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Verhafteten zu fordern und zu erklären, daß sich die deutsche 1 55 sämtliche Ansprüche wegen Genugtuung vor⸗ beha
Die Stimmung in Amerika.
Im Washingtoner Senat herrscht ein Gärung wegen der rätselhaften Auslandspolitkik Hardings. Der frühere Rheinlandkommissar Noyes fordert Amerika und England auf, in vereinter Front gegen Frankreichs Ruhrpolitik ein⸗ zuschreiten.
Politische Uebersicht.
Pariser Moratoriumsgespräche.
Poincaré hatte am Sonntag morgen eine lange Be- sprechung mit dem Kriegsminister, dem Minister Le Trocquer, dem Finanzminister und dem Minister für die be⸗ freiten Gebiete Reibel. Ebenso nahm Barthou, der Vor- sitzende der Reparationskommission, an der Sitzung teil. Nach einer Prüfung der gegenwärtigen Lage im Ruhrgebiet, über die Poincaré längere Mitteilungen machte, unter- breitete er das Programm der französischen Regierung für die Behandlung des Moratoriums durch die Reparations- kommission als Antwort auf das deutsche Stundungsgesuch vom 13. November für die Barzahlungen für 1923 und 1924. Bekanntlich hat die Reparationskommission die Entscheidung über dieses Moratorium vom 15. auf den 31. Januar ver⸗ schoben. Mitte dieser Woche werden die entscheidenden Sitzungen in der Reparationskommission beginnen. Bradbury tritt nicht zurück.
Der Observer teilt mit, daß Sir John Bradbury sein Amt in der Reparationskommission während der Dauer der gegenwärtigen Krisis auf keinen Fall niederlegen wird.
2 Bahyerische Sorgen.
a Die halbamtliche Korrespondenz Hoffmann hatte von„maß⸗ gebender Stelle des Reiches“ eine Mitteilung gebracht, in der die Versuche, die Einwohnerwehr in Bayern zu beleben, aus außerpolitischen Rücksichten abgelehnt wurden. Der Regensburger
Anzeiger, das Organ des Abg. Held, wendet sich nunmehr heftig
gegen Herrn v. Haniel, den Vertreter des Reiches in München, den er für den Urheber der offiziösen Mitteilung hält. Das Blatt sagt u. a.:„Der Reichsvertreter soll eine ausgesprochen diplomatische Funktion in München ausüben. Nicht mehr und nicht weniger. In offiziöser Weise, wie es hier in der Presse geschieht, zu politischen Fragen Stellung zu nehmen, gehört nach diplomatischen Gepflogen⸗ heiten nicht zu den Aufgaben des Gesandtschaftsdienstes. Geschieht das trotzdem, wie in diesem Falle, so kann die Vermutung entstehen, daß sich der betreffende Diplomat weniger als Diplomat, sondern als eine delegierte Amtsnebenstelle der Reichsregierung in München fühlt. Würde der neue Reichsvertreter solche Auffassungen über seine Stellung und seine Mission hegen, so würde das sehr bald zu unlieb⸗ samen Reibungen führen. Denn die Reichs vertretung ist für Bayern nur dann erträglich(1), wenn sie sich von allem Schein fernhält, gewissermaßen als Aufsichtsorgan() des Reiches fungieren zu wollen. Eine Orientierung bei den maßgebenden Stellen hätte die ganze Aktion der Reichsstelle wahrscheinlich unnötig gemacht, denn es hätte sich dabei wohl herausgestellt, daß die Pläne, die man hegt, auch der neuen außenpolitischen Lage durchaus Rechnung tragen.“ Das Blatt erklärt dann noch zum Schluß:„Wir müssen den Mut zur Wiederbelebung des Wehrgedankens in Deutschland finden, weil wir erst wieder ein wehrhaftes Volk werden müssen, bevor der Tag der Rettung anbrechen kann. Die Not des Vaterlandes zwingt dazu, dieses Bekenntnis laut auszusprechen.“
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und umgebung.
Geschichts kalender. 23. Januar:
1904 Die Stadt Aalesund in Norwegen wird durch Feuer nichtet; 12 000 Obdachlose.
ver⸗
1908 Skandalprozeß gegen Graf Lynar und Graf Hohenau(wegen
5 8 175), Hohenau freigesprochen, Lynar 1% Jahre Gefängnis.
1909 Erdbeben in der Provinz Luristan in Persien: 60 Ort⸗ schaften zerstört.
1921 Der Mediziner Prof. Wilhelm Waldmeyer gestorben.
1922 Tschechoflowakischer Gewerkschaftskongreß in Prag.
—
Die Regierungsfrage.
Die deutschnationale Hessische Landeszeitung überschlägt sich förmlich vor Wut über die Zurückziehung des Ent— lassungsgesuches von Finanzminister Henrich. Während sie noch vor 14 Tagen in ihrem dreckig⸗überheblichen Tone der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, die Sozialdemokratie werde aus seiner Agitationsbegierde dumm genug sein, nicht vernünftig zu sein, zetert das Blatt— obgleich die ganze Sache die Herrschaften um Kindt doch bei Haut und Haaren nichts angeht— jetzt über die„Verschleppungstaktik der Sozialdemokratie“ und über„Sabotierung der Koalitions— erweiterung“, beschimpft den von rein vaterländischen Grün⸗ den bedingten Entschluß des Finanzministers als„Affen— theater“ und den Parlamentarismus als„besseren Humbug“. Man merkt natürlich auf Anhieb die edle Absicht, das Zentrums und die Deutsche Volkspartei gegen die Sozial demokratie scharf zu machen.
Ob das gelingen wird kann unsere Fraktion in Seelen⸗ ruhe abwarten. Die Zentrumspresse übt bis jetzt größte Zurückhaltung und auch das Blatt des Herrn Dingeldey be⸗ fleißigt sich einer anerkennenswerten Objektivitat. Was über die weitere Entwicklung der Dinge zu sagen ist, haben wir am Samstag bereits kurz und deutlich ausgesprochen. Das Zentrum bleibt auf seiner Forderung der großen Koali⸗ tion besthen.
Bemerkt sei heute nur noch, daß sowohl der Darmstädter Volksfreund wie die Mainzer Volksztg. mit uns in der Be— urteilung der Lage einig sind, besonders in der Auffassung, daß es am Zentrum liegen wird, ob neue Erschütterungen vermieden werden können. Wir haben die Hoffnung, daß sie vermieden werden können. Uebrigens beruht eine Dar- stellung, die wir in der Frankfurter Volksstimme über den Ablauf der Krise lasen, auf ebenso falschen Informationen wie die daraus gezogenen Folgerungen.
Nationalistische Mordbuben.
Wie unser Kasseler Parteiblatt mitteilt, sind dem Ge⸗ nossen Oberblürgermeister Scheidemann in jüngster Zeit von zwei verschiedenen amtlichen Stellen aus ganz offiziell neue Warnungen vor beabsichtigten Atten⸗ taten zugegangen. In einem Falle handelt es sich um gewisse Vorbereitungen in Hamburg, in dem zweiten Falle um Mitteilungen aus der Reichshauptstadt. Die neuerdings bei Scheidemann wieder eingelaufenen Droh⸗ karten und briefe lässen erkennen, wie gemeingefähr⸗ lich die Hetzereien in der nationalistischen Presse sich all⸗ mählich auswirken. Am bemerkenswertesten ist die Wieder⸗ kehr des Vorwurfs, daß Scheidemann den Friedensvertrag unterzeichnet habe. An diesem Beispiele zeigt es sich, wie niederträchtige Bosheit und Dummheit schließlich zusammen⸗ wirken. Denn die Zeitungsschreiber, die fortgesetzt auf„die verdorrte Hand“ hinweisen, wissen ganz genau, daß Scheide⸗ mann heftigster Gegner der Unterzeichnung des Friedens- vertrages gewesen ist, ihn auch nicht unterzeichnet hat, vielmehr gerade dieser Differenz wegen sein Amt als Ministerpräsident verließ. Die dummen Jungen aber, die von alledem aus eigener Erfahrung nichts wissen, ziehen immer wieder aus den mehr oder weniger versteckt gemachten Vorwürfen in der genannten Presse ihre tollhäuslerischen Schlüsse.
Am Samstag ist Scheidemann noch eine dritte amtliche Warnung zugegangen, in der vor einem Münchener Studenten gewornt wird, der schon auf der Reise nach Kassel sein soll.— Diesen Mordbuben müßte ihr wegelagerisches Handwerk gründlich gelegt werden. ebenso aber auch den Hetzern von der deutschvölkischen Couleur.
Die Beschlagnahme der Wälder durch die Franzosen wird nunmehr aus fast allen Bezirken gemeldet. Die be⸗ schlagnahmten Holzgelder in Groß-Gerau wurden inzwischen dem Finanzamte wieder zurückgegeben. In Mainz hat die Reichsbank ihre Schalter wieder geöffnet, doch dauert die militärische Besetzung an.
— Aus deu Schulsammlungen für die Nothilfe Hessen ist dank der rührigen Tätigkeit der Lehrer und der Opfer⸗ freudigkeit in allen Gemeinden bisher bei dem Landes- ausschuß der Nothilfe Hessen die stattliche Summe von 1 368 876 Mk. eingegangen; außerdem wurden dem Landes- ausschuß durch die Schule Altenschlirf 3 Zentner Gerste zur Verfügung gestellt. Von den Spenden ist bereits ein erheb⸗ licher Teil den Ortsausschüssen besonders bedürftiger Städte und Gemeinden alsbald unter entsprechender Berücksichti⸗ gung der Leistungen in diesen Bedarfsgemeinden selbst un⸗ mittelbar weiter überwiesen worden.
— Wahlverein Gießen. Die am Freitag abgehaltenen Mit⸗ gliederversammlung war sehr zahlreich besucht. Ihr lag eine umfangreiche Tagesordnung vor, die aber in verhältnis⸗ mäßig kurzer Zeit erlediat wurde. Nachdem der Vorsitzende Maier die Versammlung mit einem kurzen Bericht eingeleitet hatte, in der er das Verhalten unserer Partei am Orte in Bezug auf die Protest⸗ aktionen wegen Besetzung des Ruhrgebietes besprochen und gerecht⸗ fertigt hatte erstattete der Kassierer Ottilie den Kassenbericht für das letzte Viereljahr. gegen den kelnerlei Einwendungen erhoben wurden. Es ging daraus jedoch hervor. daß die bisher aufgebrachten Mittel nicht ausreichen um die Aufgaben zu erfüllen, die jetzt der Partei obliegen. Vesonders haben die Wahlen im Herbste erheb⸗ liche Kosten verursacht. wodurch die Parteifinanzen stark in An⸗ kpruch genommen wurden. Deshalb ergeht das Ersuchen an die Parteifreunde, die dazu in der Lage sind, die Partei nach Möglichkeit finanziell zu unterstützen.— Die Vorstandswahl er⸗
ledigte sich ziemlich rasch durch Wiederwahl fast aller bisher im
Vorstand tätigen Genossen. Nach erfolgter Wahl der Preßkom⸗
mission wurde die Beitragsfrage erörtert und nach längerer Debatte beschlossen. den wöchemlichen Beitrag für Januar auf
30 Mark für männliche und 10 Mark für weibliche Mitglieder sestzufsetzen. Wer jedoch über ein reicheres Einkommen verfüge, olle 50 Mk. Beitraa leisten.— Hierauf wird die Reihe der Bildungs vorträge bekanntgegeben, die für die näch soen Wochen vorgesehen sind und am Donnerstag beginnen. Es wird beschlossen, dafür Tellnehmerkarten für alle Vorträge zu 60 Mark und solche sür die einzelnen Vorträge zu je 10 Mark auszugeben. — Am Schluß der Versammlung nimmt Mann Veranlassung einen in der kommunistischen Südwestdeutschen Arbeiterzeitung er⸗ hobenen Angriff auf die sozialdemokratische Stadtverordneten⸗ fraktion zurückzuweisen. Die Kommunisten beklagten sich dort darüber daß man ihnen keine Vertretung in den Ausschüssen zu⸗ gebilligt hätte. Redner leat dar, wie sich die Sache in Wirklichkeit verhält. Es sei vorher beschlossen worden, daß die Mindeststärke einer Fraktion fünf Perso nen sein muß. Für diesen Be⸗ schluß haben auch die Kommunisten gestimmt. Zu den Ausschüssen und Deputationen macht jede Fraktion ihre Vorschläge und stellt dazu soviel Mitglieder wie ihr im Verhältnis zu ihrer Stärke zufallen. Die Kommunisten sinnd 3 Mann stark. konnten also keine Fraktion für sich allein bilden, versäumten es aber auch, sich einer anderen Fraktion anzuschließen. Bei der Wahl merkten sie diesen ihren Fehler, nun erheben sie gegen andere Leute unberechtigte Angriffe. Rebner will diese Tatsachen der Versammlung mit⸗ teilen damit unsere Genuossen unterrichtet sind. Nach einer weiteren Mitteilung Mann's über die Lösung der Reglerungskrise in Hessen erfolgte Schluß der Versammlung.
— Ausbeutung des„möblierten Zimmerherren. In letzter Zeit häusen sich die Klagen der Mieter von möblierten Zimmern über die Ueberforderungen, deren sie von Seiten der Vermieter ausgesetzt sind. Vielsach stebt der ledige Mensch im Mittelpunkt der Ausbeutung. Oft wird er dazu benützt. um auf seinen Rücken all die Lasten abzuladen, de unsere teuere Zeit den Wohnungs- inhabern aufbürdet. Der ledige Meusch, der nicht das Glück hat. seine Füße unter der Eltern Tisch behaglich ausstrecken zu können, ist vielsach ein Ausbeutungsobjekt sondergleichen geworden. Es soll jedoch nicht verkannt werden daß der Zimmervermieter auch mit der ungeheuren Teuerung zu rechnen hat und dementsprechend Forderungen an den Zimmerherrn oder das Zimmerfräulein zu stellen gezwungen ist. Daß aber rücksichtslose, durch nichts zu rechtsertigende Uebertreibungen vorkommen. ist eben Tatsache und nachstehende Rechnung ener Vermieterin an ihren Zimmerherrn bestätigt die un verschämte Ausbeutungswut wieder von neuem. Die Rechnung lautet nach dem Karlsruher Volksfreund: 2
Rechnung für Monat Dezember:
Das leere Zimmer 1800 Mk., oberes Leintuch 250 Mk., unteres Leintuch 200 Mk. zwei Kopfkissen 240 Mk., Ueberzug 300 Mk., drei Handtücher(vom Mieber gestellt) 150 Mk., Ab⸗ nützung für Wäsche 500 Mk. Roter Teppich 300 M. Abnützung für Bodenteppich 300 Mk. Kanuapee uw. 1000 Mk., Uhr ölen und reparieren 1500 Mk. zwei Mittagessen 800 Mk., zwei Abend⸗ essen 600 Mk., ein Mittagessen 300 Mk. 5 Wochen Abendessen gerichtet 2000 Mk. Salz. Pfeffer. Zwiebeln 100 Mk., Licht für September(345) Oktober(230), November(450), 1025 Mk., Nermel geflickt 100 Mk. zwei Knöpfe sestgenäht 200 Mk., Gas und Oel 2325 Mk. Summa 13 Mk.
Bemerkt muß werden daß zu den Essen ber Zimmer, herr das Fleisch selbst stellte und die Vermieterin jedes mal mitgegessen hat. Diese Rechnung ist doch ein typisches Beispiel dafür, daß mancher„möblierte Zimmerherr“ schamlos ausgebeutet wird und daß es nicht nur unverschämte Haus besitzer gibt, sondern auch unverschämte Unter vermieter.
— Gießener Mieterverein. Die am Donnerstag abend in der Turnhalle der Oberrealschule stattgehabte Miigliederversammlung war sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende, Herr Weißbäcker, eröffnete die Versammlung mit Worten des Dankes an die Direl⸗ tion der Oberrealschule für die beꝛeitwillige Ueberlassung des Saales. Er sowohl wie der folgende Nedner, Neallehrer Heber⸗ mehl, nahmen Stellung zu dem Bericht über die kürzlich statt⸗ gefundene Versammlung des Hausbesitzerrereins. Herr Heber⸗ mehl wies besonders darauf hin, daß die Vertreter des Mieter⸗ vereins niemals verlangt haben, die Wohnungsbauabgabe in die Hundertsätze einzurechnen, wie in dem erwähnten Bericht be⸗ hauptet wiro. Er gab des weiteren Aufklärungen über die bis jetzt erlassenen Ausflih rungsbestimmungen zum Neichsmieten⸗ gesetz.— Hieran schloß sich ein Referat des Justizinspeklors Schröder, das sich haupfächlich auf die zurzeit gültigen miet⸗ rechtlichen Bestimmungen erstreckte und Aufklärung insbesondere, darüber gab, unter welchen Voraussetzungen und von welchem Zeitpunkte ab die Reichs miete verlangt werden kann. Er schloß mit der Bemerkung, daß mit Rücksicht auf die trostlose wirt⸗ schaftliche Lage nur noch die Gemeinwirtschaft im Wohnungs⸗ wesen uns Rettung bringen kann.— Beide Redner erklärten libereinstimmend, daß es bedenklich für die Mieter sei, die von dem Hausbesizerverein gedruckten„Nachträge“ zu den Mietver⸗ trägen zu unterschreiben Nach diesen Formularen wird zwar die Miete nach dem Reichsmietengesetz berechnet; jedoch braucht der Hausbesitzer kein Hauslonto anzulegen, sondern verpflichtet sich nur, die Reparatuzen vorzunehmen, soweit der Instand⸗ setzungszuschlag ausreicht. Das ist jedoch nicht die Absicht des Reichsmietengesetzes. Außerdem hat bei einer solchen„freien Vereinbarung“ der Mieter nicht die Möglichkeit, im Falle der Verweigerung der Vornahme von Instandsetzungsarbeiten die Instandsetzungsstelle anzurufen und ferner bei großen Instand⸗ setzungsarbeiten mitzubestimmen. Allerdings hat der Mieter, der eine solche Vereinbarung eingegangen ist, jederzeit das Recht, dem Vermieter schriftlich zu erklären, daß er die Miete nach dem Reichsmietengesetz bezahlen werde; von dem nach§ 565 B. G. B. für eine Kündigung vorgesehenen Termin ab gilt dann das Reichsmietengesetz trotz der„freien Vereinbarung“.— Techniker Prümmer gab dann noch interessante Aufklärungen darüber, wie ein Modus gefunden werden könnte, künftig die Hundertsätze an Hand von Inderzifsern ohne Schwierigkeiten zu bestimmen. Er wies ferner nach, an Hand sorgfältiger Berechnungen, wie sich bei Inanspruchnahme der„Sozialen Bauhüte“ für Herstellungs⸗ arbeiten ganz bedeutende Ersparnisse erzielen ließen. Mit einer kurzen Aussprache schleß die Versammlung, in der sich wiede e einmol gezeigt hat, welch' gewaltige Arbeit der Vorstand im Interesse der Allgemeinheit in uneigennütziger Weise leistet.
— Totenbestattung durch die Gemeinde. Wie aus Rüssels⸗ heim a. M. berichtet wird beschloß der dortige Gemeinderat auf Antrag der sozjaldemokratischen Fraktion einstimmig, fäme⸗ liche Veerdigungskosten der Ortseinwohner auf die Gemeindekasse zu übernehmen. Das Hol; für die Särge und Kreuze wird un⸗ entgeltlich aus dem Gemeindewald gestellt. Die Herstellung der Särge wird von der Gemeinde in Submission vergeben und ge⸗ schieht auf Vorrat. Ebenso ist das Fahren des Leichenwagens und die Herstelluna des Grabes für die Hinterbliebenen unent⸗ geltlich.— Die hierdurch entstehenden Kosten werden aber nur finanziell gutgestellte Gemeinden zu tragen in der Lage sein. Andere werden nicht umhin können, für Erfüllung derartiger Aufgaben eine Gebühr von allen Steuerpflichtigen zu erheben in der Form etwa, daß die ganze Gemeinde eine Art Versicherungs ⸗ verein für den Sterbefall darstellt.
— Die Bildungs vorträge, die vom Wahlverein Gießen
veranstaltet werden, beginnen, wie gestern bereits bekannt ge⸗ geben wurde, am nächsten Donnerstag abend 8 Uhr im Saale des Gewerkschaftshauses. Im ersten Vortrag wird Justizinspektor Schröder„Das Mietrecht der Gegenwart“ behandeln. — Teilnehmerkarten sind in der Expedition der Oberh. Volksztg. zu haben. — Diebstahl. Ein Kellner von hier wurde festgenommen welcher einem Hotesaast den Koffer erbrochen und einige Gold- franken entwendet hatte— An einem Neubau gegenüber der Siechenanstalt wurden 40—50 Gerüstgabeln entwendet.— Aus einem Betrieb wurde ein Treibriemen von 14 Meter Länge und 30 Zentimeter Breite entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal⸗Abteilung entgegen.
— Das Volksbad ist heute vormittag von den bisherigen Be- sitzern— den Vertretern der Aktiengesellschaft— der Stadt über⸗ geben worden. Die Stadt wird nun das Unternehmen in eigenen Regie weiterführen
— Fahrradmarder. Ein im Juli 1922 in hiesiger Stadt ent⸗ wendetes Fahrrad wurde dahier beschlagnahmt und dem Cigen⸗ tümer wieder zugestellt. Der Täter wurde ermittelt und zur An⸗ zeige gebracht.— Festgenommen wurde ein junger Mensch don auswärts, welcher in Edingen bei Wetzlar ein Fahrrad ent⸗ wendet hatte, welches er in Gießen verkaufen wollte.
— Veranstaltungen des Bühnenvollsbundes. Im Inseraten⸗ teil des heutigen Blattes erläßt die Theatergemeinde E Vühnenvolksbundes eine Bekanntgabe, die ihre für die nächste Zeit geplanten Vorstellungen betreffen.
— Das Konzert von Dr. Rosenthal und Frau(Leipzig), das der Konzertverein für letzten Sonntag vorgesehen hatte, mußte abgesagt und auf Donnerstag, 25. Januar, abends 8 Uhr, verlegt werden, weil die Ausführenden verhindert waren.
— Saasen. In der Gemeinderats⸗Sitzung an Freitag wurde als erster Gegenstand die Erhöhung der Pacht⸗ preise für verpachtetesGarten⸗ und Ackerland beraten und darüber. Beschluß gefaßt. Bisher wurde für dieses Land etwa 10 Pfg. pro Quadratmeter bezahlt, jetzt soll er je nach Qualität 4—15 Mk. kosten. Es kommen hier ungefähr 15 Pächter in Betracht, die sast alle außerhalb arbeiten und die zum Teil die betreffenden Stücke erst urbar gemach haben.— Der 2. Punkt betraf die Erhöhung der Abgabe für die Schafweide auf dem Gemeindegelände. Es bestehen hier drei Schäferei-Genossenschaften; gezahlt wurde bis⸗ her 90 Pfg. pro Schaf und Jahr für die Weide. Beantragt wurde, die Weide pro Stück und Jahr auf 150 Mk. festzusetzen, was nach den hohen Wollpreisen und im Verhältnis zu den Preisen für das Pachtland gerechtfertigt sei. Von anderen Mitgliedern des Ge⸗ meinderats, die aber alle Schafbesitzer sind, wurde 40—50 Mk. vorgeschlagen. Von den Gemeinderäten Weber und Schmidt wurde Widerspruch gegen die Abstimmung erhoben, weil die Schafbesitzer persönlich an dem Gegenstande interessiert seien. Vom Bürgermeister wurde der Widerspruch protokolliert und die Ab⸗ stimmung ausgesetzt. Die Angelegenheit soll dem Kreisaus⸗ schuß zur Entscheidung überwiesen werden.— Der Jadpächter, Herr Klimm, auf Hof Winnexod, hat die Erhöhung der Jagdpacht auf das Zehnfache für das Jahr 1922 angebeteßz. Der Pacht⸗ preis wird dementsprechend festgesetzt.— Drei Einwohner bo⸗ antragen Ueberlassung von Schnittholz zum Submissionspreis. Es wird beschlossen, alles Holz auf dem Submissionswege zu ver⸗
geben.— Der Gemeinderechner beantragt Ueberlassung von Raummeter Brennholz zur Heizung seines Bureaus. Der Antrag wird abgelehnt.— Für eine Rentenempfängerin soll der Ge⸗
meinderat eine Wohnung besorgen, weil deren Wohnung don dem Main⸗Weser⸗Basaltwerk in Anspruch genommen wird. Der An⸗ trag wird abgelehnt..
reis Friedberg⸗ Büdingen.
Vilbel, W. Jan. Die Hexen gehen um. Wers mich glaubt, überzeuge sich selbst. Hatte da ein Schweinehändler am
vergangenen Sonntag am Bahnhof liebe kleine Schweinetierchen ausgeladen und sie im Wagen in seinem Hofe stehen lassen, da die selben am anderen Morgen gleich weiter transportiert werden


