Ausgabe 
22.3.1923
 
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vollständig de Herrschuft fdernehmen zu wollen. Durch Neuver⸗ teilung der zu der Beauntenabteilung gehörigen Referate ist jetzt er⸗ veien worden, daß wirkliches Sachverständnis für Beamtenange⸗ legenheiten bel den neuen Begrbestern überhaupt nicht mehr vorhan⸗ den it. Jedenfalls kann die Beamtenschaft nicht verstehen, daß 3. B. der Chef der Fumprüfungsstelle im Nebenamt auch noch Zeit finden soll, sich mit Beamtenangelegenheiten zu befassen. Außerdem heißt es, daß der jetzige Leiter der Beamtenabteilung, Ministerialdirektor v. Falck. demnächst durch den Präsidenten des Reichspenstonsamts, Herrn v. Jacobi, dem bekannten Verfechter reaktionärer antirepublika⸗ nischer strebungen, in der höheren Beamtenschaft ersetzt we soll. Das Reichspensionsamt ist geradezu ein Sammelplatz Jitr antfrepublikanische Bestrebungen, und die tüchtigsten republikani⸗ schen Beumten werden dort vollständig kalkgestellt. Vor einiger Zeit it mim Herr v. Jacobi zum zweiten Vorsitzenden der Berliner Be⸗ umtenvereini gewählt worden, die sich wohl für Wurst und Käse und billige en, niemals für eigentliche Beamtenangelegenheiten interessiert hat. Den Vorsitz im dieser rein wirtschaftlichen Zwecken dienenden Vereinigung sehen nun gewisse Kreise offenbar als beson⸗ ders geeignete Vorbereitung zur Uebernahme der Beamtenabteilung im Reichsministerénun des Innern an. Sollte Herr v. Jacobi tat⸗ sächtich zum Direktor dieser Abteilung gemacht werden, so wird der heftigste Bekämpfer eines modernen Beamtenrätegesetzes auf der ganzen Linie gesiegt haben und die schärfste antirepublikanische Re⸗ aktion wieder ihren kriumphierenden Einzug in das Reichsmini⸗ stertum des Innern halten.

Dank an die Märzkämpfer.

Einem Aufsatz von Erich Kuttner entnehmen wir die folgenden Ausführungen.

Der 18. März war ein erster Sieg des Volkes über den preußischen Militärstaat. Ein kurz⸗ fristiger Sieg, dem nach wenigen Monaten schon die kom⸗ plette Niederlage folgte. Niemand aber hat mehr Ursache

als die heute lebende Generation, der Barrikadenkämpfer in Dankbarkeit zu gedenken, das Mißlingen ihres Werkes aufs tiefste zu beklagen. Denn daß wir im Jahre 1914 die

gesamte Welt in Waffen gegen uns sahen, daß wir den Zu⸗ sammenbruch von 1918 erlebten, daß wir das Versailler Diktat über uns ergehen lassen mußten, daß heute noch die Welt erfüllt ist von Mißtrauen und Abneigung gegen Deutschland, das alles sind letzten Endes die Folgen der Niederlage, die vor fünfundsiebzig Jahren die deutsche Demokratie nach kurzem Anfangserfolg erlitt.

Der preußische Militärstaat war 1806 auf den Schlacht⸗ feldern von Jena und Auerstädt als Leiche geblieben. Aber das Volk, das 1813 in die Freiheitskriege zog, um mit der

Abschüttelung der Fremdherrschaft ein freies und einiges

Deutschland in den Sattel zu heben, ließ sich von dem eid⸗ brüchigen Preußenkönig und der geriebenen Junkerkaste übertölpeln: nichts kehrte wieder als der verrottete, absolutistische Militärstaat. Daß alles wesentlich beim alten blieb, daran trägt die Jämmerlichkeit des deutschen Bürgertums die Hauptschuld. Die deutsche Bourgeoisie hat in der ganzen Periode, während der sie herrschend sein konnte, einen solchen Mangel an aufrechtem Bürgergeist, solches Uebermaß an Untertänigkeit und Feigheit gezeigt, daß jeder weltgeschichtliche Vergleich versagt. Wenn man will, kann man auch dieses charakterlose Bürgertum als das deutsche Unglück bezeichnen: von jenenDemokraten an, die aus Angst vor den ersten Lebensregungen des Proletariats die Revolution von 1848 preisgaben, bis zu ihren heutigen bürgerlichen Namensvettern, die den Kämpfern der Barrikade den Grabstein verweigern, führt eine schnur⸗ gerade Linie. 8 5 Der bürgerlicheUntertan, dessen Porträt Heinrich Mann in seinem Romon für alle Zeiten gezeichnet hat, ver⸗ leugnele sehr bald sein einziges Aufbegehren. nach den Strahlen der fürstlichen Gnadensonne spähend, sprach er in späteren Jahren mit schamhaftem Erröten von demtollen Jahr 1848. Was er als Tollheit belächelte, war aber unter welthistorischem Gesichtspunkt äußerste Zweckmäßigkeit, Zukunft, Rettung für Deutschland. Verpaßte Gelegenheit! 1918 kam zu spät, um noch zu retten. Aber eine ewige Lehre bleibt: trotz blendender Scheinerfolge des Militarismus war es Deutschlands Ver⸗ 79 hängnis, daß es militaristisch blteb an der Wende, da es demokratisch werden sollte. Diese Erkenntnis macht es uns Lebenden zur äußersten Pflicht, jede Wieder⸗ kehr des verhängnisvollen Militarismus mit allen Fasern unseres Könnens zu verhindern. Die heutige Republik krankt nur an einem: daß sie fünfund⸗ siebzig Jahre zu spät kam. Wir können das nicht ändern, aber es hieße einen Fehler auf den andern türmen, wenn wir aus Aerger über all das Unglück, das aus dem späten Kommen resultierte, die Republik uns wieder nehmen ließen. Freilich kann unser Ideal nicht das der 48er mehr sein. Aber fünfundsiebzig Jahre Geschichte hinterlassen ihre Spuren. Die Ziele von 1848 sind für uns Heutigen zur Grundlage geworden, von der wir unserem sozialistischen Ziel zustreben, von der politischen Freiheit zur wirtschaft⸗ lichen. Aber weil die Kämpfer von 1848 für das politische Fundament stritten, ohne das der Sozialismus auf Sand gebaut wäre, für das Fundament der Demokratie, deshalb sind sie unsere rechten Ahnen. Ein lebendiger Strom der Entwicklung verbindet ihren Geist mit dem unsern, und wenn der Vater im Sohn, der Ahn im Enkel weiterlebt, so leben die Kämpfer von 1848 fort in uns Sozialisten. Wir aber ehren diese Ahnen besonders, weil wir freudig aner⸗ kennen, was selbst ein Gegner der Demokratie, der rechts- nationalliberale Professor und preußische Historiograph Gneist einst widerwillig zugestand: daß es doch etwas Großes ist, wenn einfache Menschen aus dem Volke für ihre politische Ansicht mit dem Leben einstehen. Dessen wollen wir eingedenk sein, wenn die Stunde der Gefahr für die Republik schlägt, die viel⸗ leicht nicht fern ist.

Provokateur Helfferich.

Karl Helfferich. der Listenführer der Deutschnationalen im Reichs tagswahlkreis Hessen⸗Nassau, hat, wie berdchbet die Steuer⸗ debatte am Donnerstag mit einer die Massen aufs äußercste auf⸗ reizenden Redebereichert. Unsere Leser wissen, daß er der 0 nach der Wortführer aller blürgeclichen Partejen war, die Auch samt und sonders diejenigen sozialdemokratischen Anträge ablehnten beren Annahme Voraussetzung für die Zustimmung auch

Sehnsüchtig

Die deutsche Faseistenhydra.

Vor dem Generalstreik in Oberschlesien.

Was den Orgeschbanden im Ruhrgebiet immer noch nicht gelungen ist, nämlich eine Bresche in die Abwehrfront der Arbeiterschaft zu schlagen, das ist ihnen leider mit Hilfe der Unternehmer in Oberschlesien in umso gründ⸗ licherer Weise gelungen. Seit einigen Tagen stehen die Be⸗ legschaften von fünf Gruben und zwei Hüttenwerken im Ab⸗ wehrstreik gegen die Ausschreitungen und den Terror der nationalsozialistischen Selbstschutzleute. Wenn es nicht ge⸗ lingt, bis zum Mittwoch die Arbeitgeber eines Besseren zu belehren, dann ist mit der Proklamation des Generalstreiks für ganz Oberschlesien zu rechnen. 6 5

Die aus der Zeit der Herrschaft der Interalliierten Be⸗ satzungsmächte noch bestehenden Reste der Selbstschutz⸗ organisationen sind von den Unternehmern auch nach der Besetzung aufrechterhalten und auf die einzelnen Betriebe verteilt worden. Hier haben sie eine wahre Diktatur über die freien Arbeiter aufgerichtet, gegen die von den Unter⸗ nehmern nichts unternommen wurde, vielmehr machten sie sich das Treiben der Orgeschleute zunutze. Zwei Betriebs. räte, die energische Vorstellungen wegen des immer uner⸗ träglicher werdenden Treibens der Selbstschutzleute erhoben, wurden vor einigen Tagen entlassen. Obwohl die Beleg⸗ schaft die sofortige Wiedereinstellung ihrer Vertrauensleute forderte, lehnte die Direktion dieses glatt ab. Die Folge war der Streik. 5 5

Es sei von vornherein festgestellt, daß es sich hier nicht um einen wirtschaftlichen Kampf, sondern um einen Streik handelt, der einen rein politischen Charakter trügt. Selbst hervorragende Führer des Bürgertums er⸗ kennen an, daß dieser Streik eine politische Notwendigkeit ist, um die unerhörten Uebergriffe der illegalen Organi⸗ sationen gegen einzelne Personen und den Staat abzu⸗ wehren. Alle Bemühungen der Gewerkschaften und der Re⸗ gierung, diesen bedauernswerten Kampf beizulegen, haben die Unternehmer an ihrem Starrsinn zerschellen lassen. Man gewinnt den Eindruck, daß die oberschlesischen Grubenbesitzer die Kraftprobe wollen, weil sie hoffen, daß aus ihr die Orgesch-Organisationen als die Sieger und die freien Ge⸗ werkschaften als die vernichtend Geschlagenen hervorgehen.

Für Mittwoch ist ein neuer Kongreß der Betriebsräte anbe⸗ raumt, dessen Tagesordnung lautet: Erklärung des Generalstreiks für Oberschlesien. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß die⸗ ser Generalstreik prollamiert wird, wenn nicht im Laufe des Mitt⸗ woch eine Einigung im Sinne der Arbeitnehmer erzielt wird. Aus dem Waldenburger Revier und aus Polnisch⸗Oberschlesien liegen Meldungen vor, die erwarten lassen, daß sich die dortigen Arbeiter im Falle des Generalstreiks mit den kämpfenden Kame⸗ raden solidarisch erklären werden.

Ein oberschlesischer O. C.⸗Mann verhaftet.

Wie aus Gleiwitz gemeldet wird, ist die Verhaftung des deutschnationalen Stadtverordneten und Provinziallandtagsabge⸗ ordneten Rektor Günther und seines Sohnes aus dem Belte heraus von der Schuppoltzei vorgenommen worden. Bei dem verhafteten Beamten der Oberschlesischen Stahlwerksgesellschaft, Hauetmann a. D. M. Puth will man angeblich belastendes Material über Rek⸗ tor Günther gefunden haben. Die Wohnung des Rektors wurde bei der Verhaftung auch nach Waffen durchsucht, jedoch ohne Erfolg. Ueber die Einzelheiten wird noch gemeldet, daß die Polizeibeamten dem Sohne Günthers, als er die Wohnungstür öffnete, mit vor⸗ gehaltenem Revolver und dem Rufe:Hände hoch, entgegentraten und die Vorweisung eines Haftbefehles ablehnten. Rektor Günther war während der Franzosenzeit als geistiger Führer des Gleiwitzer Selbstschutzes bekannt geworden. Das Vorgehen der Polizeibeamten wird damit begründet, daß Günther beschuldigt sei, Verbindung mit der Orgauisation G gehabt zu haben.

Die bahyerische Regierung weiß von nichts. Im Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages wurde Dienstao nachmittag bei der weiteren Beratung über die nationalsozialistischen Sturmtrupps die Regierung ge⸗ fragt, ob ihr bekannt sei, daß neue Trupps, sogenannte

sicht hätten, ihre in München verhafteten Kameraden zu be⸗ freien. Der Minister des Innern bemerkte, daß von einem solchen Vorgang der bayerischen Regierung nichts bekannt sei. Er versicherte nochmals, daß die Regierung gewillt sei, Auswüchsen und Ausschreitungen mit allen Mitteln ent. gegenzutreten. Gegen die Nationalsozialisten sei bereits eine ganze Reihe von Verfahren anhängig, darunter allein 1 wegen des Eindringens in das Gebäude der Münchener Post. der Sozialdemokraten und Demokraten, welche

zligliche Auflösung aller Sturmtrupps verlangen, abgelehnt,

In der Abstimmung wurden schließlich die Anträge f die unver⸗

dagegen der bereits gemeldete Antrag der Bayerischen Volks.

partei mit 15 gegen 12 Stimmen angenommen.

Die Arbeiter schützen sich. 5 Demonstration der sozialdemokratischen Sicher⸗ heitsabteilungen in München.

Am Sonntag, den 18. März, ist es in München, wiederum zu

einigen Zwischenfällen gekommen.

Kurz vor der Abreise der Tr.

ganisation Roßbach und zahlreicher nationalistischer Hunderischaften

nach Kempten usw. wurden der Jugendgruppe Fürstenseld⸗Bruck des

Republikanischen Reichsbundes auf dem Münchener Hauptbahnhofe von Sieh er! die schwarzrotgoldenen Fahnen zerrissen. Die

Polizei kam weder den Mißhandelten noch der Fahne der Republik zu Hilfe! 1 Die Feier des Republikanischen Reichsbundes im Münchener Kindl⸗Keller war von len Tausenden fesuch und nahm einen überbrachte die Grüße der Thüringischen Republik, des besten der un Republik und des Hüters demokratischer Freiheit Professor Quidde hielt die alten Die Rückkehr der republikani⸗ schen Fahnen zum Gewerkschaftshaus 8 Abteilungen der sozialdemokratischen ohne Störung. 212281 Marin benutzte die genere en lei, ürzlich zum staatlichen Feiertag erklärtenJosefita in die weitere umgebung Münchens. D ug machte allseitig einen vortrefflichen Ein⸗ tragen als einheitliches Abzeichen rote

cherheitsabte 4 Am Sicherheitsabtei⸗ lung den zu einem großen Mars ast 2000 Mann starke ruck. Unsere Genossen N Binden mit einem schwarzrotgoldenen Querstreisen. Der der Münchener Parteileitung, Genosse Thomas Wimmer, dankte in einer Ansprache im Namen der Partei allen Genossen, die durch das borbildliche Zusammenwirken in wenigen Monaten eine su starke und zuverlässige Organisation Aale u haben. Mit Genug⸗ tuung könne man feststellen, daß die Partei mit Ruhe den kommen⸗ den Dingen entgegensehen könne. nicht A den Hort der freien sozialdemokratische Sicherheitsabteilung nimmt nur in jaßzelanger Partei⸗ und Gewerkschaftsarbeit geschulte Genossen auf ünd ver⸗ schmäht Nichtparteimitglieder, insbesondere Kommunisten

Wie zu erwarten war, drehen die Geheimbündler den indem sie die Bildung von Sicherheitsmann⸗

Spieß um, schaften zur Abwehr faszistischer Angriffe als Vorboten einer Roten Armee bezeichnen, gegen die es zu rüsten gelte. Es nimmt auch nicht gerade Wunder, daß die Vereinigten Vater⸗ ländischen Verbände Deutschlands, die eine so w

beleumundete Persönlichkeit wie Herrn Geisler zu ihr g

Vorsitzenden ausersehen haben, den Reigen der neckisch

Rufer eröffnen. Wie Tu. mitteilt,

Ruhrflüchtlinge, nach München unterwegs seien und die

sehr erhebenden Verlauf. Der thüringische Justizminister Rittweger tshaus vollzog sich dank des Schutzes hau zog 1 0 1

Arbeiterschaft zu zerreißen. Die

Hortes

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Vorsitzende

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1

Es werde den Hakenkreuzlern

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1

Verbände für Freitag, den 23. März, eine außerordentliche

Vertreterversammlung anberaumt mit der Tagesordnung: Stellungnahme zu der im ganzen Reiche rasch fortschreiten den Aufstellung einerRoten Armee(Proletarische Selb schutz⸗Hundertschaften). 8 1

Roßbach bleibt in Haft.

Die Versuche der Deutschvölkischen Freiheitspartei, ihren vie geliebten Leutnant Roßbach wieder frei zu bekommen, vor⸗ läufig gescheitert. Schon vor der Verhaftung Roßbachs lag gege ihn so ungeheuer viel Material vor, daß seine wiederholten E haftungen geradezu unverständlich waren. Seit seiner dri Verhaftung aber hat sich das Material gegen ihn so angehäuft, d jetzt auch derobjektivste Untersuchungsrichter keine Llicke mehr 20 5 vermag, durch die Roßbach in die Freiheit marschierev önnte. 1 1 5

. e eee Dun e unserer Reichstagsfraktion zum Geldentwertungsgesetz gewesen wäre, und deren Ablehnung infolgedessen dazu führte, daß die bürgerlichen Parteien das Gesetz das den Besitzenden den Pelz wäscht, ohne sie naß zu machen. alleine machen mußten.

Wie stellt sich nun dle Presse der bürgerlichen Linken zu HelfferichsSieg, der von der deutschnationalen Presse be⸗ jubelt wird. Das zu beobachten ist recht lehrreich. In den demo⸗ kratischen Berliner Blättern vom Freitag vormittag fanden wir nur einen einzigen Artikel, der klipp und klar zum Ausdruck bringt, wie unangenehm es bie Redaktion dieses Demokratenblattes be⸗ rührt, daßdie bürgerlichen Parteien bis zu den Demokraten Herrn Helfferich willig die Führer⸗ rolle in den jetzigen Steuerfragen übertragen haben. Allerdings steht dies demokratische Blatt auf dem linben Flügel der Demokraten. Es ist die Berliner Zeitung. die mit Bedauern feststellt daß die Linke am Donnerstag leider erst jenseits der Demokraten begann, also nur aus der Sozialdemo⸗ kvatie und den Kommunisten bestand. Die Volkszeitung registriert genugtuend, daß als vom Präsidenten gefragt wurde. wer in Zwischenrufen Helfferich einen Lügner nannte, fast sämt⸗ liche Sozialdemokraten sich zu dieser Meinung bekannten. Als aber gefragt wurde. wer von den Deutschnativnalen, unseren Genossen Dr. Hertz mit dem SchimpfwortJudenjunge angepöbelt habe, da hattendie Helden von vechts sämtlich geschwiegen.Wird den Demokraten der Mittelparteien nicht unheimlich bei dieser Bettgenossenschaft, fragt die Verliner Volkszeitung und entwirft von Karl Helfferich, dem gistgeschwollenen Provokateur, folgendes anmutige Bild:

Helfferich wirkt bei seinen Reden immer provokasorisch. Gestern war ihm die Führerrolle, die ihm die bürgerlichen Partelen bis zu den Demokraten allzu willig in Steuerfragen übertvagen haben. wohl zu Kopf gestiegen und so er⸗ zeugte er Läcrmszenen die der Sitzung ihr Gepräge gaben. Die Dolchstoß⸗Legende wurde auch in diesem Falle von ihm auf⸗ gewärmt. Das gebt sehr einfach: Wer feststellt, daß die Profitmacher sich in Deutschland erfolgreich von der gerechten Besteuerung drücken können. der liefert dem Feind Material gegen die deutsche Finanzverwaltung, ist also Dolchstößer

Am Freitag abend besann sich auch das Berliner Tageblatt seiner demokrattschen republikanischen Gesinnung und rückte von dem deutschnationalen Provokateur ab. Helfferich habe die Gabe, schon durch die Form seiner Ausführungen ohne Rücksicht auf den Inhalt provozierend zu wirken. Seine Donnerstagrede dürste, meint das B. T., selpst bei den Partejen die mit ihm stimmten, ein erhebliches Mißbehagen hervorgerufen haben. Das glauben auch wir. sind aber der Meinung, daß noch viel größer das Mißbehagen pfeler demokratischen und zentrümlicher Wähler darüber ist baß die Demokraten und das Zentrum, als sie sich am Donnerstag im Deubschen Reichstag unter Helfferichs Führer⸗

sehaft stella schaft stellte

*, den früheren Reiche finanzministern Er zberger

und Dr. Wirth so viel Uneh re bereiteten.

Gießen und Umgebung. Wohnungspolitik und Wohnungswucher.

In einer am Sonntag abend im Saale des Kathol. Vereins⸗ hauses abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Mieter versamm⸗ lung beschäftigte man sich mit den in der Ueberschrift bezeichneten Fragen. Der Vorsitzende Weißbäcker wies bei Eröffnung der Versammlung darauf hin, daß der Mieterverein nicht wolle, daß das Rwichsmietengesetz aufgehoben, sondern daß es ausgebaut werde. Der letzte Zuschlag auf die Friedensmiete sei vom Kreisamt fest⸗ gesetzt worden ohne den Einspruch des Mietervereins zu beachten. Ferner wandte sich der Vorsitzende dagegen, daß, wie behauptet werde, der Mieterverein eine verkappte sozialdemokratische Organi⸗ sation sei, es seien darin vielmehr alle Parteien vertreten. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung sprach Reichstagsabg. Beck⸗ mann. Er beschäftigte sich mit dem Reichsmietengesetz das eine Notwendigkeit bei den heutigen Verhältnissen auf dem Wohnungs⸗ markte war. Von den Hausbesitzern wurde es bekämpft, weil sie bei

setzen könnten. Wenn jetzt die Forderung mit 24755 Prozent Zuschlag durchgedrückt würde, so würde ein Friedenspreis von 650 Mark auf 129 246 Mk. jährlich steigen. Die 210 Prozent Betriebskosten seten ebenfalls viel zu hoch. Vor allem müsse der Baustoffwucher bekä ö

werden, der die Hauptschuld daran trage, wenn das Wohnungselend ö

nicht behoben werde. Aus ihn herauszukommen wäre möglich wenn die Gemeinwirtschaft im auwesen durchgeführt werde. An der Lösung der Wohnungsfrage müßten alle mitarbeiten, die an der kulturellen Weiterentwicklung Interesse haben. Die Erhöhung der Mieten könne mur bis zu einem Satze gebilligt werden, der von der Mieterschaft geleistet werden könne.(Beifall.) 4 Ueber Wohnungswucher sprach Rechtsanwalt Hom⸗ berger. In seinen Ausführungen, in die er vielfach humoristische Wendungen einstreute, wies er auf die Art hin, wie das Reichs- mietengesetz, das früher von den Hausbesitzern bekämpft wurde, jetzt als Waffe gegen die Mieter benutzt werde. Durch falsche Auslegung des Mietengesetzes werden die Mieter vielfach benachteiligt. 72 770 e⸗

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haben die genannten

der freien Wirtschaft jede Forderung den Mietern gegenüber durch⸗

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