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Nr. 17
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Gießen, Montag, den 22. Januar 1923
13. Jahrgang
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Die zweite Etappe der Ruhrbesetzung.
Panik am Devisenmarkt.— Die Nationaltrauer der Börse.— Preissteigerung überall.— Die be⸗ vorstehende Brotprelserhöhung.
0 Die deutsche Wirtschaft wird beherrscht von den Vorgängen im Westen, wo der Friedensbruch der Franzosen die Besetzung des überwiegenden produktionswichtigsten Teiles des Ruhrgebietes nach sich gezogen hat. Es lohnt, die Dinge historisch zu betrachten, 0 Im Schlüsse darauf ziehen zu können, wie sich die nächste Zeit für
die Produktion und Warenverteilung des deutschen Volkes ge⸗
Von vornherein war klar, daß die Franzosen das Ruhrgebiet nicht deshalb besetzt haben, um Kohlen zu haben. Die deutsche Re⸗ gierung hatte ja schon früher sich bereit erklärt, die Ausfälle an Rieparationskohlenlieferungen, die durch Schwierigkeiten der 0 Förderung oder des Transportes entstanden waren, mit ange⸗ aufter englischer Kohle auszugleichen. Dieser Vorschlag wurde nicht abgelehnt— nicht einmal dessen hielt man ihn für wert— 0 er liegt vielmehr noch heute unerledigt bei den Akten der Repara⸗ 5
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onskommission. Wer so darauf verzichtet hat, die dargebotene zohlenleistung anzunehmen, hat keinen Anspruch auf Glauben, Zenn er das Ruhrgebiet militärisch⸗friedlich, aber unter Kriegs⸗ echt, unter Flintengeknatter besetzt mit der Versicherung, man volle nur die Nachlieferungen garantieren. Vielmehr lag den Franzosen daran, aus der finanziellen und wirtschaftlichen Be⸗ ufsichtigung des Ruhrgebietes Ueberschüsse zu erzielen, die den lankerotten franzöfischen Staatsfinanzen zugute kommen sollten. Nan muß sich diese Sachlage klar vor Augen halten, und man »ird dann erkennen, daß die Auseinandersetzungen zwischen den gsesatzungsbehörden und den Zechenbaronen, die Verlegung des Fohlensyndikats, das Eingreifen des Kohlenkommissars, die Pirohung mit Requisitionen von Kohlen, die Kampfansage der Vergarbeiter durch ihren Verzicht auf Ueberschichten und ähn⸗ che mehr oder minder diplomatische Aktionen zwischen den Sub⸗ kten und den Objekten des französischen Raubzuges nichts an⸗ Eres als Vorpostengeplänkel in dem Wirtschaftskrieg sind, der Et um das Ruhrgebiet selbst geht und so um ein bestimmtes el, während er natürlich bereits mit dem Machtspruch von 0 Versailles begonnen hatte und ursprünglich ganz allgemein der 11 bampf um die wirtschaftliche Existenz und Zukunft des deutschen ö Kolkes war. f 1 Jetzt ist die zweite Zone der Besetzung erreicht. Gelsenkirchen, gochum, Dortmund sind in französischem Besitz und damit nicht tur der überwiegende Teil der Ruhrkohlen förderung, sondern . tuch bereits ein wesentlicher Teil der verarbeitenden Industrie, de Mittelpunkte der Energieversorgung und des Verkehrs nach m unbesetzten Osten unter fremder Gewalt. Machtvoll pro⸗ üstierte die Arbeiterschaft durch einen halöstündigen Streik gegen dees widerrechtliche Vorgehen eines Teiles der Entente. Hatte ksher der Devisenmarkt immer noch verhältnismäßig wenig auf teesen gewaltigen Eingriff in die deutsche Wirtschaft reagiert— zias sind Kursminderungen der Mark um 4 bis 7s ihres bis⸗ rigen Wertes innerhalb mehrerer Wochen, wenn wir früher ämliche Schwankungen von einem Tag auf den anderen erlebt heben?— so artete die Bewegung mit dem Beginn dieser Woche eine Panik aus. Der Dollar, am Samstag, den 13. noch auf 350, sprang am Montag auf 11875 und dann mit einem lhnen Satz auf 16 700. Damit ist der Wert der Mark qnuf ein Mertausendstel ihres Vorkriegsstandes, auf 0,025 Goldpfennigen r gelangt. Diese katastrophale Minderung des Auslandsgeld⸗ ertes überträgt sich ebenso panikartig auf den Warenmarkt. 1 Auslandsrohstoffe, wie Baumwolle und Metalle, verzeichnen 1 ssuunghafte Preissteigerungen von Tag zu Tag, mit ihnen auch * Auslandslebensmittel, und dicht hinter ihnen folgen die in⸗ 1 ndischen Getreidepreise des freien Marktes. Wieder setzt eine 1 beriode der Vorratskäufe ein. Das Angebot an Waren geht zu⸗ 1 ik, Wertpapiere, die Besitztitel auf Sachwerte vorstellen, also tsbesondere Altien, erhöhen gewaltig ihre Kurse. Die Flucht 5 der Mark hat in dem schärfsten Tempo eingesetzt und die zärkung auf das Volksganze wäre eine entsetzliche Panik, wenn 05 deutsche Volk aus früheren Perioden des Marksturzes her. en Taumel nicht schon einigermaßen gewohnt wäre. Es ist b lerdies bezeichnend, daß das Interesse der deutschen Speku⸗ — 19 sation sich vorwiegend solchen Unternehmungen zuwendet, deren schäftliche Entwicklung durch die Besetzung der Ruhr gefördert 0 bvrd. Der gewaltige Ausfall an Steinkohle, der durch Pro⸗ action oder Verkehrsstörungen oder durch eigenmächtige Ver⸗ L 0 gung der Franzosen über die deutsche Kohle ohne Rücksicht auf 05 Versorgungsprogramm des übrigen Deutschlands zu er⸗ barten ist, stärkt natürlich die Gewinnaussichten der Uebersee⸗ Aüffahrt, da wir in verstärktem Maß englische Kohle werden ein⸗ ren müssen. Die Folgen davon sind erhebliche Kurssteiger⸗ nen für Schiffahrtsaktien. 1 Dieser Tanz um das goldene Kalb ist der Ausdruck der na⸗ analen Trauer um die Besetzung des Ruhrgebietes, wie die rse sie auffaßt. Untätig stehen die, die zur Führung der rtschaft berufen sind, neben diesen Vorgängen. Dabei sollte die utwicklung des Devisenmarktes gezeigt haben, daß die Lage für a5 gesamte Volt entsetzlich ernst ist. Wieder vollzieht sich die . gewaltige Vermögensumschichtung, die die Aermsten der Armen, ehe ihre Bezüge auch nicht annähernd der Geldentwertung an⸗ den können, um den letzten Besitz, die Arbeiterschaft um den esßten Teil ihres Reallohnes bringen. Alles aber, was durch itz von fremden Werten oder von Aktien, Waren und wertbe⸗ fabigen Papieren den Anschluß an die Valuta gesunden hat, nießt Krokodtlstränen über das Ungllick des deutschen Volkes
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Poincarés Freibeutertum.— Der passipe Widerstand.
Freiheitsberaubung, Kassen⸗ und Straßenraub.
Freiheitsberaubung, Kassenraub und Straßenraub sind in den letzten 24 Stunden die Kennzeichen der„friedlichen“ Aktion Poincarés. Die Leiter der staatlichen Zechen bei Buer und Gelsenkirchen hat man unter ungeheurem mili⸗ tärischen Aufwand verhaftet und wie gemeine Verbrecher in ein Gefängnis nach Düsseldorf abgeführt.
Der Erfolg dieser„wirtschaftlichen“ Maßnahme war die Arbeitsverweigerung der Bergleute. Wo die Zechendirektoren der Freiheit beraubt oder auch nur Militär auf die Gruben- plätze gelegt wurde, um„wirtschaftliche“ Maßnahmen“ durch⸗ zuführen, standen bald alle Räder still!
Zu der Freiheitsberaubung kommt der Kassenraub, mit dem sich die Beauftragten Poincarés im Laufe des Freitag besonders beschäftigt haben. In Düsseldorf wurden ohne vorherige Anweisung die Bestände der Reichsbank beschlag⸗ nahmt. Erst fünf Stunden später wurde dem Direktorium formell Mitteilung von diesem Raub gemacht und bekannt⸗ gegeben, daß die Verfügungsgewalt über die Gelder jetzt die Franzosen und Belgier haben. Ebenso wurde in Mainz, Wiesbaden, Worms, Bingen und Bonn verfahren. Selbst vor dem Raub von Vermögen der Privatbanken ist man nicht zurückgeschreckt. In Düsseldorf ist ein Automobil der Deut⸗ schen Bank, in dem sich 150 Millionen Mark befanden, von der Besatzung angehalten, das Geld gestohlen und der Wagen beschlagnahmt worden.
Die staatlichen Forsten in Cleve hat man der deutschen Verwaltung entzogen und unter die Oberhoheit der Fran⸗ zosen und Belgier gestellt. Dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf ist entsprechende Mitteilung gemacht worden.
Die hessischen Staatswaldungen beschlagnahmt.
Die Franzosen haben im besetzten hessischen Gebiete die Staatswaldungen und die staatlichen Weinbaudomänen und Wein⸗ kellereien beschlagnahmt und dadurch die Haupteinnahmequellen des hessischen Staates gesperrt. Der Stadt Bingen ist ihr Stadtwald beschlagnahmt worden, die Lage der Stadt ist katastrophal.
Die Kaperpiraten auf dem Rhein.
Ueber die französischen Eingriffe in die Kohlenver⸗ sendung auf dem Rhein und Rhein-Herne-Kanal erfährt die Frkft. Ztg., daß die in Ruhrort beschlagnahmten Kohlen- ladungen insgesamt etwa 15000 Tonnen ausmachten, die für Rechnung des Kohlenkontors der Rheinischen Kohlen— handels- und Reederei G. m. b. H. verfrachtet waren. Auf dem Rhein⸗Herne⸗Kanal wurden 14 ostwärts fahrende Kähne beschlagnahmt. Die nach dem Rhein sahrenden Kähne lassen die Franzosen durch, um sie dann in Ruhrort anzuhalten. Unter dem Eindruck dieser französischen Eingriffe sind die Zuführen von Kohlen und Koks nach den Ruhrorter Häfen bereits um die Hälfte zurückgegangen. Bei einer Fortsetzung der Requisition von Kohlenladungen werden die Ver— ladungen in Ruhrort bald ganz zum Stillstand kommen. Dem Hauptkohlenverfrachter, nämlich dem Kohlenkontor, sind zwar von der französischen Mission in Ruhrort Andeutungen gemacht worden, wonach die Bezahlung der beschlagnahmten Kohlenladungen, die für Rechnung des Kohlenkontors laufen, durch eine besondere Kommission geregelt werden soll. Auf derartige Ankündigungen hin können jedoch die Kohlenverlader nicht das Risiko auf sich nehmen, daß Kohlen, die von ihnen schon bezahlt sind, beschlagnahmt werden. Auf
die Rheinschiffahrt selbst suchen die Franzosen durch die Ver⸗
daß alle Kohlenkähne nur in den rechtrheinische Häfen
ordnung einzuwirken, linksrheinischen Häfen gelöscht und nicht angelaufen werden dürfen.
Auch bei Frankenthal unterhalb Mannheim halten die Sie nehmen den Schiffern
Franzosen alle Kohlenschiffe an. die Papiere ab und zwingen die Leute, die Schiffe zum be⸗ setzten linken Ufer zu bringen. zwei der Karlsruher Firma Raab⸗Karcher gehörige Kohlen⸗ kähne beschlagnahmt, auf bayerischer Seite bei Ludwigs⸗ hafen ebenfalls einige Kähne, darunter einer mit englischer Kohle. Eine Mannheimer Firma meldet, daß bei Nierstein einer ihrer Getreidekähne festgehalten worden sei.
Die gefährdeten Lohnzahlungen.
Die französische Besatzungsbehörde ist in Düsseldorf, wie wir auch in anderem Zusammenhange berichten, dazu übergegangen, die Bargelbvorräte der Reichsbank und verschiedener anderer großer Banken zu beschlagnahmen und ihre Gebäude militärisch zu besetzen. Die Kassen sämflicher Banken sind geschlossen, es er⸗ folgen keinerlei Auszahlungen. Der Effekt dieser Maßnahmen wird katastrophale Folgen haben, da die großen Werke durch die Beschlagnahme der Gelder nicht in die Lage kommen. ihre Ar⸗ beiter zu entlöhnen. Das geschäftliche Leben ist vollständig ins Stocken geraten, weil Barmittel überhaupt nicht aufzutreiben sind und die Prodnzentenquellen die Entgegennahme von Schecks anderen Zahlungsmitteln verweigern.
Neue Gewalttaten.
Die Interalliierte Kontrollkommission hat dem Düssel⸗ dorfer Regierungspräsidenten Genossen Grützer den Befehl gegeben, den Oberbürgermeistern und Landräten der Städte und Landkreise Dinslaken, Duisburg, Hamborn, Mülheim, Mettmann, Solingen, Barmen, Elberfeld und Remscheid u. a. aufzugeben, von jedem Werk, das in ihrem Gebiet liegt und am 1. Januar 1923 mehr als 100 Arbeiter beschäftigt hat, genaue Angaben, auch Name und Privatwohnung der Leiter zu machen. Der Regierungspräsident hat geant⸗ wortet, er habe diese Anweisung lediglich unter dem Zwang des französischen Befehls weitergegeben, aber nur an die Oberbürgermeister und Landräte der besetzten Städte und Kreise, nicht aber an die Oberbürgermeister und Landräte von Barmen, Elberfeld, Solingen und Remscheid, da er eine Verfügung für diese außerhalb des besetzten Gebietes liegen den Bezirke nicht anerkennen könne. Der Landrat des Land⸗ kreises Essen Dr. Schöne hat dem Regierungspräsidenten bereits mitgeteilt, daß er nicht in der Lage sei, diesem Befehl nachzukommen.
Der Protest des Düsseldorfer Regierungs⸗ präsidenten.
Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat an den Ober⸗ delegierten, General Degoutte, folgendes Schreiben gerichtet: So⸗ eben wird mir mitgeteilt, daß die Besatzungsbehörde die Be⸗ schlagnahe der Kassenbestände der hiesigen Reichsbank vornimmt. Diese Maßnahme wird zur Folge haben, daß die in den nächsten Tagen fälligen Lohn- und Gehaltszahlungen an die überwiegende Zahl der Beamten, Arbeiter und Angestellten Düsseldorfs und Umgegend vollständig in Stocken geraten. Ich muß daher nicht nur in meiner amtlichen Eigenschaft, sondern auch im Namen der Menschlichkeit die schärfste Verwahrung gegen die getroffene Maß⸗ nahme erheben. Diese Verwahrung begründe ich auch damit, daß sie einen Eingriff in das Privateigentum bedeutet, da die Reichs⸗ bank nach deuschem Recht ein Privatunternehmen ist.
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und erfreut sich seines wachsenden Kapitals. Daß es eine Ge⸗ meinschaft zwischen diesen Kreisen mit der Arbeiterschaft, ja selbst mit dem wirklich sozial denkenden Bürgertum nicht geben kann, liegt auf der Hand.
Inwelchem Maße sich die Dollarbewegungen der letzten Zeit bereits auf dem Getreidemarkt ausgewirkt haben, geht aus fol- gender Gegenüberstellung von Notierung der Berliner Börse um Monatsmitte hervor:
Dollar Weizen Roggen Hafer Sommergerste Monatsdurchschnitt je 50 Kg. Oktober 3181 6958 6332 6875 6610
Novbr. 7183 12947 11492 12841 12123 15. Dezbr. 7425 15250 15 12900 12500 13. Januar 10250 19650 10 1522²⁵ 16000 16. Januar 16650 27250 24200 20500 21000
die Getrelde— anpassen. Das der Ge- außerordentlich durch Gründung
Die Tabelle zeigt, wie außerordentlich schnell preise des freien Verkehrs sich dem Dollarstand flotte Tempo der Bewegung ist umso erstaunlicher, als treidegroßhandel bekanntlich unter der Kreditnot leidet und sich daher schon zu Hilfsaktionen eines Finanzierungsinstitutes genötigt sah. Dagegen ist auch be— kannt, daß sich die Verkäufer von Getreide, also die Landwirte selbst bei der Abgabe von freiem Getreide nach den jeweils be— kannten Notierungen der Börse richten und daß der Getreide— handel keineswegs sehr darniederliegt, wie es nach den Klagen der Agrarier über die schlechte Ernte und über die angeblich er— drückende Umlage der Fall sein müßte. Die Landwirtschaft ge— langt also viel früher in die Vorteile, die die Geldentwertung ihr
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.———. bietet, als alle anderen Volkskreise mit Ausnahme der Industrie und des Handels, da ja die Lohnempfsänger überhaupt erst ent⸗ sprechend der nachgewiesenen Teuerung ihre Lohnforderungen stellen. Es entbehrt also der Begründung, wenn die Landwrerrschaft schon wieder Forderungen nach Erhöhung des Preises für Umlage⸗ getreide erhebt. Dagegen droht eine Verteuerung des Brotes bereits ohnhin, durch die Heraussetzung der Abgabepreise der Reichsgetveidestelle, die jetzt auf 197000 Mark für die Tonne Roggen festgesetzt wird. So macht sich die Teuerung verschärft bemerkbar und ein Ende ist noch nicht abzusehen, zumal auch nach der Erhöhung noch die Reichsgetreidestelle den Doppelzentner Roggenmehl, der im frelen Verkehr am Dienstag bereits rund 62 000 Mark kostete, für 27000 Mark abgibt. Bekanntlich ist auch der Preis des freien Getreides, der sich mit dem Weltmarktpreis verändert, von starkem Einfluß auf den Brotpreis, da das Umlage⸗ brot etwa zur Hälfe aus inländischem und zur Hälfte aus aus⸗ ländischem Mehl gebacken wird. 0
Die bevorstehende Brotpreiserhöhung ist aber erst ein kleiner Anfang der Auswirkungen, die wir als Folge der Ruhrbesetzung und des katastrophalen neuen Marksturzes zu erwarten haben. Umsomehr ist es zu fordern, daß die Reichsregierung alle Energie aufrafft, um zu verhindern, daß die Kosten der Besatzung des Ruhrgebietes und die von Frankreich zwangsweise beigetriebenen Reparationen nicht wie bisher auf die wirtschaftlich am wenigsten tragfähigsten Schultern, die Rentner, Arbeiter und Festbesoldeten abgewälzt werden.
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