Das Wüten der Franzosen in Gelsenkirchen.
sehr starke
a 1 Geldbuße stelle eine offene Vergewaltigung dar. Die
Dorfwirtshaus mit seiner Schar anhielt, um seinen Neffen
abend der Direktor der hiesigen
aus der Hast in Recklinghausen ent⸗ erfolgte Dienstag morgen eine neue Besetzung der Reichsbank. Nach sechsstündigen Verhandlungen wurde Reichsbankdirektor Jury aufs neue verhaftet. Weiter ist der Leiter der Gelsenkirchener politi⸗ schen Polizei, Polizeirat Hammer, verhaftet, ebenso ein anderer Beamter der Polizeiverwaltung. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung wiederum die Bezahlung der 100 Millionen Mark abgelehnt hatte, erfolgten neue Maß⸗ nahmen der Franzosen. So sollten Geschäfte gezwungen werden, Waren abzugeben. Da das größte Kaufhaus in Gelsenkirchen, Alsberg, den Verkauf von Waren abgelehnt hatte, erfolgte die Schließung und die gewallsame Hinaus⸗ treibung der Käufer aus den Räumen. Zwei Abteilungschefs wurden verhaftet und in dem Geschäft wurde ein Posten zurückgelassen. Hierauf stellten sämtliche Geschäfte Gelsen⸗ kirchens ihre Verkaufstätigkeit wieder ein.
Protest gegen die Gelsentirchener Straf⸗
expedition.
Der deutsche ache eu ein in Paris ist beauftragt worden, ber französischen Regierung eine Protestnote gegen die Gelsen⸗ kirchener Strafexpedition zu übersenden. In der Note wird ge⸗ schildert, wie der Polizejoberwachlmeister Huthmacher in Ausübung seines Dienstes von 2 franzöfsschen aner so schwer verletzt worden ist, daß er daran starb und daß trotzdem in Verdrehung dieses Zwischenfalles eine Strafexpedition gegen die Stadt Gelsen⸗ kirchen durchgeführt wurde und daß dabei außer der Verhaftung der höchsten städtischen Beamten der Stadt außerdem die Zahlung einer Buße von 100 Millionen Mark auferlegt worden sei. Die Verhaftung der Gelsenkirchener Schutzpolszei sowie die Maßnahmen gegen die Stadt seien in einer Weise erfolgt. deren Härte in keiner Weise noch wohl übertrieben werden kann. Die Strafexpedition stelle ferner eine Verletzung des Völker rechtes dar, da es noch nicht einmal im Kriege erlaubt sei, wegen der Handlung von Einzel⸗ personen Strafen über eine ganze Stadtbevölkerung zu verhängen. Die Verhaftung des Polizeipräftdenten von Gelsenkirchen, der zu⸗ dem noch preußischer Landtagsabgeordneter ist, sei überdies eine Verletzung der in allen Staaten gewährleisteten Immunität der Abgeordneten. Die französische Besatzung benutzte den Zwischen⸗ fall offensichtlich, um die Bevölkerung des Ruhrgebietes die mili⸗ tärische Uebermacht fühlen zu lassen und um sie dadurch leichter gefügig machen zu können. Die Eintreibung der von der Sladt
Nachdem Montag Reichsbank, Jury, lassen worden war,
utsche Regierung protestiert gegen diesen Gewaltakt und behält sich vor, vollständige Genugtuung zu verlangen. Sie fordert eben⸗ falls die sofortige Freilassung noch verhafteter Personen.
Volkswut.
Der Tag meldet: In Buer ereignete sich ein Zwischenfall. anzösischer Offizier, der einen Hufschmied mit der Reit⸗ geschlagen hatte, wurde von diesem durch Hammerschläge Der Schmied schwang sich dann auf das Pferd, 1 5 n Be⸗
Ein mit getötet. gerade beschlagen sollte, und entfloh. Er konnte von sabungskruppen nicht ergriffen werden.
Ein zweiter Vorfall ereignete sich in Westerholt. Dort wurde ein betrunkener Franzose der von einem Zivilisten ins Quartier gebracht werden sollte, erschossen.
Euntgangene Beute.
Frangösesche Gendarmen drangen in das Koblenz ein und verlangten die Kassenschlütsel. Wanderscheidt gelang es, 5 Millionen Mark zum Fenster hin⸗ unterzuwerfen und den Kassenschrank zuzuschlagen, Ein anderer Zollbeamter, der sich draußen aufhielt, nahm das Geld an sich und brachte es in Sickerheit. Die Franzosen, die darüber sehr aufge⸗ bracht waren, schlugen mit dem Kolben auf Wanderscheidt ein und schleppten ihn gefesselt ins Gefängnis.
Hauptzollamt Dem Zollrat
Roman von Robert Buchanan.
Zehntes Kapitel. Der König der Konskribierten. Hätte der Korporal damals, als er vor dem kleinen
Rohan zu erwarten, seewärts gespaht, so würde er weit draußen im offenen Meer einen winzigen Punkt entdeckt haben. Dieser Punkt war ein flinkes Fischerboot mit rotem Segel und sein Insasse— Rohan.
Vor Morgengrauen hatte er sich zur Bucht geschlichen, sein Boot klargemacht, mit Segel und Ruder versehen, um, von der scharfen Morgenbrise getrieben, bald auf offener See zu schaukeln. Erst hier atmete er erleichtert auf und erst hier, auf ollen Seiten von schäumenden Wellen um- geben, fühlte er sich verhältnismäßig sicher. Seit seiner letzten Unterredung mit Arfoll kam er sich wie ein gehetztes Wild vor. Er, der die goldene Freiheit über alles liehte und den Krieg verabscheute— er sollte, wenn das Schicksal ihm einen Possen spielte, seine alte Mutter verlassen, deren Stütze und Stolz er war, und das Blut von Mitmenschen
vergießen, weil ein eitler Tyrann es so wollte— nie und nimmermehr!
Je mehr er über seine Lage nachdachte, desto fester wurde sein Entschluß, standhaft und seinem Schwur treu zu bleiben. Er hatte viele schlaflose Nächte verbracht, ge⸗ grübelt, bis dieser Tag der Konskriptian heranbrach, der
sein Schicksal entscheiden sollte. Mit wildflatterndem Haar, blutunterlaufenen Augen und entschlossenem Gesichtsaus- druck saß er in seinem Boote und beobachtete das Erwachen des Dorfes. Wie oft hatte er diesos interessante Schauspiel schon genossen, aber noch nie in solch krankhaft aufgeregter Stimmung, Er, der sonst so waghalsige Kletterer, der die tiefsten Abgründe durchforschte, mit den Robben um die
Der Deserteur. 1
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Gegen die feindlichen Eisenbahner. Halbamtlich wird mitgeteilt: Der Reichsverkehrs⸗ minister Gröner hat die Reichsbahndirektionen beauftragt, die Lieferung von Gas, Wasser und Elektrizität an alle Dienststellen einzustellen, welche in den gegnerischen Militärbetrieb übergegangen sind. 5
Dank des Reichskanzlers an Genossen Grützner.
Der Reichskanzler Cuno hat an den Regierupas pegel Grützner folgendes Telegramm gerichtet: Ueberzeugt, daß keine Ausweisung und Gewalt den Kampf gegen Recht und Freiheit ein Ende macht, begrüße ich Sie mit aufrichtigem Danke für alles, was Sie als Führer waclerer Männer aller Berufe geleistet haben.
Poincaré über die Lage im Ru u rgebiet.
Ueber die Sitzung des Kammerausschusses für auswärtige An⸗ gelegenheiten und die Ausführungen, die Poincaré machte, ist in den späten Abendstunden ein Bericht ausgegeben worden, der in kurzen Worten feststellt, daß der Ministerpräsident sich zunächst mit der Memelerfrage und dann mit den Einzelheiten über die Ruhrbesetzung befaßte. Seine Rede wurde nach 3½ Stunden unterbrochen, um in der nächsten Woche fortgesetzt zu werden. Der Vorsitzende der Kom⸗ mission, Leygues, dankte Poincars für seine bisherigen Erklärungen, die es der Kommifssion erlauben, sich über die Richtlinien der aus⸗ wärtigen Politik Frankreichs und die klugen und festen Methoden, die zum Schutze der französischen Interessen angewendet werden, Rechenschaft abzulegen..
Die Blätter erfahren noch folgende Einzelheiten über den In⸗ halt der Rede: In der Memelerfrage verschwieg Poincaré die Schwierigkeit, die aus der Haltung der litauischen Regierung entstan⸗ den ist und die noch fortdauert. In der Gegend von Kowno sind neue Truppenbewegungen festzustellen, durch die Polen sich in hohem Grade beunruhigt fühlt. Nach diesem Teil seiner Ausführungen wandte Poincaré sich den Umständen zu, die zur Besetzung des Ruhr⸗ gebietes führten, wabei er auf Grund von Dokumenten eine Dar⸗ stellung der sogenannten absichtlichen Verfehlungen Deutschlands in den Reparationen gab. 5 7
Aus der Statistik über die bisherige Besetzung! gab Poincaré folgende Einzelheiten zum Besten: Die Besetzung umfaßt im Ruhr⸗ gebiet 2800 Quadratkilometer, ein Gebiet, dessen jährliche Kohlen⸗ erzeugung 80 Millionen Tonnen beträgt. Außerhalb der Besetzung bleiben nur 500 Quadratkilometer mit 8 Millionen Tonnen Kohlen⸗ produktion übrig. Von 14500 Koksöfen sind 14200 im Besetzungs⸗ gebiet einbegriffen. Von einer Bevölkerung von 3% Millionen Ein⸗ wohnern befinden sich 3 Millionen in dem durch die Zoll⸗Linie um⸗ schriebenen Besetzungsgebiet und von 500 000 Bergarbeitern sind bloß 50 000 außerhalb des besetzten Gebietes beschäftigt, mit einem neun Zehntel der Ruhrproduktion werden von Frankreich und Bel⸗ gien kontrolliert. Betreffs der militärischen Organisation rühmte Poincars die Tätigkeit des Generals Degoutte, der ein Organisator von hohen Fähigkeiten sei. Neben ihm fungiert eine Abordnung von ungefähr 60 französischen, belgischen und italienischen Ingenieuren, an deren Seite noch englische Ingenieure treten möchten. Diese Ab⸗ ordnung steht unter der Leitung des Kommissars Coste. Sie ist nicht im Stande, das Ruhrgebiet selber industriell auszubeuten. Das wäre unmöglich. Sie kann es mur kontrollieren.
Weiterhin führte Poincaré aus, Eisenbahnnetz in Ruhrgebiet zugleich den Schliissel für die Reich⸗ timer dieser Industrie darstellt und er nannte Ziffern, die die ganze Bedeutung dieser außerordentlich großen Organisation veranschau⸗ lichen soll. Vor der französischen Besetzung verkehrten in dem Gebiet 580 Personen⸗ und 600 Güterzüge mit einem Eisenbahnpersonal von mehr als 100 000 Mann. Die Besatzung verfügt nur über 9600 Ange⸗ stellte, die aber, wie es scheint, dazu ausreichen, den stark verkleiner⸗ ten Betrieb sicherzustellen. 5 N
Ablehnung des liberalen Antrags im Unterhaus.
Am Montag wurde in der Sitzung des Unterhauses nach der Rede Lloyd Georges über den Antrag der Liberalen zur Einbe⸗ rufung einer Völkerbundskommission in der Frage der Repara⸗ tionen und der Frage der Ruhrbesetzung abgestimmt. Die Ab⸗ stimmung ergab die Ablehnung des liberalen Antrages mit 305 gegen 196 Stimmen. gehen sollte, fest entschlossen, Widerstand bis zum letzten Blutstropfen zu leisten. Er fühlte, gegen welche Macht er anzukämpfen haben würde; er wußte, daß seine ganze Hei⸗ mat, seine Mitbürger, seine Verwandten, vielleicht sogar zeine geliebte Marcelle gegen ihn sein würden, aber sein Entschluß blieb: lieber sterben, als dem verabscheuten Unge⸗ heuer dienen.
Wodurch kam Rohan Gwenfern, der Neffe des Ex⸗ korporals, zu diesen, in seinem Kreise so vollständig unbe⸗ greiflichen Lebensanschauungen? Erstens war er von frühester Jugend auf an Einsamkeit gewöhnt und diese hatte ihn nicht griesgrämig und menschenscheu gemacht, sondern seine angeborene Menschenliebe und Herzensgüte nur ver⸗ stärkt; zweitens war ihm die ungebundene Freiheit zur zweiten Natur geworden. Er konnte nicht anders als hilf⸗ reich und gut gegen alle schwächeren Geschöpfe sein. Er haßte das Blutvergießen in jeder Form und ersehnte täglich den Frieden: Frieden dem guten Gott im Himmel, Frieden den Menschen, Frieden dem Gevögel der Felsen und seinen Lieb⸗ lingen, den possierlichen Seehunden, die ihn mit menschen⸗ ähnlichen Augen anblickten. Seine riesige Körperkraft und sein Wagemut hatte noch nie zu bösen Zwecken Verwendung gefunden; selbst wenn er in jugendlichem Spiel mit den Vettern und Komeraden seine Krafte maß, hütete er sich, brutal und grausam zu sein. Er war in der ganzen Gegend nicht nur als der hübscheste, sondern auch als der stärkste und mutigste Bursche bekannt. Und doch konnte er nicht leugnen,
Schreck Natur?
Die Saat, die Meister Arfoll in das Gemüt seines ge⸗ lehrigen Schülers gesaet, war aufgegangen. Vorurteile, Leidenschaften und Neigungen, wie Rohan Gwenfern sie fühlte, pflegen sonst nicht in der Brust gewöhnlicher Bauern zu wohnen. Hätte er Arfoll nicht kennen gelernt, er wäre, trotz seiner angeborenen Fähigkeiten, nie imstande gewesen,
und Angst lähmte. Woher dieser Zwiespalt der
Wette schwamm, dem heftigsten Sturm trotzte, es an Kraft und Mut mit allen Kameraden aufnahm, zitterte vor Angst wenn er an das mögliche Ergebnis des heutigen Tages dachte. Er blickte furchtsam um sich als oß er irgend einen unheimlichen Verfolger aus den Wellen auftauchen sähe; dann wieder lachte er laut auf. Sein Auge hatte einen ängstlichen, lauernden, gespannten Ausdruck, wie ihn ein ge⸗ hetztes Wild zu haben pflegt, wenn es im Walde Stimmen⸗ gewirr und Füßegetrampel vernimmt. Und doch lag nichts Gewaltsames, Wildes in seinem Blick aber etwas für ihn weit Schlimmeres— die Kraft eines unbesiegbaren Willen. Was dieser Tag auch bringen mochte, er war, wenn's schief
die Feinheiten der Liebe und des Hasses unterscheiden zu können, sein Seelenleben wäre ein viel grüberes geblieben. Kurz nach dem Tode seines ersten Gönners, des gewesenen guten Pfarrers, lernte er den Wanderlehrer kennen, der Freude an ihm hatte und gar manche Stunde in seiner Ge⸗ sellschaft verbrachte, ihm die Psalmen vorlesend oder Ge⸗ schichten aus der Schreckenszeit erzählend. In ein und der⸗ selben Stunde batte er Rohan mit der geheimnisvollen Ge⸗ burt Christi und mit dem gräßlichen Ende Marats bekannt gemacht. Ehe sich's der Meister versah, übertraf ihn sein Schüler nocht an Haß gegen die Tyrannei und das Blut- vergießen Napoleons. Je älter er wurde und je selbständiger
daß die Herrschaft über das
daß schon der bloße Gedanke an die Konskription ihn vor
12 1 5
Das englische Unkerhaus und das
Ruhr⸗
Der Premierminister antwortete in debatte auf verschiedene Anfragen, schläge mit
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Zusammengehen Englands
die franzlsche Kal k bestehe dar
ie französische itik bestel arin, unmögliche Bedingungen durchzufetzen. Bona Lam glaubt, dan Deutschland feine jetzia⸗ Haltung ein nehme, weil es die Unmöglich⸗
keit der Bedingungen einsehe. Es habe diese Haltung aus Ver⸗ zweiflung eingenommen An den Völkerbund zu appellieren, so ineinte Vonar Law wäre im Augenblick zwecklos. weil man wisse. daß etwas Wirksames gegen Frankreich nicht unternommen wer⸗ den würde. 8
ergreifen und
Politische Uebersicht.
Die wertbeständige Anleihe.
En Ueber die Auflegung einer inneren wertbeständigen 8 1 durch Ausgabe dreijähriger Schatzanweisungen erfährt die Vossische 5 Zeitung noch, daß die näheren technischen Einzelheiten für die Durch⸗ führung der Zeichnung von einer Unterkommission festgestellt wer⸗ den, die unter dem Vorsitz des Reichsbankpräsidenten Havenstein arbeiten wird. Aufgabe dieser Kommission soll es sein, namentlich die quotenmäßige Beteiligung der einzelnen Banken und Bankiers an dem festübernommenen Teil der Anleihe sestzusetzen. Es sei w Aussicht genommen, mit der Auflegung der Goldanleihe am 1. März zu beginnen. Ihr Ausgabekurs soll 100 vom 100 betragen. 0
Zu der Frage selbst schreibt das genannte Blatt:
„Wenn das Experiment, das hier zum erstenmale nach langem Zögern versucht wird, so gelingt, wie man hofft, so wird damit der Anfang einer inneren Sanierung des deutschen Geldwesens gemacht sein. Denn ganz von selbst werden sich an diesen Schritt des Reiches private Maßnahmen reihen, von denen ja in letzter Zeit so viel die Rede war. Die Möglichkeit, die die Goldanleihe für die Genossen⸗ schaften, Sparkassen und Banken gibt, ihr Geld wertbeständig anzu⸗ legen, wird es ihnen ermöglichen, Golddepots und Goldsparkonten für das Publikum zu eröffnen und so wird man allmählich auf diesem Umwege wieder zu einer vernünftigen Goldrechnung kommen, die sich letzten Endes wahrscheinlich auch bis auf die Löhne erstrecken wird.
er unter der Leitung seines Lehrers denken lernte, desto klarer wurde ihm, daß in Frankreich statt der heiligen Gott⸗ heit„Freiheit“ ein blutdürstiger Tyrann herrsche.*
Von Jahr zu Jahr hatte er mit eigenen Augen beob⸗ achtet, wie der rote Engel der Konskription über sein Heimatdort hinschritt und die Häuser mit blutigen Zeichen versah. Johraus, jahrein hatte er mit eigenen Ohren das Wehgeschrei der Witwen und Waisen Gefallener gehört. Er hatte immer klarer den großen Eroberer als eine verab⸗ scheuenswerte Macht erkannt und immer inbrünstiger für dis Märtyrer des Kaisers gebetet... 71
Den ganzen langen Tag verbrachte Rohan in seinem Boote auf offener See, ohne auch nur daran zu denken, Speis und Trank zu sich zu nehmen oder sich gegen die sengenden Sonnenstrahlen zu schützen. All sein Hunger und Durst lag in seinen Augen, mit denen er gen Kromlaix starrte. 9
Gegen Abend erhob sich eine kraftigere Brise und trieb das Boot der Küste zu. Plötzlich sprang Rohan auf und lauschte wie ein geängstigtes wildes Tier. Seine Blicke 9 waren duf den Hügel gerichtet, wo die Kirche stand. Sein Boot war das einzige auf der unermeßlichen Wasserfläche und auch das Dorf schien verödet und ausgestorben. Er schüttelte seine wilde Mähne, reckte die mächtigen Glieder und horchte mit angehaltenem Atem. Kein Zweifel, die Leute kehrten aus St. Gurlott zurück und kannten bereits 1 sein Schicksal. Sein ganzer Körper erbebte. Ja, ja, das waren menschliche Stimmen, die der Abendwind zu ihm herüber⸗ wehte, und jetzt erkannte er auch ganz deutlich das Ge- quietsche von Alains Dudelsuck. 33
Er blieb aufrecht in seinem Boote stehen, die Augen mit der Hand beschattend, bis er die Menge über den Hügel kommen sah. Vor dem Kirchentor blieh sie, wie am Morgen, stehen. Der Pfarrer kam heraus, sprach seinen Segen und schien sich nach den Ergebnissen des Tages zu erkundigen. Rohan sah und fühlte das alles. 7 2
Einen Moment lang dachte er daran, sofort zu landen und den Leuten entgegenzugehen. Aber er verwarf diesen Gedanken ebenso rasch wie er gekommen war. Obgleich er sich den ganzen Tag vor Neugier fast verzehrt hatte, ob sein Name in seiner Abwesenheit überhaupt gezogen worden war und, wenn ja, wer statt seiner die Nummer aus der Urne gezogen hatte, schauderte er jetzt bei dem Gedanken, das Er⸗ gabnis zu hören. Je näher und je lauter bie Stimmen zu ihm herübertönten, desto größer wurde sein Entsetzen. Statt zu landen, drehte er das Boot um nahm die Ruder zur Hand
*
und ruderte wieder ins offene Meer hinaus. (Jortsetzung folgt.)


