Ausgabe 
24.2.1923
 
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Abschluß und Form von Pachtverträgen.. (Eine neue Reichsgerichtsentscheidung.)

In der Praxis erlebt man immer wieder eine weilgehende Un⸗ keuntnis der gesetzlichen Vestimmungen über den Abschluß und die Form von Pachtverträgen, selbst in Pächter und Verpächterkreisen, die diese Beüimmungen doch nahe angehen. Diese Unkenntnis be⸗

unt schon mit der falschen Vorstellung, daß ein Vertrag nur eine iftlich niedergelegte Vereinbarung sei. Das ist nicht richtig. Ee'in Vertrag ist jede Vereinbarung zweier Menschen(Vertrags⸗ steeile oder ⸗Parteien in der Gesetzes- oder Prozeßsprache genannt), müch der der eine Teil dem anderen oder beide Tefle sich gegenseitig etwas zu leisten haben. Man wird zweifeln, daß er, wenn er in einem Laden ein Pfund irgendwelcher Ware kauft, einen Vertrag über den Kauf dieser Waxe abgeschlossen hat, auch ohne daß irgend⸗ welche schriftliche Vereinbarungen hat, auch ohne daß irgendwelche schri tliche Vereinbarungen niedergelegt sind. Diese kurze Ueber⸗ legung zeigt schon jedem Laien, daß er täglich mannigfache Ver⸗ träge abscrießt ohne Beobachtung irgendwelcher Formvorschriften.

s entspricht dem grundsätzlichen Standpunkt des BGB.(d. b. irgerlichen Gesetzbuches). Danach sind Verträge im allgemeinen

e Beobachtung besonderer Formvorschriften geschlossen, wenn

die beiden Vertragsparteien über den Inhalt ihrer Abmachungen einig sind. Bei besonders wichtigen Verträgen und bei Verträgen,

3 15 sich über eine längere Zeit erstrecken, hat der Gesetzgeber jedoch 3 10. daß die mündliche Vereinbarung nicht ausreichend sei,

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e vielmehr eme genaue Festlegung der Vereinbarungen ersorder⸗ sei, und hat deshalb für solche im Gesetz bestimmte Fälle er⸗

schwerende Formvorschriften erlassen, zunächst die schristliche Form. iner der bekanntesten Fälle dieser Art ist die Bürgschaftser⸗

lärung. Erklärt z. B. jemand dem Gläubiger seines Freundes gegenüber:Ich übernehme für die Schuld meines Freundes Bürg⸗

sschaft, so ist er hieran erst gebunden, wenn er diese Erklärung iftlich abgegeben hat. Man. wird mum weiter fragen: was ist forderlich, damit ein gültiger schriftlicher Vertrag vorliegt? Der⸗ jenige, der eine Verpflichtung übernömmt, also z. B. der eine Bürg⸗ sschaft übernimmt, muß diese Erklärung unterschreihen. Nicht er⸗ forderlich ist also, daß er die ganze Erkläwung schreibt, es genügt, 1 daß er unter diese Erklärung seinen Namen setzt. Bei Verträgen, nn denen befde Teile eine Verpflichtung eingehen, z. B. langfristigen 45 Pacheverträgen ich komme darauf unten noch zu sprechen bei denen der eine Tefl Ueberlassung des Pachtlandes, der andere Teil 1 Seren des Pachtzinses verspricht, müssen, damit dem Erfordernis der Schriftlichkeit genügt ist, beide Teile den Vertrag unterschrei⸗ ben, und zwar entweder beide Teile unter demselben Vertrag, oder aber jeder Vertragsteil auf einem besonderen Vertragsexemplar, das dann ausgetauscht werden kann. 1 Bei Verträgen, die noch schärser in das Wirtschaftsleben des Einzelnen eingreifen, hat das Gesetzbuch eine noch schärsere Form⸗ worschrist gegeben, nämlich die Vorschrift der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. Das bekannteste Beispiel für diese Fonmvporschrift ist die Bestümmung, daß ein Vertrag über den Ver⸗ kauf eines Grundstückes zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll erfolgen muß. Auch in diesen Fällen werden die Parteien, schon ehe sie zum Richter oder Notar kommen, sich meistens über die Be⸗ dingungen des Vertrages, den sie abschließen wollen, einig gewor⸗ den sein. Gleichwohl ist aber der Inhalt des Vertrages erst bin⸗ dend für die Parteien, wenn er zu gerichtlichem oder notariellem Protoboll abgeschlossen ist.

Dabei ist zu beobachten, daß durch Vereinbarungen der Par⸗ teien an Stelle der leichteren Form eine schwere Form, nicht aber umgekehrt, wo das Gesetz eine schwerere Form vorschreibt, eine

leichtere vereinbart werden kann, Es können also die Parteien wereinbaren, wenn sie in Verhandlungen, z. B. über den Kauf eines Wagens eintreten, daß ihre Abmachungen erst dann bindend sein sollen, wenn sie schriftlich niedergelegt sind, d. h. von beiden Teilen mnterschrieben sind, oder gar, wenn sie zu gerichtlichem oder notari⸗ ellem Protokoll erklärt seien. Nicht aber können die Parteien ver⸗ einbaren, daß der Verkauf eines Grundstücks schon bindend sein solle mit dem mündlichen Abschluß des Vertrages. Selbst, wenn

siie dies vereinbart haben, kann der Käufer trotzdem von dem Ver⸗ käufer nicht verlangen, daß er als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen werde.

Wenn wir nun die Bestimmungen über den Abschluß von r ß el, im BGB. an Hand dieser Grundsätze betrachten, so ergibt sich folgendes: Für den Abschluß von Pachtverträgen ist keine Form vorgeschrieben. Es genügt also, daß ein Pachtvertrag mündlich abgeschlossen wird. Ein solcher mündlich abgeschlossener Pachtvertrag kann entweder ftr ein Jahr abgeschlossen werden, oder, wenn nichts wegen der Dauer der Pacht gesagt worden ist, gilt er als für unbestimmte Zeit abgeschlossen, und kann dann auch, wenn die Kündigungsfrist eingehalten ist, schon zum Ablauf des

rsten Pachtjahres gekündigt werden. Wird er aber nicht gekün⸗ digt, so läuft er von Pachtjahr zu Pachtjahr weiter. Soll sich aber der Pachtvertrag von vornherein auf eine längere Zeit als ein Jahr erstrecken, so ist die schriftliche Form vorgeschrieben. Bei den meisten Fällen, in denen Verpachtungen von Ländereien erfolgen, sollen diese für längere Zeit verpachtet werden. Es ist deshalb, samit diese Verträge auch tatsächlich für die beabsichtigte Den elten, erforderlich, darauf zu achten, daß die Verträge von beiden eilen unterschrieben werden.

Nun wird man fragen, gibt es denn keinen Rechtsschutz und besteht keine Möglichkeit, demjenigen die langfristige Benutzung des Pachtlandes zu sichern, der, im Vertrauen auf die Rechtsgültigkeit eines für longe Jahre, aber nur mündlich abgeschlossenen Pacht⸗ wertrages, das Land in Besitz genommen, Anschaffungen gemacht und Arbeiten verrichtet hat, die er bei kurzem Pachtbesitz niemals geleistet haben würde? Bisher pflegten die Gerichte dahin zu ent⸗ scheiden, daß ein solcher Vertrag eben mangels der schristlichen Form als für unbestimmte Zeit geschlossen gelten und deshalb auch schon zum Ablauf des ersten Pachtjahres geklindigt werden könne, daß der Vertrag dann auf Grund diefer Kündigung erlösche und Rechte aus diesem Vertrag nicht mehr hergeleitet werden können. Diese Grundfätze sind unzweifelhaft zutreffend. In einem neueren Erkenntnis hat aber das Reichsgericht, das höchste de rziche Gericht, nachdem es schon in früheren Urteilen ähnliche Gedanzengänge an gedeutet hatte, dahin erkannt, daß eine solche mündliche Verein⸗ barung über einen langfristigen Pachtvertrag doch nicht ohne jede Bedeutung sei zenn nicht ausdrücklich vereinbart ist, daß der Vertrag erst mit der schriftlichen Vollziehung Gültigkeit erlangen sollte, so ist ein solcher Vertrag als Vorvertrag anzusehen. Es bleibt bestehen: Der nur mündlich geschlossene Vertrag gilt nur als auf unbestimmte Zeit geschlossen, aber er gibt den Parteien das Recht, von dem anderen Teil den Abschluß eines endgültigen Ver trages in der rechtsgültigen(schriftlichen) Form zu verlangen. Der

Heerrste Vertrag wird mit Recht Vorvertrag genannt, weil nicht er die schon ursprünglich gewollte Verpflichtung für den längeren Zeitraum schafft, sondern nur die Vorbedingung für den auf Grund dieses Vertrages geschlossenen neuen Vertrag bildet. Ein solcher Vorvertrag ist nicht an die erschwerenden Bestimmungen über den endgültigen Vertrag gebunden. Er ist also auch wirksam, wenn er

45055 nur mündlich abgeschlossen ist. Dabei ist aber zu beachten, daß ein

8 Vorvertrag vorliegen muß, d. h. die Parteien müssen sich auch

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70 wirklich zumindest über sämtliche wesentliche Bestimmungen, ins⸗ 705 besondere Zeitdauer und Pachtpreis, des demnächstigen Vertrages 0 8

Bedingungen,

durchdringend. Dann braucht man auch bei

einig geworden sein, sonst liegen nur Vorbesprechungen vor, die

keinerlei rechtliche Bindung des einen oder anderen Teiles er⸗

zeugen können.

Wie nun aber, schluß des endgültigen Vertrages weigert? Dann kann er im Wege der Klage zu dem Abschluß gezwungen werden und zwar zu den die im Vorvertrag vorgesehen waren. Das rechts⸗ kräftige Urteil ersetzt dann die verweigerte Zustimmung des an⸗ deren Vertragsteiles. Für einen solchen Streit sind die ordent⸗ lichen Gerichte, also Amtsgericht oder Landgericht, je nach der Höhe des Pachtobjektes, zuständig, denn es handelt sich um den Abschluß eines Vertrages. Es ist nicht zuständig das Pachteini⸗ gungsamt, das ja nur über die Verlängerung oder Aufhebung eines Pachtverhältnisses zu entscheiden hat oder die nach dem Ver⸗ trage zu entrichtenden Leistungen anderweit sestsetzen kann.

Der Gemüsebau des Arbeiters.

Ein großer Teil der Arbeiter bewirtschaftet ein kleines Stück Land, sei es eigen oder gepachtet. Meist wird es zum Gemiisebau verwendet. In der rationellen Bewirtschastung werden aber häufig noch viele Fehler gemacht, sodaß einige Winke erwünscht sein dürften.* 5 25

Vor allen Dingen müssen wir uns klar sein, was für Gemüse wir ziehen wollen und danach die Einteilung treffen. Diese Ein⸗ teilung sei regelmäßia und nach Gesichtspunkten. die der gewerbs⸗ mäßige Gemüsebau schon lange befolgt. Zuerst teilen wir da Land dur schnurgerade Woge in vier Teile. Jeder dieser Teile wird wieder in Beete und Rabatten abgotreten. Auch erhält das Ganze einen schöneren Anblick, wenn die Beetwege micht direkt an den Zaun oder den Hauptweg stoßen, sondern durch eine Rabatle begrenzt werden. Doch das ist Ansichtssache. Ein jedes der Fel⸗ der wird nun mit Gemüsen bepflanzt, deren Röhestoffbedürfnis ein gleiches ist. Aber sedes Jahr erfolgt ein Wechsel in der Ve⸗ stellung der Felder. Diese Wechselwirtschaft hat den Zweck, die Vobenkräste voll auszunutzen. bezw. micht einsestig zu erschöpfen. Nach dieser Beziehung hätten wir die Gemüsearten in vier Grup⸗ pen einzutetlen, und zwar Blattgemüse. Wurzelgemüse. Hülsen⸗ früchte und ausdauernde Gemüsearten.

Wir würden nun z. B. die Parzelle mit Blattgemüse wie Salat⸗ und Kohlsorten bepflanzen. Da diese sehr nahrungsbe⸗ dürftig sind, so hahen wir das Land vorher kräftig zu düngen, auch später noch durch Jauchegüsse nachzuhelfen. Im zwesten Jahr wird mim Parzelle 2 in dieser Weise bepflanzt. Parzelle 1 dagegen mit Wurzelgemüsen die einen vollkräftigen, aber nicht frischge⸗ düngten Boden haben wollen. Wir geben hier im Laufe des Sommers nur eine Kopfdüngung mit chemischem Dünger. Im ditten Jahr wird Parzelle 3 mit Blattgemüsen. Parzelle 2 mit Wurzelgemüsen und Parzelle 1 mit Hülsenfrüchten bepflanzt. Der auf der Parzelle 1 jetzt eingetretene Stickstoffmangel wird von die⸗ sen Gemüsearten nicht empfunden da sie ja mit Hilfe von Bakterien den Stickstoff der Luft binden und ihn dem Boden zuführen. Par⸗ zelle 4 wird mit ausdauernden Gemüsearten besetzt, die jedes Jahr gleich behandelt werden. Wo ausdauernde Gemüfsepflanzen ncht gewünscht werden genügt Line Einteilung in drei Felder. Durch diese Wochselwürtschaft wird erzielt eine volle Ausnutzung des Bodens und des Düngers eine Ersparnis an Dünger, ein gleich⸗ mäßiges Arbchten und eine Verhütung der Bodenmüdigkeit.

Die Bearbeitung des Bodens durch Umgraben hat möglichst schon im Herbst zu erfolgen weil durch die Einwirkung des Frostes der Bodem verbessert wird. Um diese Wirkung zu erhöhen, wird bei der Herbstbearbeituma das Land ficht eben gemacht(abgerecht), sondern man läßt die umgegrabenen Schollen liegen wie sie vom Spaten fallen. Anders ist es jedoch, wenn die Bearbeitung des Bodens im Frühjahr oder Sommer vorgenommen wird;: dann wirb das Land sofort geebnet. Dünger sollte vor dem Umgraben stets ausgebreitet werden, wird er in Haufen gesetzt und schicht⸗ weise eingegraben, so wird eine ungleichmäßige Vertchlung der Dungstoffe im Boden stattfinden. Alle Bodenbearbeitungen sollen mur bei trockenem Wetter vorgenommen werden.

Die Anzucht der Frühgemüsepflanzen hat im Frühbeet zu er⸗ folgen, weswegen die Setzlinge wohl am beslen bei einem Gärtner gekauft werden. Die Aussaat später Gemüsearten kann im freien Lande auf einem lockeren Beet erfolgen, das stets feucht gehalten wird. Bei allen Gemüsearten die nicht an Ort und Stelle gesät werden, ist ein Verpflanzen oder Pikieren der Setzlinge von großem Vorteil, besonders bei Frühgemüsepflanzen. Wichtig ist das Vorkeimen einiger Gemüsesamen. So werden Erbsen und Bohnen besonders die letzteren, schon 14 Tage vor dem Termin, an dem sie ins Freie gelegt werden, in Kästen oder Töpfe gelegt und unter Glas zum Keimen gebracht. Haben sich die ersten Blättchen entwichelt so werden sie verteilt und gleichmäßig auf Beete gepflanzt. Mam erzielt auf diese Weise eine frühere Ernte. Da sseses Vorkeimen auch am Zimnmierfenster in kleinerem Maßstabe vorgenommen werden kann, so ist es für unseren Zweck nur zu empfehlem.

Alle Gemüsepflanzen erfordern ein bestimmtes Maß von Feuchtigkeit weshalb man gezwungen ist, dann und wann mit Gießen nachzuhelfen. Man gieße, außer im zeitigen Frühfahr, vor allem abends, wenn möglich mit abgestandenem Wasser und trockenem Wetter nicht jeden Tag zu gießen. Dunagüsse sind stets von großem Vor⸗ teil; sollten aber immer genligend verdünnt und an ejnem trüben oder regnerischen Tage gegeben werden. Sollte anhaktend tvocknes Wetter herrschen, so wird vor dem Düngen durchdringend mit Wasser gegossen.

Da in den meisten Fällen wenig Raum in unseren Gärten vorhanden ist, so muß dieser auch voll ausgenutzt werden. Einmal

erzielen wir deses durch eine zweckmäßige Vestellung. So wer⸗ den abgetragene Erbsenbeete mit Blätter⸗ oder Grünkohl, mit Kohlrabi oder mti Winterrettichen bepflanzt. Beete, die mit

späten Gemüsen wie Winterkohl bepflanzt werden sollen, erhalten eine Vorsrucht von Salat Spinat oder Radieschen. Wir unter⸗ schaden also neben der Hauptsrucht eine Vor⸗ und eine Nachfrucht. Aber duch die Zwischenräume bej Gemlse mit großer Blatt⸗ entwicklung, die deshalb entsprechend wejt gepflanzt werden müssen, können durch eine Zwischenpflanzung zu einer besseren Ausnutzung des Bodens und einer Steigerung des Ertrages bei⸗ tragen. Zur Iwischenpflanzung eignen sich alle Gemüsearten mit kurzer Vegetablonsdauer, wie Salat Rettich. Radieschen, Kohl⸗ rabi.(Schluß folgt.)

Die Bedentung der Trockenfütterung in besonderer Verücksichtigung des Schweinefutters.

Es ist ganz allgemein bekannt, daß der Wert eines Futter⸗ mittels von seinem Gehalt an Nährstoffen abhängt, und von der Art und Weise, wie diese im Futtermittel enthalten sind.

Mittels der vom Tierkörper ausgeschiedenen Säfte den Verdauungssästen und den im Verdauungskanal vorhandenen Kleinlebewesen werden die Futtermittel aufgelöst und z. T. in andere Stoffe übergeführt, wodurch sie für den Tierkörper erst aufnahmefähig werden; so wird z. B. durch den Mundspeichel und

Sartenbau

wenn in solchem Falle der eine Teil den Ab⸗

noch energischer durch den Speichel der Bauchspeicheldrüse die Stärke in leicht aufnahmefähigen Zucker und Dextrin nungewandelt. Haben wir so erst einmal die Vorgänge der Ve g, wenn auch nur in großen Zügen, kennen gelernt, so ist es nun ein leich⸗ tes, Wege zu finden, die die Verdauungsarbeit des Darmkanals unterstützen können. 4 Die Tätigkeit der Kleinlebewesen im Verdauungskanal können wir nicht wesentlich fördern, es erübrigt sich auch vollends denn die neueren Untersuchungen haben gezeigt, daß im Darm ge⸗ nüigend Bakterien stets vorhanden sind, und daß mit dem Futter- stoffen stets genügende Mengen wieder zugeführt werden, so dad eine Abnahme nicht zu befürchten ist. Eine Förderung Teiles der Verdauungstätigkeit konunt auch für die Praxis nich in Betracht. 9 Anders dagegen steht es mit den Absonderungen der Drüsen, die von großer Bedeutung und leicht zu beeinflussen sind. Schon durch Nervenreize werden die Drüsen zu stärkerer Ab so 8 angeregt; bekannt ist die stärkere Speichelabsonderung eines. ernden Menschen beim Anblick einer gern genossenen, ihm 25 schmeckenden Speise. Aber auch bei hungernden Schweinen 3 ich eine stärkere Speichelabsonderung beobachten können, wenn eine Bucht kurz vor der Abnahme durch den Fletscher nicht mehr ge- füttert wurde, diese aber das Füttern der übrigen Tiere sehen konnten. Gleichzeitig werden aber hiermit auch die übrigen Ver⸗ dauungsdrüsen zu einer stärkeren Absonderung ihrer Sekrete an⸗ geregt, der Magensaft ist aber dabei auch reicher an Pepsin. 8 gleiche trifft ein, wenn das Futter Reisstoffe enthält, wie Kochsal und andere Salze(in der menschlichen Ernährung Fleischextrakt). Kochsalg ist außerdem ein unentbehrlicher Nährstoff, und steigert den gesamten Stoffumsatz im Körper, doch ist das Schwein gegen Salz empfindlich, man gebe nur bei starker Kartofselfütte run kleine Mengen; werden Fisch⸗ oder Fleischmehl und rei 5 Küchenabfälle gegeben, so erübrigt sich eine Salzgabe. Auße aber wird die Drüsenabsonderung durch die Kautätigkeit gefördert, wodurch noch als weiterer Vorteil hervorzuheben ist, ß der Speichel durch die gründliche Kauarbeit gut mit dem Futter ver⸗ mengt wird, und daß in letzterem hierbei die Zellwände zerstört werden, die die Nährstofse umgeben, wodurch die Verdauungsfäfte direkt auf diese einwirken können. 5 605 Um aber die Tiere zu einem gründlicheren Kauen zu veran⸗ lassen, müssen sie das Futter müöglichst trocken erhalten. Wie siehe es aber damit in den meisten Vichställen aus?. Die Tiere, und namentlich die Schweine, erhalten das Futter in möglichst dünner Beschafsenheit, so daß sie es saufen gi hinunterschlucken, ohne zu kauen. Die Jolge davon ist, daß d Schwein mit seinem kurzen Verdauungskanal das Futter schl. ausgenutzt den Körper wieder verläßt. Als weiterer Nachteil dieser wässerigen Fütterung ist zu er⸗ wähnen, daß durch die übermäßigen Flüssigkeitsmengen auch Verdauungssäfte verdünnt werden, wodurch wiederum die Ver⸗ dauungstätigkeit herabgesetzt wird, andererseits werden a die Magen⸗ und Darmwandungen durch die von den großen 1 en Flüfssigkeitsmengen des Futters bedinate Mehrarbeit geschwächt und außerdem der ganze Tierkörper mit Feuchtigkeit durchtränkt, wo⸗ 5510 er bald seine Widerstandsfähigkeit und Seuchenfestigklat verliert. f Reicht man dagegen das Futter ganz trocken oder nur schwacß mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit wie Milch, zu einem dicken, kritmeligen Brei angemengt, so zwingt man die F f gründlichen Kauen, wodurch wir alle vorher erwähnten Vo 3 erreichen. Die Zellwände, die die Nährstoffe umgeben, werden stört, der reichlicher abgesonderte Speichel wird gut mit Futterbrei vermengt und durch die teilweise Ueberführung der Stärke in aufnahmefähigen Traubenzucker und Dextrin wird Verdauung eingeleitet. Außerdem wird bei der Trockenfütterung bald das Gefühl der Sättigung erreicht, die Tiere nehmen er nicht ganz so viel Futter auf wie bei der nassen Zubereitung, trotzdem ist der Erfolg dieser Art der Fütterung ein größerer, Tiere nehmen stärker an Gewicht zu, was durch die Fütterungs⸗ versuche des Professors Lehmann in Göttingen bewiesen wird. seinen Angaben, die er auf einer Versammlung der Vereini deutscher Schweinezüchter machte, gebrauchte er, um 100 Lebendgewicht zu erzeugen, 8 bei der.

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beim Trockenfutter 313 Pfund

548 Pfund 548 Pfund 508 Pfund 534 Pfund 524 Pfund ö Im Mittel 6 543,3 Pfund 515 Pfund ö

Getränkt wird hierbei jedesmal nach dem Füttern, dreimal am Tage. Diese kleine Mehrarbeit des getrennten Tränkens dürfte aber nicht abhaltend auf Verbreitung der Trockenfütterung wirken, da doch die Ausnutzung des Futters eine größere ist und somit 1 der bare Verdienst ein höherer wird. Am besten ist es, wenn. kleinen Ferkel schon mit Trockeskutter großgezogen werden, älter Tiere sind an diese Fütterung erst allmählich zu gewöhnen.

Arbeitskalender für Februar.

Wie ja meist lien der Janmar auch heuer Gartenarbeiten nicht zu. Man wird also nachholen müssen, was im Vormonat 00

nicht geschehen konnte wenn der Februar besser wird. Wir haben unsere Obstbäume durchzumustern. Alte Bäume 0

wir aus und schneiden alles dürre und trockene Holz heraus des⸗ gleichen alles, was zu dicht aufeinander steht. Jüngere Obst⸗ bäume, Buschobst und Spaliere werden ebenfalls geschnktten, die Stämme werden von Moos und Flechten gereinigt und mit Kalk⸗ milch bestrichen. Sollte der Boden aufgehen und abtrocknen. so daß man arbeiten kann wird gegraben und Spinat angebaut du⸗. mit man so bald als möglich ernten kann. Wer Blumenzwiebeln im Garten hat, kann solche ausgraben und in Töpfe oder Kistchen 8 pflanzen und ans Zimmerfenster stellen Er hat dann bald etwas 10 Blühendes sim Zimmer A. N., L. M. 1

Haus- und Gartenwirtschaft.

Worin liegt der Grund in dem Rückgang der 7 i Autwort lautet kurzIn dem Absckluß ber bft: ef 5 Wiese sterben alljährlich eine Menge Pflanzen ab, die wieder Wurzelausschläge oder durch erneute Besamung ergänzt werden. Dadurch bildet ich mit der Zeit ein Vorrat halbverwester Pflan und Wurzeln, welcher als Humus sehr wertvoll ist, jedoch nach nach die Grasnarbe derartig verfilzt und verschließt, daß die nicht mehr genügend einzudringen vermag. Dadurch nehmen die abgestorbenen Wurzeln und die Dungstoffe immer mehr eine tor⸗ fartige Beschaffenheit an; die guten Gräser und Kräuter gehen immer mehr zurück, die Grasnarbe wird lückenhaft, und in den Lücken zeigt sich bald das Unkraut. Ich kann daher nur den Rat erteilen: Kämmt eure Wiesen, damit Licht und Luft in den Boden können. Der beste Kamm ist eine Wiesen ettenegge. 1

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