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seondern lediglich den deutschen Kapitalisten, Nicht die mehr ondern die Wirkung. Selbst wenn nur der deutsche Kapi⸗
HPndern ausschließlich den deutschen Arbeitern. Aktion
f ler ihren Pakt machen,
14 Unterdrückung verbunden hat, stellen wir fest,
schwerster
Bahuhoffraße 23
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berhessische
Saltlon: gießen
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Organ für die Inieressen des werktätigen Volkes ; der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Nr. 45
Gießen, Freitag, den 23. Februar 1923
85 Ruhrlamyf und Gewerkschaften.
Zur Vortragsreise Edo Fimmens.
Der Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Genosse Edo Fimmen aus Amsterdam, hat in den letzten Tagen in einer Reihe deutscher Großstädte, zuletzt am 16. Februar in Berlin, Vorträge gehalten über die Weltlage im Hinblick auf die Ruhrbesetzung, um das einigermaßen passive Verhalten der Gewerkschaftsinternationale zu erklären und für die Vertiefung des Gedankens der internationalen Soli⸗ darität zu wirken. Seine interessanten Ausführungen wären in mancherlei Beziehungen einer näheren Erörterung wert. Wir wollen hier jedoch nur auf einen Irrtum aufmerksam machen, der die deutsche Arbeiterschaft in eine taktische Zwick⸗
mühle bringen müßte, zu der wirtschaftlichen Zwickmühle, in
der sie sich ohnehin befindet.
Die deutsche Arbeiterschaft weiß längst und vergißt keinen Augenblick, daß sie in einem unüberbrückbaren Gegen- satz zur kapitalistischen Wirtschaftsordnung steht, die durch das Unternehmertum vertreten wird. Sie hat aus dem Kriege zunachst einmal die Konsequenz gezogen, den Mili⸗ tarismus, die stärkste Stütze des Kapitalismus, in Deutsch⸗ land zu beseitigen. Es mag dies kein besonderes Verdienst
sein nachdem der deutsche Militarismus im Weltkrieg Schift⸗
bruch erlitten hatte. Es soll auch kein Vorwurf sein gegen die Arbeiterschaft der übrigen Länder, die heute einen stärkeren militaristischen Apparat aufzuweisen haben als vordem, da es weniger leicht ist, den Militarismus in seiner vollsten Blüte niederzuringen, als in seiner Ohnmacht. Die Tatsache steht aber jedenfalls fest, daß der ehedem als schier unüberwindlich geltende, riesige Machtapparat des deutschen
4 ö 5 N nicht mehr besteht.
Um so weniger vermag nun die deutsche Arbeiterschaft sich mit dem Einbruch des französischen Militarismus abzu⸗ finden, der seit Jahren das Rheinland, das Saargebiet und die Rheinpfalz beherrscht, und nun auch das Ruhrgebiet und das badische Land vergewaltigt. Der Militarismus kann uns nicht weniger verhaßt sein, weil es jetzt der französische und belgische Militarismus ist, der uns bedrückt. Der Ein⸗ vand, sein Vorgehen gelte nicht den deutschen Arbeitern, ist hinfällig. oder minder üble Absicht ist maßgebend, talismus geschlagen werden soll, wird weniger dieser als bvielmehr die Gesamtheit der deutschen Arbeitnehmerschaft ge⸗ troffen werden.
1 4 1 1 Nun sagt man uns, daß es der Gewerkschaftsinternatio⸗
ale zwar nicht möglich ist, infolge der ungünstigen wirt⸗ chaftlichen Verhältnisse auch in den Siegerstaaten, uns von sem doppelten Druck, der auf uns lastet, zu befreien, daß man safür aber bereit sei, uns materiell und, soweit wie möglich, euch aktiv zu unterstützen. Wir erkennen das an und nehmen lie Dinge wie sie sind.
Fimmen vertritt nun die Auffassung, daß die Ruhr⸗ lesetzung den deutschen Unternehmern überhaupt nicht gelte, Die ganze f sei gewissermaßen ein gemeinsames Unternehmen des französischen und des deutschen Kapitalismus, die hinter⸗ r falls er nicht schon verabredet sei. Vir hätten demnach den deutschen und den französischen Lapitalismus im Ruhrgebiet gegen uns, verstärkt durch den französischen Militarismus. Ohne darüber zu streiten, ob
es richtig ist, daß sich der Kapitalismus in Deutschland und
ir Frankreich mit dem französischen Militarismus zu unserer daß wir gigenblicklich nicht nur pom Kapitalismus, sondern auch in Weise vom Militarismus bedrückt sind. In dieser Situation weiß man uns keinen anderen Rat, den, den deutschen Kapitalismus in Deutschland nieder⸗ ztringen und damit den Arbeitern der übrigen Länder mit gutem Beispiel voranzugehen, um sie dadurch zum Kampfe gen den Kapitalismus in ihren Ländern zu ermuntern und sie zu unserer Unterstützung anzuspornen und zu befähigen. Wir müssen schon gestehen, daß hier etwas von der utschen Arbeiterschaft gefordert wird, was ihr, gemessen an ber ungleichen Verteilung der Kräfte, nicht wohl zugemutet berden kann was weiter aber uns auch aus andern Gründen icht recht einleuchtet. Als erster Erfolg käme nämlich im ten Falle dabei eine Ablösung des deutschen vom fran⸗ hischen und belgischen Kapitalismus heraus. Da der Kapi⸗ aismus in allen Ländern auf gleicher Kulturstufe sich ich ist, kann der französische Kapitalismus um kein Haar ser sein als der deutsche. Der Tausch, den wir machten, bare also zwecklos. Möglich, daß es uns gelänge. den Kapitalismus in kutschland, zumal unter gefälliger Mitwirkung des aus⸗ Indischen Militarismus, im Ruhrgebiet niederzuringen. Wir
als
Bern,
13. Jahrgang
Ihr tötet nicht den Geist!
Abzug der Frauzosen aus Gelsenkirchen.
Dienstag vormittag zwischen 9 und 10 Uhr hat die französische Besatzung unter Zurücklassung der bereits vor der Strafexpedition dagewesenen Besatzung Gelsenkirchen in der Richtung Buer-Recklinghausen wieder verlassen. An Stelle der nicht erlegten Geldbuße von 100 Millionen Mark haben die Franzosen alle requirierten Sachwerte mitgehen heißen. Auf dem Hauptbahnhof Gelsenkirchen ist der Dienst bereits wieder aufgenommen. Post und Schutzpolizei nahmen mittags ihren Dienst wieder voll auf.
Stadtbaurat Ahrends hatte mit General Schuler eine Besprechung, in der der General in einer kurzen offiziellen Ansprache erklärte, daß die französischen Truppen Gelsen⸗ kirchen verlassen würden, da die 100 Millionen Mark Buße von ihnen zusammengebracht worden sei. Dieser Betrag setzte sich aus 83 Millionen städtischen Geldes und 17 Mil⸗ lionen Mark von der Eisenbahn zusammen. Ahrens erhob schärfsten Protest gegen die Eingriffe der Franzosen. General Schuler nahm den Protest zur Kenntnis.
Das von der französischen Besatzung von der Stadt Gelsenkirchen beschlagnahme Notgeld des Handelskammer⸗ bezirks Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen, Herne und Witten ist bereits abgelöst und sollte nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Vor der Annahme dieses Geldes wird gewarnt. Ein kurzfristiger Aufruf dieses Geldes erfolgt demnächst.
Mittwoch abend sind Beamte der Gelsenkirchener Schupo, die in Recklinghausen noch festgehalten worden waren, zurück⸗
gekehrt, Sie wurden durch das Los bestimmt. Es befinden
sich immer noch 6 Mann der Gelsenkirchener Schupo in Ge⸗ fangenschaft. Essen ohne Schupo.
In der Nacht wurde eine erschreckende Anzahl von Ueberfällen in der Innenstadt ausgeführt, ohne daß die Täter festigenommen werden konnten. Die Besetzung des hiesigen Polizeipräsidjums dauert an. Wie wir erfahren, haben die französischen Soldaten dort bös gehaust. Sie beschlagnahmten alle Waren, die non der Wucherpolizei dort aufgestapell worden waren. Die Kleider der Beamten wurden einfach gestohlen. Was für die Besatzungssol⸗ daten wertlos war, wurde verbrannt. Ebenfalls wurden 40 Polizeipferde, zum Teil sehr gutes Pferdemgterial, beschlagnahemt.
Piratenstück im unbesetzten Gebiet.
Ein neues französisches Piratenstück wird erst jetzt be⸗ kannt. Danach haben die Franzosen in Mannheim am 16. Februar den leeren und unbewachten Kahn„Hedwig“ und am 17. Februar den Kahn„Klara“, die im offenen Neckar lagen, beschlagnahmt und weggeschleppt. Der Kahn„Hed⸗ wig“ ist ein Gesellschaftskahn und in Oberhausen beheimatet. Er war besetzt von einem Schiffer Waldorff von Hirschhorn. Zurzeit der Kaperung befand sich niemand auf dem Kahn. Eigentümer des Kahns„Klara“ ist der Schiffer Gg. Hapting in Nierstein, der samt dem übrigen Schiffspersonal mitge⸗ nommen wurde. Es handelt sich hier um einen nackten Raub von Privateigentum. Der Vorfall ist umso unerhörter, weil er auf unbesetztem Gebiet sich abspielte.
Die Versuche im Offenburger Bahnhof.
Die Franzosen suchten den Vorsteher der Bahnmeisterei II Offenburg zu veranlassen, die Bahnunterhaltungsarbeiten wieder aufzunehmen oder für französische Arbeiter Geräte abzugeben. 0 Offiziere durchsuchten die Wohnung des stellv. Dienst⸗ vorstandes der Station Offenburg und Windschläg ergebnislos nach Plänen der Statsonsanlagen.
bierten sie einige Weichen im Stellwerk. Soweit festgestellt wer⸗ den konnte, entwendeten sie aber nichts.
Die Lage in Recklinghausen.
In Recklinghausen wurde der Polizeimajor Lebke, als er in Zivil über die Straße ging, von den Franzosen verhaftet.
Nachmittags drangen mehrere Franzosen in das Möbel⸗ und Bureaubedarfsgeschäst Petersen ein und versuchten, einen Kassen⸗ schrank mitzunehmen. Vor kurzem hatten sie mehrere Bureau⸗ möbel beschlagnahmt.
Der gefährliche Tell.
Mittwoch abend ist in Bochum die Tell⸗Aufführung ver⸗
boten worden. 5 ö
Vor neuen Maßnahmen?
Vom Quai d'Orsey wird folgender offizieller Bericht ausgegeben: Theunis, Poincaré, Joch und andere Persön⸗ lichkeiten haben über die Ruhrfrage verhandelt. Die Frage der Ausfuhrbewilligung, der Abgaben und Steuern, der Transporte, der Währung und vieler andere Maßnahmen, die im Falle, daß Deutschland weiter Widerstand leisten sollte, zu ergreifen sind, waren Gegenstand der Beratungen. Zwischen Belgien und Frankreich war eine völlige Ueberein⸗ stimmung zu erzielen.
Vergebliche Liebesmüh.
Am Mittwoch wurde in Essen eine Bekanntmachung der fran⸗ zösischen Militärbehörde angeschlagen, in der mitgeteilt wurde, daß das Ausfuhrverbot für Produkte und Nebenprodukte der Schwer⸗ industrie sich nicht gegen die Arbeiterschaft richte. Die französische und belgische Regierung lege Wert darauf, dies zu betonen. Diese Maßnahmen richteten sich vielmehr gegen die Berliner Regierung und gegen die Schwerindustrie selbst. Die Besatzungsbehörde habe Vorsorge getroffen, daß die Lebensmitteleinfuhr absolut frei sei. Am Schluß der Bekanntmachung heißt es: Das deutsche Volk hat es in der Hand, ob es der Regierung auf dem Wege folge, der zum Ruin führe.
Ein französisches Werbebureau.
Die Franzosen haben in Düsseldorf ein Werbebureau beson⸗ ders für Essenkapner eingernlel. der Erfolg ißt sehr gering. Es meldet sich höchstens Gesindel, das früher einmal bei der Eisenbahn war, aber entlassen worden ist. Bei Schichtwechsel sammeln sich stets große Scharen von Arbeitern, um ihrer Empörung Ausdruck zu geben vor dem Gebäude. Diese Ansammlungen werden bezeichnender Weise von Photographen aufgenommen. Der Zweck dieser Auf⸗ nahmen ist nur zu durchsichtig. Gegen die daraus entstehende Lügen⸗ propaganda muß schon jetzt Stellung genommen werden. 0
Proteststreik in Dorsten. Der Post⸗ und Telegraphenbetrieb in Dorsten ruhte 24 Stunden zum Protest gegen die Ausweisung des Dorstener Oberbürgermeisters. 0 Aus Herne.
In Herne hatten die Franzosen die bekannten Plakate ausge⸗ hängt, in denen sie jedermann ihres Schutzes versichern, der sich in den Dienst der französischen Sache stellt. Die Ladeninhaber sollten
gezwungen werden, diese Plakate in ihren Läden auszuhängen. In⸗ solgedessen waren in Herne keine Geschäfte geöffnet. Die Eisen bahner bleiben fest. Eine Versammlung der Gewerkschaften deutscher Reichs⸗
beamten und der Gewerkschaften für technisches Eisenbahnwesen faßte eine Entschließung, in der es heißt:
„Aller Gewalt, allen Verhaftungen, Bestrafungen und Aus⸗ weisungen zum Trotz wird die Eisenbahnbeamtenschaft niemals bei einer fremden Militärmacht Dienste verrichten. Die Eisen⸗ bahnbeamtenschaft wird nicht eher die Abwehr einstellen, bis die
Im Dienstzimmer des Bahn⸗ fremden Truppen das Einbruchsgebiet geräumt haben. Die hofvorstandes erbrachen sie verschiedene Schränke usw. Auch pro⸗! fremde Gewalt wird eine zähe deutsche Abwehr finden.“ CC ͤ Aen. C Nn nr.
hätten dann die Position des Kapitalismus und des Mili⸗ tarismus in Frankreich und Belgien gestärkt, ohne etwas dabei zu gewinnen. Da schließlich aber der Kapitalismus in diesen Ländern mit dem in Deutschland seinen Frieden und seinen Pakt macht, hätten wir eine Sysiphusarbeit geleistet.
So sehr wir jede Unterstützung durch unsere Gewerk— schaftsgenossen im Auslande anerkennen, so sehr sind wir auch genötigt, gutgemeinte Ratschläge, die man uns erteilt, sorgfältig zu prüfen. Die deutschen Gewerkschaften sind in Kämpfen nicht ganz unerprobt und unerfahren, sie haben bisher gezeigt, daß sie es den gegebenen Verhältnissen ent— sprechend verstanden haben, die Kampfmittel zur Anwendung zu bringen, die ihre Gegenwehr erfordert und ermöglicht. Sie werden nach wie vor im Kampfe gegen die kapitalistische Wirtschaftsweise ihren Mann stehen, augenblicklich aber ist ihre größte Sorge, den Militarismus im Lande wieder los zu werden. f
Die deutschen Zustände sind heute von denen eines normalen wirtschaftlichen Lebens weit entfernt. Sie stehen vollständig unter dem Einfluß der Ereignisse an der Ruhr und des durch sie unvermeidlich gewordenen Abwehrkampfes. Absatz. und Produktionsmöglichkeiten sind unbestimmbare Größen geworden, die sich nicht auf Wochen, kaum auf Tage
im voraus übersehen lassen. So muß sich auch die gewerk⸗ schaftliche Arbeit den unnatürlichen, krampfhaft veränderten Verhältnissen anpassen, um auch unter ihnen ihrer Aufgabe, die Interessen der Arbeitnehmer zu schützen, gerecht zu wer⸗ den. Gilt das schon für die Tagesarbeit, so gilt das noch mehr für jede Arbeit auf lange Sicht, für die Durchführung großzügiger sozialer Reformen, die nur bei stärkster Kon⸗ zentration möglich ist, durch gewaltsame Erschütterungen von außen her aber auf das ernsteste gefährdet wird.
Der brutale Vorstoß des französischen Militarismus hat somit unseren Kampf gegen den deutschen Kapitalismus aufs äußerste erschwert. Um diesen Kampf mit ganzer Kraft und besten Aussichten auf Erfolg führen zu können, bedürfen wir nicht so sehr freundschaftlicher Ratschläge wie der Be— freiung bon den Fesseln, die der Imperialismus Frankreichs uns auferlegt hat. Wir betrachten den Kampf, den das Ruhrproletariat jetzt zu führen hat, als eine Angelegenheit nicht nur der deutschen Arbeiter, sondern der Arbeiter⸗ bewegung der ganzen Welt. Die deutschen Arbeiter, und besonders die an der Ruhr sind es aber, die jetzt vorne im Feuer stehen; sie müssen die ihnen zweckmäßig erscheinende Taktik selber bestimmen.
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