Ausgabe 
24.4.1923
 
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5 5 N 5 ihrer ie⸗ offiziellen Persönlichleiten vorgestellt, von e 13 ö ohne alle Förmlichkeiten aufgenommen wurde. Gleich m den ersten nach der Ankunft im Lande war man in Wafhington.

Wei der Rundfahrt mit dem Auto wurde vor dem Hause des deutschen

Gesandten gehalten. Gompers und Morrison erbaten sich von uns denKürschner und betraten das Haus, wo wir sie kurze Zeit mit dem Portier verhandeln sahen. Erst bei der Rückkehr erfuhren wir, um 47 Es war vorgesehen, daß ich auch einen Be⸗

ach bei dem Präsidenten der Republik machen sollte, aber der deutsche 8 halte auf Anfragen berichtet, daß er einen Reichs tagsabge⸗ ordneten Legien nicht kenne. Ihn darüber zur Rede zu stellen, war der Zweck des Besuches. Der Portier verlangte für die Anmeldung 8* 2. l 1 er solle nur melden, amerifkanische Bürger wollen ndten

r Gesandte eneschuldigte sich nachdem ihm meine Existenz bit den

bewiesen war ud wollte schleunigst das Versehen gut⸗ Das wäre nicht nötig, wurde ihm gesagt, denn wenn

Berhältnisse kümmern. n ö matten von Zuständen in Deutschland be⸗

Ein wertbeständiges Strafgesetz.

Der Gesetzgebungsausschuß des Landtags beriet am

10 ing Donnerstag den neuen Entwurf des Feld. und Forststraf⸗ 4 de gesetzes. Von besonderem Interesse find die Bestimmungen ichtet, über die Festsetzung der Grenze zwischen Feld⸗ bezw. Forst⸗

frevel und Diebstahl. Nach dem bisherigen Gesetz lag Feld⸗ bezw. Forstentwendung vor, wenn der Wert der entwendeten Sache nicht über 15 Mark betrug, darüber hinaus war die intrendung ein nach dem Strafgesetzbuch zu verfolgendes

stahlsvergehen. Die Regierung hatte nun vorgeschlagen, ie Wertgrenze entsprechend der Geldentwertung auf 3000 zu erhöhen. Der Ausschuß war der Ansicht, daß 3000 k eine viel zu niedrige Grenze sei. Es würde das eine wesentliche Verschärfung des Gesetzes bedeuten und die eisten Jälle von Feld und Forstentwendungen würden damit zu Diebstahls vergehen werden. Bei der bisherigen renze von 15 Mk. des Vorkriegswertes war z. B. die Feld⸗ entwendung von 5 Zentner Kartoffeln noch Feldrügesache,

bei 3000 Mk. des jetzigen Papiergeldwertes aber würde schon

die Entwendung von 1 Zentner Kartoffeln Diebstahlsver⸗

gehen Jein. Der Vorschlag, die Grenze auf elwa 20 000 Mk.

oder höher festzusetzen, stieß ebenfalls auf Bedenken, weil bei unbeweglicher Wertbestimmung in Papiermark ein Feld⸗ 0 elikt heute Feldfrevel, morgen Diebstahl und übermorgen wieder Feldfrevel sein könnte. Die Artikel 17, 25 und 26 wurden daher so gefaßt, daß die Strafbestimmung über Feld- oder Forstfrevel dann Anwendung findet, wenn der Wert des gestohlenen Gutes unter dem Werte eines Zentner Roggen bleibt, daß also erst Entwendungen über diesem 5 als Diebstahl unter das Strafgesetz fallen. In dem Gesetzentwurf ist ferner das inzwischen verabschiedete Jugendgerichtsgesetz berücksichtigt..

0

Kein hessisches Amnestiegesetz. Ein kommunistischer An krag- im Landtag hatte von der Regierung die Vorlage eines Amnestiegesetzes für politische Straftaten, für Vergehen aus Not bei Strafen unter 1 Jahr Gefängnis und für Ab⸗ treibungsvergehen, außer bei solchen aus gewinnsüchtiger sicht gefordert. Mit den Stimmen der bürgerlichen teien wurde der Antrag vom Gesetzgebungsausschuß des

Landtags abgelehnt. Obgleich der Antrag gar zu deutlich den Stempel rein agitatorisch-demagogischer Absichten an sich irug und außerordentlich oberflächlich und unbestimmt ge⸗ faßt war, haben die sozialdemokratischen Ausschußmitglieder aus innerlich ⸗sachlicher Würdigung der Forderung dafür ge⸗ stimmt. 15 0 0 Ein antisemitischer Lufthieb. Die deutschvölkischen Abgeordneten 27055 und Genossen haben es wieder einmal für notwendig ge⸗ ten, im Landtage einen Agitationsantrag wegen Verbotes des ns von Schlachttieren einzubringen. In einer nutzlosen mußte sich am Freitag der Gesetzgebungsausschuß des Land⸗ mit dem Antrag befassen. Aus einer großen Zahl von wissen⸗ m Gutachten als Kapuzitäten anerkannter Aerzte, Professoren, Physiologen und Anatomen, die nicht Juden sind, wurde festgestellt, daß das betäubungslose Schlachten, also das Schächten nicht grau⸗ samer und tierquälender ist, wie das Schlagen oder Töten der Tiere mit der Schlachtmaske; eher trifft das Gegenteil zu. Der Antrag ö 5 schließlich abgelehnt, auch mit Rücksicht darauf, daß das reli⸗ se Ritualgesetz der Juden diesen den Genuß von Fleisch nichtge⸗ . Tiere verbietet. Ein Schüchtverbot würde also für die rem Religionsgesetz sich verbunden fühlenden Juden einen Ge⸗ missenszwayg bedeuten oder sie vom Fleischgenuß völlig ausschließen. Deutscher Reichstag. Berlin, 21. April.

ichen Be 2 1 7 ie 1 Die Samstagssitzung des Reichstags dauerte nfir zehn Mi⸗ Lag 10 nuten; dann wurde ie wegen Beschlußunsägigkeit des Hauses ver⸗ atoßend 10 tagt. So kurz die Sitzung war, so groß ist die Bloßstellung der end. Orale!) bürgerlichen Fraktionen. Auf der Tugesordnung stand die zweite * und 7 Beratung des von der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft einge⸗ pelle lie brachten Antrages auf Einfügung eines Paragraphen zum Schutze der en von Versammlungen in das Strafgesetzbuch. Der Paragraph soll den K e 0 nach den Beschlüssen des Rechtsausschusses lauten: e noch in 1Wer nichtperbotene Versammlungen, Aufzüge oder Kund⸗ 0 pit gebungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Ver⸗ den brechen verhindert oder sprengt oder in unmittelbarem Zu⸗ ge sammenhange mit solchen Versammlungen, Aufzügen oder wüt Kundgebungen Gewalttätigkeiten begeht, wird mit, Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe bis zu einer Million Mark erkannt 2 werden kann, bestraft. Der Versuch ist strafbar. ind 15 bürgerlichen Parteien eine . pie l 5 die die ben 1 der noch .

Der Volkspartefler Seuthäuser wibersprach bem. Der

Antrag sei von größter Wichtigkeit und dränge sehr. Ein Blick auf die gähnenden Lücken in den Reihen der Bürgerlichen war aber die beste Widerlegung. Als Eichhorn die Beschlußfähigkeit bezweifelte, setzte Vize präsident Dittmann die Abstimmung kurze Zeit aus, um den Abgeordneten die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, die vielleicht aus entfernten Teilen des Hauses noch herbeieilen mußten. Es ergab sich aber, daß überhaupt nur 127 Abgeordnete im Reichstagsgebäude anwesend waren, davon der größere Teil Sozialisten und Kommunisten. Da zur Be⸗ schlußfähigkeit 230 Abgeordnete notwendig sind und nicht zu er⸗ warten war, daß im Laufe des Tages diese Zahl zu exreichen sei, 1 5 Dittmann die nächste Sitzung auf Montag nachmittag 2 Uhr est. Tagesordnung: Neuregelung der Lehrerbildung; Biersteuer.

Die bürgerlichen Parteien waren über diesen blamablen Aus⸗ gang ihres Unternehmens in vollkommener Verwirrung. Noch lange nach dem Schlusse der Sitzung standen sie gruppenweise im Saale und machten sich* 1 Vorwürfe oder erörterten mit betrübten Mienen den Eindruck, den dieses Versagen ihrer Mannen im Lande machen muß. Man darf heute noch einmal an das er⸗ innern, was die Kreuz⸗Zeitung am 24. März ds. Js. schrieb:

Werden wir es noch erleben, daß sich die bürgerlichen Parteien aus der Abhängigkeit der Sozialdemokratie befreien und aus eigener Kraft das Haus beschlußfähig machen? Mit einer bürgerlichen Mehrheit, die wohl Diäten und ifahrt⸗ karten bezieht, aber im Haufe nie vorhanden ist, kann dem Volke nicht gedient sein.

Der bes e Vorfall lehrt, daß die Erziehungsarbeit der Kreuz⸗Zeitung einstweilen vergeblich ist. Er beweist aber ferner, daß die bürgerlichen Parteien eine Verschärfung der Strasbe⸗ stimmungen zum Schutze von Versammlungen selbst nicht für dringend notwendig halten.

Gießen und Umgebung.

Maifeier in Gießen.

In diesem Jahre werden die Veranstaltungen zur Mai⸗ feier in Gießen vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts⸗ bund(Gewerkschaftskartell) getroffen werden, mit dem der Beamtenbund und die Arbeitsgemeinschaft der Angestellten verbunden ist. Ein herausgegebenes Flugblatt fordert zur Arbeitsruhe am 1. Mai auf. Nachmittags Uhr versammeln sich die Maifeiernden auf Oswaldsgarten, von wo sich ein Zug nach der Liebigshöhe bewegt. In diesem Lokale finden dann die weitern Veranstaltungen statt, die in Gesangsvorträgen und künstlerischen Darbietungen be⸗ stehen. Wie uns mitgeteilt wied, ist Wert darauf gelegt worden, daß gute Sachen von bewährten Kräften geboten werden.

Teuerung und Beamtengehälter.

Aus Beamtenkreisen wird uns zu diesem Gegenstand noch Folgendes geschrieben: f

Neue Teuerung? ist der Leitartikel im Gieß. Anzeiger vom 18. d. Mts. überschrieben, dessen Lektüre bei vielen Beanten wohl einiges Staunen wenn nicht mehr hervorgerufen haben wird. Es würd des Näheren die Art deraußerordentlichen Zuwendung an die Beamten und Staotsarbeiter dargelegt. Der Artikel fährt dann fort:Diese Zubußen sind eine neue starke Lohnsteigerung, wenn auch verschleiert; sie bedeuten in der Praxis nichts anderes, als daß die Beamten für April eine Zulage von 75 Prozent und im Mai eine Zuwendung von 25 Prozent der Märzbezüge, insgesamt also für jeden der beiden Monate eine Erhöhung von 50 Prozent mit Vorauszahlung der halben Maszulage im April erhalten. Dabei ist der Abbau der Zulage im Maf zunächst mer vorläufig in Aus⸗ sicht genommen.. N

Weiter sind folgende Sätze hervorzuheben:Die neue Teue⸗ rungsaktlon unterscheidet sich also mer in der äußeren Aufmachung, nicht in ihrem inneren Wesen von den bisherigen Aufbesserungen der Gehälter und Löhne. Man hat das Gefühl, als wolle die Regie⸗ rung den Preismarkt überlisten.... Die Lohnsteigerung weiter Kreise von Arbeitnehmer hatte noch jedesmal ein ruckweises Hinauf⸗ schnellen der Warenpreise zur Folge.

Von einem Verständnis für die Lage der Beamten ist in diesen Sätzen nichts zu verspüren. Man überlege: Abbau der Zulage im Mai! Der Preissteigerung im Monat März ist bei der Neuregelung überhaupt nicht Rechnung getragen. Bekanntlich sind Löhne und Ge hälter weit hinter der Teuerung zurückgeblieben, und bekannt ist ferner, daß die Erhöhungen der Löhne und Gehälter immer eine Folge der Preissteigerung waren, nicht umgekehrt!

Wie der Leitartikel in Beamtenkreisen aufgefaßt worden ist, geht aus den heute am 20. April im Gieß. Anz. veröffentlichten Zuschriften hervor. Der Gieß. Anz. sieht sich veranlaßt, zu erklären, daß der Artikel mißverstanden worden wäre, wenn man annähme, die außerordentlichen Zuwendungen an die Beamten seien als un⸗ ge vechtfertig erklärt worden oder die bisherigen Gehälter sollten els weiterhin aus reichend bezeichnet werden. Jeder unbefangene Leser aber wird die Sätze so verstanden haben, wie sie lauten. Viel⸗ leicht sehen die Beamten allmählich ein, von welcher Seite ihnen am meisten Verständnis entgegengebracht wird, von denrechts⸗

8 Kreisen oder derbeamtenfeindlichen Sozialdemo⸗ ratie! Inzwischen ist diePreissenkung undMarkstabilisierung

einstweilen wieder ein bißchen unterbrochen worden; wann der Hei⸗ lungsprozeß wieder einsetzen wird, weiß man nicht. Bis dahin wird man es auch den Arbeitnehmern nicht verargen können, um ihre Existenz zu kämpfen; denn ohne Kampf geht es nun einmal nicht mehr. Sch.

Btreitstellung von BauholzfürdenKleinwohnungsbau

Der Staatskommissar für die wirtschaftliche Demobil⸗ machung in Hessend teilt mit, daß die Frist für die Anmeldung von Bauholz bei der staatlichen Baustoffbeschaffungs⸗ und Beratungsstelle Frankfurt a. M., Obermainstraße 5 bis zum 10. Mai 1923 weiter erstreckt 1 15 Das Holz kann nur an Kreisverbände, Gemeindeverbände, Gemeinden und gemeinnützige Bauvereinigungen zum jeweiligen Marktpreis zur Zeit der Ueberweisung abgegeben werden. Der gesamte oder ein Teil des Kaufpreises kann bis zum 30. September 1923 gestundet werden. Wird der Baustoffbeschaffungsstelle innerhalb dieser Zeit nachge⸗ wiesen, daß das zugewiesene Bauholz auch tatsächlich für den Kleinwohnungsbau verwendet worden ist, werden 50 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises nachgelassen. Zur beschleunigten Ausführung der gestellten Anträge werden die Belieserten gebeten, der staatlichen Baustoffbeschaffungsstelle umgehend Mitteilung von der Ueberweisung des Holzes zu geben mit genauer Datumsangabe. Die Verbilligungsmög⸗ lichkeiten für Schlackensteine, Ziegeleierzeugnisse u. a. be⸗ stehen nur für den mit öffentlichen Mitteln unterstützten Kleinwohnungsbau.

Auf den Vortrag über das Ruhrgebiet, den die Gießener

4 einel, ten sie auf

lic e Paragr. Als 1 aaf, zeigte bin grob, Neichsiggsmit⸗ n in die ese, Marx, Dr. Petersen, iel, b. dnung überzugehen. 2 Abgeordnete abgereist seien, 2 diesen Paragraphen für über⸗

Volkshochschule heute, Dienstag abend im großen Hörsaale der

Universität veranstaltet, sei nochmals hingewiesen. Das Thema

* bes heulsgen Abends kautek Aus Koßlenschacht und Eisennskte: Redner ist Dr. W. Flörke⸗Gießen. Der Vortrag wird durch Lichtbilder erläutert. Er beginnt um 8 Uhr.

Reichswirtschastsminister Becker sprach am Sonntag vor⸗ mittag im Leibschen Saale über die politische Lage. Die Ver⸗ sammlung war stark besucht, der Saal völlig besegt. Der Redner. der bekanntlich der Deutschen Volkspartei angehört, sprach be⸗ sonders über die außenpolitische Situation und die Ruhrbesetzung ö in ruhiger und sachlicher Form ohne Angriffe irgendwelcher Art 12 gegen andere Parteien zu richten. Er verstand es die Ver⸗ N sammelten durch seine Ausführungen zu größter Aufmerksamkeit zu veraulassen. Zu Beginn legte der Redner bar, wie es zum Ruhr⸗ einbruch gekommen sei, den die Franzosen mit großen Fehlbeträgen in den Reparationslieserungen und ⸗Zahlungen bgründet hätten. Trotzdem hätten sie einen großen Teil Kohlen ins Ausland ge⸗ liesert. Weiter schilderte der Minister die Folgen des Einbruch in wirtschaftlicher Beziehung und die Leiden, welche die Ruhr⸗ bevölkerung auszuhalten habe. Notwendig sei alles zu tun, um die Wirtschaft im Gang zu erhalten. Erfreulich sei, daß sich ein ein⸗ heitlicher Wille zeigt, Parteigezänke gibts nicht mehr, alles ist in der Abwehr einig. Ueber den Ausgang des Kampfes läßt sich schwer prophezeien. Das eine aber dürfen wir sagen: Solange die Front an der Ruhr so steht wie bisher, gehen wir mit den besten Aussichten den Weg weiter, den wir gewiß ohne unseren eigenen Willen haben einschlagen müssen. Die kommunistischen Unruhen am Rande des Ruhrgebiets geben keinen Anlaß zu Befürchtungen da die Mehrheit der deutschen Arbetter über genügend Vernunft und politische Einsicht verfügt, um sich nicht durch kommunistische Schlagworte einfangen zu lassen. Den Franzosen allein, die die Ruhr von der Schutzpolizei entblößt haben, ist die Schuld beizu⸗ messen, wenn es im Ruhrgebiet infolge des Vorgehens radikale Elemente, drunter und drüber geht. Auch die Erschütterung der Mark in den letzten Tagen braucht nicht ängstlich zu stimmen. Die Einbruchsstelle ist zum Teil schon wieder abgedeckt worden und der Regierung wird es gelingen, die Stabilität auch weiterhin aufrecht zu erhalten. Wie kann es aber zu Verhandlungen kommen? Das eine steht fest: ein solcher Kampf kann nicht mit Diktaten beendet, unmögliche Forderungen können von uns nicht erfüllt werden. Sicher ist, daß wir nur daun zu einer Verstän⸗ digung kommen, wenn diese Einsicht, und damit eine wahre Ver⸗ handlungsbereitschaft, sich auch in Frankreich Bahn bricht. Ob das heute schon der Fall ist, erscheint zweifelhaft. Wir unserer⸗ seits sind gewiß dazu bereit, alle Wege zu gehen, um den Nuhreinbruch abzubauen. Notwendig hierzu ist freilich, daß wir auf dem Fuße der Gleichberechtigung uns mit unseren Gegnern an den Verhandlungstisch setzen können. Keine deutsche Regierung wird sich ferner dazu verstehen, freiwillig auf Son⸗ veränitätsrechte in irgend einem deuͤtschen Gebiet zu verzichten Preußen und das Reich müssen un zerstückelt bleiben, das will auch der Rheinländer selbst. Vorbedingung der Verhandlung ist ferner, daß alle Vertriebenen und Ausgewiesenen wieder in ihre Heimat zurückkehren können. In wirtschaftlicher Hinsicht müssen wir zu erreichen suchen, daß uns bestimmte Reparattonsforderungen, die sich im Rahmen unserer Leistungsfähigkeit halten müssen, auf⸗ erlegt werden. Verlangt Frankreich finanzielle Garantien, so wird, dessen sind wir sicher, auch die deutsche Industrie sich nicht weigern, ihm solche Garantien zu bieten.(2) Wie sehr man selbst in England noch unsere Lage verkennt, beweist der kürzlich im englischen Oberhaus ausgesprochene Wunsch, wir möchten mit bestimmten Vorschlägen hervortreten. Immerhin zeigten diese Verhandlungen doch in vielen Punkten eine objektivere Betrachtung der Verhält⸗ nisse, wenn sie auch noch manches in Deutschland schief sähen. Wer Ohren hat zu hören, der mußte aus der Rede des deutschen Außen⸗ ministers v. Rosenberg und weiterhin aus der des Abg. Stresemann genau entnehmen, auf welcher Grundlage uns Verhandlungen möglich erscheinen. Daß wir keinen formellen Vorschlag unter⸗ breiten, rührt einfach daher, daß Frankreich solche Vorschläge bisher immer der Minister erinnerte an die Januar⸗Vorschläge zurickgewiesen hat und daß man uns auch die Unterbreitung eines derartigen Vorschlages als Schwäche auslegen würde.Die Front an der Ruhr hält fest, und wenn auch das Hinterland in Treue ausharrt, so werden wir ihn zu einem guten Abschluß bringen, auf daß endlich einmal nicht die Macht über das Recht, sondern das Recht selber zun Siege gelange. Die Versammlung spendete lebhaften Beifall. Nach einigen Dankesworten des Vor⸗ sitzenden erfolgte Schluß.

Brannkohlenbriketts 7000 Mk. der Zentner. wie das

kosten jetzt bei den Kohlenhändlern Brenmstoffsamt bekannt gibt. Für Lieferung in den Keller werden die gleichen Zuschläge wie bisher erhoben. Der Preis von 7000 Mk. für diese Briketts muß als übertrieben hoch bezenchnet werden.

Die Ausgabe der Kohlenkarten für das kommende Jahr erfolgt wie im gestrigen Blatte bekannt gegeben, für die Haushaltungen und zwar i tigten mit ben Ausangsbuchstaben AL, M3 in den Brotmarkenbezirken. April necden dle Kohlenkarten für das K g gleicher Weise im städtischen Brennstoffamt dae

Stadttheater. Nochmals sei auf die heute stat! der 101 malige Aufführung von Karl Schönherrs ergreif aut dem Glaube und Heimat hingewiesen. Das Wera grün- knerlei Tendenz. wie einige zu glauben scheinen, sondern ing ö als Tragödie eines unterdrückten Volksstammes auszufassen bud

wirkt so schon durch sein Thema zeitgemäß. Das Werk ist hier in Irühezen Jahren schon zweimal unter größter Aneilwahme des Publikums durch das Abonnement gegangen und

A mißbraue 7. lein Tatbestandz:

wird sicher bei der Voecstellung am Dienstag. die bekanntlich für Wohlfahrtseinrichtun⸗ gen der Berufsorganisation des darstellenden Personals stattfindet, ein ausverkauftes Haus erzielen. 1

Heiterer Abend zum Besten der Ruhrhilfe. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich findet am 1., abends 8 Uhr, im Katholischen Vereinshaus ein Lustspielabend statt, bei dem je ein weniger bekanntes Stück von Grillparzer(Wer ist schuldig) Neslroy(Frühere Verhältnüsse) und Benedir(Dienstboten) von Dilettanten unter Mitwirkung von Frl. Cläre Türk zum Besten der Ruhrhilse zur Aufflihrung gelangt. Nicht nur der literarisch Interessierte sondern jedermann soll seine Freude an den teils durch reizende Milieuschilderungen, tells durch treffliche und recht zeitgemäße Situationskomik reichen Dichtungen haben. Die Spielleitung hat Dr. Friedrich List übernommen. Die Preise sind so niedrig bemessen daß einerseits niemand der Kosten wegen

sernbleiben soll daß aber anderseits nur ein ausverkauster Saal dem guten Zweck einen Erfolg bringen kann. It. Ein außergewöhnliches Hochzeits⸗Festmahl, das gerade

Beweis für manchmal noch behaupleteNot der Land⸗ wirtschaft dienen kann. wurde vorige Woche in Berstadt ge⸗ feiert. Aus Obbornhofen wird darüber aus bäuerlichen Kreisen berichtet: Eine solche Schwelgerei, wie sie bei dieser Hoch⸗ zeit in unserem Nachbardorse Berstadt abgehalten wurde, dürfte nicht oft vorkommen. Nach den Angaben wurden zu dem Fest⸗ mahle ein Rind und vier Schweine geschlachtet. verbacken wurden etwa 12 Zentner Mehl. ca. vier Zentner Butter, sechs Zentner Zucker An Getränken wurde konfumiert: 8 Hektoliter Bier, eine nicht kleine Anzahl Flaschen Wein und Schaumwein, 1 Faß Schnaps. Dazu ein großes Quantum Rauchmaterial. Etwa

nicht als

360 Gäsde nahmen an densfestlichkeiten teil, die sich auf eine ganze Reihe Tage erstreckten. Die Kosten des Gesamtverbrauchs werden auf ca. 20 Millionen Mark geschätzt. Dies unter den heutigen Verhältnissen, die andere zu Entbehrungen aller Art zwingen. wo Tausenden das Notwendigste zum Leben fehlt! Und dabei wied die Bevölkerung läglich im Hinblick auf den Kampf im Ruhr⸗ gebiet zum Durchhalten und zur Unterstützung des Abwehr- kampses aufgefordert: muß dieEinheitsfront nicht zerstört wer⸗ den wenn derartige Verschwendung getrieben wirds? Umsomehr, als die Preise für landwirtschastliche Exzeugnisse von Tag zu Tag steigen, sodaß sie für viele einsach uwerschwinglich sind! Die Steuer⸗ behörde sollte sich mal etwas urn die Leute bekümmern, die solche Aufwendungen zu machen in der Lage sind.