Nirpebatte bei den Lords. Cur on für ein Konkordat. euglisc en Oberhaus führte bei Besprechung der Lage im Fut bre Lord Curzon nach einer längeren Rechtfertigung der Haltung Englands und nach Prüfung der Haltung Deutschlands und Frankreichs folgendes aus: f 5
Ich kann nicht umhin zu glauben, daß wenn Deutschland irgend⸗ ein Anerbieten seiner Bereitschaft und Absicht zu zahlen macht und seinen Wunsch ausdrückt die Reparationssummen durch eigens zu diesem Zwecke betraute Autoritäten festsetzen zu lassen, ein Fort⸗ schritt erzielt werden könne, zumal wenn dieses Anerbieten auch eine genaue Bürgschaft über die Fortsetzung der Zahlungen enthalten wärde. Frankreich gab mehr als einmal zu verstehen, daß es gewillt sei, einen solchen deutschen Vorschlag entgegenzunehmen, ganz gleich, ob er Frankreich allein oder auch seinen Alliierten mitgeteilt wird. Es liegt im allgemeinen Juteresse, daß ein solcher Vorschlag gemacht wird und je eher er gemacht wird, desto besser wird es für alle Be⸗ teiligten sein. Das ist der Kern des Rates, den ich andauernd der deutschen Regierung gegeben habe, und ich sehe keinen Grund, an ihrer Weisheit zu zweifeln. Sobald Schritte unternommen werden, wird Englands Hilfe sich für beide Parteien zeigen, und ich hoffe, daß auf dieser Linie noch eine Lösung gefunden werden kann. Ich sehe die Tür noch nicht als endgültig geschlossen an. Die Anstreng⸗ zungen im Ruhrgebiet lasten schwer auf den Hilfsquellen der beiden Parteien und wenn dies andauert, muß das die Beziehungen der beiden großen Völker zueinander gefährden. Zwischen beiden Län⸗ dern muß irgend eine Art von Konkordat hergestellt werden, wenn es irgend etwas wie Fricden oder Regelung in Zukunft geben soll.
Ich glaube, so sagte Curzon zum Schluß, ich habe auf beiden Seiten Symptome, wenn auch nicht für ein Zusammenkommen, so doch wenigstens für eine Bereitschaft, die Bedingungen einer Hinftigen Regelung in Erwägung zu ziehen oder gar zu besprechen, walrgenommen. Wir werden weiterhin unser Bestes tun, um Gseipickekung dieser Symptome zu ermutigen. Ich bin voller Hoff⸗ mung, daß die Zeit kommen wird, wo unser Einfluß und unsere Autorität mit Nutzen in der Richtung eingesetzt werden können, daß fie die beiden Hauptparteien zu einer Besprechung zusammenbringen und zur Entwickelung eines Planes, der nicht auf eine gegenwärtige Lösung abzielt, wohl aber auf die Behandlung des wichtigen Prob⸗ ems, das ein Welt⸗ und ein Friedensproblem ist.
Die Rede des britischen Außenmfnisters wird nicht verfehlen, in Deutschland und wahrscheinlich auch in Frankreich einen starken ndl zu machen. Wir glaubem erwarten zu dürfen, daß in der gächsten Zeit von der deutschen Regierung entscheidende Schritte unter⸗ nommen werden. Man wird sich dann bdessen bewußt seim müssen, cuz wir uns nicht auf fremde Hilfe verlassen dürfen, sondern nur auf das Geschick der deutschen Unterhändler und auf die moralische „Kraft des deutschen Volkes, wenn es not tut, im Widerstand gegen
unerträgliche Zumutungen zu verharren.
Ein Vorstoß in die Ortenau.
Nachdem in den letzten Tagen die Befürchtungen von einer weiteren Besetzung badischen Landes sich kundgetan hatte, folgt⸗ Freitag morgen ein südlicher Vorstoß der französischen Truppen. In den ersten Rorgenstunden rückten Truppen aus Offenburg, die in den letzten Tagen verstärlt worden waren, in südlicher Richtung des Schwarzwaldes vor und besetzten eine Anzahl Orte, darunter auch Ortenberg, wo sich in der letzten Zeit der geschäftliche Verkehr Osfenburgs abgewickelt hatte. Es ging den Franzosen besonders Daum, die Rhein⸗ und Ruhrhilfe zu unterbinden und sich der
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zahlungstermin der Eisenbahnbeamten und„Arbeiter war. Infolge des. französischen Eingrisses stockte der Verlehr fast vollstän⸗ dig. Auf den Landstraßen sammelten sich infolge des hermetischen Abschlusses des besetzten Ortenau Fuhrwerke,. Autos und Passanten mit Fahrrädern zu Hunderten an. Die Passanten und Fuhrwerke wurden in die Orte hineingelassen, konnten aber nicht wieder herauskommen. Die Besatzungstruppen besetzten beispielsweise in Ortenberg die provisorische Postanstalt, den Bahnhof, das Bürger⸗ meisteramt und die Gastwirtschaft„Zur Krone“. Der Wirt Stieg⸗ mar wurde festgenommen und nach dem Rathaus gebracht, wo er einem Verhör unterzogen wurde. Das Verhör sollte ergeben, ob in der„Krone“ Eisenbahnerauszahlungen stattgefunden pätten. Ferner wurde der Eisenbahnsekretar Mayer festgenommen, der in den letzten Tagen die Auszahlungen der Eisenbahngelder sibernom⸗ men hatte. Ein bereitstehender Personenzug wurde mit Maschinen⸗ gewehren am Weilerfahren verhindert. Die Passagtere mußten die Abteile verlassen. Die Gelder wurden nicht gefunden, da man dieselben rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte. Bedauerlither⸗ weise fielen den Franzosen jedoch Staatsgelder in die de(man spricht von 6—10 Millionen Mark), die der Eisenbahnsekretär Hust in feiner Wohnung versteckt hatte. 4
Man vermutet, daß die Angelegenheit auf Verrat zurückzu⸗ führen ist. Gegen Mittag wurde der Verkehr auf Post und Bahn in Ortenberg wieder freigegeben. Die Besatzung blieb im Orte. Wie man hört, sollen die Ortschaften weiter besetzt gehalten werden. Ob weitere Besetzungen erfolgen, weiß man noch nicht.
Im Anschluß an die obige Meldung wird noch aus Offenburg gemeldet: Der Bahnhof Ortenberg ist am Freitag mittag um 12 Uhr von den Franzosen wieder geräumt worden. Sie haben die Grenze zwischen dem besetzten und uubesetzten Gebiet vor der Ortschaft, vor dem Bahnhof gezogen. Der um 8 Uhr fällige Per⸗ sonenzug ist später als Nachzug von Ortenberg abgelassen worden.
Ein unerhörter Fall.
Von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: In Höchst⸗Unter⸗ Ieberbach hat die Fram Babarla mit ihrer Tochter gemeinsam für weiße und farbige Fransosen ein Bordell eingerichtet. Als ein in dem Haufe wohnender Lehrer der Tochter auf der Strate seime Verachtung ausdrückte wurde er tags darauf vor der Meister⸗ schule in Höchst auf Veranfassung eines franzöfischen Offiziers verhaftet und in das Artestlokal geschleppt. Der Offizier! schimpfte den Lehrer in der gemeinsten Weise und bezeichnete ihn den 11 im gleichen Raum befindlichen farbigen Soldaten gegenüber als einen gefährlichen Spion. Als der Lehver sich darüber be⸗ schwerte, daß er mit Macolkanern zusammen hausen müsse. bedrohte ihn der Ossizier mit der Reitpeitsche. Bis abends erhielt der Lehrer weder Brot noch Wasser. Die Marokkaner gaben ihm von ihrer Verpflegung. Nachts brach die Natur der Afrikaner durch. Der Lehrer wurde. während ihn zwei Soldaten festhielten, zwei⸗ mal in der entsetzlichsten Weise vergewaltigt. Als er Lärm schlug, erschien abermals der Ofizier und herrschte ihn mit den Worten an:„Das geht Sie gar nichts an. Sie haben sich ruhig zu ver⸗ halten!“ Am nächsten Morgen mußte der Lehrer die von den Marokkanern als Klosett benutzte und übervolle blecherne Roll⸗ mopsbose in Begleitung zweier Scckdaten mit aufgepftangtem Soitengewehr über den Hof tragen und entleeren. Später wurde er im abermaliger Begleitung bewaffneter Soldaten vor den Orts⸗ kommandanten geführt. der ihn mit den Worten entließ:„Sie können für heute gehen wenn wir wieder etwas von Ihnen hö rem, kommen Sie vor das Krsegsgericht.“ Das geschah am 8. April. Da Lie Beobachlungen durch französische Spitzel schließlich umer⸗ träglich wurdem, flob der Lehrer in das unbesetzte Gebiet.
Bürgerliche und sozialistische Wirtschaftspolitik.
Dir neue Stüßungsaktion der Reichsbank.
Die Stützungsaktion der Reichsbank, die am Mittwoch unterbrochen worden war, weil sich die Reichsbank von der überstürzten und von einsichtigen Kritikern bereits voraus⸗ gesagten Nachfrage nach fremden Zahlungsmitteln hat über⸗ sraschen lassen, kommt nun wieder in Gang. Die Devisen⸗ umsätze an der Verliner Börse gingen am Freitag weseutlich zurück; es gelang, den Kurs bis auf 25 500 zu senken. Be⸗ merkenswert ist, daß im freien Verkehr nicht die starken Ab⸗ weichungen von dem amtlichen Verkehr zu verzeichnen waren,
die man vorher beobachtet hatte. Abgeber an Devisen waren neben der Reichsbank namentlich Hamburger Exporteure, die offenbar in Erwartung der Devisenkurssteigerung zurück⸗ gehalten hatten. Wir erwarten, daß die Reichsbank die Stützungsaklion mit allem Nachdruck fortsetzt, bis der frühere Dollarstaud von 21000 erreicht ist und die Reichsregierung nun endlich eine Finanzpolitik treibt, die die Wiederkehr der bekannten Zwischenspiele ver⸗ hindert. Schon jetzt haben die Verbraucher in erhöhten Preisen einen wesentlichen Teil der Kosten dieses Manövers zu tragen.
I Eisenbahnkasfe zu benächligen, zumal am heutigen Toge der Aus-
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Robert Schmidts Kritik an der Beckerpass Im Reichstage zeigte sich am Freitag bei 0. setzung der Haushaltsberatung über das Reichsw rt 40 50 ministerium der ganze Gegensatz zwischen bürgerlich sozialistischer Wirtschaftspolitik. 1 Herr Rießer von der Deutschen Volksparte ö zwar die ernste Lage auf dem Geldmarkte und in d 0 schaft anerkennen, aber er fand tausend Gründe, ung daz
Verhalten der Devisenhamsterer, der Sabotage der Poll, 19 Schatzanleihe der Profitmacher aller Art erklärlich zu mache Er hat zwar nichts gegen die angekündigten Regie 8 10 maßnahmen. aber er scheint sich auch nicht viel Erschg l 4 zu versprechen. ö 1 f ge Der Demoktat Keinath ging noch etwas wel 45 f sieht überhaupt keine Schuld für die heutigen Zustan de. den wirtschafkli Kreisen Deutschlands. Solange it aan 11 Milliarden mark mehr Einfuhr hätten als Aus 4 sei an eine Gesundung nicht zu denken.* 795 Den bürgerlichen Parteirednern und dem bütg; 1 5 Wirtschaftsminister hielt dann unser Genosse Robe Ieh Schmidt eine auf Tatsachen und Zahlen gestütze Ari wuen und positive Vorschläge entgegen. die je länger je mehren Eindruck im Hause machten. Insbesondere horchte 4 Mittelstandsvertreter in den bürgerlichen Parteien auf g e Robert Schmidt ihnen unterrichtend den Beweis liefert 4 20 es unsere a 9 6 Scher 1 Kartelle und Konzerne, diese Großverdiener, 5 sind, die eine Hauptschuld an der Zerriittung unserer kat, Ser schaft und unseres Geldmarktes tragen. Dabei len. unser Redner natürlich nicht, daß auch der Friede Süerte mn it und seine Nachwirkungen verheerend wirken. Aber paz 41 kapitalistische Kreise Deutschlands wissen auch daranz 2 1280 zu ziehen. Klar wies Robert Schmidt darauf hin, dag 8 die neue Dollarsteigerung systematisch von gewiß 10 kr kapitalistischen Schichten vorbereitet 55 worden sei. Halte sie an, so seien starke Preis hoh 6 und entsprechende Lohnerhöhungen unvermeidlich. ume renn schärfer arbeiteten sich die Gegensätze zwischen Arm ufer heraus. Unser Redner hielt den bürgerlichen Parteien 1 75 besonder den Demokraten, vor, daß sie noch im Nong d n. sich gegen die Markstützung erklärt hätten und erst seh m de aus politischen Gründen diese Aktion mitgemacht hätte uh d aus volkswirtschaftlichen Gründen von der Sozjalde 41 schon längst gefordert worden sei. Die unten plünderten Deutschland aus. Alle sogenannten Sihber, ständigen hingen so sehr an ihrem persönlichen Interese, daß auf ihr Urteil nicht viel zu geben sei. Diese Ehe, ständigen in Industrie, Handel und Bankwesen seien 4 t e die Ministerien beeinflussen. Wenn die Regierung dur in ch Industrie und dem Großhandel zu Kreuze krieche, u d die Folgen furchtoer ein. Schmißt erklärte sich gere ee Herabsetzung der Ausfuhrabgabe und uk gegen die Kreditwirtschaft der Reichsbank f zugunsten der Industrie und des Handels. 12 1 b Kartelle und Trusts und die sonstigen Großindustrieln u fir d Großhändler einen Teil von ihren Gewinnen opferten, ür, fat der den sie auch im Auslande konkurrenzfähig sein. Und en been
sie einen Teil ihrer Devisen, wie es jetzt ihre Pflicht abstoßen, würden sie auch nicht unter Kreditnot zu haben. Das Spekulantentum und die Preisdiktatur der Rohstoffverbände seien Deutschlands Unglück.
Aus dem reichen Zahlenmaterial, das Robert Schmid euß, häufte, erwähnen wir nur, daß in der Holzindustrie bi zum
Der Deserteur. 0
Roman von Robert Buchanan.
„Ich kann ein Ziel treffen.“
„Ich möchte auf eine Flasche guten Branntweins wetten, daß Du auf hundert Schritt Entfernung kein Scheunentor treffen kannst! Nichtsdestoweniger sollst Du Dein Glück ver⸗ suchen. Höel, gib ihm Deine Flinte; schieß zu, Fischer!“
„Auf was?“ ˖„Zum Teufel hinein, auf die Ziege! Ich will mal sehen, was Du kannst, Maulheld! Also, los!“ f
Mikel läßt sich mit fest zusammengekniffenen Lippen aufs Knie nieder, erhebt die Flinte und zielt. Er zielt so lange, daß Pipriac höhnisch ruft:„Wird's werden? Donner⸗ wetter, schieß doch, Kerl!“
Ein Schuß, ein Krach und die Kugel fliegt auf das ge⸗ gebene Ziel los. Einen Augenblick scheint es, als ob sie es verfehlt hätte, denn Jannedik steht noch auf demselben Platz und blickt erschrocken um sich. Hosl entreißt dem Schützen mit einer höhnischen Bemerkung das Gewehr, aber Pipriac ruft, aufwärts deutend:„Alle Teufel! Das arme Vieh ist getroffen— seht, es stürzt ab!“
Die Nische, in der Jannedik steht, ist breit. Das brave Tier sinkt auf die Vorderfüße, sie scheint wirklich angeschossen zu sein, denn sie meckert schmerzlich und wankt, rafft sich aber bald auf und läuft rasch der Grotte zu, in der sie als⸗ bald verschwindet.
Dreiundzwanzigstes Kapitel. Sieg!
Zum zweitenmal hatte Mikel Grallon mit seiner Schlau⸗ heit den Nagel auf den Kopf getroffen, denn Rohan lebte tatsachlich seit einigen Tagen ausschließlich von Ziegenmilch. Nach dem Tode ihres Zickleins war Jannedik verzweifelt in den Klippen umhergeirrt, denn die übervollen Euter ver ursachten ihr heftige Schmerzen. Da erbarmte sich der Halb⸗ verhungerte ihrer Not und saugte mit seinen Lippen den Ueberschuß an Milch aus, was Jangedik von ihrer physischen Qual erlöste, Rohan aber das Leben rettete. Don jenem Moment an besuchte die Ziege mehrmals täglie ze Grotte, um sich von ihrer schmerzhaften Last befreien zu lassen, und je öfter Rohan die Euter aussaugte, desto reichlicher floß die Milch. Nichtsdestoweniger war er sich über sein Schick⸗
sal klar. Der früher so kräftige, gesunde Jüngling war zum Gerippe abgemagert, sein Körper bestand aus Haut und Knochen; Hunger, verzehrender Hunger lauerte in seinen glanzlosen Augen. Er kauerte stundenlang wie ein hungern. der Wolf auf seinem Lager und starrte apathisch vor sich hin. Der Magen knurrte und das blutleere Hirn begann seine Tätigkeit zu versagen, denn Rohan sah allerlei Visionen vor seinen fieberhaften Augen tanzen. Von Zeit zu Zeit stieß er wilde, unartikulierte Klagetöne aus, die in dem düsteren Raum gar schauerlich klangen und ihn selbst erschreckten. So oft jedoch menschliche Stimmen aus der Tiefe zu ihm empordrangen, raffte er sich auf und war kraft des jedem Menschen innewohnenden Selbsterholtungstriebs auf seiner
Hut.
Auch der auf Jannedik abgefeuerte Schuß hatte ihn aus seiner Apathie aufgerüttelt, er sprang auf und starrte in die Tiefe, aber in der Kathedrale hörte man nichts als den gleich⸗ mäßigen Wellenschlag der steigenden Flut und das unruhige Geflatter der ein⸗ und ausfliegenden Seevögel. Beruhigt warf er sich wieder auf sein Lager, da Jannedik zu dieser ungewohnten Stunde in die Grotte kroch und meckernd zu seinen Füßen niederkauerte. Anfangs beachtete er das treue Tier gar nicht und brummte nur. wie es seine Gewohnheit war, halblaut vor sich hin. Seine Ausmerksamkeit wurde je⸗ doch durch die rauhe Zunge Jannediks, die seine Hand leckte, erregt. Er neigte sich zu ihr hinab, streichelte ihr den Kopf und flüsterte liebkosend ihren Namen; sie sah ihn mit weh⸗ mütigen Blicken an, meckerte schmerzlich und versuchte sich zu erheben, sank aber stöhnend zurück. Rohan sprang ent⸗ setzt auf, denn er hatte dort, wo Jannedik zusammengebrochen war, eine Blutlache entdeckt. Er kniete vok seiner treuen Freundin nieder und sah, daß sie aus einer tiefen Schuß⸗ wunde in der Schulter blutete. Tränen traten ihm bei die⸗ sem Anblick in die Augen; es war herzbrechend, die stummen Leiden des Tieres mit anzusehen.
Ein solches der Sprache entbehrendes Geschöpf fühlt kraft des feinsten Instinktes die Nahe des Todes und es liebt das Leben und klammert sich genau so daran wie der vernunft⸗ begabte Mensch. Kann man trockenen Auges bleiben, wenn man den schweren Todeskampf eines solchen Geschöpfes sieht? Muß einem da nicht der Gedanke auftauchen, daß es mit
ebenso schwerem Herzen aus dem Leben scheidet, wie wir,
daß es mit derselben verzweiflungsvollen Angst vor den un J n m
unverständlichen Rätsel des Todes steht? 42
Für Rohan war diese, in den letzten Zügen ligzende 85 10 Ziege eine treue Freundin und Gesellschafterin, lu noh 1 mehr, sein Trost und seine Rettung in den schwersten Slum. cat n den seines Leben gewesen. Solange sie kam und gie und nen un seinen Verkehr mit der Außenwelt vermittelte, fühlte r sich l doch nicht ganz verlassen. Wie oft hatte er seine Atnestü,. 15 lich um ihcen Hals geschlungen und seinem übervollen keren dach an ihrer Brust Luft gemacht! Ihr Grüße an seine Mutter ale! und Marcelle mitgegeben! Und sie hatte mit so hagen, Luhe traurigen Augen zu ihm aufgeschaut, als ob sie seinen—
losen Schmerz begriffe, hatte ihm zärtlich die Hände un daz A Gesicht geleckt, sich an ihn geschmiegt, als ob sie ihn der,
sichern wollte, daß sie auch weiter treu zu ihm halten werde 15 was die bösen Menschen ihm auch antun mochten. m0 sh war einige Stunden Ruhe in sein rebellisches Herz Mage 5 kehrt und er sah getröstet der Zukunft entgegen. Un jet le 10 lag Jannedit, sich bor Schmerzen windend zu seinen dien we
blickte mit ihren brechenden Augen wie hilfesuchend zu ihm empor und er konnte nichts für sie tun, mußte zusehn w der Lebensstrom aus ihrem Körper floh. Das war nehr al er ertragen konnte; mit einem Verzweiflungsschrei stinte a neben sie nieder, umklammerte ihren Hals und fine „O, Jannedik, Jannedik, verlaß mich nicht!“ 5
l
Die arme Ziege leckte ihm Hände und Gesicht, miert i noch einmal auf, lehnte ihren Kopf an seine Brut und soße hauchte ihren letzten Atem aus. hen
Rohan wagte nicht, sich zu rühren, die Där 1 d brach herein und er kniete noch immer neben seintr! age Freundin. Sein Gesicht war leichenblaß und er zittet ache Kopf bis zu Fuß. All seine persönlichen Qualen und eden gingen in dem großen Schmerz um den Verlust Janeditk dach auf. Er starrte sie mit einem Gefühl an, als ob ein 8 f
schuldig geopferter Mensch vor ihm läge, und verfluh Each Hand, die den Todesstoß geführt hatte. Wilde Verz weng 10
erfaßte ihn; er vermochte kein Glied zu rühren, lc; marterten die furchtbarsten Rachegedanken sein arm 2. und verdüsterten es wie Sturmwolken den Himmel. e
(Sortsezung folat e


