Dos hindert nicht,
mark,. Dollar als Nechnungseinheit, destehen bleibt. Das wird 1 auch eine Veränderung der Wertverhältnisse zwischen rmark und Goldmark mit sich bringen. Die Möglichkeit, wieder mit Goldmark zu rechnen, wird dem Wirtschaftsleben eine gesteigerte
Sicherung bieten. 8——
0 Deutscher Reichstag. Berlin, 20. Febr.
Der Reichstag setzte am Dienstag die Aussprache über den Haushalt des Reichsinnenministerfums fort. Genosse Löwenstein erwelterte und vertiefte die Debatte über die kaltrrelgelse Aufgaben des Ministeriums. Er rsigte, daß viele Träger der Wissenschaft als eine ihrer Hauptaufgaben gansehen, den demokratischen Staat und die Staatsgewalt zu unter⸗ graben. Die Arbefterklasse habe eine nahezu fromme Gläubigkeit zur Wissenschaft. Sie strebe weft über den Rahmen des Ma⸗ trriellen hinaus. Umso bedauerlicher sei es, daß auf so vielen Ge⸗ bieten ein kultureller Abbau vorgenommen werde,. Auch im Haus⸗ hallt des Reicheministeriums des Innern herrscht, bet manchen
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Kulturaufgaben eine kurzsichtige Sparsamkeit. Löwenstein be⸗ dauerte ferner, daß das Lehrerbildungsgesetz noch immer nicht dem Reichstag vorgelegt sei. Aus einer Reihe von weiteren Ein⸗ zelsorde rungen, die er vortrug, erwähnen wir noch das Verlangen nach einem Ausbau der Erziehungsbeihilfe für befähigte be⸗ dürftige Schüler Unser Redner, der den(Aassenkampf als einen ftttlichen Befreiungskampf schilderte, schloß mit dem Hinweis, daß die jetzige Netzeit ein neues, starkes Arheitergeschlecht schaffen werde, das zur Demokratisterung der Wissenschaft hinstreben
müsse.
Staatssehietär Heinrich Schul: erwiderte, daß das Berufs⸗ schulgesetz dem Kabinett zur Beratung vorliege und hoffentlich bald die parlamentarischen Körper! haften beschäftigen werde. Die Notwendigkeit des Ausbaues der Erzishungsbeihiise erkannte er an. Das Ministerium arbeite darauf hin, daß auch hochbefähigte junge Arbeiter mit Volksschulbiloung Erziehungsbeihilfen ex⸗ halten, damit sie im abgekürzten Verfahren das Abiturium nach⸗ holen und zur ulbildung kommen konnen.
weiteren Verlauf der Aussprache verlangte Genosse Meier⸗ Zwickau, daß der Teil der Wohlfahrtsangelegenheiten (Armensachen), die jetzt noch im Reichsministerium bearbeitet wer⸗ den, zur Ersparnis von Verwaltungskräften dem Reichsarbeits⸗ N mit überwiesen werden sollen. Uebrigens drängte Genosse Meier nach der baldigen Vorlage eines Reichswohlfahrts⸗
esetzes.
Präsident des Reichsgesundheitsamts, Dr. Bumm entrollte dann ein erschütterndes Bild von dem Abwärtsgleiten der Volks⸗ gesundheit in Deutschland. Insbesondere gelte dies für das ganze Ruhrgebiet, für die Städte und für die Industriezentren, während
auf dem Lande die Gesundheitsverhältnisse noch besser seien. Ins⸗ bbesondere sei das Verlangen nach Fett in der deutschen Kinder⸗ welt fehr stark, und es könne nicht voll befriedigt werden. Tuberkulose⸗Exrkrankungen nehmen neuerlich enorm zu. urnd zwar handle es sich um eine große Anzahl neuer Exkrankungen, denn die alten Erkrankungsfälle seien infolge der Ernährungs- schwierigkeiten längst abgestorben. Ganz verheerend wirke die Tuberkulose zurzeit bei Kindern und Jugendlichen. In den Volks⸗ sschulen sei jeder zehnte Schüler tuberkulosekrank.
Die Aussprache wurde vertagt, nachdem noch Genosse Kuhnert an den hohen medizinischen Kosten lebhaft Kritik geübt und an manchem Einzelbeispiel, so u. a. bei Salvarsan, nachgewiesen hatte, wie sich große Unternehmungen auf Kosten der Volksgesundheit be⸗ reichern. Nächste Sitzung Mittwoch nachmittag 2 Uhr: Fortsetzung Ser Beratung des Reichshaushalts des Innern.
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Innerpolitisches.
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1* 1„Fluch der bösen Tat“.
Wir Deutschen haben uns daran gewöhnt die Franzasen im Icheinland als unseren bösen Feind, die Engländer als die an⸗ ständigen Gegner zu betrachten. Nicht mit Unrecht. Aber nie sollten wir deutschen Sozialisten die allgemeine Betrachtung ver⸗ zessen, daß die Auswirkung eines jeden Krieges nur Verrohung und f„ Rückschritt und Unordnung, tiefes Sinken der Sittlichkeit und peinliche Schärfung des Elends sein kann. Wir sesen aus Köln„In den Häusern der Reichen tresben die Fa⸗ milien englischer Offizere ungeheuerste Verschwendung, die Be⸗ ölkerungen ganzer belgischer Dörfer begeben sich nach Köln, um einzukaufen. Unterbessen„andern durch die Straßen der Groß⸗ iadt Umzüge ankla gender Menschen, die nach Bot und Kshle ver⸗ angen. Auf den Gele' sen des Haupt ahnhofs iriechen zerlumpt⸗ kinder unter den Güterziigen und stehlen mit Kännchen und ffelchen eis den S ichsen der fadgestelle das schmutzige! 0 Sind diese Gea„fätze nicht grauenhit? Sind diese Felgen es Kriegs⸗ und des Gewaltfriedenswahnsinus nicht erschütternd? Das ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß baren Kann da ein denkender und fühlender Mensch ruhig und fühl bleiben? Muß nicht
e
jeder, der nicht gerade Kriegs⸗
cht, daß die Papiermark als Zahlungsmittel neben der
Ungeheuere Papierpreise.
Neuerdings sind die Papierpreise wieder ganz gewaltig erhöht worden. Die Preise für ein Kilo Rollenpapier betrugen im Frieden 21 Pfg., am 1. Januar 560 Mk., am 15. Jamuar 593 Mk., am 1. Feb⸗ runr 1170 Mk. und seit dem 15. Februar 1440 Mk. Die ier⸗
preise betragen also ungefähr das 6000 fache des Friedenspreises und 17 seit dem 1. Januar um 100 Prozent gestiegen. Die Papier⸗ fabritanten behaupten natlürlich, daß sie an dieser Preiserhöhung un⸗ ig sind und rechtfertigen sie mit der Erhöhung der Kohlenpreise und der Frachten. Aber wir sind es ja gewohnt, daß jeder, der bie 1 erhöht, immer die Schuld auf andere schiebt. Richtig ist, daß ei dem wichtigsten Rohstoff des Papiers, dem Holz, ein ganz unerhörter Wucher getrieben wird. Fast nirgends sind die Preise so in die Höhe geklettert, wie beim Holz.
Welche Gefahren für die Presse und damit für unser ganzes öffentliches Leben die ungeheuren Papierpreise bedeuten, ist schon oft genug gesagt worden und braucht kaum wiederholt zu werden. Den bürgerlichen Geschüftsblättern mag es leicht sein, sich mit den hohen Papierpreisen abzufinden, für die sozialdemokcatische Presse aber, die nicht in dem Maße mit Inseraten gesegnet ist, sind sie unerträglich. Vergeblich sind bisher die Regierungen aufgefordert worden, gegen die Papierpreisverteuerung mit der gebotenen Energie vorzugehen. Die Abgaben, die man den Waldbesitzern zur Unterstützung der Presse auferlegt hat, sind durchaus ungenügend und nutzen der Presse schon deshalb nichts, weil die Summen, die auff diese Weise einkommen, der Presse erst nach Monaten ausgezahlt werden, wenn ste durch die Geldentwertung völlig bedeutungslos geworden sind.
Wir mülssen leider erleben, daß sich unsere Regiewmgen als Waldbesitzer am Holzwucher recht eifrig beteiligen. Im Reichsrat haben sich die Vertreter der Länder sogar gegen die notwendige Er⸗ höhung der Abgaben, die den Waldbesitzern auferlegt werden sollten, gewandt. Es wäre die Pflicht unsrer Regierungen, somohl im Reich als auch in den Ländern, endlich durch wirksame Maßnahmen zu ver⸗ hindern, daß durch das Hinauftreiben der Holz⸗ und Papierpreise die Existenz der 1505 so schwer gefährdet wird. Besonders die Ver⸗ treter der Sozialdemokratie in den Regierungen haben allen Anlaß, das Ihrige zum Schutze der Presse zu tun. Ist es doch gerade die sozial⸗ demokratische Arbeiterpresse, die durch den jetzigen Zustand aufs schwerste gefährdet wird.
Außerordentliche Notstandsmaßnahmen für die Renten⸗ empfänger der Invaliden⸗ und Angestelltenversicherung. Das Reich hat für die obige Maßnahmen weitere 1410 Millionen Mark bereitgestellt. Von diesem Betrag entfallen auf Hessen 31 256 640 Mark, die unter den bereits mitgeteilten Be⸗ dingungen zur Verfügung stehen, d. h. es müssen zu neun Zehnteln dieses Betrages= 28 130 976 Mark(gebundener Zuschuß) Land und Gemeinden zusammen 7032 744 Mark zuschießen, wovon der Staat die Hälfte mit 3 516 372 Mark zu tragen hat. Im Einvernehmen mit dem Ministerium der Finanzen ersucht das Ministerium für Arbeit und Wirt⸗ schaft in einer Regierungsvorlage den Landtag um bald⸗ gefällige Bereitstellung dieses das Land belastenden Betrags von 3 516 372 Mark.
Die Teuerung in Hessen. Die Teuerungszahlen der fünf größten Städte Hessens auf Grund der Preise vom 7. Februar 1923(24. Januar) betrugen für Mainz 223 264 (126 596), Darmstadt 191 253(122 338), einschl. Bekleidung 247 253(156 530), Offenbach 224 806(122 644), Worms 211955(125 868). einschl. Bekleidung 282 372(164 701), Gießen 193 253(110 745), einschl. Bekleidung 260 736 (145.895). Die Durchschnittsteuerungszahl für die fünf größten Städte beträgt für Ernährung 187 550(107 483), für Heizung und Beleuchtung 20 598(13 589), Wohnung 758(566), für Bekleidung 64 633(35 892). zusammen 273 539(157 530).— Die Teuerung ausschließlich Bekleidung ist vom 10. Januar um 189 Prozent, einschließlich Bekleidung um 176 Prozent und vom 24. Januar ausschließlich Be⸗ kleidung um 72 Prozent und einschließlich Bekleidung um 74 Prozent gestiegen.
Gegen die Preiswucherer.
Der preußische Handelsminister hat an sämtliche Handelskam⸗ mern folgenden Erlaß gerichtet:
„Es hat sich gezeigt, daß die erfreuliche Besserung, welche der Stand der Mark in der letzten Zeit erfahren hat, in den Warenpreisen vielfach noch keinen oder nur ungenügenden Ausdruck gefunden hat. Jedenfalls muß festgestellt werden, daß die Anpassung an die Markt⸗ lage sich beim Sinken der Mark ungleich schneller und in erheblich stärkerem Maße zu vollziehen pflegt, als es sich bei der umgekehrten
1 eressent oder in unheilbarem Stumpfsinn befangen ist, mit ein⸗ Entwicklung jetzt zeigt. Es liegt auf der Hand, daß hierdurch die mmen in den millionenfachen Ruf der gequälten Völker:„Nie[ Benuruhigung über die ungeheure Preissteigerung, welche nach dem * wieder Krieg!“ 9 K. vorgusgehenden Marksturz eingetreten war, noch weiter gesteigert t 8— 2— 4—— A A Dan eee. 4 Kuunst und Kritik. dane een er wi beben ben: Ge uren mig E ö 9 Den Künstler kann wir ein Künstler erfassen, womit nicht ge⸗ und Federhalter durch, die Welt. Wenn sie an ein em 7 sugt seim soll, daß gerade ex unter den Menschen immer ane Aus⸗ Steinchen strauchelten. nannten sie es ihr Er⸗ trieh 111 rahmestellung einm mant Vielmehr ist er mit ihnen aufs engste lebnis! b terbunden weil ihm die Fähigkeit am intensivsten gegeben ist, 9 5 0 7. 0 5 gn elle Dinge mit seimer scelischer Einfühlung zu durchdringen, weil 2 9 N 2 fein scharfes Auge die verschiedensten Seiten eines Gegenslandes Kunst ist Schöpfung Geburt. Keine Zauberei die aus dem 2 1 N nebeneinander und gegeneinander wertet. Darum kann 3 12 e e. 1 1 la er auch den großen Zufammenhang erkennen, dem sich jedes Wesen braucht der Künstler das Erlebnis wie das Welb der Liebe bedarf, 6 1 unterordnet. Die Erlebnisebne des Künstlers geht quer durch die um Mutter zu werden. Dem dramatischen Dichter heißt das Er⸗ e Leleg mannigfaltaen Erlebnis lächen auderer Menschen, bildlich lebnis Mensch! Fleisch und Blut des Dramas ist allein der * ö 17 121555 wo sich feine Ebne mit einer zweiten oder dritten 2 Aich dn Verhaltens 110 fuse len 0 1 selbst. ßhneidet, bilden sich rasch die besonderen Umstände, die in ihm nee Moment legt in diesen Permiun en er dis eine eis fenen übermächtigen Willen auslölen, der all seine Schöpferkraft Gegensätzlichleit triumphiert Wird jene Gegensätzlichkeit in Wohl⸗ „ kusammenballt— zur Tat zum Werk. f gefallen aufgelöst, dann hat das Dramg sich selbst überflüssig ge⸗ d J 5 4 macht und endet, farb⸗ und klanglos. Spitzt sich die Gegensätzlich⸗ i Diaurch eine Ginheitsbrille endgültige Urteile fällen wollen, leit so fehr zu, daß sie den Menschen, der in ihr drin staht, nicht ed h. alles mit einem allgemein anerkannten Maßstabe messen, mehr frei werden läßt daun erfordert das Drama einen gewalt⸗ die es die Wissenschaft tun uuß weil ihr letztes Ziel Klarheit. samen Schluß. der zwar unbefriedigt macht, aber erhebt. denn Eystem ist, verggwaltigt das Wohl des Künstlers ebenso sehr, wie Schmerz ist mit höchstem Lustgeflih, eng verbunden. In der lu, nenn man glau 3, an sich verstehe önn Tragödse übernimmt der Toß die Rolle des Befreiers. Das Lust⸗ 5 enn glaubt es aus sich heraus, an sich verstehen zu können. Tr 1 8 1 5 11 Ties vermag nur einer: Der es schuf! Der Weg einem Künstler spiel gehört nicht in diesen Kreis der Belrachtung. Mag man nun „„ gerecht zu werden, ist gerade und einfach. Wie ich an einem die Gegensätzlichtet Vorbestinmung, Shicksal, Walten höherer 11(emälde nicht die einzelnen Pinselstriche und Farb flecken betrachte, 85 Nee e e e 1 e e „ uin es auf mich wirken zu lassen. sosldern in einige Entfernung der für den Künstler die größte Macht darstellt, insofern als nige, ztrücktrete wie ich mich dann auch einmal seitlich davor stelle und er ihen Träger von sogen Ideen ist. Darum ist auch der Mensch be Beleuchtung prüfe unter der es am besten zur Geltung kommt, Schöpfer seiner Lelden. Das Leid macht ihn erst groß und ebnet men wir mit aller Kunst verfahren. Entfernung und einer dringenden Giligkel den Weg in fremde Wellen. Die 10 Lelichtung, dazwischen liegt die Offenbarung Seele aber ist das Abarundtiefste am Meuschen. So muß denn 0 des nstlers 6 beide gewählt sind um so reiner das Dvan das diesen behande! bor allem Seelend rama sein. 7. 18 lter sprich 0 1525 Kunst e det die ih 0 de 8 Feißt: 1 2 N 555 nur 210 0 80 1 dußeres ih vermittelter spricht uns die Kunst an, fin ie ihr zugrunde r zatisch Dichten inen Weg: äußeres b fil sgende Idee das Bild eines großen, inneren Zusanmmenhangs Geschehen. Handlung aus innerer Notswendigkeüt hervorgehen zu 10 aber Dine seinen Mog zu uns lassen. Diese innere Notwendigkeit, die dramatische Wahr⸗ 1 N 8 4 heit zu finden, auch hierfür gibt es nur 1 Weg. Um allen 1 ie Kun erer Tan sich den verhängnisvollen Zeichen[ Schein zu entlarven(wieder bildlich gedacht), lasse man die seither bir 75 Kunst unseper gage bat 1 ö 8 115 85 k 110 3 15 entdeckten Wahrheiten auf dem Seile tanzen. Doch es ist nicht 15 1 ode untergeorbnet, insofern ihr alle Notwendigkeit, Unwillkür e 5 F dem Sei 1 ist nich , algeht. Sie leidet an belspielloser Flächenhaftigkeit. Das ver⸗ jedem gegeben, Dinge so auf ein Seil zu stellen daß sie nicht her⸗ N„ smeiselte Suchen nach Form um darin den hohlen Inhalt zu untersallen, Eines Tages könnte auch die Wahrheit herunterfallen, Warbergen, artet allgemein in bombastigen Schwulst aus. ganz weil man sie schief daraufgestellt hat. Die rechte Einstellung erhält 600 der Schaffende im Erlebnis. En letztes Wort: Ein Voib,
i schweigen von den bildenden Klinsten. die mit verblüffender A rtuosität bei der Formlosigkelt angelangt sind. Spätere Jahr⸗ Underte werden pon unsern Künstlern sagen: Sie warfen die
das Mutter wird ohne Liebe heiße ich Dirne. Ku anst, geschaffen ohne Erlebnis, sst Dirnenkunst.
F rrmurnft in eine Wfublarube und wangen das gute Kind. sich an
Karl Stock.
wird und daß ene derartsge Entwicklung bei der Bevölkerung auß starken Widerstand stoßen muß. So wenig ich die schwierige Lage ver⸗ kenne, welche sich für das gesamte Wirtschaftsleben und in besonderem Maße für den Handel aus bem schnellen Wechsel des Markstandes ergab, so muß ich doch der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß die beteiilgten Kreise, sich der durch die politischen Verhältnisse verschärften besonderen Verantwortung bewußt, den berechtigten In⸗ teressen der Verbraucher die gebotenen Rücksichten entgegenbringen. Ich behalte mir vor, auf die Angelegenheit alsbald zurückzukommen, ersuche aber gefl. mit der durch die Umstände gebotenen Beschleu⸗ nigung auf die betetligten Kreise in vorstehendem Sime bere lis jet einzuwirken.“
Ferner meldet die Frankfurter Zeitung: Die Tatsache, daß, ob wohl der Dollarkurs in der letzten Woche um 50 Prozent r ist und eine ganze Reihe von Inlandsprodukten höher im Preis⸗ stehen als Auslands ware, oder solche, die ausländische Nohstoffe ent⸗ halten, gibt dem Präsidenten des Landespolizelamtes erneut Veran⸗ lassung, die Polizeiverwaltungen dringlichst anzuwelsen, diesen Miß⸗ ständen nachzugehen und überall da, wo die An von wuche⸗ rischer Preisforderung gerechtfertigt erscheint, sofort Ermittelungen anzustellen und gegebenenfalls die sofortige Einleitung des Straf⸗ verfahrens bei den zuständigen Stellen zu veranlassen, und wenn Tat⸗ sachen vorliegen, die die Unzuverlässigkeit des Händlers erweisen, auf Grund der Verordnung vom 23. Oktober 1915 rücksichtslos mit der Entziehung der Handelserlaubnis vorzugehen. 1
Es muß unbedingt gefordert werden, daß auch die hessische Re⸗ gierung umgehend ihre Maßnahmen bekannt gibt und daß rücksichts los nach ihnen von den Vollzugsbehörden vorgegangen wird.
Gießen und Umgebung. Vaterländische Streiktasse.
Es gingen weiter bei uns ein:
Skatklub im Hotel Kobel 300.— Mk., Lehrer Grünebaum 200.— Mk., gesammelt von Hochzeitsgästen im Hotel Schwab 7000.— Mk., zusammen 7500.— Mk., bereits quittiert 311 550.— Mk., zusammen 319 050.— Mk.
Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne
entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. 8
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Drucksehler⸗ Berichtigung. Das in der Samstagnummer ver⸗ öffentlichte Ergebnis einer Abendunterhaltung des Ortsvereins Wettsaasen beträgt nicht 300.— Mk., sondern 3000.— Mk. Die Endsumme ist richtig angegeben.— In der Montagnummer muß es heißen: Lehrer Roeder ⸗Nieder⸗Seemen(nicht Ronder).
Die Gesamtzahl der versorgungsberechtigten deutschen Kriegsbeschädigten beträgt zurzeit 1 537 000. An Kriegshinterbltiebenen find vorhanden: 533 000 Witwen, 1 134 000 Halbwaisen und 58 000 Vollwaisen.
Angesichts dieser furchtbaren Menschenopfer, des graufigen Elends, das der Krieg über das Volk gebracht hat, sollte man glauben, daß der Abscheu vor dem Kriege allgemein geworden sein müßte. Trotzdem hört man oft genug auch in Arbeiterkreisen Aeußerungen, die gegenteilige Ansichten zum Ausdruck bringen. Nach einer Mitteilung des Genossen Ege in der neulichen Betriebs⸗ räteversammlung tat in der Eisenbahn ein Arbeiter eine fkandalöse Aeußerung, womit er geradezu Mordlust zu erkennen gab.— Leider gibt's noch verdrehte Menschen, die jedem am liebsten an die Kehle springen möchten, der sich gegen den Kriegswahnstun wendet. Meistens gehört diese Sorte ja zu den Heimkriegern, Leute, die andere nur anhetzen können, sich selber aber möglichst in Sicherheit zu bringen wissen. Wie wäre es, wenn jeder dieser Narren oder Verbrecher ein Vierteljahr lang täglich acht Stunden tief unten in den Kohlenschächten des Ruhrreviers bei schweiß⸗ triefender Arbeit zur Raison gebracht würde? Sicher würde dann den meisten Kriegs⸗ und Hurraschreiern der„Spaß“, wieder zu neuem Massenmord zu hetzen, gründlich verdorben werden.
Ruhrbesetzung und Sozialdemokratie.
Ueber dieses Thema sprach am Montag abend Reichstagsang. Genosse Dr. Quessel⸗Darmstadt in öffentlicher Versammlung im Saale des Gewerkschaftshauses. Redner beleuthtete in klarer und ob⸗ jektwer Weise die heutige Lage und die Ursachen, die dazu geführt haben. Daß wir über den gewalttätigen Einbruch des französischen Militarismus empört sind und uns dagegen wehren müssen, ist selbst⸗ verständlich. Es muß aber auch die Frage aufgeworfen werden, ob von der deutschen Regierung alles getan wurde, den Konflikt zu ver⸗ hüten. Nur wegen der verhältnismäßig geringen„Verfehlungen“, die Poincaré Deutschland zur Last legt, hat Frankreich sicher den Vorstoß nicht gemacht, das war zweifellos mur ein Vorwand, viel⸗ mehr verfolgt Poincaré damit sowohl finanzielle, politische und wirt⸗ schaftliche Zwecke.— Die Regierung Wirth wollte die Erfüllung der französischen Forderungen aus dem Ertrag unserer Wirtschaft be⸗ werkstelligen; die Sozialdemokratie dagegen wollte Zahlung aus der Substanz. Das heißt also, daß aus dem Vermögen, den Sach⸗ werten bezahlt werden solle. Natürlich von den Besitzern der Sach⸗ werte, in diesem Falle von den Großindustriellen. Diese Sachwert⸗ besitzer sind durch den Krieg nicht ärmer geworden, wie der größte Teil der Bevölkerung, sie wurden reicher. Durch den Niedergang unserer Valuta haben wir alle verloren, deshalb wäre es ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gewesen, wenn die Sachwertbesitzer ein Viertel ihres Vermögens als Anleihe hergegeben hätten. Das hätte ihnen nicht weh getan und es konnten damit die Reparationsver⸗ pflichtunggen bezahlt werden. Damit kann natürlich nicht die Ge⸗ walttätigkeit der Franzosen entschuldigt werden. In Bezug auf die Höhe der Forderungen hat die Zeit schon bis zu einem gewissen Grade ihre heilende Kraft ausgeübt. Erst sollten wir 375 Milliarden bezahlen, dann setzte man 132 Milliarden Goldmark fest und im letzten Jahre einigte man sich auf 50 Millkarden und 82 Milliarden Buchschuld. Die letztere würde Frankreich streichen, wenn Amerika die französische Schuld streicht. Herr Helfferich und seine Freunde hoffen viel von England und Amerika, die man als deutschfreundlich hinstellt. Aus Aeußerungen Lord Curzons, des englischen Außen⸗ ministers, weist Redner aber nach, daß Englan„wohlwollende Neu⸗ tralität“ gegenüber Frankreich beobachtet. Wir haben also von ihm gar nichts zu hoffen, auch nicht von Amerika.— Die franzö⸗ sische Regierung ist genau über die deutschen Finanzverhältnisse unter⸗ richtet. Im französischen Regierungsblatte Le Temps(sprich tang, deutsch: die Zeit) sind wiederholt Artikel erschienen, die sich ein⸗ gehend mit den Finanz⸗ und Steuerverhältnissoen Deutschlands be⸗ fassen. Das Blatt fragte einmal, wieviel Cuno Vermögenssteuer be⸗ zahlte, womit es auf den Zusammenbruch der Besitzsteuer hinweisen wollte In der Dat ist es ein Skandal, daß die Aktien der großen Unternehmungen mit oft nur dem zehnten oder zwanzigsten Teile ihres heutigen Kurswertes zur Steuer herangezogen werden. Diesem Steuerskandal muß ein Ende gemacht werden!— Jetzt ruft man von allen Seiten den Arbeitern zu, daß sie durchhalten sollen. Schön. Aber dieser Wirtschaftskrieg kostet Geld. Und wenn die Herren um Helfferich betonen, daß sie Gut und Blut opfer wollen für das Vaterland, so haben wir ihnen zu erwidern, daß wir ihr Blut gar nicht wollen, sonder nur 25 Prozent ihres Gutes. Man kann von den Arbeitern nicht verlangen, daß sie noch mehr zu den Lasten bei⸗ tragen; ohnahin zahlen die Lohnempfänger jetzt schon fast 90 Pro⸗ zent der Einkommensteuer. Viele Tausende leiden an Unterermih⸗
Ueber eineinhalb Millionen Opfer des Massenmords


