Ausgabe 
20.4.1923
 
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politik weiter und Preußen⸗Deutschland gehört der Ver⸗ gangenheit an. Herr Graf Hertling hat sich nicht gescheut, die bayerische Feindesmaske gegen unsern Schutz und

Schirm, die Hohenzollerndynastie, jetzt zu lüften.Wenn das allgemeine gleiche Wahlrecht in Preußen nicht einge⸗ führt wird, ist es um die preußische Monarchie geschehen! 1 Aus bayerisch partikularistischem Hasse will man Preußens ce Tull 11 Macht zerstören, um selbst in Deutschland zu herrschen. Aae der 80 Welche Zerstörungskräfte am Werke find, zeigen die Be⸗ dae* Naben n des Wiener Hofes mit den katholischen Höfen dun 8 0 Dresden und München. Die Zensur unter Herrn Herkling c Nat verbietet jede Andeutung über diese an Hochverrat grenzen⸗ den Besprechungen. Es ist kein Geheimnis mehr, daß Bayern dae m die Mitwirkung an der Weiterführung des Krieges seiner⸗ d den beit davon abhängig gemacht hat, daß Graf Hertling Reichs. wise klanzler werde. Das protestantische Preußen soll unter die an dee Herrschaft des Zentrums und der katholischen Kirche an ber geen kommen. * Falle 0 Dann wird des näheren ausgeführt, wie die Heeres 45 bleib 1 front durch die Bayern zerrissen worden sei, erbe, und an den Widerstand des Königs Ludwig von Bayern ner Sia gegen die Uebertragung der Kaiserkrone an die Hohenzollern re old erinnert. g Das saubere Machwerk schließt mit den Sätzen:. tismusNoch ist die Gefahr abzuwenden und Preußen zu retten, 0 wenn alle echten Preußen zusammenstehen und die feind⸗ uin an zueig, lichen Kräfte innerhalb Deutschlands mit Nachdruck be⸗ er Rechtsrat kämpfen. Soll Deutschland durch partikularistischen Verrat lerischen Gen zugrunde gehen, so sol doch Preußen weiterbestehen, Alle e darteipclich Mann an Deck! Die preußische Sturmfahne gegen den eit und Ein inneren und den äußeren Feind entrollt! Daneme Für den Bund der Kaisertreuen: v. Knobelsdorf, Major. cat Für den Preußenbund: Dr. Rocke. den Bahnen. Und solchePatrioten, die anderen heuchlerischparti⸗ tiven van, kularistischen Verrat vorwerfen, aber ihre eigene Sache über en, man daa das Wohl des Ganzen stellen, entflöden sich nicht, noch heute starres Fey die Dolchstoßlüge gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft tigkeit des dy zu verbreiten! 57 1 Die Geburt unter dem Hakenkreuz. der letzten Nummer des Kunz D. * Rüchichn bade been wir dieses n 79 das wid g Die glückliche Geburt in den eines 1 2 52 abe 2 taisertren U ee an l 5 5 wurde um tuts gerichts tat Jon mit Fran Hertlin 9 8 Groß⸗Lichtevfelde.

iscen Lundin

und glei Wir stellen die Frage:It dieser Herr Amtsgerichtsrat aus 1

der ehemaligen Kadettenzuchtstätte Groß⸗Lichterfelde ein aktiver

ngsmittel preußischer Justizbeamter? Dann entbieten wir unsere herzlichsten zm itte, Pißeesche dem Nepuölitaner, der ihm in die Hanse fällt Und welcher der verbotenen Organisationen, von der Völlischen Frei⸗

heitspartet bis zu den X⸗Vereinen und ⸗Vereinchen, gehört Herr e e 1 0

9085 mmerhin: Eines ist tröstli r Staat muß sich stark fühlen, der sich auf solche Beamten stützt!

Des Landesvaters Klage gegen seine Landeskinder. Am Dienstag wurde in der öffentlichen Sitzung der

klären 1

Preußenlond) ersten Zivilkammer des Darmstädter Landgerichts die Klage ft, dann übe des ehemaligen Großherzogs gegen den hessischen Staat zenfeinde wegen Erhöhung seiner Abfindung verhandelt. Der klagende an sich 0 Landesvater war durch die Rechtsanwälte Dingeldey und

eutscher Vigel Geiß, der beklagte Staat durch Rechtsanwalt Carnier ver-

ein südd treten. Dieser bezweifelte zunächst die Rechtszuständigkeit der nun gli des Gerichts und bestritt dann die Rechtsgültigkeit der einst⸗ in den Hände weiligen Verfügung des Amtsgerichts, nach welcher der die Politik al, Staat sofort 90 Millionen Mark Vorschuß an den Herrn

Ernst Ludwig Brabant zahlen soll. Nach kurzer Verhand⸗ lung wurde bekannt gegeben, daß die Entscheidung über die einstweilige Verfügung in einer Woche und über die Klage, bei der es sich bekanntlich um eine Forderung von 8 bis 10 Milliarden handelt, in drei Wochen gefällt werden soll. Von besonderem Interesse war die Erklärung, die der Vorsitzende der Spruchkammer, Landgerichtsdirektor Dr. Ruester, vor Beginn der Verhandlung abgegeben hat. Sie lautete: 5 Anläßlich der heute zur Verhandlung stehenden Angelegenheit sind in einem hiesigen Blatte Artikel erschienen, die schwere Be⸗ leidigungen der Richter der ersten Zivilkammer des Landgerichts und des Oberlandgerichts enthalten. Wir erblicken in jenen Veröffent⸗ lichungen den Vorwurf der Rechtsbeugung und der Eidesverletzung, sowie den Tatbestand der versuchten Nötigung.. Bei der besonderen politischen Lage unseres Landes scheint unsere vorgesetzte Behörde nicht imstande zu sein, uns den gebührenden und gebotenen Schutz zu gewähren. Andererseits entspricht es nach unserer Auffassung nicht imserer Stellung und der richterlichen ürde, uns mit den Urhebern jener Verunglimpfungen persönlich auseinanderzusetzen. Unter diefen Umständen bleibt uns nichts anderes übrig, als von hier aus nachdrücklichst und feierlich Verwahrung einzulegen gegen die durch nichts gerechtfertigte Unterstellung, als ob wir je⸗ mals nicht nach Pflicht und Gewissen, nach Recht und Gesetz gehandelt hätten oder handeln würden, und daß wir uns bei unseren Enk⸗ schließungen und Entscheidungen jemals durch persönliche oder poli⸗ tische Rücksichten hätten leiten lassen oder leiten lassen würden. Wir geben zugleich unserem tiefsten Bedauern darüber Ausdruck, daß man es unternommen hat, das Ansehen der Justiz in so schwerer Weise zu gefährden, gewisse Kreise der Bevölkerung geradezu gegen uns aufzuwiegeln und unser an sich so verantwortungsvolles Amt noch schwieriger zu gestalten. 5 5 Wir werden trotz alledem unser Amt weiter verwalten in dem stolzen Bewußtsein, in strengster Pflichterfüllung kraft Gesetzes ledig⸗ lich dem Gesetze untertan zu sein, und daß kein Staat und keine form jemals einer geordneten Re Spflege, der Justiz, ent⸗ raten oder ohne sie überhaupt existieren kann. Denn für alle Zeiten 5 Völker gilt ungbweisbar die ewige Wahrheit: justitia fundamen⸗ 0 im. N Etwas weniger hochfahrender und bombastischer Ton hätte den Herren Richtern wohl angestanden. Der Absatz aber über die angebliche Ohnmacht des Staates, den Richtern den gebührenden und gebotenen Schutz zu gewähren, ist eine glatte Unverfrorenheit gegenüber der republikanischen Staatsgewalt. Glaubt man damit das Vertrauen in die Objektivität der Erklärer gegenüber dieser als Beklagte vor a ihnen als Richter stehenden Staatsgewalt heben zu können? Die Frankfurter Zeitung ist sehr zurückhaltend, wenn sie von dieser Erklärung als von einemungewöhnlichen Vorgang

Mur noch eine kurze Strecke dieser unseligen Zeistörungs⸗

Gießen und Umgebung. Maifeier und Achtstundentag!

stet zur Maifeier! Der Ruf ergeht auch in diesem Jahre wieder an die Pactei⸗ und Gewerkschaftsge⸗ nossen mit gleicher Eindringlichkeit wie früher. Nach der Revolution hielten manche von uns den eigentlichen Zweck der Demonstration am 1. Mai erfüllt, und meinten, die Mai⸗ feier sei überflüssig geworden. Sie würde ihrem Sinne nach aber auch noch längst nicht überflüssig sein, wenn der Acht⸗ stundentag inzwischen aus dem Vorstadium der Verordnung herausgekommen und dauerndes Rechtsgut geworden wäre. Denn der Verlauf der Dinge zeigt uns, daß selbst dann, wenn man die Maifeierfrage auf eine Frage der reinen Zweck⸗ mäßigkeit und Notwendigkeit beschränken wollte, die Demon⸗ stration am 1. Mai für den Achtstundentag in die⸗ sem Jahre notwendiger ist denn je zuvor. Vordem war es ein Ziel für das wir uns einsetzten. Jetzt aber will man uns den nach Jahrzehnten wühseliger Vorarbeit und unter den ungeheueren Opfern der Kriegs- und Nachkriegszeit er rungenen Achtstundentag wieder streitig machen. Dagegen müssen wir uns mit aller Macht und Kraft zur Wehr setzen! Wollen wir die Kulturetappe des Achtstunden⸗ tages behaupten oder aber uns auf lange Zeit hinaus wieder zurückwerfen lassen? Das ist die Frage, um die es sich dreht.

Die einstweilen bis Ende Oktober dieses Jahres be⸗ schränkte Geltungsdauer der Anordnung über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter vom 23. November 1918 und die Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten während der wirtschaftlichen Demobil⸗ machung vom 18. März 1919 sollen durch Arbeitszeit gesetze abgelöst werden. 0

Der Sturmlauf des Unternehmertums und seines gan⸗ zen Anhanges von Interessenten und mehr oder minder be⸗ rufenen Sachverständigen gegen den Achtstundentag kam bei der Vorberatung der Entwürfe zu diesen Gesetzen im Vor⸗ läufigen Reichswirtschaftsrat nur allzu deutlich zum Aus⸗ druck und vorläufigen Geltung. Die Gewerlschaften begeg⸗ neten den Einwänden gegenden schematischen Acht stundentag mit der Bereiterkläarung, dauernd unerläß⸗ liche Abweichungen in den Tarifverträgen zu regeln, in denen auch die Art der Regelung gelegentlich notwendiger Ausnohmen festgelegt werden kann. Allein die Unternehmer wollen das ihnen besonders in dieser Frage höchst unbequeme Mitbestimmungsrecht der Arbeiterschaft über die Ausnahmen vom Achtstundentag nicht anerkennen. Sie möchten am liebsten den Achtstundentag nur als Ausnahme gelten lassen. Ihre Einwände gegen denschematischen Achtstundentag richten sich gegen den Achtstunden⸗ tag überhaupt. Die Anwalte der Untesnehmer sprechen dies heute ganz unverblümt aus. Man fühlt sich wieder stark genug, um den Arbeitern die Lohn⸗ und Arbeitsbe⸗ dingungen wie ehedem einseitig zu diktieren und will uns in erster Linie ein für allemal durch Gesetz zwingen, länger als acht Stunden zu arbeiten. a

Die Maifeier der organisierten Arbeitnehmerschaft darf gegenwärtig zumal keine Formsache sein. Sie muß uns wie der daren erinnern, wieviele Arbeiter und Arbeiterinnen unseren Organisationen noch fern stehen, wieviele der Ge⸗ dankenwelt des Sozialismus noch verständnislos gegenüber⸗ stehen, wieviele noch immer die bürgerliche Presse halten, wie notwendig es immer noch ist, alles daranzusetzen, um zur Verfechtung des Achtstundentages als der Grundlage zur Verwirklichung unserer Kulturziele alle Kräfte der Arbeitnehmer mobil zu machen.

Der Dollar steigt wieder! Dieser Schreckensruf er, schallt seit einigen Tagen wieder und wird mit Windeseile von Mund zu Mund getragen. Natürlich benutzen verschie⸗ dene Geschäftsleute diesen Umstend sofort wieder, um ihre Warenpreiss gehörig in die Höhe zu schrauben. Das Ver⸗ braucherpublitum soll sich nicht ins Bockshorn jagen lassen uns wie er wie schon öfter über den Bedarf einkaufen und Waren aller Art einhamstern. Dadurch wird natür⸗ lich der Preistreiberei Vorschub geleistet, von Preisabbau wird dann erst recht keine Rede sein. Man gehe auf über⸗ maßige Preisforderungen nicht ein!

Wie ich Millionär wurde.

Schon lange vor dem Kriege war der Wunsch in mir vege, Millionär zu werden. Ich kaufte mir das BuchWie wird man Millionär? Ich las die Lebensbeschreibungen bekannter und be⸗ rühhmter amerikanischer Milliardäre. Aber die dort bezeichneten Wege waren nicht mehr gangbar. Es fehlte mir an den nötigen Betriebsmitteln und auch an dem durchaus notwendigen elastischen Gewissen.

Ich beschloß, durch Sparsamkeit die geachtete Stellung eines Millionärs zu erringen: Wenn ich in der Woche zehn Schnäpse a 5 Pf. und fünf Glas Bier a 12 Pf. weniger trank, konnte ich mindestens 1 Mk. zu dem bewußten Zweck zurücklegen. Ich hätte dann erspart: in einem Jahre 50 Mk., in 10 Jahren 500 Mk., in. 100 Jahren 5000 Mk, in 1000 Jahren 50 000 Mk., in 10000 Jahren 500 000 Mk. und in 20 000 Jahren eine Million Mark. In 20 000 Jahren hätte ich mein Ziel erreichen können Das kam mir doch ein bißchen lang vor, das hätde man vielleicht nicht erleben können. 2 75 die Woche. Mein Ziel konnte ich nun in 10 000 Jahren er⸗ reichen.

Ich sparte und legte eins zum andern. Zuweilen wurde mein Spartrieb unterbrochen. Es sehlte ein Hut, ein Hemd oder sonst ein Ding. Aber unverdrossen steuerte ich meinem Ziele ent⸗ gegen. Und so kam es, daß ich im letzten Kriegsjahr 21 goldene Zwanzigmarkstücke beisammen hatte.

Die Zeiten wurden ernster, und das Vaterland geriet in immer größere Bedrängnis.Alles Gold gehört dem Vaterlande, schrieben die Zeitungen. Da ich von jeher ein großer Idealist war, brachte ich meine 21 Goldstücke auf die Ablieferungsstelle und erhielt dafür ebenso viele Zwanzigmarkscheine. Im Laufe der Jahre verloren diese Scheine fast ganz ihren Wert und ich war mienem Ziele ferner denn jemals.

Da bekam ich neulich den Besuch des Agenten einer Feuer⸗ versicherungsgesellschaft. Er redete, ich müsse mich zeitgemäß gegen Feuerschaden versichern. Dann schätzte er meinen Hausrat und was drum und dran hängt ab. Ich staunte. Selbst meine ge⸗ flickte Hose war noch viele Tausende von Mark wert, weil es mal guter Stoff gewesen sei. Nach weiterem Abschätzen wuchs mein Erstarmnen immer mehr und fast ehrfurchsvoll betrachtete

spricht.

meinen Plunder. dach beendeter Arbeit teilte mir der Agent mit,

Ich entsagte daher auch dem Rauchen und ersparte so insgesamt

ich.

daß meine Möbel, Betten, Kleider uss, einen Werk von 4 ble 5 Millionen Mark haben, und ich müsse die Sachen in dieser Höhe versichren.Sie sind erstaunt, Sie können es wohl noch nicht fassen, daß Sie jetzt Millionär sind?, fragte der Agent. Ich konnte es tatsächlich nicht fassen: allmählich wurde mir der Gedanke vertrauter.

So war ich denn nun mit einem Male Millionär. Ich hatte mein Ziel erreicht, ohne es zu ahnen. Und konnte mir doch keinen Schweinebraten leisten. Nun

begriff ich erst die Wahrheit des Satzes, den vor reichlich 40 Jahren in der Schule ein Lehrer zu uns Kindern sprach:Auch Millionäre können nicht ihres Lebens froh werden. 3

Nicht in den elektrischen Anlagen herumpfuschen! Die Dixek⸗ tion der städtischen Elektrizitätswerke warnt davor, im Stadt⸗ wie im Ueberlandgebiet Neuanlagen, Erweiterungen und Instandsetzungen an Haus installationen durch Unberechtigte vornehmen zu lassen. Wo derartige Eingriffe festgestellt werden, wird die Stromversorgung entzogen. Näheres siehe im heutigen Inseratenteil.

Post⸗ und Telegrammverkehr mit Mainz. Die Franzosen haben jeden unmittelbaren Post⸗ unnd Telegrammverkehr mit Mainz unter⸗ bunden und die Einrichtung von Notbetrieben bei Nachbarpostanstalten von Mainz im besetzten Gebiet verboten. Gewöhnliche und einge⸗ schriebene Briefsendungen sowie Telegramme für Mainz andere Sendungen sind nicht zugelassen werden daher auf das Postamt in Darmstadt geleitet und dort zur Abholung durch die Empfänger bereitgehalten. Nicht abgeholte Telegramme werden unbestellbar ge⸗ meldet. Die in 10 Tagen nicht abgeholten Briefsendungen werden an die Absender zurückgesandt; Gebühren werden nicht erstattet. Von dieser Einrichtung können nur solche Einwohner von Mainz Gebrauch machen, die die Sendungen in Darmstadt selbst abholen können. Eine gemeinschaftliche Abholung durch eine Person verbietet fich, weil die Franzosen den Verkehr nach Mainz scharf überwachen und Fahrzeuge uw. daraufhin durchsuchen, ob Briefe usw. für fremde Firmen ꝛc. mitgebracht werden. 0

Viehmärkte finden statt am Montag, 30. April, in Hungen und am Donnerstag, 3. Mai in Grünberg. Es dürfen nur Tiere aus den Zuchtständen der Kreise Gießen, Alsfeld, Friedberg und Schotten aufgetrieben werden. Ursprungszeugnisse und für Tiere von Händlern Gesundheitszeugnisse müssen vorgelegt werden.

Alten⸗Buseck. Auf der Unterbezirkskonferenz wurde beschlossen, die diesjährige Bezirksmaifeier in Altenbuseck abzuhalten. Wir richten daher an alle politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen das Ersuchen, diese Maifeier zu einer gewaltigen Demonstration gegen Reaktion, Wucher, Ausbeutertum und für den Schutz der Republik gestalen zu helfen. Aus diesem Anlaß sei den Genossen die Mitgliederversammlung am nächsten Sonntag nachmittags 3 Uhr im Vereinslokal in Erinnerung gebracht.

Utphe. Die Unterbezirkskonferenz für den 5. Bezirk(Hungen) die am vergangenen Sonnkag in Trais⸗Horloff stattfand, faßte den Beschluß, die diesjährige Unterbezirksmaifeier in Utphe abzuhalten. Zur Finanzierung der Feier wurde beschlossen, für jedes Mitglied der Ortsvereine, die dem Unterbezirk angehören, 300 Mark Mai⸗ feterbeitrag zu erheben. Die Anmeldung der Mitgliederzahl und der Festbeitrag soll von den Voxrsitzenden bis zum 23. d. Mts. an den Genossen Wilh. Filsinger I., Utphe, eingeschickt werden. Die Eintrittsktrten gehen den Ortsvereinen dann zu und berechtigt die Karte zum freien Eintritt für eine weibliche Person. Der 2. Punkt: Vorstandswahl, wurde auf später zurückgestellt.

Marburg⸗ Kirchhain. Die verbotene Studententagung in Marburg.

Das Oberpräsidium der Provinz Hessen⸗Nassau verfügte, so wurde beschwerdeflihrend in einerKleinen Anfrage bemerkt, am 18. Juli vorigen Jahres auf Grund des Allgemeinen Preußischen Landrechts LI 17 und auf Grund der Verordnung des Reichspräsi⸗ denten zum Schutze der Republik das Verbot einer nach Marburg einberufenen Studententagung. Das Staatsministerium wurde ge⸗ fragt, was es gegenüber diesersachlich von durchaus unzutreffenden Voraus setzungen ausgehenden, rechtlich unhaltbaren Verfügung des Oberpräsidiums von Hessen⸗Nassau zu tun gedenke. Wie der Amt⸗ liche Preußische Pressedienst mitteilt, beantwortet der Minister des Innern im Einverständnis mit dem Minister für Wissenschaft, Kumst und Volksbildung die Anfrage folgendermaßen:

Der für Ende Jule 1922 in Marburg geplante Studententag war zur Beratung einer Sitzung von den Leitern derjenigen Kreise der Deutschen Studentenschaft einberufen, die ihrer Mehrheit nach in der Behandlung des Verhältnisses der deutsch⸗österreichischen und sudetendeutschen Studentenschaften zur deutschen Studentenschaft bis⸗ her die Anschamng bekundet hatten, daß in dieser Frage nicht nach dem Staatsangehörigkeitsprinzip entschieden, sondern den Bestrebun⸗ gen gefolgt werden sollte, die darauf ausgehen, die jüdischen Stu⸗ dierenden von den Studentenvertretungen an den deutsch⸗österreichi⸗ schen und sudetendeutschen Hochschulen aus zuschließen, und die auch hinsichtlich der Zulassung von auslandsdeutschen Studierenden zu den reichsdeutschen Einzelstudentenschaften den Grundsatz vertraten, 511 auch hier das deutscharische Prinzip zur Anwendung gelangen sollte.

Bei dieser Sachlage war zu erwarten, daß auf dem Studenten⸗ tag antisemitische Tendenzen in den Beratungen eine wesentliche Rolle spielen würden, zumol gerade die Behandlung der auslands⸗ deutschen Studentenschaften und Studierenden den Hauptgegenstand bei den Auseinandersetzungen über die Verfassung der deutschen Studentenschaft von jeher gebildet hat. In dieser Zeit wenige Wochen nach der insbesondere auf antisemitische Treibereien zurück⸗ zuführenden Ermordung des Ministers Rathenau bedeutete eine Studententagung mit einem derartigen Verhandlungsgegenstand eine schwere Gefahr der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, zumal wenn die Tagung in Marburg stattfinden sollte, wo sich erst wenige Tage zuvor Hutige Zusammenstöße zwischen Studenten und Ar⸗ beitern ereignet hatten. Da unter diesen Umständen ein friedlicher Verlauf der Tagung in Marburg ausgeschlossen zu sein schien, er⸗ folgte das Verbot der Tagung auf Grund des§ 10 II 17 des Allge⸗ meinen Landrechts.

Soweit des ferneren das Verbot auch auf die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze der Republik vom 26. Juni 1922 be⸗ stützt ist, ist die Begründung vom Staatsgerichtshof für nicht durch⸗ greifend erachtet worden.

Kleine Nachrichten.

Franksurt a. M., 18. April. Willi der Banklehrling. Willi Karp aus Frankfurt war Lehrling bei einer hiesigen Groß⸗ bank und wäre gar zu gern auch so modern gekleidet gewesen wie seine älteren Kollegen, die sich das leisten konnten, weil sie in De⸗ visen und anderen schönen Dingen spekulierten. Besagter Willi machte das anders. Er unterschlug auf englische Pfunde fällige Schecks in Höhe von 12 Millionen Mark. Nun kaufte er sich zu⸗ nächst eine Windjacke dann eine bunte Weste dann ein Motor⸗ rad und schließlich legte er sich eine Freundin zu mit der er, ein 17jähriger, allabendlich die netten Kabaretts und süßen Schlem⸗ merlolale besuchte obwohl er den in guter Gesellschaft üblichen Gebrauch von Messer und Gabel noch nicht genau kannte. Auch seine kleine Freundin den Fisch noch mit dem Käsemesser. Do⸗ für aber hatte sie Geld in Hülle und Fülle und die Kellner kuifsen ob solcherTischsünden verständnistunsg beide Augen Zu. End⸗ lich fiel es auf, daß Willi so ganz über seine Verhältusse hinaus lebte. Man forschte und entdeckte den Schlammassel. Die Bank ist ihre 12 Millionen los. und Willi sein Rad, seine Freundin und sitzt im Gefängnis.

Als schwere Verbrecher entlarvl wurden in Berlin ein Buch⸗ halter Wunsch und ein Fabrikarbeiter Köhler, beide aus Ossen⸗ bach. Nach Strafkaten aller Art, Einbrischen Unterschlagungen usw. waren die beiden aus Offertbach wo sie verheiratet sind, ge⸗ flohen und in der Revolltionszeit nach Berlin gekommen. Mit