der ungeheure Ozean. Da und dort glitt ein rotbesegeltes Fischerboot darüber hin; die Flut stieg von allen Seiten, Marcelle war verzweifelt:„Mein Gott, ich habe es vorhergesagt, Du wolltest aber nicht kommen!“
Rohan stand wie ein Steinfelsen im Wasser und lächelte überlegen:„Fürchte nichts. Halte Deine Schürze auf.“
Sie gehorchte; er legte seine und ihre Holzschuhe und Strümpfe und das alte zerschlissene Buch, in welchem er ge⸗ lesen hinein, dann hob er sie wie eine Feder auf seine mächtigen Arme.
„Du bist schwerer, als Du zu sein pflegtest, Bäschen,“ bemerkte er lachend, während Marcolle mit einer Hand ängst⸗ lich die Schürze zusammengerafft hielt und mit der anderen seinen Nacken umschlang. Langsam aber sicher, Schritt für Schritt, watete er, knapp an der moosbehängten Granit⸗ wand entlang, seewärts. Er schien es gar nicht eilig zu haben; aber mit jedem Schritt stieg das Wasser höher, und als sie endlich das Ende der Wand erreichten, ging es ihm bis zum Munde.
„Mein Gott, wenn Du jetzt straucheln solltest“ schrie Marcelle.
„Ich werde nicht straucheln,“ entgegnete Rohan ruhig.
Marcelle war dessen nicht so sicher und schmiegte sich fester an ihn. Sie hatte zwar keine besondere Angst, denn es lag keine Gefahr vor, aber sie empfand eine echt weib⸗ liche Abneigung gegen das Naßwerden.
Rohan watete mit seiner süßen Last Strande zu. zu den Knien; sein Herz vochte stürmisch, seine Wangen brannten, ein eigentümliches Gefühl des Entzückens durch⸗ rieselte ihn. Immer bedächtiger schritt er weiter, denn er wollte den kostbaren Schatz so lange als möglich genießen. Sie rief endlich:„Rohan, spute Dich doch! Mach', daß wir an den Strand kommen!“
Er wagte, seit er sie auf den Armen trug, jetzt zum erstenmal, ihr ins Gesicht zu blicken. Was er sah, jagte ihm das Blut in die Wangen. Seine Augen glühten und er zitterte unter seiner Last. Weshalb? Wir haben bereits erwähnt, daß das Haar einer Bretagner Jungfrau heilig ist und daß nur derjenige, den sie liebt, es sehen darf. Während des Durchwatens der Flut war Mareelles Haube nach rück— wärts geglitten. Das wellige, seidenweiche Haar umfloß ihr vor Scham erglühtes Gesichtchen und verlieh ihm einen neuen, bestrickenden und unwiderstehlichen Zauber.
Rohan war überwaltigt. Als er liebetrunken zu ihr emporblickte, streiften ihre Locken sein Gesicht, und sog den feinen Haargeruch gierig ein und seine Augen wüßten trunken auf ihrem erröteten Antlitz.
Roban, beeile Dich! Setz' mich
bedächtig dem
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nieder
Bald reichte ihm das Wasser kaum mehr bis
Er stand schon eine Weile auf trockenem Boden, ab b hielt sie noch fest in seinen Armen. Das heilige Haar bis zu seinen Lippen herab und er bedeckte es mit le schaftlichen Küssen, während ihre Wangen immer mehr glühten.. 1
„Marcelle, ich liebe Dich!“
Viertes Kapitel. Der Menhir.)
Es gibt im Liebesleben der Menschen einen Höhepu der Exaltation, einen Augenblick sast unfaßbaren Glückes, und das ist der göttliche Moment, in welchem sich die beiden suchenden Seelen finden, die Flammen der Leidenschaft in⸗ einander schlagen und die Wogen des Lebens am 1 gehen. Diese selige Stunde kehrt nie wieder und diese Empfindung läßt sich mit keinem anderen Gefühl vergleichen Das empfanden auch Marcelle und Rohan. Die Leiden: schaft war plötzlich erwacht und nahm Besitz von ihnen. 4 Schleier, der bisher Seele vor Seele verhüllt hette, war ge lüftet und sie erkannten ihr gegeaseitiges Sehnen und Ver⸗ langen. 1
Von frühester Kindheit an waren sie Spielkamergder und treue Gefährten gewesen. Sie verbrachten auch sebt noch täglich mehrere Stunden in gemeinsamen Exkursionen am Meeresstrand oder zwischen den Klippen und niemandem im Dorfe fiel es ein, die Nahverwandten aucz nur im Sinne. als Liebesleute zu bezeichnen. Die Kinder waren mitein- ander aufgewachsen und es galt für selbstverständlich, der dreiundzwanzigjährige Rohan und die er e Marcelle auch weiter Freunde blieben und der Beaufsichti⸗ gung nicht bedurften. Es blieb sich doch ganz gleich, Mareelle ihre freie Zeit mit Rohan oder in Gesellschaft o Hoöbl, Gildas und Alain— ihren Brüdern— verbrachte.
Damit wollen wir nicht behaupten, daß das Märchen sich nicht schon längst seiner Sympathie für einander bewuft gewesen. Die Liebe empffndet, bevor sie spricht; sie entzüch, bevor sie sich ihrer selbst klar ist. Doch bewahrte feder sein süßes Geheimnis für sich. Die herabgeglittene Haube, aufgelöste Haar brachte es an den Tag. Die zwischen ihnen bestehende Schranke fiel mit ihm nieder. In einem Aug blick war die kühle Luft der Freundschaft in ein Flamm, meer der Liebe verwandelt, in dem die zwei sich verloren glücklich waren— ach, so glücklich!
* Eine vorhistorische Steinsäule. (Jortsetzung folgt!)


