Ausgabe 
24.3.1923
 
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Landtags wird der preußische

Der Selbstschutzorganisationen beantworten. Daß der Minster der Oeffentlichkeit aufsehenerregende Mit⸗

vertretene Partei Wie wir wissen, ist auch die Verhaftung der völkischen Ab⸗

ö eines Polizeispitzels namens Richter,

Redaktion: gießen Bahnhofftraße 23 Ferusyrechet bd.

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Organ für die Interessen 8 werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Crpedition: Gießen Bahuhofstraße 23 Fernsprecher 2008.

Volkszeitung erscheint jeden Werktag eee in Gießen.

185 Woondemegkepreig mit den Beilagen, 200 Blatt der Frau undLand⸗ irtschaftliche Beilage. monatlich 3000. Pet. einschl. Bringerlohn. 2 die Post bezog. 8000. k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120 Mk

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortl lich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M

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Nr. 70

Gießen, Samstag, den 24. März 1923

13. Jahrgang

Ein Rechtsputich aufgedeckt!

DeutschvölkischeFreiheits⸗Helden und Natianallozialisten als Staatsuerhrecher und Hochverräter. Das Spiel mit dem Sturz der Reichsregierung und der Aufrichtung einernationalen Diktatur. Attentatspläne gegen lozialdemakratische Minister!

Entlarvung der deutschvölkischen Freiheitspartei. Bereits mehrfach haben wir darauf hingewiesen, daß ich seit der Verhaftung des Leutnants Roßbach das aterial geegn ihn und die ihm nahestehenden Organi- deren außerordentlich stark angehäuft hat. Im Verlaufe der Untersuchung sah sich die preußische Regierung veran⸗ laßt, in Berlin und anderen Städten bei den Ortsgruppen und den Untersührern der Deutschvölkischen Freiheitspartei E vornehmen zu lassen. Im Berliner 8 der Wulle⸗Partei hatte man wie das leider n ähnlichen Fällen schon öfter der Fall war Wind von 55 geplanten Polizeiaktion erhalten und das hauptsächlichste Aktenmaterial vorher entfernen können. Die Vermutung scheint nicht unberechtigt, daß die drei Führer der Deutsch⸗ Wulle, Graefe und enning, die Akten in ihre Arbeitszimmer im Reichstag en bringen lassen, wo sie insofern geschützt sind, als ohne Genehmigung des Reichstagspräsidenten im Reichstags

gebäude keine Haussuchung vorgenommen werden kann. Im

3 Anschluß an die Haussuchungen in den deutschvölkischen

0 Bureaus wurden eine große Anzahl Personen J verhaftet. Bis zum Donnerstag abend waren

0 1 1 in Berlin 25 Verhaftungen

1 15 gemeldet. An unterrichteten Stellen bezeichnet man die

0 00 9 iinnerrolitische Situation als sehr ernst.

0 0 Im Laufe des Donnerstag nachmitlag fanden zwischen

den maßgebenden Stellen in Preußen und im Reiche wich⸗ ttige politische Besprechungen statt. In der am Freitag vor⸗

mittag um 11 Uhr beginnenden Sitzung des Preußischen

Innenminister, Genosse Severing, die Große Anfrage unserer Genossen wegen Man erwartet,

teilungen über das Treiben der rechtsradikalen Parteien zund Gruppen machen wird.

In einer längeren Erklärung gibt die Deutschvölkische Freiheitspartei von der Verhaftung einer großen Zahl von Drtsgruppenführern und der Beschlagnahme der Mitglieder- listen usw. in ihrem Hauptbureau Kenntnis. Die Haus⸗ suchung sei nur vorgenommen worden,um diesen unge⸗ cheuerlichen Rechtsbruch gegen eine politisch⸗parlamentarisch einigermaßen rechtfertigen zu können.

geordnetn geplant. Nach der gleichen Erklärung soll die Aktion der Polizei zurückzuführen sein aufdie Entlarvung der sich in die Turnerschaften hatte.

der Freiheitspartei eingeschlichen

0 Dieser Richter hat sich angeblich besonders in Spandau be⸗

fbätigt und soll dort wiederholt zu politischen Morden auf⸗

dperden.

Lerdnung zu machen?

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gefordert haben.Vor allem sollte Clara Zetkin beseitigt

Dieses Ansinnen sei immer abgelehnt worden. Die Namen der Verhafteten.

Nach der Meldung der 12 Zig. befindet sich unter den Ver⸗ liasteten ein Major Snethlage, ferner Kapitän Coulmann, rof. Danicke sowie einige Führer des Jugend⸗

1 1525 Morck. Die Verhafteten würden im Polizeipräsidium bvernommen.

Bis zu den Abendstunden war noch niemand von Ihnen freigelassen. Auch im Bureau derDeutschen Auskunft, vas sich in der Wohnung des verhafteten Sberleutnants Roß ach in Wannsee befand, wurde eine Haussuchung vorgenommen. Zahlreiche Akten, die gesamte Korrespondenz Roßbachs und die Aorrespondenz der Organisation Ableilung II der Deutschvölki⸗ chen en würden beschlagnahmt. Polizeiliche Durch; uchungen wurden noch in Kassel, Erfurt, Halberstadt, Hannover, öfen, Magdeburg, Merseburg, Minden, Naumburg und Stolp in lommern vorgenommen.

Zu den Verhaftungen wird uns noch telephonisch ge⸗

neldet:

Im preußischen Landtag kommt am Freitag eine große Anfrage der Fraktion der sozialdemokratischen Partei zur Verhandlung, die folgenden Wortlaut hat:

In den letzten Wochen hat in der Oeffentlichkeit eine Ebhafte Erörterung über die Tätigkeit von Selbstschutz⸗ ganisationen verschiedener Art stattgefunden. Ist die taatsregierung bereit, Mitteilungen über die von ihr ge⸗ offenen Abwehrmaßnahmen zum Schuß der öffentlichen

Diese Gelegenheit wird der preußische Innenminister, Genosse Severing, benutzen, um nähere Aufklärungen über die

Aufdeckung einer rechtsputschistischen Verschwörung

zu geben, die in den letzten Tagen mit der Verhaftung des Leutnants Roßbach begonnen hat und am Donnerstag mit Verhaftungen in zahlreichen Städten Preußens fortgesetzt worden ist. Allein in Berlin wurden 26 Mitglieder der deutschvölkischen Freiheftspartet, zwei Vorsitzende von Ortsgruppen und Mitglieder des Yorkbundes verhaftet. Tatsächlich gelang es, eine weitverzweigte Ver⸗ schwörung aufzudecken, deren

Zweck der gewaltsame Sturz der preußischen Regierung

und vor allem die Beseitigung Severings aus dem Amt war. Ganz radikale Elemente hatten sogar den Plan eines Atten⸗ tats gegen Severing gehabt. Vergebens suchen die Rechts- blätter die Aufmerksamkeit von diesem hochverräterischen Treiben abzulenken, indem sie überall die Gefahr eines Auf⸗ marsches der roten Armee an die Wand molen. Wo die Ge⸗ fahr aber tatsächlich ist, das erkennt auch ein Teil der bürger⸗ lichen Blätter. Die Vossische Zeitung schreibt heute an der Spitze ihres Blattes:

Wenn nicht alle Zeichen trügen, hat das Deutsche Reich sehr nahe vor einer Wiederholung des unsinnigen Kapp⸗ Putsches vom März 1920 gestanden. Wenn der preußische Minister des Innern in den letzten Tagen nicht vorsichtig und energisch zugeriffen hätte, wäre Deutschland in der gleichen Zeit, da es sich mit der Waffe des passiven Wider⸗ standes gegen den Alpdruck der französisch-belgischen Truppen im Ruhrgebiet wehrt, von innen heraus durch eine hochverräterische Unternehmung dere mit den National- sozialisten verbundenen Deutschvölkichen in den schwersten Bürgerkrieg verwickelt und in das furchtbarste Chaos ge⸗ stürzt worden.

Die Verhaftungen in Berlin Beweis für den bereits gehegten Verdacht eines e räterischen Plans geliefert, der darauf hinausging,

innerhalb einer kurzen Frist zu einem genau bestimmten

Tag die gegenwärtige Reichsregierung zu stürzen, ebenso die preußische Regierung, wobei die sozialdemokrati⸗ schen Minister, vor allem Genosse Severing, Atten⸗ taten zum Opfer fallen sollten,

den Reichstag und den preußischen Landtag aus⸗ einanderzujagen,

die Weimarer Verfassung aufzuheben und an deren Stelle eine sogenanntenationale Diktatur mit den deutschpölkischen und nationalsozialistischen Führern an der Spitze aufzurichten.

Die Vossische Zeitung will auch bereits wissen, daß der jetzige Plan sorgfältiger vorbereitet war, als vor ziemlich genau drei Jahren der Kapp⸗Putsch. Er be⸗ schränkte sich nicht auf Groß-Berlin, sondern war auf das ganze Reich ausgedehnt, wobei der ganze deutschvölkische und nationalsozialistische Heeresbann aufgeboten werden sollte. DerAufmarschplan der einzelnen Hundert⸗

schaften der deutschvölkischen Garde war in allen Einzelheiten

festgelegt. Der konzentrierte Angriff gegen Berlin war genau detailliert. Wie die Hetze gegen den verhaßten Gen. Severing ins Werk gesetzt wurde das geht aus einem Rund schreiben der Presseabteilung der deutschvölkischen Freiheits- partei an die Landesverbände und Ortsgruppen hervor, das der Vorwärts veröffentlicht. Darnach wurden sämtliche Ortsgruppen angewiesen, im Laufe der nächsten Tage eine Depesche an den Reichskanzler zu richten, in der einerseits gegen die Verhaftung der deutschvölkischen Führer Ver wahrung eingelegt wurde, andererseits dieForderung auf Beseitigung des preußischen Ministers Severing als den jenigen, der durch seine Verfolgung der deutschvölkischen Bewegung die nationale Einheitsfront zerschlage, gestellt wurde. Für den Fall, daß Severings Tätigkeit unmöglich gemacht werde, sollte ein Treugelöbnis an den Reichskanzler gegeben werden. Man sieht also, daß die deutschvölkischen Freiheitshelden ihre Treue zu der Reichs- und Staats- regierung von konkreten Bedingungen abhängig machen.

Militärische Gewalt gegen Bergarbeiter und Eisen⸗

bahner. Aufruf der Bergarbeiterverbände.

Die Bergarbeiterverbände erlassen folgenden Aufruf:

Ruhrbergleute! Fast 10 Wochen setzt der französische Imperialismus und Militarismus seine Gewaltpolitik fort, Waffenlos aber unbeugsam verharrt die Ruhrbevölkerung im Abwehrkampf. Mit allen Mitteln versuchen die Fran⸗ zosen diesen Widerstand zu brechen. Durch rosige Versprechen soll die Arbeiterschaft eingefangen werden. uns, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu verbessern, die

lungs- und Pressefreiheit unangetastet zu lassen, mit einem Wort, herrliche Zeiten stellen die Franzosen den Arbeitern in Aussicht, wenn sie sich unterwerfen. Was ist von diesen Versprechungen zu halten? Sie sind nur Lockmittel des französischen Imperialismus und Militarismus, sie sind und bleiben arbeiterfeindlich. Der Bergarbeiterstreik im Saarrcvier ist der schlagendste Beweis dafür. 6 Wochen stehen die Saarkameraden im Streik. Sie kämpfen um aus⸗ kömmliche Löhne und menschenwürdige Behandlung. Die französische Regierung als Arbeitgeber aber lehnt jedes Ent⸗ gegenkommen ab. Gegen die Streikenden wird Militär auf⸗ geboten. So sieht es im Saarrevvier aus. Kameraden! Wie erst würde es uns ergehen, wenn Poincaré sein Ziel erreichen würde. Er wird es nicht erreichen. An unserem Willen, gestützt auf unser Recht, muß die brutale Gewalt zerschellen. Trotz Aufbietung rücksichtsloser Gewalt, trotz verschärfier Ausweisung und Ermordung friedliebender Menschen blieb der französischen Gewaltpolitik der Erfolg bisher versagt. Frankreich wird auch weiterhin keine Kohle und keinen Koks bekommen und der Versuch, die Halden⸗ bestände abzufahren, wird ein Mißerfolg bleiben. Kameraden! und Freiheit. Wir lassen uns weder durch Zuckerbrot noch durch Gewalt vom französischen Militarismus und Im⸗ perialismus zur Fronarbeit zwingen. Der Widerstand wird wie bisher mit Ruhe und Besonnenheit durchgesetzt werden, bis Frankreich von seiner brutalen Gewaltpolitik abläßt.

Das weitere Vorgehen.

Der Bahnhof Innekeppel bei Elberfeld ist am 21. März anscheinend zur Errichtung einer Güterkontrollstelle von den Franzosen besetzt worden. Seit Mittwoch werden Züge mit Kohlen für Holland von den Sperrposten am Rhein-Heene⸗ Kanal nicht mehr durchgelgssen. In Scharnhorst werden den einreisenden Fahrgästen sämtliche Zeitungen im Zuge abgenommen und vernichtet.

In Gelsenkirchen, Dortmund, Witten ist die Lage im allgemeinen unverändert. In Bochum hat der französische Kommandant eine Verordnung erlassen, nach der die Ein⸗ wohner verpflichtet sind, binnen 24 Stunden anzugeben, ob bei ihnen Schutzpolizeibeamte gewohnt haben bezw. noch wohnen. Am 20. März abends wurden der Inhaber einer

Bochumer Wirtschaft und etwa 40 Zivilpersonen wegen Ueberschreitung der Polizeistunde festgenommen. Der Gast⸗

wirt und eine Zivilperson wurden nach Hattingen abtrans⸗ portiert, die übrigen Inhaftierten am nächsten Morgen auf freien Fuß gesetzt. In Scharnhorst wurden am 21. März zwei Eisenbahnüberwachungsbeamte, anscheinend weil im Zuge deutsche Flugblätter verteilt worden waren, aus dem Zuge heraus verhaftet.

Der Kommandierende General hat eine Verordnung er⸗ lassen, nach der die Steuererträgnisse für Wein, Schaum⸗ wein, Zigarren, Zigaretten und Tabak an die VBesatzung ab- geführt werden müssen.

Der Transport von Möbeln der Ausgewiesenen durch die Zollgrenze ins unbesetzte Gebiet ist nur gegen Bei bringung einer Ausfuhrbewilligung der französischen Aus fuhrbehörde in Essen gestattet. Diese Ausfuhrgenehmigung ist in einigen Fällen eingeholt und anstandslos erteilt wor

den. Ausfuhrzoll für Möbel ist bisher, soweit wir festge stellt haben nicht erhoben worden.

Man versichert

Arbeitsrechte nicht zu schmälern, Organisationen, Versamm⸗

Wir bleiben fest im Abwehrkampf für Recht