Ausgabe 
20.6.1923
 
Einzelbild herunterladen

7

e Volfezeitung

l 0

i

den dation: Giesen de 5 a i 242 5

3 be Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Ga 2 der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. dne

BeilagenDas Blatt der Frau? 5 u und,. monaftict 5500 Mt einschl. Brmgertond.

wirtschaftliche Beilage beträgt 0 1 einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220 Mt

Durch die Post bezog. 5500. Mk.

Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. f 1 0 von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.

Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(38 mm breit) oder deren Raum sokal 90. 90 i 450. Mk, Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗

Mk, auswärts 120. Mk., die Reklamemillim eile

der Rabatt gewährt Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends.

Nr. 138

1

Gießen, Mittwoch, den 20. Juni 1923

18. Jahrgang

Die Jugend und die Republik e Publik.

5 5 0d geschriehen:

Es ist eine begrüßenswerte Erscheinung, daß sich di kademische Jugend an den Unibersitäten 10 c beginnt und daß hervorragende Führer der Sozialdemokra⸗

2 22 111

an ichen Partei zu ihr sprechen. Die politische Erzi

E 8 2. Erziehung d beten Jacgend is bisher don den feeiherllchen dener. Ane, ischen Parteien im allgemeinen vernachlässigt worden. Der e äktändige deutschnationale Gheschichtslehrer der Schule

. 2

virkte bis in die späten Semester des Universitätsstudi E 8 45 iums Hestimmend auf die politische Ideebildung del akademischen Jugend ein. Seine einseitige chauvinistisch⸗monarchistische lichtung, die im wesentlichen durch hohenzollernsche Leib⸗ kistoriker gesteuert wurde, erhielt eine bedrohliche Ver⸗ tärkung durch die ungezügelte deutschvölkische Propagand 5 8 5 paganda, die syostematisch die Geschichte des deutschen Zusammen⸗ N ruchs und der ersten Jahre der Republik fälschte. Die aka⸗ Lemische Jugend fiel zumeist der Musik deutschnationaler attenfanger zum Opfer, sie lief dem Fähnlein der geheim⸗ bündleriscken Hakenkreuzler nach und organisierte sich förm⸗ ich zuSturmtrupps der Gegenrevolution. N . Die Gefahr einer gewaltsamen Erschütterung der staat⸗ f ichen Fundamente der Republik durch die planmäßig irre⸗ N veführte studierte Jugend stimmte die leitenden Köpfe der g epublikanischen Staaten sehr nachdenklich und trieb sie da 0 end dort zu durchgreifenden Maßnahmen gegen die offene N end versteckte Umsturzhetze jungdeutscher Orden an. Aber f olizeiliche Verbote haben selbstverständlich eine natürliche Ifrenze. Polizeiaugen reichen nicht in die vielverschlunge⸗ den Beziehungen hinein, die deutsche Studenten zur Pflege Hrer Interessen anknüpfen. Der geheimbündlerische Put⸗ chismus an den deutschen Universitäten kann wirksam nur urch ein verständiges Eingehen auf die drängenden mate⸗ siellen Wünsche der proletarisierten Studenten und durch ine gründliche revublikanische Erziehung des jungen Deulschlands bekämpft werden. Aber mit dieser Erziehung guß auf der Schule schon eingesetzt werden. Von diesem gedanken geleitet, gibt das Thüringische Ministerium für ZolksbildungBlätter zur staatsbürgerlichen Aufklärung u. Zildung heraus, die den Namen Republik und Jugend ragen. Das erste Flugblatt der Zeitschrift erschien am 1. August 1922, wenige Wochen nach der schändlichen und innlosen Ermordung Dr. Rathenaus. Die Flugblätter wur⸗ en an die Lehrer und älteren Schüler der höheren Schulen Thüringens umsonst abgegeben.. ö Vor uns liegen zwölf Nummern der Republik und zugend. Die Nr. 1 klärt die Jugend über den Friedens- ertrag bon Versailles auf. Sie hien 1 5 1 2 deutsche Volk ist, nach einem mit unerhörten Opfern, un⸗ 2 e er durchgeführten vierjährigen kriege einem Kriege freilich, der von Anfang an aussichtslos 255 von ungeheurer Uebermacht der Feinde, die es von allen Seiten eingeschlossen hatten, besiegt worden. Es hat, zusammen⸗ sebrochen und wehrlos einen Friedensvertrag annehmen müssen, er eine Verletzung des ihm gegebenen Wortes bedeutete und der s jetzt weitgehend seiner mach e 7 Un 1 5 ichtig war, jenen 11 8 n. darlcher streiten. ob es e Partei waren in dieser Man hat ihn unterzeichnet, weil im eines Einmarsches des Feindes in das Innere Deutschlands lie Einheit der Nation gefährdet schien. Aber an unserem Los bürde der Verweigerung der Unterschrift nichts e ir waren in der Gewalt des Feindes. Und wir sind es weitgeßen ch jetzt noch. Jedenfalls so weit, daß jeder Gedanke an einen Lachekrieg für absehbare Zeit reines Wahnsiun wo Kriege aus Mangel an können, in einer Zeit. wo riege diese überragende Be ind gegen den mit allem l , uns scharf bewachenden Feind jeder alle Wan enge 7 1 ngen bie Sitnatton von 1807-1813 zum Beweise 5 luascheiften der Sammlung eee d wollen die Schüler unserer höheren e 05 ner klaren Erfassung der Wirklichkeiten des Aire Der starke Mensch wagt es, e e e wie sie ist, der Schwächling lebt in einen seinen e f 5 en phantastischen Ersatz und Wünschen bequemere seendige une dl Diese Schriften regen in le age tune es Beli m positiven Mitwirken an der 1 uf einen sinn⸗ ztaatslebens und zu, einem deli iilegten an. utzlosen Kampf um frühere e chen Mini- Flugschriftensammlei in eine freie Diskusston mit für Volksbildung will in eine ee 5 0. Probleme der Zeit treten. D end über die großen 1 ihre Erwide⸗ 90 je Schüler auf, ihre m fordert direkt die S

eichnen, Männer einer und al damals nicht einig.

Kriegsbedarf N 91(der in diesem Augenblick Seite sehen würde) einfach nur Phantasten und 9 es

Die Antwort auf den Fragebogen

Die englische Presse warnt jetzt ihre Leser vor der Er⸗ wartung baldiger Ergebnisse der Verhandlungen über die Beilegung des Ruhrkonflikts. Auch in Frankreich findet man eine derartige Auffassung immer stärker. Die belgische Regierungskrise bildet nicht mehr den alleinigen Hinde⸗ rungsgrund für ein Fortschreiten des Meinungsaustausches. die maßgebenden Versönlichkeiten der belgischen Parteien sind der Auffassung, daß die innere Krise nicht so bald gelöst sei, daß also schon vor ihrer endgültigen Lösung eine Antwort auf den englischen Fragebogen nach London gerichtet wer⸗ den müsse. Der zurückgetretene Ministerpräsident Theunis, der gestern vom König erneut mit der Kabinettsbildung beauftragt wurde, und sein Außenminister Jaspar, der eben⸗ falls wieder Außenminister bleiben wird, haben den fran⸗ zösischen Entwurf einer Antwort an England bereits ge⸗ prüft. Nach Mitteilungen belgischer Blätter ist dieser Ent⸗ wurf weit entgegenkommender, als die Fanfaren der Pariser Presse vermuten ließen. Die Verständigung sei daher nicht schwer und werde wohl bereits in den nächsten Tagen die Ueberreichung des Schriftstücks in London ermöglichen. Auch Theunis und Jaspar verlangen die Einstellung des passiven Widerstandes, worunter sie verstehen, daß die deut⸗ sche Regierung die Verordnungen und Erlasse zurückziehen müsse, mit denen sie die Beamten zur Niederlegung der Ar⸗ beit veranlaßt habe und daß sie die Zahlung von Streik⸗ unterstützungen einstellen müsse, durch die der Streik der Bergleute und Arbeiter an der Ruhr ermöglicht worden sei. Unter diesen Voraussetzungen sei Belgien bereit, den Zu⸗ stand zu Beginn der Ruhrbesetzung wiederherzustellen. Das bedinge, daß Deutschland die Kontrolle des Wirtschafts⸗ lebens durch die interalliierte Kommission und das Regime derunsichtbaren Besetzung anerkenne.

Die Sehnsucht nach Kohlen?

Oder ein englischer Versuchsballon?

Wie ein Pariser Berichterstatter der Londoner Times meldet, bestehe auf französischer Seite Geneigtheit, sich in einem freundschaftlichen Geist mit Deutschland über den gleichzeitigen Abbau des passiven Widerstandes und der

scheinlich halten.

Auf der Suche nach einer Lösung. Die Warnungen der englischen Presse. Frankreich für eine direkte Verständigung? i

Unsichtbarmachung der, französischen Besetzung zu unter⸗ halten, wenn die deutsche Regierung sich dazu entschließen könnte, in irgend einer Form deutlich zu erkennen zu geben,

daß sie mit Frankreich eine derartige Unterhaltung zu führen

wünsche. Eine geeignete Formel für derartige Besprechungen würde die Wiederaufnahme der Frankreich und Belgien bilden, im Austausch gegen fran⸗ zösische Zugeständnisse, einen ungehinderten Warenverkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet zu gestatten.

Hierzu wird uns aus Berlin telephoniert:

In Frankreich ist man zu der in einer Meldung der Pariser Ausgabe der Times erwähnten direkten Ver⸗ ständigung zwischen Frankreich und Deutschland noch nicht allgemein bereit. Wie der Pariser Korrespondent der Vossi⸗ schen Zeitung meldet, ist die Frage der direkten Verständi⸗

gung in der Timesmeldung nicht von französischer

Seite aufgeworfen, sondern wohl(2) ein englischer Ver⸗ suchsballbon zur Ergründung der französischen Stimmung einem solchen Vorschlag gegenüber.

In hervorragenden Kreisen der tagsfraktionen ist man der Meinung, einer direkten Verständigung, sobald ihn unbedingt gehen müsse.

Die Meldung der Vossischen Zeitung

Frankreich aubiete,

Startplatz dieses Versuchsballons liegt. Die nach Kohlen ließe schon eine französische Quelle als wahr⸗ 0 Aber auch in England scheint man ernst⸗ lich gewillt, die Frage der Neparationen ihrer Lösung zuzu⸗ führen, so daß auch ein Aufstieg in England sehr wohl an⸗ zunehmen ist..

Deutsch⸗französische Verständigung?

Die Bedingungen für den Waffenstillstand. Der Soz. Parlamentsdienst schreibt: 8 Was an den Pariser Meldungen Wahres ist, dürften die nächsten Tage zeigen. Verständlich erscheint eine Aenderung in der bis⸗ herigen Haltung der französischen Regierung. muß man sich klar darüber sein, daß ein direkter Meinungsaustausch iber die Frage des passiven Widerstandes mit dem Partner mehr

Vorteile bringen kann, als eine Verständigung gegen Deutschland

auf dem Umwege über England. Die englische Regierung versucht

Ministerium fern, es will nicht die jungen aufstrebenden Menschen zu entschiedenen und überzeugten Demokraten machen. Es will vor allem ein vertieftes politisches Nach⸗ denken in der Jugend wecken. Die Flugschriftensammlung trägt deshalb den jungen Menschen reale Tatsachen vor. Sie berichtet z. B., wie der Kaiser selbst zu einem Wechsel des politischen Systems entschlossen war, und sie teilt den Wort⸗ laut der Bitten und Telegramme von Ludendorff, von Hindenburg, von Lersner und von Grünau mit, die alle auf eine schleunige Herausgabe des Friedensangebots an die Entente drängten. Ende September 1918 erklärte die Oberste Heeresleitung alle weiteren Opfer für nutzlos und erst am 3. November begann mit dem Matrosenaufstand die Revolution. Das Friedensangebot ist von der Obersten Heeresleitung dem Prinzen Max von Baden förmlich auf⸗ gezwungen worden..

Mit großer Sachlichkeit läßt die Flugschriftensammlung Republik und Jugend die Tatsachen über den Ausbruch des Weltkrieges sprechen. Von verhängnisvoller Bedeutung ist für diesen Ausbruch die Sitzung des österreichischen Mini⸗ steriums vom 7. Juli 1914 geworden, in der beschlossen wurde,solche weitgehende Forderungen an Serbien zu stellen,die eine Ablehnung voraussehen ließen, damit eine radikale Lösung im Wege militärischen Eingreifens ange⸗ bahnt würde. Wilhelm II. hält die Antwort Serbiens auf das provokatorische Ultimatum Oesterreichs für ausreichend. Er nennt sie eineKapitulation demütigster Art in einem Brief an den Reichskanzler vom 28. Juli 1914, unddurch sie entfällt jeder Grund zum Krieg. Trotzdem nehmen die österreichischen Operationen gegen Serbien ihren Fortgang. Europa mobilisiert, und der Weltkrieg ist da.

Von den Fluaschriften des Thüringischen Ministeriums für Volksbildung ist eine der wirksamsten die Schrift: Ueber die Monarchie. Die Monarchie wird darin als eine politische Einrichtung von geschichtlich begrenzter Dauer gekennzeich- net. Jahrhunderlang blühen in Deutschland demokratische

1 it. f nwürfe auf die behandelten Zei br 7 0 Bekehrungseifer liegt dem

Verfassungen, in denen das Volk der ausschlaggebende Faktor

in Gesetzgebung und Rechtsprechung ist. Im ausgehenden

Mittelalter erheben sich geistliche Staaten neben Städter⸗ republiken und fürstlichen Landesherrschaften. Die absolute Monarchie wird erst aus revolutionären, die Kirche und die Feudalstände niederzwingenden Gewaltakten herausgeboren. Sie wird geboren, um der konstitutionellen Monarchie Platz zu machen, Das Hohenzollernsche Preußen⸗Deutschland ist dann das Resultat einer großen Revolution von oben.

Reiche Aufklärung über das nationale und internatio⸗ nale Moment im Leben der Gegenwart schöpft der Leser aus dem FlugschriftenNational⸗International. Er be⸗ greift, daß Deutschtum und deutscher Geist keine fertigen Größen, sondern ständig im Wachstum begriffen sind. Das Deutschtum muß ihm kein fertiges Vorbild, sondern eine Aufgabe, ein Ideal sein. i

Wenn wir die Flugschriften Republik und Jugend sach⸗ lich durchprüfen, so müssen wir sagen: sie treffen wirklich den richtigen Ton, in dem zu der Jugend unserer höheren Schulen geredet werden muß. Die Schriften sind von einem warmen Gefühl durchpulst und in vornehmer Sprache ab⸗ gefaßt. Kein Schriftchen ist ein Pamphlet und nirgends lärmt die Demagogie der Straße in die historisch-politischen Ausführungen über die großen Zeitfragen hinein.

Leider werden nur wenige republikanische Regierungen Deutschlands in die Fußtapfen des Thüringischen Mini⸗ steriums für Volksbildung treten. Politische Aufklärung werden heute vor allem die republikanischen Parteien vor allem die Sozialdemokratie verbreiten müssen. Diese kann manche der Blätter zur staatsbürgerlichen Aufklärung und Bildung in die Jugend unseres Volkes werfen. Manche Aufklärungen wird sie allerdings noch volkstümlicher und entschieden politischer zu fassen haben, als es die Autoren der Flugblätter Republik und Jugend taten. Die von der monärchistischen Legendenbildung gereinigte Geschichte muß vor allem für die stagtspßürgerliche Erziehung der deutschen Jugend dienstbar gemacht werden.

Kohlenlieferungen an

bürgerlichen Reichs⸗ daß man den Weg

ist nur eine Ver⸗ mutung und es läßt sich nicht erkennen, wo der eigentliche inneren Differenzen Frankreichs und Belgiens und ihre Sehnsucht

Auch in Frankreich