lerschächten mit dem Streik beantwortet worden. Dort weigerte sich die ttahsschicht einmütig, einzufahren, solange die fremden Sol⸗
herbeizuf ren. Auch
ia Nh i 4 Beteiligten, Beamtenschaft und Bergleute, einmütig die Be⸗ solgung ber unrechtm
Mitteln nashisdert wurde. Die Beförderung zu Wasser ist eingestellt
Die Betriebsräte wehren sich.
Der Gesamtbetriebsrat der staatlichen Gruben hat aus Anlaß der Beschlagnahme einiger staatlichen Bergwerke Freitag nachmittag 4 Uhr eine Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, eine Kommission, aus vier Arbeitern und einem Angestellten bestehend, am Samstag zu General Degoutte zu entsenden. Die Kommission soll einen in einer Entschließung niedergelegten Protest gegen den französischen und belgischen Gewaltakt zur Kenntnis bringen und die sofortige Freilassung der verhafteten Beamten und Ange⸗ Fate die Entfernung der Truppen von den Zechen und die Aufhebung der Beschlagnahme fordern. Die Entschließung soll in sehr scharfem Ton gehalten sein. Der Gesamtbetriebs⸗ rat behält sich alle weiteren Schritte für den Fall der Ab⸗ lehnung der Forderungen vor.
5 Neue Truppen! Foch geht auf den Kriegsschauplatz.
In der Gegend von Bühr sind neue Truppen Infanterie, Kaval⸗ lerie und Artillerie, darunter eine Abteilung mit 8 Haubizen, einge⸗ troffen. Wie der Vorwärts meldet, ist für morgen die Ankunft des Generalissi Joch im Ruhrgebiet angekündigt.
Auch in der Pfalz Verhaftungen. Nn Landau ist der Direktor der dortigen Reichsbankzweigstelle a umter militärischer Bewachung abgeführt worden. Der Direktor der Ludwigshafener Filiale hatte im Laufe der vor⸗ gestrigen Nacht und des gestrigen Vormittags mehreren Aufforderun⸗
E 1 unter französische Kontrolle zu stellen, keine Folge geleistet
deshalb verhaftet worden. Es wird geschossen. An der Eisenbahnbrücke Sorst, auf dem Wege nach Altendorf wurden beim Heimgange von der Schicht Bergleute von der Zeche 33 von dort stehenden französischen Posten beschossen. Nach . kurzen 2 if W 85 15 fe 6 Schüsse ab. Ob jemand getroffen wurde, lä n eststellen, da noch nicht alle Bergleute zurückgekehrt sind. 0 5 Die Verbote der Reichsregierung. Der Reichsfinanzminister hat an die ihm unterstellten Be⸗ hörden im besetzten Gebiet folgende Weisung ergehen lassen: Die von der Rheinlandkommisston angedrohte Beschlagnahme deutscher Steuern und Zölle und die Eingriffe in dee euch manzverwaltung ist rechtswidrig und recht ungültig. Ich er⸗ warte von allen Beamten, daß ste solchen Anordnungen nicht nach⸗ kommen und unbeugsamen Widerstand entgegensetzen. Wiederhole Zusiche rung völliger Schadloshaltung. Nachgeordnete Dienst⸗ stellen sind sofort anzuweisen. 8 Reichsverkehrsminister gibt im Amtsblatt des Reichsverkehrsministerium(Reichsverkehrsblatt) folgende Anordnung bekannt: 1. Verbot der Beförderung von Kohlen und Koks an Frank⸗ reich und Belgien. Die Aktion der französischen und belgischen R
gibrung im Ruhrgebiet stellt eine schwere Verlehung des Bölker⸗ rechts und des Vertrages von Verfailles dar. Insolgedessen ist auch der Befehl des Generals Degoutte, wonach das Eisenbahn⸗ personal den Befehlen des kommandierenden Generals und den milftärischen Gesetzen und Verordnungen untersrellt ist, rechts⸗ unwirksam. Das Eisenbahnpersonal ist nach wie vor den deut⸗ schen Gesetzen unterstellt und hat die deutschen Anordnungen aus⸗ zuflihren. Da der Reichskohlenkommissar die Lieferung von Kohlen und Koks für Frankreich und Belgien verboten hat, habe ich folgen des angeordnet:*
Den Beamten und Arbeitern der Reichsbahn ist es den Be⸗ stimmungen des Reichskohlenkommissars entsprechend, verboten, Kohlen für Frankreich und Belgien dn befördern oder bei der Umleitung von Kohlenzügen nach diesen Ländern mitzuwirken. Entgegensbehende Befehle sind nicht zu befolgen. Die Reichs⸗ regierung wird das Eisenbahnpersonal für die hieraus erwachsen⸗ den Nachtekle schadlos halten. a..
2. Gebrauch der beutschen Sprache. Bei allen nicht vermeid⸗ baren Berührungen mit der französischen und beg Besatzung im Ruhrgebiet haben die Eisenbahndeamte und Arbeiter sich aus⸗ schließlich der deutschen Sprache zu bedienen.
Ein Prolest des Rei hes und der Länder.
Die Reichsregierung und die von der Besetzung be⸗ troffenen Landesregierung Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs haben folgende Anweisung erlassen:
„Die Aktion der französischen und belgischen Regierung im Ruhrgebiet stellt eine schwere Verletzung des Völkerrechts und des Vertrages von Versailles dar. Insolgedessen sind Befehle und Anordnungen, die in Verfolg dieser Aktion an deutsche Beamte ergehen, rechtsunwirksam. Es ergeht daher seitens der Regierung des Reiches, Preußens, Bayerns, Hessens und Oldenburgs die Anweisung⸗ Anordnungen der besetzenden Mächte keinerlei Folge zu geben, sondern sich ausschließlich an die Anweisungen ihrer eigenen Regierung zu halten. Dies gilt auch für die Beamte im altbesetzten Gebiet und allen Maßnahmen gegenüber, die in Widerspruch zu den Bestimmungen des Rheinlandabkommens stehen.“
Cuno, Braun, von Enilling, Ulrich, Tantzen.
Einstellung der Tätigkeit der Schiedsrichter in Paris und Brüssel. g
Die deutschen Schiedsrichter und Staatsvertreter an dem gemäß Art. 304 des Versailler Friedensvertrages errichteten, in Paris tagenden deutsch-französisch⸗gemischten Schieds⸗ gerichtshofes werden an den Sitzungen des gemischten Schiedsgerichtshofes bis auf weiteres nicht mehr teilnehmen, da die gegenwärtige Lage eine gedeihliche Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen nicht gestattet. Das gleiche gilt für den deutsch⸗belgischen Schiedsgerichtshof in Brüssel. Der moralische Widerstand ist ungebrochen.
Der französische Ministerpräsident hat in den letzten Tagen mehrfach die Erklärung abgegeben, daß die deutsche Regierung bald zu Kreuze kriechen und um Verhandlung nachsuchen werde. Hierbei war natürlich der Wunsch der Vater des Gedankens. Herr Poincaré war schlecht unter⸗ richtet; denn vorläufig denkt niemand daran, die bisher im Ruhrgebiet verfolgte Politik aufzugeben oder auch nur zu ändern. Der moralische Widerstand, der bisher geleistet wurde, soll fortgesetzt werden, und die Regierung wird alles tun, um die Arbeiterschaft in ihrer Abwehr zu unterstützen. In den Berliner Negierungsstellen ist man der Ueber⸗ zeugung, daß Frankreich das beabsichtigte Manöver nicht ge⸗ lingen wird und man im Gegenteil bald einsieht, was der Geist der Militärs, dem Poincaré unterlegen ist, angerichtet hat. Eiunstellung der Durchführung der Sachlieferungs⸗
verträge.
Nachdem die Reichsregierung der französischen und belgischen Regierung durch gleichlautende Noten vom 12. Januar mittseteilt hat, daß sie olge der Vesetzung des Ruhrgebietes nicht in der Lage sei, f an Frankreich und zu bewirken, ist
die D r Sachli in rträge zwischen d
Der Deserteur. 1
Roman von Robert Buchanan.
Hier unten in Kromlaix freilich, diesem entferntesten und trostlosesten Winkel der Bretagner Küste, schien die Sonne und glitzerte das Meer, als ob es nie ein Moskau gegeben, als ob nie Hekatomben von französischen Toten unter russischem Schnee vermodert wären, als ob das ge⸗ marterte Frankreich nie im geheimsten Herzenswinkel den Abatar“) verflucht hätte! Das Kriegsgeschrei wiederhallte weit und breit, aber Rohan beachtete es nicht. Das Glück macht egoistisch und Rohan war glücklich. Das Leben erschien ihm so süß! Es war ein Hochgenuß, zu atmen, zu sein, sich seiner Freiheit zu freuen, das Antlitz zur Sonne zu erheben, die Blicke übers unendliche Meer schweifen zu lassen, die vor⸗ beigleitenden Segel oder den aufsteigenden Rauch aus den Schornsteinen des kleinen Fischerdorfes zu beobachten, den seltsamen Geschichten vom Biwak und dem Schlachtfeld zu lauschen, die sein alter Onkel, ein bonapartistischer Feuer⸗ brand, zu erzählen pflegte, Möwen⸗ und Seepapageieneier zu suchen, in ruhigen Frühlingsnächten mit den Kameraden auf den Heringsfang auszuziehen oder gar sich mit Marcelle ant Strande zu tummeln, an ihrer Seite niederzuknien, in ihre Augen zu blicken und sie auf die frischen Wangen zu küssen! Welches Leben hätte besser, welches süßer sein können als dieses?!
Und Marcelle?
Sie ist das Kind von seiner Mutter Schwester und die einzige Nichte des seltsamen alten Korporals, bei dem sie nebst ihren vier erwachsenen starken Brüdern lebt. Seit ihrer frühesten Kindheit sind die Geschwisterkinder gewöhnt, in aller Unschuld miteinander zu verkehren. Während die oiel älteren Brüder die Gesellschaft der Kleinen nicht suchen, sonndern in freien Stunden liebet anderen Mädchen nach⸗ Aehen, findet man Nohan stets in ihrer Nähe. Er behandelt sie aufmerksamer und zärtlicher als irgend ein Bruder; liebt er doch ihre blitzenden Augen, ihr unter der Haube verstecktes
* Aygtar bedeutet im Indischen: Verkörperung der Gottheit; Fier auf Navoleon angewandt. Red.
schwarzes Haar, ihr sanftes Wesen und ihre zärtliche Be⸗
wunderung für ihn! Jahrelang war sie seine Spiel⸗ kameradin, jetzt ist sie seine treue Begleiterin und bald soll sie seine Gattin werden. Freilich ist die Ehe unter so nahen Verwandten in der Bretagne fraglich. Man muß nämlich vom Bischof eine besondere Erlaubnis dazu erhalten. Uebrigens haben die Leutchen noch nie ein Wort über ihre gegenseitige Liebe ausgetauscht. Wozu auch? Sie ver⸗ stehen sich zweifellos auch so, denn die Liebe braucht der Worte nicht, sie hat Zeichen und Laute, die beredter sind. Sie haben bisher dem Gefühl der Freude, das sie in ihrer gegen⸗ seitigen Gesellschaft empfinden, noch keinen Namen ver⸗ liehen.—
Rohan erhebt sich vom Rasen, steht an der Seite des Mädchens und lauscht ihren sanften Vorwürfen. Was ant⸗ worket er ihr? Er nimmt ihr Gesichtchen in seine beiden Hände und küßt sie auf beide Wangen!
Sie lacht und errötet leicht; sie wäre tiefer errötet, wenn er sie auf die Lippen geküßt hätte.
Die Abenddämmerung zieht über das Meer herauf. Die blutroten Riffe, der nasse Sand, die Wassertümpel zwischen den Klippen schimmern in immer matteren Farben; die Krähen eilen dem Festlande zu die Seevögel suchen mit Ge⸗ kreisch ihre versteckten Nester auf; die Nechteuse flattert aus ihrem düsteren Winkel empor und das Fischerboot zieht langsam heim.
Rohan läßt seine Blicke über die stille Abendlandschaft schweifen. Dort drüben, auf dem Gipfel der Klippen, steht die kleine Kapelle Unserer Lieben Frau von der Sicherheit.
„Gehen wir Marcelle!“
Rohan greift mit einer Hand nach seinem Volerhaken, windet das Seil um die andere und wendet sich, von seiner Begleiterin gefolgt, dem Gipfel der Klippe zu. Ein stark abgetretener Fußpfad führt zur Pforte der kleinen Kapelle, und diesen schreiten sie entlang. Sie sind noch nicht weit gegangen, als von einer der nächsten Klippen eine große, weiße Ziege herabklettert, bei ihrem Anblick Halt macht und sie neugierig anstarrt.
„Sieh doch, das ist ja Jannedik!“ ruft Marcelle.
Jannedik antwortet, indem sie näher tritt und ihren
Seutschen Reich einersefts und Frankreich und Belgien
eits vom 12. Januar an bis auf weiteres eingestellt wor en. Weit Leteuntmage ber Einstellung ist jetzt im Reichsan zei veröffentlicht worden. f* Italfenische Vermittlung?
Die römischen Blätter beklagen allgemein das f bleiben Englands, dessen Beteiligung für eine Friedens. aklion unumgänglich nötig sei. Die Tribuna fragt beso was geschehen würde, wenn die Divisionen Degouttes n Ueberschreitung der neutralen Zone auf die deutsch Bajonette stoßen werden. Das Blatt dementiert alsdo den angeblich italienischen Vermittlungsversuch. Es handele sich lediglich um einen diplomatischen Fühler in Paris nd Berlin, um eine Katastrophe zu beschwören. Beim römise Außenamt ist bisher keine Antwort Poincarés auf Mu linis Anfrage über Frankreichs Ruhrziele eingetroffen. Englands Stellung unverändert.
In London herrscht, wie der Frankf. Ztg. aus London
Die Sosfalisten und die Labour⸗Party organisteren in 85 eine Demonstration auf dem Trafalgar Square als Protest die verwerfliche Reparationspolitik und den französischen ins Ruhrgebiet. b
Protest schweizerischer Gewerkschaften.
Die Zentralleitungen bes christlich⸗ nationalen Gewerkech bundes sowie des christlich⸗fozialen Arbeiterbundes der Schn erließen ebenfalls zurRuhrbesetzung einen starken Protest uns langen gleichzeitig, daß der Bundesrat sich mit einer Bitte Intervention an den Völkerbund wendet.
Politische uebersicht.
Sitzung der Reparationskom mission.
Die Reparationskommission, deren Präsidium Bureau nach dem Reglement des Friedensvertrages alljq lich neu zu wählen sind, hat am Freitag die bisherigen haber dieser Aemter wiedergewählt. Die auf der Tages nung stehende Frage der von Italien angeford Benzollieferung die von Deutschland mit 1 gründung, daß die deutsche Produktion nicht für den Ei bedarf aus eiche, abgelehnt worden ist, wurde erneut b tagt. Der Grund dafür ist offenbar, daß der italienische Delegierte wenig geneigt zu sein scheint, den frangzösischen Wünschen gemäß durch die Stellung eines Antrages auf ü stellung einer vorsätzlichen Nichterfüllung Herrn Pois 00 einen neuen Vorwand zu Sanktionen zu liefern. Auf de Tagesordnung der Sitzung stand weiterhin die Diskuf on über die im deutschen Budget ausgeworfenen Wiederguf⸗ bauenkschädigungen für die Reederei. gegen deren Zahlung das Garantiekomitee vor einiger 90 Widerspruch erhoben hat. 9
Die Lage in Ostthrazien.
Die Nachrichten aus Ostthrazien lauten ziemlich beun
gend. Am Freitag abend lagen Meldungen von großen gr schen Truppenbewegungen vor, die man auf 60—70 000
schätzt. 1
— 4
Kopf an dem Kittel des Mädchens reibt, sich dann zu Roha a wendet und ihr Kinn in dessen ausgestreckte Hand drück 0 „Was tuft Du hier, so weit vom Hause, Jannedik? fragt er lächelnd.„Du bist eine Herumstreicherin und N Dir noch eines Tages den Hals brechen! Es ist Schlafenszeit, Jannedik!“ 6 4 Jannedik, das Eigentum seiner Mutter, ist eine De unter den Ziegen. Wie zu seinen, gehört es auch zu ihren liebsten Vergnügungen, zwischen den höchsten und steil Felsen herumzuklettern. Sie kennt die verstecktesten WI aller Höhlen und die saftigsten Weideplätze. Sie hat große, braune Augen und kommt wie ein Hund auf Pfiff herbei. 3 Während Rohan und Marcelle auf die Kapelle zu schritten, folgt ihnen Jannedik, dann und wann stehe bleibend, um an besonders saftigem Grase zu knabbern. die beiden mit einer frommen Verbeugung eintreten, 9 Jannedik einen Augenblick, macht dann meckernd kehrt un? trottet langsam heimwärts, denn die Kapelle übt keine An- ziehungskraft auf sie aus. 1. Das kleine Kirchlein steht auf der höchsten Klippe, wehr los allen Unbilden des Wetters ausgesetzt. Es wurde von Matrosenhand erbaut und wird von den Matrosen Fischern benützt. Die Türe steht Tag und Nacht offen.“ Gegenwärtig sind Rohan und Marcelle die einzigen sucher. Als sie sich dem Altar nähern, fallen durch das g malte Glasfenster die letzten Sonnenstrahlen auf das bild— ein recht primitives Gemälde, schiffbrüchige Matr därstellend, die ihre Augen zu der in den Wolken schw den Mutter Gottes emporrichten. 2 Marcelle bekreuzigt sich und kniet vor dem Altar nieder Rohan bleibt mit dem Hut in der Hand stehen umd starrt die Mutter Gottes oben in den Wolken an. In Kapelle wird es immer dunkler, über die vom Zahn der beschädigten Wände senken sich düstere Schotten herab der letzte Lichtschimmer gleitet über Marcelles gebeugtes K chen und über die mächtige Gestalt Rohans.
D rr e
Friede und Liebe seit heute mit ihnen und mit ganzen Welt! Wer weiß, was das Morgen bringen
(Fortsetzung folgt.) 923
—


