Ausgabe 
23.5.1923
 
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Bevger in Kafserslantern it von den Frauzosen verhaftet Der Vorstand der Eisenbahnbetriebsinspektion Neustadt a. d. H. Eisenbahhnoberinspektor Julsus Brand mit Frau und vier Kindern wurde ausgewiefen. Die Möbel wurden beschlagnahmt. Bis zum 1. Mai sind aus der Pfalz 2107 Personen ausgewiesen worden, dar⸗ unter 1467 Frauen und Kinder.

In Ludwigshafen a. Rh. erhielten die in dem Blockhaus Kuß⸗ maul⸗, Schanz⸗ und Karl Theodorstraße wohnhaften hunderkfünf⸗ undzwanzig Eisenbahnerfamilien plötzlich den Befehl, innerhalb 24 Stunden die Wohnungen zu räumen. Die Familien mußten in Schulräumen untergebracht werden, die Möbel zurückbleiben. Von dar Besatzungsbehörde sind dieser Tage in den verschiedenen Lud⸗ wigshafener Möbelgeschäften für 500 Millionen Mark Möbel be⸗ schlagnahmt worden, darunter solche, die bereits anderweitig verkauft

und die auch schon größere Anzahlungen gemacht sind. Die Möbel sind zur Möblierung der Wohnungen der französischen Eisen⸗ bahner bestimmt. 5 i Die Franzosen beschlagnahmten auf der Straße Weitmar⸗Hattin⸗ gen und an der Hattinger Ruhrbrücke drei Lastautomobile mit Pfingstgebäck des Konsumvereins Wohlfahrt, das für die links der Ruhr liegenden Verkaufsstellen bestimmt war.

Veolitische uebersicht.

Die Beamtenbezüge für Mai.

Der Haushaltausschuß des Reichstags genehmigte in seiner Samstagsitzung die Auszahlung der erhöhten Be⸗ amtenbezüge in der mit den Spitzenverbänden vereinbarten Höhe. Die Teuerungszuschläge find danach für die Zeit vom 1. bis 15. Mai auf 1220 Prozent und vom 16. Mai auf 1700 Prozent festgesetzt. Das ergibt eine Erhöhung gegen⸗ über den Februarbezügen von etwa 47 Prozent für den Monat Mai. Das bereits gezahlte Monatsgehalt ist dabei nicht berücksichtigt und wird dadurch auch nicht berührt. Die Frauenzulage wurde von 12 000 auf 16 000 Mk. erhöht.

0 Bei den Verhandlungen zwischen der Regierung und den Spitzenorganisationen der Beamten, die am Freitag abend im Reichsfinanzministerium über die Neuregelung der Grundgehälter stattfanden, kam es zu keiner Einigung. Die Regierung hat sich daraufhin abends um 11 Uhr ent⸗ schlossen, gleich nach den Feiertagen von sich aus eine Vor⸗ lage an die gesetzgebenden Körperschaften über die neuen Grundgehälter der Beamten gelangen zu lassen. Bis 1 Uhr nachts verhandelte man noch über Fragen der Besoldungs⸗ technik. Mücktritt des englischen Ministerpräsidenten. Durch dringende Vorstellungen der Aerzte bewogen, hat Bonar Law seine Demission als Ministerprästdent genommen. Der Rücktritt Bonar Laws erfolgte überraschend schnell nach seiner Rückkehr von Paris nach London, wo am Sams⸗ tag abend und am Sonntag morgen eine Beratung über seinen Gesundheitszustand stattfand. Dieser wurde als so ungünstig erklärt, daß der Ministerpräsident seine Demission sofort einreichte. Am Montag vormittag wurde Bonar Law dann am Halse operiert. Da die Minister alle fern von London weilen, wird ein Kabinettsrat voraussichtlich erst am Mittwoch Stellung zur Neubildung des Kabinetts nehmen, doch ist der Vorstand der konservativen Partei bereits am Montag zusammengetreten, um die Vorbereitun⸗ gen zu treffen für die Parteiversammlung, die den neuen Parteiführer und künftigen Ministerpräsidenten wählen muß. Ob dies Lord Curzon oder der Schatzkanzler Baldwin sein wird, darüber sind auch innerhalb der konservativen Partei, aus der der König den englischen Premierminister entnehmen muß, die Meinungen geteilt. Die rechtsstehende Presse sowohl in London, wie in Paris tritt für Baldwin ein, die liberale Presse so die Times, befürworten ein Kabinelt Curzon. Gegen Curzon ist die sozialdemokratische Zeitung Daily Herald wegen der feindseligen Haltung, die der bisherige Außenminister gegen Sowjetrußland bisher eingenommen hat.

worden.

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Aue berker zer tsen Denlshen uten Versen

Frankfurt a. M., dn 18. Mai 1923.

Während Berlin seinen für Deutschlands Einheit und Freiheit gefallenen Helden nicht einmal eine würdige, Grabstätte herrichten durfte und noch heute nicht den Mut findet, ihnen einen einfachen Denkstein der Erinnerung und Dankbarkeit zu errichten, hatte Frankfurt schon die fünfzigste Wiederkehr der Tagung der Ersten Deutschen Nationalversammlung durch eine Feier gewürdigt und seinen gefallenen Söhnen ein Erinnerungsmal gesetzt; freilich ohne Zustimmuno und Teilnahme stagtlicher Behörden und Vertreter. Heute, da viele der vor 75 Jahren in der Paulskirche zu Frankfurt feierlich proklamierten Grundrechte unveräußerlich verbrieft sind und vom Volke getragen werden, war es um so richtiger, jener mutigen Streiter zu gedenken, die Blut und Leben für diese Grund⸗ rechte hingegeben haben. Der gestrige Tag versammelte darum die Größen unseres Volkes, aber das Volk fezerte nicht diese Größen, nicht seinen ersten Vertreter, es feierte heute den Sieg des Ge⸗ dankens, es huldigte dem Sieg des Grundrechtes, Staatsgewalt vom Volke ausgeht. 5

Frankfurts herzliche Gastlichkeit lud zum Feste, zum ernsten Feste in ernster Zeit. Der 75jährige Gedenktag der ersten deut⸗ schn Nationalverxsammlung, die in Frankfurts Mauern, in der ehr⸗ würdig⸗historischen Paulskirche tagte, mahnte zu tiefer Einkehr. Trotz Werktagslärm und Alltagsgetriebe schwebte ein Lächeln über den Straßen. Gäste wurden erwartet, Menschen der neuen Zeit, die den Geist der Paulskirche von 1848 in Weimar neu erstehen ließen, die unter heißem Ringen dem deutschen Volke am 11. August 2920

retteten, was ihm 1849 verloren ging: seine Freiheit, seine Sou⸗

veränität. 5

Früh um s Uhr schon war der Platz vor dem Bahnhof freigehalten. Durch den Kreis des drängenden Volkes ging eine Erwartung: der Reichspräsident kommt. Kein Blttzen von Uni⸗ formen, kein Trara, nein, einer aus unseren Reihen, einer vom Tische unserer Not! Das macht die Erwartung so stolz und so froh. Da rücken 50 Mann vom republikanischen Studentenbund auf. Zurück! Nein, einer geht zum Poltzeipräsidenten. Ihr Durch⸗ gang zum Bahnhof wird gestattet. 1848 waren es Studenten, die den Männern der Nationalversammlung bageistert zujubelten. 1923 waren es Studenten, die aus armer Schwäche heraus, dem 75 jährigen Gedenktag und seinem Geiste in unserer Zeit die Ehre versagten, aber diese 50 Aufrechten n die Schwäche. Re⸗ publikanische Studenten waren es, die d Reichspräsidenten bei einer Ankunft in Frankfurt ein jubelnd Willkommen entgegen⸗ brachten. Und ihnen schlossen sich an, die vielen da draußen, die alle fühlten: nicht einem Götzen, nein, einem Ideal gilt unsere Be⸗ geisterung. 0 Im Römer.

Gegen 11 Uhr flutete ein Menschenstrom dem Römer zu. Fahnen, vor allem schwarz⸗xot⸗golene, jubelten von Türmen und Häuschen, frisches Tannengrün duftete hernieder und die aus Rot stillgelegten Brunnen rauschten in silberner Fülle. Sie sangen ein Freiheitslied in das Stimmengewirr freudiger Bewegung. Die Grünen waren alle an ihrem Platze. Freundlich, aber bestimmt wiesen sie die Menschenflut in ihre gebotenen Grenzen. Da mar⸗ schierte eine Schar fremder Selbstschutzleute auf, mit leuchtend roter, goldbestickter Fahne in strammer Disziplin. Ihr brauner Anzug erinnerte etwas an Transvaler, ihr musterhaftes Auftreten erweckte Achtung. Es waren Abgesandte der Sicherheitsabteilungen (S. A.) unserer Münchener Genossen.

Die geladenen Gäste fanden sich im Römer zusammen. Freunde aus Deulsch⸗Oesterreich, Mitglieder des Reichstages, des preuß. und hessischen Landtages, Oberhäupter zahlloser Städte, Stadtver⸗ ordnete und Pressevertreter, zum Teil in schwarzer Gala, zum Teilso, wie mers han, aber alles Männer und Frauen, beseelt vom Geiste unserer neuen Zeit. 5

. Im Kaisersagal fand ihre Begrüßung statt. Weiche, ernste Klänge eines Streich⸗ quartetts gaben den Auftakt. Der Oberbürgermeister Frankfurts sprach das erste Willkommen. Und wie ein rote Faden ging es durch alle Begrüßungsansprachen: Franßfurt und Weimar, Eck⸗ pfeiler in der Geschichte deutscher Einigkeit und Freiheit, Fun da⸗ mente deulscher Volfskraft und deütschem Volksbewußtseins. Fronkfurt und Paulskirche als ein Vermächtnis freiheitbeseelter Männer und Weimar als Mahnerin: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Oeser, Bell, Rießer, alle sprachen sie im Klange dieser Harmonie, daß es dem kommen⸗ den Geschlechte vergönnt sei, die 100jährige Wiederkehr dieses Tages feiern zu können, als freies Volk auf frejem Grund! Wie das Leuchten einer großen Liebe ging durch alle Begrüßungsworte das Willkomm, das man den österreichischen Gästen zurief und das seine begeisterte Antwort in dem Gruß und Dank fand, den uns das österreichische Volk durch den Präsidenten seines National⸗ rates aussprechen ließ. Freunde in der Not, die aller Willkür zum Trotz mit felsenharter Kraft den Verbrüderungsgedanken hoch⸗

..

wonach alle

halten, ja, die ihn stählen im Feuer unerbittlichen Zu ihre Freundschaft in Tagen tiefsten Elendes erprohte standen. Nicht mehr Gäste wollen sie uns sein Glieder unseres Glieder eines einigen, deutschen 6 Sturm der Freude brauste durch den hohen Saal. W. schauten die hohen Herren in Hermelin und Kaiserkro der hoch oben, der den Streit ums lebendige Kindlein löste Salomo lächelte; denn er hörte die b Klanges. 5. Ein Hoch der freien, deutschen Republil, dann jubelten die Geigen das Deutschlandlied und die Kaisersaal war zu Ende. Ihr schloß sich die Best historischen Ausstellung aus dem Revolutionsjahr 184 der Reichskunstwart erklärende Worte sprach. Sorgfalt war hier Material zusammengetragen, das Zeugnis vom Geiste des Jahres 48 ablegte. Freudig gi die Bilder alter Freiheitshelden, bewegt streichelte unsst schwarz⸗rot⸗goldne Schärpe Robert Blums, leuchtend u ie alten Freiheitsfahnen und lachte auf bei köstlichen e jener Zeit. Das Band war geknüpft, alle die Verblissenen neu in uns und sprachen uns Dank für diese ihre Unßerb Die Feier in der Paulskirche. Hier war der historische Boden gegeben. g Geist der Achtundvierziger. Unter Glockenläuten, wie zogen die Vertreter des deutschen Volkes ein. Aus de im Römer kamen sie, der Stätte, da sich einst die Mich Volke huldigen ließen, und sie zogen in die Kirche, sich Mächtigeren zu beugen, dem Volkswillen zu huldigen. 0 Zug zugleich ein Symbol. Feierliches Orgeltönen, ein Schi Kinder des Volkes tragen ihre Weisen vor, sicher um müffen eine gute Schule haben. 5 Mit kurzen Worten begrüßt Frankfurts Oberbürgermeif Versammelten. Es gilt Zeugnis abzulegen für das We Reichspräsident Ebert dankt für die Zuversicht, die in den Worten zum Aube Es ist Pflicht, jener Tage zu gedenken, da das deussch anschickte, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehme Aber g hohe Gedanke, aus der Viel heit zur Einheit zu kommen scheite dem Widerstande der Fürsten. Dennoch, wenn das geste e Ziel 1 erreicht wurde, so wurde doch ein starker Eckpfeiler ermchtet für de Volkes Einheit und Freiheit. Es ist deshalb nur erk 0 Weimarer Nationalversammlung ganz von selbst auf deß 2 der Paulskirche zucückkam. Professor Weber, Heidelberg. der Hauptredner des Tages, holte in seinem leider zu gehaltenen Vortrage weiter aus. Er untersuchte die die den Männern der Paulskirche gegeben waren, und er le Schwierigkeiten dar, an denen ihr Können scheitern nicht ihre Schuld, wenn sie das nicht erreichten, was derer mit der Gerat der Waffen und dann auch m durchsetzte. Wir haben allen Grund, an die Ideen an leider allzusehr vergessen gingen, wir werden uns aber tretung dieser Ideen nie und nimmer abbringen lassen Mehr noch als alle Worte vermochte es der Arbeilkges. Union, jene Weihe auszugießen, die Erinnern und kräftiges fassen läßt. Die Menge strömt hinaus. g Der Platz am Römer ist dicht gedrängt voller Menschen. Die anstoßenden Str. undurchdringlich. Von der Nikolaikirche ertönt ein Die Sängervereinigung läßt ihre Weise über die unabshba

ziehen. Reichstagspräsident Löbe

grüßt mit weithinschallender Stimme das Symbol der euts publik, der Einheit und Freiheit des deutschen Volkes, Ae goldene Fahne. 1

Am Abend erstrahlte der Platz am Opernhause von einem leuchtender Fackeln. Frankfurts Jugend war aufgezogm und das deutsche Volk in seinem ersten Vertreter. 1 Neichspräsident Ebert erinnerte an das in d festgelegte Grundrecht des deutschen Volkes und spra aus, daß diese strahlenden Flammen uns in die mögen. Ein Hoch auf die Republik wurde jubel von der frohbewegten riesigen Menge. Freudig begri der österreichische Reichs ratspräsident Seitz zur res aller deutschen Stämme. Genosse Löbe aber feierte d Trägerin der Zukunft. Das dreifache Frei Heil der f den weiten Platz, jubelnd erklang ihr Lied von der gaze fee und jubelnde Hochrufe wechselten ab und woll nehmen.

D reer 25

Der Deserteur.

Roman von Robert Buchanan.

Ich war weit fort, mein lieber Korporal, entgegnete Meister Arfoll, neben dem Alten Platz nehmend,ich war in Paris.

fIn Paris? rief der Korporal erregt und Marcelle starrte den Lehrer an, als ob er gesagt hätte, daß er eben aus der anderen Welt komme.

Ich habe in Meaux einen Verwandten, und da er keinen andern Freund auf der Welt hatte, berief er mich, um ihm die Augen zu schließen. Während ich aon seinem Krankenbett weilte, rückten die Verbündeten auf Paris vor und ich ward Augenzeuge all der Schrecken des Krieges. Ah, Herr Korporal, es war ein Krieg zwischen Teufeln. Beide Seiten fochten wie Satane und das zwischen ihnen liegende Land verwandelte sich in eine Einöde. Die armen Bauern flohen in die Wälder und verbargen sich in Höhlen, die Kirchen waren mit Weibern und Kindern gefüllt. Tag und Nacht konnte man brennende Städte und Dörfer sehen. Niemand zeigte seinem Nachbar Erbormen und die fran⸗ zösischen Soldaten behandelten ihre Landsleute wie Kosaken. Felder und Gehöfte, die Aufenthaltsorte der Menschen und der Tiere, waren verödet, und nachts kamen große Rudel hungriger Wölfe herbei, um die Toten zu fressen.

Ja, das ist eben der Krieg, entgegnete der Korporal und nickte phlegmatisch mit dem Kopf, denn er war derlei kleine Zwischenfälle gewöhnt.

Und welche Schreckenszeit erlebte ich erst in der be⸗ lagerten Hauptstadt! Während die Verteidiger kämpften, krochen die Parias aus ihren finsteren Löchern heraus und schricen in den Straßen nach Brot. Sie glichen eklem Ge⸗ würm, das auf Aos herumkriecht. Bekamen sie kein Brot, so begingen sie oft Morde. O Gott sie waren wahnsinnig! Ich habe cine vom Hunger zur Verzweiflung getriebene Mutter ihren Säuoling auf das Pflaster schleudern sehen, daß das Hirn nur so spritzte! Zum Glück dauerte die Be⸗ lagerung nicht lange und die große verbündete Armee rückte in Paris ein. Unser Volk begrüßte sie mit Hochrufen, viele

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warfen sich zu Boden streuten Blumen.

Kanaillen! zischte der Korporal zwischen den fest zu⸗ sammengepreßten Zähnen.

Die Aermsten verstehen es nicht besser, Gott möge ihnen verzeihen, wenn sie unrecht getan. Aber das ist nicht alles, was ich Ihnen erzählen wollte, ich habe in Fontaine⸗ bleau den Kaiser gesehen

Den Kaiser?! rief Derval erregt.Erzählen Sie doch

rasch, wann und wieso. Dabei rückte er ganz dicht an Arfoll heran; ebenso Marcelle, die vor Neugier brannte, von einem Augenzeugen zu hören, wie ihr Idol, für das sie glühender denn je schwärmte, den schweren Schicksals⸗ schlag aufnahm. Es war ein denkwürdiger Tag, da Napoleon bon seiner Alten Garde Abschied nahm, erzählte Arfoll und blickte gedankenvoll aufs Meer, das wie ein Riesenspiegel vor ihm leuchtete. Schon die bloße Erwähnung der Alten Garde rührte Derval zu Tränen, seine Wangen ubteten sich, seine Lippen zitterten. Marcelle ließ fast unbewußt ihre Hand in die des Alten gleiten und beide lauschten gespannt der weitteren Erzählung. 0

Ich will Ihnen die Wahrheit sagen, mein Korporal! Die Alte Garde bot, als sie in Reih' und Glied dastand, einen gar traurigen Anblick, die meisten Gardisten sahen krank und elend aus, die Fetzen hingen ihnen vom Leibe. Sie mußten lange warten, endlich erschien Napoleon hoch zu Roß, von dem tapferen Maedonald und anderen Generalen begleitet. Bei seinem Erscheinen brachen die Truppen in begeisterte Hochrufe aus. Er ritt nur langsam vor, stieg vom Pferde und erhob die Hand. Soͤfort trot Totenstille ein. Man hätte eine Nadel zu Boden fallen hören können

Wie sah er aus? Bleich und krank? Was hatte er an? fragte der Korporal. 5.

Ich stand ganz in seiner Nähe und sah, ihn genau. Sein Gesicht war zitronengelb, die Wangen schlaff, die Augen eingefallen und traurig. Als er jedoch vor der Linie stand, lächelte er so, daß man hätte meinen können, sein Ge⸗ sicht sej aus lauter Sonnenschein gemacht. Ich habe noch

und segneten den Einzug, andere

nie in meinem Leben ein solches Lächeln gesch

begann er mit gebrochener Stimme zu sprechen, cke T

rieselten an seinen Wangen herab 1 Und was sagte er? hauchte der Alte ertartungsbol

en. 5 D f 1

Was er gesprochen, haben Sie sicherlsch in d Zeitungen gelesen, aber Worte können den de Blick nicht wiedergeben. Er sagte, daß er, de einen anderen Horrscher gewählt, sich zufrie nur für Frankreich lebe und sterbe, eines T vielleicht die wahre Geschichte seiner Schl Volk niederschreiben. Dann umarmte er verlangte laut den kaiserlichen Adler; als ie Standarte brachte, küßte er sie unzähligemal. in jenem Augenblick flog ihm mein Herz zu, f ihn sterben können! Er ist ein wahrhaft groß Die Garde brach in lautes Schluchzen aus, zu Boden und flehten, er möge sie nicht Ga f Macdonald vergrub sein Gesicht in den Händen wie ein Kind; einige Generale zogen ihr 6 riefen:Es lebe der Kaiser! All dies dauert nur Minuten. Dann bestieg er sein Pferd und ritt kangs still davon in jener Nacht verließ ale um nie mehr wiederzukehren! 5 Marcelle, die wie gebannt gelauscht ha Angftichrei aus, ihr Onkel war, ohne einen stoßen, mit dem Gesicht zu Boden gefallen:i gestorben! jammerte sie fassungslos, währe Ohnmächtigen aufzuheben sich bemühte. Das 1 Alten sah in der Tat wie das eines Toten als. M warf sich vor ihm nieder, rieb seine erstarkten rief ihn verzweifelt bei allen Kosenamen. 0 Viertelstunde, ehe er ein Lebenszeichen gab, lei endlich die Augen aufschlug. die verständni blickten. 4 Er hat einen Schlaganfall erlitten,, sanft,, wir müssen trachten, ihn nach Hauß Wer ist hier? Bist Du's, Jaques? Alte mit lallender Zunge.Weißt Du schog Befehl der Kaisers morgen marschieren m (Fortsetzung folgt.)

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