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von dem Oberregierungsrat von Wedel geführt.
wollten, um uns zu verschlingen,
ist diesem Beschluß vollinhaltlich beigetreten und gewillt, die gesamte Organisationsmacht hinter diesen Kampf zu stellen. b Solidarität der polnischen Arbeiter.
Dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf wurde von den pol⸗ nischen Arbeitern und Beamten der Hamborner Thyssen⸗Werke eine Entschließung zur Weitergabe an General Degoutte übermittelt, in der es u. a. heißt:„Im Auftrage der polnisch sprechenden Arbeiter und Beamten der Thyssen⸗Werke in Hamborn sind wir gekommen, um in seierlichster Weise Ausdruck zu geben von dem Gefühl, welches die Verhaftung unseres obersten Chefs, Herrn Fritz Thyssen, durch remde Gewallhaber in nus erregt hat. Wir erklären ausdrücklich, ß wir nur Anordnungen der deutschen Regierung und unserer Werkleitung befolgen werden und uns einig fühlen mit allen Ar⸗ beitern und Beamten der Thyssen⸗Werke.“
Sicherung der Ernährung.
Der Reichsernährungsminister befindet sich zurzeit im Ruhr⸗ 5 um vort inczemeinschaft mit den Vertretern der großen wirt⸗
ichen Organisationen an der Sicherstellung der Ernährung des Ruhrgebiets zu arbeiten. Die in den ersten Tagen der Besatzung auf⸗ getretenen Schwierigkeiten in der Versorgung des Ruhrgebietes mit Mehl sind inzwischen behoben worden.
Verhaftungen und Ausweisungen.
Der Präsident des Landesfinanzamtes Köln, Haeling von Landsenauer, ist am Mittwoch abend 10 Uhr in seinem Dienstraum von französischen Offizieren, in deren Begleitung sich englische Polizeimannschaften befanden, verhaftet worden auf Grund eines Haftbefehls des franzöfischen
nerals in Bonn. Er wurde in einem Auto in der Richtung nach Bonn fortgeführt. 5
Oberregierungsrat Spieß, der nach der Ausweisung des stellvertretenden Präsidenten von Redern seit Sonntag die Regierungsgeschäfte in Wiesbaden führte, ist soeben von den Franzosen ausgewiesen worden, weil er sich geweigert hat, die auf Anweisung von der preußischen Staatsregierung ergangene Verfügung an die Forstbeamten, nur der preußi— schen Regierung Folge zu leisten, zu widerrufen.— Die Geschäfte des Regierungspräfidenten werden von heute ab
Am Montag wurden der Leiter des Finanzamtes Aachen 2, Oberregierungsrat Senibach und sein Stell⸗ vertreter, Regierungsrak Dr. Berten, von aus Offizieren und Gendarmen bestehenden Abordnung der Besatzungs⸗ behörde verhaftet, weil sie erklärt hatten, sie würden nur den Anordnungen der deutschen Behörden Folge leisten. Sämt⸗ liche Beamten und Angestellten des Finanzamtes haben ihre Tätigkeit eingestellt. f
Der Direktor der Reichsbankstelle in Neustadt a. d. H. ist verhaftet worden. Die Reichsbankstelle ist sowohl dort ie auch in Kaiserslautern geschlossen. 5
In Ludwigshafen hatte ein Beamter der Anilin⸗
Sodafabrik von der Reichsbank eine größere Geldsumme sur Lohnzahlung abgehoben. Als der Beamte mit dem Geld m Auto zur Fabrik fahren wollte, wurde er von dem fran⸗
* Posten festgenommen und das Auto mit dem ührer zur Kontrollstation an der Rheinbrücke gebracht.
ehrere Beamte der Anilinfabrik begaben sich auf diese Nachricht hin ebenfalls dorthin, ws siber die Herausgabe der
Ader verhandelt wurde. Es handest sich um 100 Millionen
ark. Die Bemühungen der Direktion, die Gelder freizu⸗ bekommen, sind erfolglos geblieben.
Große Enttäuschung— neue Gewaltak e. smalacen der französischen Presse kommt eine gewisse Niederge⸗
genheit über den bisherigen Mißerfolg der Ruhraktion doppelt 338 und man beschäftigt sich damtt, was nun zu geschehen
usdruck. An die Stelle der Siegesfanfaren ist Nüchternheit
abe. Vereinzelt macht sich sogar Kritik bemerkbar. So erklärt das Journal, die Verhaftungen könnten den Rechtsgelehrten Stoff gu schwierigen Diskussionen geben, da die deutsche Souveränität in Ruhrgebiet nicht aufgehoben set. Es ist wertvoll, dieses eständnis aus französischem Munde zu hören, Im krassen egensatz zu dieser Auffassung würden allerdings die Maßnahmen ehen, die das Echo de Paris ankündigt. Danach hätte die franzö⸗ sche Regierung nach zweimaliger Intervention des Marschalls beschlossen, als weitere Pression alle preußischen Beamten
us dem besetzten Gebiet auszuweisen und das Ruhrrevier röllig vom deutschen Mutterland zu isolieren. Das wäre ein neuer schwerer Eingriff in die Hoheitsrechte eines deutschen Landes und unte gerade im besetzten Gebiet zu Verwicklungen führen, deren Folgen nicht abzusehen sind. Das im allgemeinen gut unterrichtete an hoher Stelle sei man etwas unruhig über
Cablogramm sagt, ie Entwicklung der
Ereignisse.
Auch seien die Unterhaltungen mit London nicht so einfach gewesen, wie offiziös behauptet worden sei. Hier wird auf Ereignisse hingewiesen, die sich hinter den Kulissen abspielen. Die Reparationsverhandlungen, die durch die Ruhrinvasion gegen⸗ standslos geworden zu sein schienen, spielen auch heute noch in Frankreich eine Rolle. So behauptet eine Londoner Drahtmeldung der Vossischen Zeitung, der englische Reparationsplan, der auf der letzten Pariser Konferenz von Poincaré mit einer so dramatischen Geste der Empörung abgewiesen worden ist, sei von französischen Sachverständigen neuerdings überprüft und als be⸗ deutend weniger unannehmbar erachtet worden. In ähnlichen Gedankengängen bewegt sich der Petit Rarisien, der be⸗ auptet, Poincaré habe sich jetzt wesentlich den Reparationsvor⸗ shleber Mussolinis angenährt. Die Regelung, wie man sie nun⸗ mehr im Auge habe, entspreche etwa dem Angebot der deutschen Regierung vom 10. Dezember. Es wird sich kaum feststellen lassen, was an diesen Nachrichten auf Tatsachen beruht. Sollten sie auch nur im entferntesten mit der Wirklichkeit übereinstimmen, so wäre der Einfall in das Ruhrgebiet das frivolste Abenteuer. das je von einem Politiker gewagt worden ist. Dann müßte Poincars die Absicht, zu verschwinden, die ihm von einem Teil der französischen Presse bereits heute nachgesagt wird, schleunigst wahrmachen.
Der Proteststreik wird durchgeführt.
Nach den endlosen französischen Truppentransporten zu schließen, die über Mainz in das Ruhrgebiet auch neuerdings noch geworfen werden, scheint Poincars sich einzubilden, die Be⸗ völkerung mit einem befonders starken militärischen Aufwand ge⸗ fügig machen zu können. Die Zahl der Transporte, die ausschließ⸗ lich für das Ruhrgebiet bestimmt sind, ist derart, baß man die Stärke der Gesamtbesatzung mit 250 900 nicht als zu hoch be⸗ ziffert. Aber auch die Bajonette der Söldlinge Poincarés wer⸗ den keine Kohlen erzeugen. Daß die Arbeiterschaft des neube⸗ setzten Gebietes, insbesondere die Bergarbeiter, nicht mit sich spaßen läßt, hat der Verlauf der letzten Tage bewiesen. Auf allen Zechen, die ihrer Direktoren unwürdig beraubt wurden, ist bisher der Proteststreik konscquent durchgeführt worden. Nicht eine der Zechen, deren Leiter in Haft ist, arbeitet. 0
Die Arbeitseinstellung hat bereits teilweise Erfolge gezeitigt. Der Oberbergrat Ahrens von den staatlichen Zechen ist gegen Stellung einer Kaution von 100 000 Mk. freigelassen, ebenso ist die Haft gegen einen Expedienten nach Aushändigung einer Kau⸗ tion von 50000 Mk. aufgehoben worden. Von fast allen Gruben haben sich Arbeitervermnetungen nach Mainz begeben, um die so⸗ fortige Freilassung ihrer Direktoren zu verlangen. Der Dele⸗ gation der Zeche„König Wilhelm“ hat sich ein Kommunist ange⸗ schlossen. Auch die Vorstände sämtlicher Düsseldorfer staatlichen Instanzen unter Führung des Regierungspräsidenten sind heute nach Mainz abgereist, um dort die Freilasfung des verhafteten Dr. Schlutius und der übrigen Inhaftierten zu erwirken.
Politischer Mord in Paris.
In der Redaktion der rohyalistisch⸗chauvinistischen Action francaise in Paris ist am Montag nachmittag gegen ½4 Uhr ein politischer Mord begangen worden, der erste seit der Ermordung unseres Genossen Jaurss. Eine 20jährige Anarchistin Germaine Berton hat den General-Sekretär der Action francaise, Martus Plateau durch fünf Revolverschüsse getötet. Sie machte dann einen Selbstmordversuch, brachte sich aber nur eine leichte Wunde bei. Das Attentat sollte dem Leiter des Blattes, dem bekanntlich auf der äußersten Rechten stehenden Abgeordneten Leon Daudet gelten, der die Attentäterin jedoch nicht empfing.
Politische Uebersicht.
Die Pfälzer Kommunisten
sind rechte politische Kinder. Ihre Ludwigshafener Aktion hat mit der Entlassung einiger tausend Arbeiter geendet. Jetzt hat sich ein Komitee gebildet, das sich stolz„Die Vertreter der freien Pfalz⸗ bewegung“ nennt und am 10. Januar an die Direktion der Anilin⸗ und Sodafabrik ein Ultimatum richtete. Es wird darin gesagt: „Die unterzeichnete Gruppe tritt nicht mit bettelnder Miene vor Sie hin, sondern fordert von Ihnen, innerhalb drei Tagen nach Erhalt dieses Schreibens sämtliche Gemaßregelte ohne Unter⸗ schied wieder einzustellen, andernfalls wir uns gezwungen sehen, die Schritte gegen Ihre ruppe zu unternehmen, die zum sicheren Siege führen müssen.“
Welcher Art diese Schritte sein sollen, wird gleich hinterher„klar und offen“ in folgendem Satze gesagt:„Lassen Sie die Ihnen oben angegebene Frist verstreschen, werden wir ohne weiteres die freie Pfalz ausrufen.“ Unterzeichnet ist das Schreiben:„Weber, Hans, Feth, Fritz, Schneider, Schmidt und Bornowskt.“ Ein ähnliches Schreiben ist an das Bürgermeisteramt in Ludwigshafen abgegangen. Es braucht nicht betont zu werden, daß diese armseligen Gesellen mit ihren Separattonsdrohungen keinen Eindruck machten. Inzwischen ist die Frist verstrichen, und die Pfalz ist immer noch keine„freie“ Auf⸗ fallend ist, daß die französische Behörde sich früher nach diesem Briefe erkundigte, als er tatsächlich bei den Adressaten eingegangen war.
Wersammlungskalender
Rüddinghausen. Sozialdem. Wahlverein. Sonntag, 28. Januar, nachmittags 4 Uhr Monatsversammlung im Parteilokal, Alles pünktlich erscheinen, Mitgliedsbücher mitbringen. mee 27
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Gießen und Umgebung. 1—„ 1 Geschichtskalender. 1 24. Januar: 90 1 1634 Kaiser Ferdinand II. verfügt die Absetzung Wa 1890 Der Reichstag beschließt die Ewigkeitsdauer des listengesetzes. 909 egso e ung der Jeanne d'Arc,„Jungfrau von Orle 1911 Massenhinricht⸗ugen japanischer„Anarchisten“ in Tokio. 1919 Auflösung der preußischen Gemeindevertretungen. N Wahlrecht. 5. 1921 Grubenunglück auf Zeche„Deutschland“ bei Oelsnitz.
Die Beleuchtung des Miethauses.
Wir beabsichtigen in nächster Zeit in zwangloser Rei folge eine ganze Anzahl stets akut werdender Fragen 0 dem gegenwärtigen Mietrecht zu behandeln. Für die me unserer Leser werden diese Darlegungen von Wert i zumal sie sich auf genaue Sachkenntnis des Ver a gründen. 5 3
Ueber die Frage, wem die Verpflichtung zur B leuchtung des Miethauses, insbesondere der Treppe häuser und Höfe, Hausgänge usw. obliegt, hat früher vi fach Streit geherrscht. Nach und nach dürften aber Rechtsprechung und Gewohnheit folgende Grundsätze ge An und für sich liegt die Pflicht der Beleuchtung im hältnis von Mieter zu Vermieter nicht ohne weiteres d Hausbesitzer ob. Der Mieter kann die Beleuchtung gedachter Räume durch den Vermieter nicht etwa mit der Begründung verlangen, daß er ohne solche die Räume nicht ben könnte.
Hessen
Denn wenn dies der Fall wäre, wäre der H besitzer letzten Endes gar verpflichtet. dem Mieter auch ganzes Stockwerk zu erleuchten, also etwa die elektrische Be leuchtung des ganzen Hauses zu bestreiten. Für d Treppenhaus usw. hat sich freilich meist der Gebrauch gebürgert, daß der Vermieter gegen angemessene Entsch gung, also gegen Teilname an den Kosten die Beleuchty seinerseits vornimmt. Ist eine ausdrückliche Bestimmung, und das wird in vielen Fällen der Fall sein, nicht getro dann entscheiden die Umstände darüber, ob der Vermieter etwa stillschweigend übernommen hat, für die Beleuchtun während der üblichen Verkehrszeiten zu sorgen. Ist ganzes Haus, etwa eine Villa vermietet, so ist dies ohn weiteres zu verneinen. Im übrigen entscheidet gewöhnlie der Ortsgebrauch. Auch das Verhalten der Parteien kam ausschlaggebend sein. Wenn zum Beispiel der Mieter ei zieht in Kenntnis der Tatsache, daß der Hausherr die liche Beleuchtung nicht vornimmt. Auch die Höhe des Y zinses und andere Momente können für die Frage ent. scheidend sein. So nach Reichsgericht Band 33 Seite welches sagt:„Vielfach pflegt der Vermieter die Treppen in seinent eigenen Interesse zu beleuchten, sodaß die ve 00 liche Uebernahme einer solchen Leistung ihm keine besonder Ausgobe verursacht.“ 2
Die Pflicht zu Beleuchtung erwächst aber in allen Fe nur dem Mieter selbst, nicht etwa dritten Personen, ge über die bei diesem ein⸗ und ausgehen, und sie braucht sit auch nicht auf alle Teile des Hauses auszudehnen, so nur auf die, die zum Verkehr mit den Mieträumen die also z. B. nicht auf Keller und Bodentreppe. Ebenso der Bewohner eines Stockwerkes nur auf Beleuchtung Treppen Anspruch, die bis zu seiner Wohnung führen, aber etwa ein Stockwerk höher falls dessen Inhaber etwa die Beleuchtung verzichtet hat, unbedingt dazu gehört der Hausgang und eventuell je nach Lage der Haustür g der Hofraum. 8
Zeitlich umfaßt die Beleuchtungspflicht die Stunden des allgemeinen Verkehrs, es sei denn, daß die Treppe aus besonderen Gründen, z. B. wegen frischen Anstrichs, Bel mit Brettern, oder aus ähnlichen Gründen das Passieren g. fährdet, dann dürfte die Beleuchtungspflicht sich auch auf die ganze Nacht erstrecken. 5
Soviel über die vertragliche Beleuchtungspflicht. Da⸗ neben besteht aber auch noch eine öfsentlich rechtliche. Eine Beleuchtungspflicht liegt z. B. dem Vermieter ob auf Grund polizeilicher Vorschriften, wie sie für Gießen b
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Der Deserteur. b
Roman von Robert Buchauan.
„Wir haben noch Zeit,“ sagte er, don seinem Platze aus
ufs Meer spähend, das bereits Miene machte, gurgelnd urch den Granitbogen in die Kathedrale zu dringen.„Komm zurück, Marcelle, und fürchte nicht. Wir können noch eine halbe Stunde bleiben. Hast Du vergessen, wie wir früher zusammen durch die blaue Flut zu waten pflegten? Denk' nicht an Deine Strümpfe und Holzschuhe; komm zurück; ssieh, wie schön es hier ist.“
Noch einen unruhigen Blick auf die steigende Flut draußen vor dem Tor werfend, schlich sie stumm auf ihren Platz zurück und ließ sich wieder neben ihrem Vetter nieder. Seine Kraft und Schönheit fesselten sie, wie sie jedes andere Mädchen an der Küste gefesselt haben würden. Während sie ihre weiche, braune Hand auf sein Knie legte und ihm in die Augen sah, war ihr Herz von einem geheimnisvollen Verlangen erfüllt, das sie sich nicht zu deuten vermochte.
„Sieh doch, hat es nicht den Anschein, als ob alle diese schäumenden und brausenden Meereswogen hereinstürzen 0 wie sie einst die große Abtei verschlungen haben?“ bemerkte Rohan, aufs Tor zeigend.
„Gehen wir!“ abergläubisch.
ö„Warte doch noch ein Weilchen.“ entgegnete Rohan, schloß sein Buch bedächtig und erhob sich langsam.„In einer halben Stunde, nicht früher, wird das Tor wie der Rachen eines Ungeheuers aussehen. Erinnerst Du Dich der Ge— schichte, die ich Dir wiederholt erzählt habe, von dem großen Seeungeheuer, von der an den Felsen geketteten Maid und
lispelte Marcelle ängstlich. Sie war
wie der tapfere beflügelte Jüngling sie gerettet und das Ungeheuer zu Stein verwandelt hat?“
„Ob ich mich erinnere!“ bejahte Marcelle lachend. Sie wußte selbst nicht, weshalb ihr das Blut dabei in die Langen stieg.
„Sieh mal dorthin! Bemerkst Du das kauernde See— ungeheuer?“ rief Rohan, nach dem Tor zeigend, wo sich gerade die ersten Wellen der steigenden Flut hereinwälzten und sich schäumend an den Steinblöcken brachen, die sich wie gierige Ungeheuer aus dem grünen Wasser abhoben.
„Wenn Du hierbleiben und zusehen könntest,“ fuhr er fort,„würde es aussehen, als ob sie mit ihren roten Mäulern das Wasser zerrissen. Bald wird weißer Schaum sie be— decken, schwarzer Tang ihnen wie Schnurrbärte herabhängen, das Wasser unter ihnen mit Schaum vollgespuckt und die Luft von einem Gebrüll erfüllt sein, wie von dem Bellen eines Ungeheuers. Einmal saß ich schon hier und beob— achtete diesen Vorgang, bis ich glaubte, daß die alte Ge— schichte wahr geworden und das Ungeheuer hier sei; aber damals gab's einen Sturm.“
„Und Du hast den Vorgang da droben vom Trou aus beobachtet?“
„Ich wurde von der Flut überrascht und mußte bis zum Sonnenuntergang zitternd oben hocken; dann legte sich der Sturm ein wenig, aber die Flut war noch immer hoch. Das Wasser erreichte die Wölbung des Tore; wenn die Wellen sich hoben, hätte nicht eine Fliege passieren können. Ich war hungrig und durstig und wußte nicht, was tun. Es war trotzdem angenehm, zu beobachten, wie sich das Wasser auf dem Boden der Kathedrale in smaragdgrünen Kristall ver⸗ wandelte, wie es schäumend über die Steinblöcke und Felsen
gurgelte, wie die Robben unruhig hin und her schwammen
und vergebens nach einem trockenen Ruhepunkt suchten. Aber all das war nicht imstande, meinen knurrenden Magen zu befriedigen, und doch mußte ich mich in Geduld fassen, denn die Flut wollte noch immer nicht sinken, dabei wurde es immer finsterer, nur die Sterne leuchteten da droben vom pechschwarzen Himmelszelt herab. Mir wurde unheim⸗ lich zumute, denn die alten Mönche und Aebte schienen von den Wänden herabzusteigen und über den Gewässern zu schweben. Ich ließ meinen Hut und meine Holzschuhe am Eingang zur Höhle zurück, kletterte vorsichtig von Vorsp zu Vorsprung wieder herunter und sprang dann ins Wa — es war schwarz wie der Tod.“ 0
Marcelles Lippen entrang sich ein leiser Schreckens und sie umklammerte Rohans Arm. 1
„Im ersten Augenblick dachte ich, daß alle bösen Geif losgelassen seien, denn ich war unglücklicherweise mitten i eine Schar schwarzer Scharben geraten, die wie kreischten; eine tauchte unter und zwickte mich ins B aber ich schüttelte sie ab. Nun schwamm ich dem Tor allein ehe ich es erreicht hatte, erhob sich ein hausho Wasserberg und versperrte mir den Weg. Entsetzt schloß it die Augen; als ich sie wieder öffnete, hatte sich die Welle schon verlaufen und ich konnte die Wölbung des Bogens sehen. Rasch entschlossen trat ich das Wasser, bis ich Bogen fast mit meiner Hand berühren konnte, dann war ich einen günstigen Augenblick ab und tauchte unter! Gott, das war eine furchtbare Minute! Wäre ich in falsch Richtung geschwommen oder nicht tief genug untergetaucht die nächste Woge hätte mich in die Höhe gehoben und an der Granitwänden des Bogens zerschellt; aber ich hielt Atem an, machte acht, neun, zehn Tempi unter dem und kam erst herauf, als ich zu ersticken drohte.“
(Fortsetzung folgt.)
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